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Was heute Morgen wichtig ist

MEINUNGTagesanbruch  

Was heute Morgen wichtig ist

von Florian Harms

14.05.2018, 06:00 Uhr

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

hier ist der kommentierte Überblick über die Themen des Tages:

WAS WAR?

 FDP-Chef Christian Lindner (Quelle: dpa/Wolfgang Kumm)FDP-Chef Christian Lindner (Quelle: Wolfgang Kumm/dpa)

Sie werden mir sicher zustimmen, wenn ich sage: Politiker haben die Aufgabe, Probleme zu benennen und zu lösen. Sie werden mir vermutlich auch noch zustimmen, wenn ich sage: Politiker dürfen dabei auch mal salopp formulieren, sie dürfen komplexe Sachverhalte so zuspitzen, dass jeder sie schnell versteht. Vielleicht stimmen Sie mir aber auch zu, wenn ich sage: Politiker haben dabei aber eine besondere Verantwortung. Sie dürfen ihre Stellung und ihre Macht nicht missbrauchen, um einzelne oder Gruppen von Menschen herabzuwürdigen, sie zu diffamieren – oder sogar so zu schmähen, dass ihnen deswegen Unbill oder Schlimmeres droht.

Die Folgen der Flüchtlingskrise und ihre Aufarbeitung bewegen Deutschland immer noch sehr. Bei kaum einem anderen Thema kochen die Emotionen so schnell hoch. Das scheint verständlich, wenn man sich die Dimensionen klarmacht: 1,68 Millionen Flüchtlinge sind seit 2013 nach Deutschland gekommen. Mehr als die Hälfte von ihnen hat Asyl bekommen oder darf nach den Regeln der Genfer Konvention vorübergehend hier leben. Zahlreiche weitere sind noch im Asylverfahren und haben deshalb ein Aufenthaltsrecht. Das sind die Fakten.

Wer auf die vielen Probleme der Flüchtlingspolitik hinweist oder sich darüber erregt, dass überhaupt so viele Menschen in so kurzer Zeit und in einem so chaotischen Prozess nach Deutschland einreisen durften, trifft sicherlich auf viel Zustimmung. Wer die Kritik nüchtern und differenziert vorbringt, der verdient Respekt. Als Bürger wie als Politiker.

Wer allerdings den Boden der Sachlichkeit verlässt, sich auf Kosten Schwächerer profiliert, undifferenziert polemisiert und andere diffamiert, der verdient keinen Respekt, sondern Kritik. Zwei Politiker haben uns am Wochenende vorgeführt, wie das geht: Christian Lindner und Alexander Dobrindt. Mehr dazu lesen Sie hier und hier.

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WAS STEHT AN?

 (Quelle: dpa/Ilia Yefimovich) (Quelle: Ilia Yefimovich/dpa)

Die Geschichte des Staates Israel ist reich an Triumphen. Gegründet nach dem deutschen Massenmord an den Juden, ein aufstrebendes, demokratisches und wirtschaftlich erfolgreiches Land inmitten einer feindlichen Umgebung.

Die Geschichte des Staates Israel ist reich an Tragödien. Mehrere Kriege mit den arabischen Nachbarn, Terroranschläge, die systematische Unterdrückung der Palästinenser.

Wer Israel besucht, erlebt diese beiden Facetten des Landes nahezu auf Schritt und Tritt. Ich habe das Land mehrfach bereist und war ebenso fasziniert vom Stolz, der Schaffenskraft und Innovationsfreude vieler seiner Bewohner wie ich abgestoßen war von dem krassen Zweiklassensystem, das den einen alle Freiheiten einräumt, während es den anderen fast alle Freiheiten nimmt.

Heute ist für dieses außergewöhnliche Land ein besonderer Tag – und wie immer in der Geschichte Israels hat auch dieser Tag eine Licht- und eine Schattenseite. Tausende Israelis werden heute den 70. Jahrestag der Gründung ihres Staates feiern. Als Höhepunkt wird am Nachmittag die neue amerikanische Botschaft in Jerusalem eröffnet. Washington erkennt Jerusalem als Israels Hauptstadt an. Damit erfüllt US-Präsident Trump einen dringenden Wunsch der israelischen Regierung, den seine Vorgänger stets zurückwiesen – und stößt zugleich den Palästinensern vor den Kopf, die Ost-Jerusalem als Hauptstadt eines künftigen Staates beanspruchen.

Palästinensische Politiker haben deshalb heute zu Massenprotesten aufgerufen. Im Gazastreifen, dem wohl größten Gefängnis der Welt, wollen eine Million Menschen protestieren; die Hamas ruft zum Sturm auf die Grenzanlagen auf. Auch im Westjordanland soll es Demonstrationen geben, manche wollen auf die israelischen Grenzposten zumarschieren. Dass es dabei zu Gewalt und Gegenwalt kommen wird, ist ebenso absehbar wie tragisch. mehr

Wie lässt sich die seit Jahrzehnten drehende Gewaltspirale im Nahen Osten anhalten? Gibt es überhaupt noch eine Chance, den Konflikt zu befrieden oder ist das naives Wunschdenken?

Wenn es eine Antwort auf diese Frage gibt, dann muss Tom Segev sie kennen. Israels wohl berühmtester Historiker kennt die Höhen und Abgründe seines Landes wie wenige andere. Mein Kollege Marc von Lüpke hat ihn zum Interview getroffen. Segevs Antworten stimmen mich allerdings eher nachdenklich als optimistisch. mehr

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 (Quelle: dpa/ Patrick Seeger) (Quelle: Patrick Seeger/dpa) 

Das Aktenzeichen 6 KLs 1/18 160 Js 33361/17 JSch klingt harmlos. Aber es steht für das Grauen. Es stammt aus dem zweiten Prozess nach dem jahrelangen Missbrauch eines Knaben in Staufen bei Freiburg. Heute Nachmittag will der Stiefvater des Jungen aussagen. Gemeinsam mit der Mutter soll er das Kind mehreren Männern für Vergewaltigungen überlassen und dabei auch selbst mitgemacht haben. Schon im ersten Prozess äußerte er sich – ohne erkennbare Gefühlsregung. Ohne ein Wort des Mitgefühls. Ohne ein Wort des Bedauerns. Mir fehlen die Worte. mehr

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  Quim Torra (Quelle: dpa/Emilio Morenatti)Quim Torra (Quelle: Emilio Morenatti/dpa)

Im politisch erschütterten Katalonien stehen die Zeichen auf Entspannung. Stehen sie das wirklich? Heute Vormittag werden wir schlauer sein. Da stellt sich der separatistische Kandidat für das Amt des Regionalpräsidenten, Quim Torra, im Parlament der zweiten und entscheidenden Abstimmung. Im Gegensatz zur ersten Wahlrunde reicht ihm dieses Mal bereits eine einfache Mehrheit der Stimmen. Viele Beobachter hoffen, dass es klappt. Nicht unbedingt, weil sie Torra für einen konzilianten Kandidaten halten. Sondern weil die Katalanen andernfalls schon wieder wählen müssten – und die politische Unsicherheit anhielte. mehr 

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Mario Götze (Quelle: imago images/t-online.de)Mario Götze (Quelle: t-online.de/imago images) 

Wenn Sie in Bayern leben, haben Sie am Wochenende vermutlich auf die Meisterschaft angestoßen (die wievielte war es noch mal ...? Egal). Wenn Sie in Schwaben leben, haben Sie am Wochenende vermutlich auf den Meisterbesieger angestoßen. Wenn Sie im Rheinland (und nicht in Köln) leben, haben Sie am Wochenende vermutlich auf den Aufstieg angestoßen. Ebenso wenn sie in Franken leben. Wenn Sie in Hamburg leben, haben Sie am Wochenende vermutlich ... ach, lassen wir das.

Kommen wir lieber zu Schönerem: Nach der Bundesliga ist vor der Weltmeisterschaft! Einen Monat vor Beginn der WM in Russland muss Bundestrainer Löw heute der Fifa seinen vorläufigen Kader mit maximal 35 Spielern melden. Morgen dürfen dann auch wir Normalsterblichen erfahren, wer die Glücklichen sind, die später noch auf 23 Spieler reduziert werden.

Ganz wichtig ist natürlich die Frage: Ist Mario Götze dabei? Genau, DER Götze, der uns vor vier Jahren in Brasilien mit seinem Tor den Titel bescherte! "Als Joker kann Götze Gold wert sein", sagt Sportbuzzer-Fußballchef Heiko Ostendorp. Kokolores, sagt t-online.de-Sportchef Florian Wichert, "Götzes Nominierung würde das Leistungsprinzip ad absurdum führen". Ja, aber wer hat denn nun recht? Wenn Sie den "Zweikampf der Woche" heute Morgen auf unserer Seite gelesen haben, wissen Sie es (vielleicht).

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WAS LESEN?

Wir vor dem Kolosseum. Oma vor der Loreley. Selfies sind eine relativ neue Erfindung, aber eigentlich haben sie nur den Selbstauslöser abgelöst – oder die Bitte an andere Touristen, ob sie nicht freundlicherweise kurz dieses Erinnerungsbild machen könnten? Fürs Fotoalbum. Immer schon wollten wir es den anderen zeigen. Dass wir da waren. Dass wir echt rumgekommen sind. Und dass wir gut aussehen dabei. Jetzt gibt es Neues an der Ego-Fotofront: Museen, deren Ausstellungsräume nur dazu dienen, den optimalen Hintergrund für coole Instagram-Selfies abzugeben. Das "Museum of Ice Cream" hat den Anfang gemacht. Die Nachmacher sind schon unterwegs, mit dem "Egg House" und dem "Museum of Pizza". Zu sehen gibt es dort nichts – außer Hintergründen. Das Selbstbild vor der Sehenswürdigkeit hat sich damit des letzten bisschen Sinns entledigt. Aber vielleicht kreuzen die Besucher wenigstens nicht am Kolosseum auf. Würde nur stören. Auf meinem Selfie. mehr

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Die Welt wird kleiner und verliert ihre Geheimnisse. Lange vorbei sind die Zeiten, als ein ferner Ort – sagen wir, die Wüste Gobi – von Mythen umwoben und Ahnungen verzaubert war. Einmal ins Internet, und wir haben aktuelle Videos, die Position des nächsten Geldautomaten und ein Satellitenbild, das uns über die exakte Anordnung der Dünen informiert. Aber ich habe eine gute Nachricht für Sie: Es gibt sie noch, die unbekannte Erde, ohne Bild und ohne Livestream – und sie ist riesig. Sie glauben mir nicht? Dann zoomen Sie auf einer Satellitenkarte einmal auf einen beliebigen Punkt des Ozeans. Sie finden: nichts.

Computergeneriertes Blau. Die gewaltige Oberfläche hütet ihre Geheimnisse genauso wie die Tiefe. Seeleute berichteten über Monsterwellen, lange hat ihnen keiner geglaubt. Noch immer rätselt man, wie diese Riesen entstehen. Immerhin gelingt vereinzelt eine Messung – jetzt mit neuem Rekord. Die heimliche Botschaft an uns: Ihr wisst noch so wenig. Und eigentlich ist das auch mal ganz schön. (engl.)

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WAS AMÜSIERT MICH?

Punkt, Punkt, Komma, Strich, fertig ist das Mondgesicht. Darauf kann man aufbauen, dachte sich wahrscheinlich der Herr Toru. Er bediente sich bei Punkten, Kommas und Strichen allerdings ein bisschen großzügiger, und vom schlichten Mondgesicht müssen wir uns an dieser Stelle auch verabschieden. Schauen Sie ihm einfach mal über die Schulter. Statt kleiner Punkte machen Sie dann ganz schnell: große Augen.

Ich wünsche Ihnen einen Montag, an dem Sie staunen können.

Ihr Florian Harms
Chefredakteur t-online.de
E-Mail: harms.chefredaktion@t-online.de

Mit Material von dpa.

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