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Corona-Pandemie in Deutschland: Der Anfang vom Ende

MEINUNGTagesanbruch  

Der Anfang vom Ende

10.11.2021, 11:07 Uhr
Corona-Pandemie in Deutschland: Der Anfang vom Ende. London: Auf die National Covid Memorial Wall in London sind Herzen gemalt. Für diejenigen, die die Pandemie nicht überlebt haben. (Quelle: dpa)

London: Auf die National Covid Memorial Wall in London sind Herzen gemalt. Für diejenigen, die die Pandemie nicht überlebt haben. (Quelle: dpa)

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

Morgen ist es also so weit. Der Bundestag berät über das neue Corona-Gesetz, den Anfang vom Ende der Corona-Pandemie. Am Donnerstag in acht Tagen soll es beschlossen werden. Die "epidemische Lage nationaler Tragweite" ist dann Geschichte.

Klingt irrwitzig bei Inzidenzen, die so hoch sind wie nie zuvor? Der gesunde Menschenverstand sagt uns das. Rechtsexperten sehen das differenzierter. Denn je höher die Impfquote in der Bevölkerung ist, desto unverhältnismäßiger sind Grundrechtseinschränkungen für diese Gruppe. 

Ein Maßnahmenkatalog soll es nun werden. Angewandt wird dann das, was gerade nötig ist.

Auch wenn es im Moment absurd klingt, die Pandemie für beendet zu erklären – aber es ist gut so. Nicht nur wir Journalisten haben ja oft gefordert, dass Corona-Maßnahmen im Bundestag beschlossen werden sollten – statt ohne demokratische Legitimation als Verordnung erlassen zu werden.

Der Maßnahmenkatalog soll außerdem sicherstellen, dass Corona-Maßnahmen nicht ständig neu definiert werden. Etwas Verlässlichkeit und Beständigkeit, nach all den Monaten des "auf Sicht Fahrens".

Seit dem Beginn der Pandemie haben wir viel gelernt. Und vor allem eines: wie tückisch das Virus ist. Wir haben Kontakte reduziert, Masken aufgezogen, uns geimpft. Wir haben gelüftet, Hände desinfiziert, uns schnellgetestet. Alles mit einem Ziel: das Risiko einer Erkrankung maßgeblich zu reduzieren.

Flächendeckende 2G-Regel in Sachsen: An der Tür eines Restaurants in Dresden steht angeschrieben, was seit Vorgestern überall gilt: Zutritt haben nur noch Geimpfte und Genesene. (Quelle: dpa)Flächendeckende 2G-Regel in Sachsen: An der Tür eines Restaurants in Dresden steht angeschrieben, was seit vorgestern überall gilt: Zutritt haben nur noch Geimpfte und Genesene. (Quelle: dpa)

Und doch steigen jetzt wieder die Inzidenzwerte, die Zahl der belegten Betten in den Krankenhäusern nimmt rapide zu. 

Bei mir wächst wieder ein diffuses Unwohlsein, eine Sorge um Kinder und Freunde, auch um den eigenen Gesundheitszustand. Dabei bin ich gegen Corona geimpft, nicht alt und auch nicht gesundheitlich vorbelastet.

Ist das schon Corona-Angst? Ich selbst habe erst gestern unseren neunjährigen Sohn wieder vom Judo-Kurs abgemeldet. Zu viele ungeimpfte Kinder wälzen sich da über die Turnmatten.

Unser Wissen über das Virus hat in der Pandemie zugenommen, doch wie wir uns verantwortungsvoll verhalten, müssen wir immerzu neu definieren. Das verunsichert viele Menschen dauerhaft. 

Es hilft da, mal einige Jahre in die Zukunft zu denken. Diskutieren wir dann auch noch im Wochenrhythmus neue Corona-Regeln? Wohl kaum. Schwer zu sagen, mit welchen Maßnahmen wir dann gegen das Virus vorgehen. Sicher ist, wir werden Selbstvertrauen zurückgewonnen haben.

Schon jetzt wissen wir eigentlich, wie wir mit dem Virus umgehen müssen. Wir können Corona mit umsichtigem Optimismus begegnen. Mit Impfen, Abstandhalten, Masken, Lüften, Hygieneregeln und Testmaßnahmen. Dann können wir ein weitgehend normales Leben führen, die Zuversicht kann über die Corona-Angst siegen. Dazu gehört dann auch, dass es wieder normal ist, sich mit Freunden zu treffen, im Restaurant zu sitzen und Veranstaltungen zu besuchen. Ein gewisses Risiko, sich dabei zu infizieren, wird auch für Geimpfte bleiben. Nur sterben wir dabei nicht.

In der Zukunft werden wir zurückblicken und dann hoffentlich stolz sein können auf das, was wir geleistet haben. Die große Wirtschaftskrise ist ausgeblieben. Die Gesellschaft hat im Großen und Ganzen zusammengehalten. Wir haben mit unserer Solidarität Abertausend Menschen das Leben gerettet. Und dabei Selbstvertrauen gewonnen, dass wir auch so eine Krise meistern können.

Rückblickend werden die derzeit steigenden Corona-Zahlen nur eine Momentaufnahme sein. Das Ende der epidemischen Lage hingegen hat einen Eintrag in den Geschichtsbüchern sicher.

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Gutes aus Glasgow

UN-Klimakonferenz in Glasgow: Kleine Erfolge auf dem Weg zum 1,5-Grad-Ziel. (Quelle: dpa)UN-Klimakonferenz in Glasgow: Kleine Erfolge auf dem Weg zum 1,5-Grad-Ziel. (Quelle: dpa)

Und dann zur Abwechslung mal eine gute Nachricht. In Glasgow hat die deutsche Regierung gestern verkündet, dass sie sich einer Initiative für den Ausstieg aus der Finanzierung fossiler Energien im Ausland anschließt.

Heißt konkret: Bis Ende 2022 wird Deutschland im Ausland keine Kohle-, Erdöl- und Erdgasprojekte mehr finanzieren. Check. Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth sagte bei der UN-Klimakonferenz: "Deutschland hat ein paar Tage länger gebraucht, sich der Initiative anzuschließen." Besser spät als nie.

Bereits vor einer Woche hatte sich Deutschland dazu verpflichtet, die Methan-Emissionen bis 2030 um mindestens 30 Prozent gegenüber dem Jahr 2020 zu senken. Und mit 110 anderen Staaten zusammen soll der weitere Verlust von Waldflächen gestoppt werden. Es geht also doch voran.

Es sind die vielen kleinen und großen Beschlüsse von Glasgow, die Hoffnung machen. Doch sind wir reichlich spät dran. Deshalb gilt es, so viel und so schnell wie möglich für den Klimaschutz zu tun. Die Regierungen sind gefragt, und wir selbst. An wie vielen Stellen Klimaschutz eine Rolle spielt, zeigen die unterschiedlichen Ansätze, die Kollegen in unserer Redaktion immer wieder finden: vom E-Auto über die Geldanlage, das Streamen von Filmen und Musik, die Bienenhaltung in Städten, selbst gemachtes Deodorant, umweltfreundliche Fahrrouten und die richtigen Pflanzen für den Garten. Und das sind nur einige Beispiele. 

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Der Tyrann im Osten

An der Grenze zwischen zwischen Polen und Belarus: Mehr als 3.000 Migranten versuchen die Flucht Richtung Westen. (Quelle: dpa)An der Grenze zwischen Polen und Belarus: Mehr als 3.000 Migranten versuchen die Flucht Richtung Westen. (Quelle: dpa)

Der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko hat gestern mit Russlands Präsident Wladimir Putin über die Flüchtlingskrise an der polnisch-belarussischen Grenze beraten. Allein das Verb "beraten" ist unangemessen. Lukaschenko nutzte das Gespräch nur, um anschließend seine krude Weltsicht zu Protokoll zu geben. Er warnte Polen vor "illegalen kriegerischen Handlungen" gegen Flüchtlinge. Während seine Getreuen die Flüchtlinge selbst an die Grenze fahren.

Doch die belarussische Propaganda darf uns nicht von unseren Hausaufgaben ablenken. Die Europäische Union muss schnell eine gemeinsame humanitäre Lösung für die vielen Flüchtlinge finden – erst recht, wenn Lukaschenko die Menschen als Druckmittel missbraucht. Denn die EU kann Belarus moralisch überlegen sein.

Anders ausgedrückt: Es gilt das europäische Asylrecht. Jeder Mensch darf hierzulande einen Asylantrag stellen. Zugleich dürfen wir Polen mit den Herausforderungen nicht allein lassen. Es wird Zeit, dass die EU endlich eine faire Verteilung von Flüchtlingen beschließt. Sonst dürfen wir uns über Ressentiments allerorten nicht wundern. 

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Was lesen oder ansehen?

Christian Lindner auf dem Weg zu einem der vielen Koalitionsgespräche. (Quelle: Reuters)Christian Lindner auf dem Weg zu einem der vielen Koalitionsgespräche. (Quelle: Reuters)

Die FDP kämpft seit Langem gegen zu scharfe Corona-Maßnahmen. Doch jetzt steigen die Zahlen auf immer neue Höchststände – und die Ampelkoalitionäre wollen handeln. Wie viel, hängt von den Liberalen ab, schreiben meine Kollegen Johannes Bebermeier und Tim Kummert.

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Derweil wächst in Europa die Sorge vor einem Corona-Hotspot im Herzen des Kontinents. Wie das Ausland auf uns blickt, beschreibt mein Kollege Patrick Diekmann.

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Patrik Andersson, in Stockholm mit t-online-Redakteur Alexander Kohne. (Quelle: t-online)Patrik Andersson (l.) mit t-online-Redakteur Alexander Kohne in Stockholm. (Quelle: t-online)

Über ein Jahrzehnt prägte Patrik Andersson als Innenverteidiger bei Gladbach und beim FC Bayern die Bundesliga. In seiner Heimat Schweden wurde Andersson zweimal Fußballer des Jahres. Mittlerweile ist er 50 Jahre alt – und noch immer ein Experte des schwedischen Fußballs. Mein Kollege Alexander Kohne traf Andersson in Stockholm. Er erklärte, warum selbst Superstar Zlatan Ibrahimović dem Alter irgendwann Tribut zollen müsse, Norwegens Erling Haaland schon jetzt deutlich besser sei und was das alles für den BVB bedeute.

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Was mich amüsiert

Man kann die Dinge auch positiv sehen.

 (Quelle: Mario Lars) (Quelle: Mario Lars)

Ich wünsche einen entspannten Mittwoch. Morgen schreibt Florian Harms wieder an dieser Stelle. 

Ihr

Peter Schink
Stellvertretender Chefredakteur t-online.de

Twitter: @peterschink
E-Mail: t-online-newsletter@stroeer.de

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