Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

"Die Jahre haben mich politisch und menschlich gefordert"

Von t-online
Aktualisiert am 02.12.2021Lesedauer: 4 Min.
Kanzlerin mit Zapfenstreich verabschiedet: Bei der Zeremonie bekam Angela Merkel w├Ąssrige Augen. (Quelle: Reuters)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo

Mit einem Gro├čen Zapfenstreich wurde Bundeskanzlerin Angela Merkel nach 16 Jahren im Amt feierlich verabschiedet. Das hatte sie zu sagen. Lesen Sie hier ihre Rede im Wortlaut.

"Sehr geehrter Herr Bundespr├Ąsident,
sehr geehrte Frau Bundestagspr├Ąsidentin,
Exzellenzen,
sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Mitb├╝rgerinnen, liebe Mitb├╝rger,


So wurde Merkel beim Gro├čen Zapfenstreich verabschiedet

Angela Merkel: Die scheidende Bundeskanzlerin hat zum Beginn des Gro├čen Zapfenstreichs ihre vermutlich letzte ├Âffentliche Rede gehalten.
Soldaten marschieren mit Fackeln auf: Im Bendlerblock wurde Kanzlerin Merkel gegen Ende ihrer Regierungszeit mit einem Gro├čen Zapfenstreich verabschiedet.
+8

wenn ich heute hier vor Ihnen stehe, dann empfinde ich vor allem dieses: Dankbarkeit und Demut ÔÇô Demut vor dem Amt, das ich so lange aus├╝ben durfte; Dankbarkeit f├╝r das Vertrauen, das ich erfahren durfte. Vertrauen, dessen war ich mir immer bewusst, ist das wichtigste Kapital in der Politik. Es ist alles andere als selbstverst├Ąndlich, und daf├╝r danke ich von ganzem Herzen.

Mein Dank gilt auch Ihnen, Frau Bundesministerin, liebe Annegret, und der Bundeswehr f├╝r die Ausrichtung des Gro├čen Zapfenstreichs ÔÇô noch dazu an diesem in unserer Geschichte so bedeutsamen Ort des Bendlerblocks. Mein Dank gilt auch dem Stabsmusikkorps der Bundeswehr f├╝r die musikalische Begleitung ÔÇô alles unter den so erschwerten Bedingungen der Pandemie.

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
Putins Plan geht auf
Olaf Scholz besichtigt das ehemalige Gef├Ąngnis "Number Four", in dem w├Ąhrend der Apartheid in S├╝dafrika auch zahlreiche politische Gefangene einsitzen mussten: W├Ąhrend der Afrika-Reise des Kanzlers wird in Deutschland hitzig ├╝ber Waffenlieferungen f├╝r die Ukraine gestritten.


Besonders m├Âchte ich deshalb zu Beginn auch an die denken, die sich zeitgleich mit all ihrer Kraft der vierten Welle der Pandemie entgegenstemmen, die alles geben, um Leben zu retten und zu sch├╝tzen: die ├ärztinnen und ├ärzte, die Pflegerinnen und Pfleger in den Krankenh├Ąusern, die Impfteams, die helfenden H├Ąnde in der Bundeswehr und in den Hilfsorganisationen. Ihnen allen geb├╝hren mein und unser aller besonderer Dank und h├Âchste Anerkennung.

Heute am Tage habe ich mit den Regierungschefinnen und Regierungschefs der L├Ąnder noch in einer weiteren Pandemieberatung zusammengesessen. Jetzt, wenige Stunden sp├Ąter, darf ich mich in diesem feierlichen Rahmen nach 16 Jahren als Bundeskanzlerin von Ihnen verabschieden. Wenig zeigt so sehr wie diese Abfolge, in welch unglaublicher Zeit wir derzeit leben.

Die 16 Jahre als Bundeskanzlerin waren ereignisreiche und oft sehr herausfordernde Jahre. Sie haben mich politisch und menschlich gefordert, und zugleich haben sie mich immer auch erf├╝llt. Ganz besonders die vergangenen zwei Jahre der Pandemie haben wie in einem Brennglas gezeigt, von welch gro├čer Bedeutung das Vertrauen in Politik, Wissenschaft und den gesellschaftlichen Diskurs ist, aber auch, wie fragil das sein kann.

Unsere Demokratie lebt von der F├Ąhigkeit zur kritischen Auseinandersetzung und zur Selbstkorrektur. Sie lebt vom steten Ausgleich der Interessen und von dem Respekt voreinander. Sie lebt von Solidarit├Ąt und Vertrauen, im ├ťbrigen auch von dem Vertrauen in Fakten und davon, dass ├╝berall da, wo wissenschaftliche Erkenntnis geleugnet und Verschw├Ârungstheorien und Hetze verbreitet werden, Widerspruch laut werden muss. Unsere Demokratie lebt auch davon, dass ├╝berall da, wo Hass und Gewalt als legitimes Mittel zur Durchsetzung eigener Interessen erachtet werden, unsere Toleranz als Demokratinnen und Demokraten ihre Grenze finden muss.

Die vielf├Ąltigen Herausforderungen im Innern spiegeln sich auch im au├čenpolitischen Handeln wider, und zwar nicht erst seit der Pandemie. Denn schon die Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 und die vielen Zuflucht suchenden Menschen 2015 haben deutlich gemacht, wie sehr wir auf die Zusammenarbeit ├╝ber nationale Grenzen hinweg angewiesen sind und wie unverzichtbar internationale Institutionen und multilaterale Instrumente sind, um die gro├čen Herausforderungen unserer Zeit bew├Ąltigen zu k├Ânnen: den Klimawandel, die Digitalisierung, Flucht und Migration. Ich m├Âchte dazu ermutigen, auch zuk├╝nftig die Welt immer auch mit den Augen des anderen zu sehen, also auch die manchmal unbequemen und gegens├Ątzlichen Perspektiven des Gegen├╝bers wahrzunehmen, sich f├╝r den Ausgleich der Interessen einzusetzen.

Meine Damen und Herren, meine politische Arbeit w├Ąre ohne die vielf├Ąltige Unterst├╝tzung politischer Weggef├Ąhrten, national wie international, nicht m├Âglich gewesen. Ihnen allen gilt mein gro├čer Dank. Ich danke den Kolleginnen und Kollegen in der Bundesregierung, im Deutschen Bundestag und im Deutschen Bundesrat f├╝r unsere Zusammenarbeit. Ich danke auch f├╝r eine politische Streitkultur, um die uns viele andere Nationen beneiden. Einen ganz besonderen, herausgehobenen Dank schulde ich meinen engsten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Danke f├╝r alle Hilfe und alle Unterst├╝tzung, und das gilt auch f├╝r meine Familie.

Weitere Artikel


Nun wird es an der nachfolgenden Regierung liegen, Antworten auf die vor uns liegenden Herausforderungen zu finden und unsere Zukunft zu gestalten. Hierf├╝r w├╝nsche ich Ihnen, lieber Olaf Scholz, und der von Ihnen gef├╝hrten Bundesregierung alles, alles Gute, eine gl├╝ckliche Hand und viel Erfolg. Ich bin ├╝berzeugt, dass wir die Zukunft auch weiterhin dann gut gestalten k├Ânnen, wenn wir uns nicht mit Missmut, mit Missgunst, mit Pessimismus, sondern, wie ich vor drei Jahren in einem anderen Rahmen gesagt habe, mit Fr├Âhlichkeit im Herzen an die Arbeit machen. So jedenfalls habe ich es immer f├╝r mich gehalten, in meinem Leben in der DDR und erst recht und umso mehr unter den Bedingungen der Freiheit. Es ist diese Fr├Âhlichkeit im Herzen, die ich uns allen und im ├╝bertragenen Sinne unserem Land auch f├╝r die Zukunft w├╝nsche.
Ich danke Ihnen von Herzen."

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Von Charlotte Zink
  • Annika Leister
Von Annika Leister
Angela MerkelBundestag
Aktuelles zu den Parteien

Politik international




t-online - Nachrichten f├╝r Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Str├Âer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverl├Ąngerung FestnetzVertragsverl├Ąngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website