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"Open Arms": Lage auf Rettungsschiff eskaliert – Migranten springen ins Meer


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Menschen springen ins Meer – Spanien bietet weiteren Hafen

Von dpa, jmt

Aktualisiert am 19.08.2019Lesedauer: 3 Min.
Das Rettungsschiff "Open Arms": Die Crew darf nun einen spanischen Hafen anlaufen.
Das Rettungsschiff "Open Arms": Die Crew darf nun einen spanischen Hafen anlaufen. (Quelle: Guglielmo Mangiapane/Reuters-bilder)
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Auf dem Rettungsschiff "Open Arms" springen Menschen aus Verzweiflung ins Meer und versuchen, an Land zu schwimmen. Spanien bietet einen neuen sicheren Hafen an.

Die spanische Regierung hat dem Rettungsschiff "Open Arms" im Ringen um eine Lösung für die 107 Migranten an Bord offenbar die Balearischen Inseln als sicheren Hafen angeboten. Die spanische NGO Proactiva Open Armshatte ein Angebot vom Sonntag, den andalusischen Hafen Algeciras anzusteuern, mit der Begründung zurückgewiesen, die Lage an Bord sei zu prekär, um weitere fünf Tage auf See zu verbringen.

Verzweiflung über Lage an Bord

Aus Verzweiflung waren einige der Geretteten zuvor ins Meer gesprungen, um das in Sichtweite gelegene italienische Lampedusa schwimmend zu erreichen. Seit Tagen liegt die Open Arms vor der Insel, darf die Menschen aber nicht Land bringen. Die Balearischen Inseln liegen etwas näher an der derzeitigen Position des Schiffs als der zuvor von Spanien vorgeschlagene Hafen Algeciras. In Frage kommt neben der Insel Menorca das etwas weiter entfernt liegende Mallorca.

"Ich habe veranlasst, dass der Hafen von Algeciras für den Empfang der #OpenArms aktiviert wird", hatte der sozialistische Ministerpräsident Pedro Sánchez bereits am Sonntag getwittert – bevor die Option der Balearischen Inseln ins Spiel kam. Die Option, nach Spanien zu fahren, sei "höchst unwahrscheinlich", sagte ein Sprecher der spanischen Hilfsorganisation "Proactiva Open Arms". Die Geretteten, die sich in die Fluten stürzten, reagierten offenbar auf die Nachrichten aus Spanien.

Weinkrämpfe und Wut

Auf einem auf Twitter veröffentlichten Video war zu sehen, wie Helfer versuchten, die Menschen aufzuhalten. Sie brachten sie schließlich wieder zurück auf das Schiff. "Wir haben seit Tagen davor gewarnt, die Verzweiflung hat Grenzen", schrieb Proactiva-Gründer Oscar Camps. Das spanische Fernsehen zeigte Bilder von Menschen an Bord, die Weinkrämpfe erlitten, andere reagierten wütend.

Die Crew versuchte, die Menschen zu beruhigen. "Jetzt wollen sie, dass wir 950 Meilen fahren, weitere fünf Tage (...), zum am weitesten entfernten Hafen im Mittelmeer, mit einer untragbaren Situation an Bord?", fragte Camps. Die "Open Arms" müsste von ihrer Position aus noch einmal die gesamte nordafrikanische Küste entlang fahren, um Südspanien zu erreichen.

Salvini zeigt sich unerbitterlich

Die Regierung in Madrid kritisierte den italienischen Innenminister Matteo Salvini wegen dessen unerbittlicher Haltung scharf und sprach in einer Mitteilung von einer "unfassbaren Reaktion" des rechten Politikers. Salvini entgegnete auf Twitter: "Wer hart bleibt, gewinnt."

Obwohl ein Verwaltungsgericht in Rom dem Schiff die Einfahrt in die Territorialgewässer Italiens erlaubt hatte und es seit Donnerstag nur wenige Hundert Meter vor Lampedusa liegt, dürfen 107 Migranten weiterhin nicht von Bord. Salvini hatte am Samstag aber nach wochenlangem Tauziehen 27 unbegleiteten Jugendlichen erlaubt, das Schiff zu verlassen und an Land zu kommen. "Gegen meinen Willen", wie der Politiker mitteilte – und auch nur, weil Ministerpräsident Giuseppe Conte ihn zu dem Schritt aufgefordert habe.

"Explosion dieser Bombe rückt näher"

Unter dem Applaus der Crew und der Migranten waren die Minderjährigen von der Küstenwache abgeholt worden. Jedoch wurden die verbleibenden Passagiere anschließend offenbar wieder von Verzweiflung und Resignation übermannt. Einige Migranten hatten Augenzeugen zufolge schon seit Tagen damit gedroht, Suizid zu begehen oder über Bord zu springen.


"Elend sind all diejenigen, die 107 'namenlose' menschliche Wesen und eine Handvoll Freiwilliger als Geiseln benutzen, um auf ihre Kosten fremdenfeindliche und rassistische Propaganda zu betreiben", twitterte Proactiva. Kapitän Marc Reig hatte schon mehrmals vor einer gefährlichen Eskalation gewarnt. "Jede Sekunde, die vergeht, rückt die Explosion dieser Bombe näher. Entweder jemand schneidet jetzt das rote Kabel durch und deaktiviert sie, oder die 'Open Arms' wird explodieren."

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Verwendete Quellen
  • Nachrichtenredaktion dpa
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