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Putin in Windeln

  • Florian Harms
Von Florian Harms

Aktualisiert am 29.03.2022Lesedauer: 6 Min.
Kriegsfürst Putin inspiziert vor den Kameras seiner Propagandasender ein Medikament.
Kriegsfürst Putin inspiziert vor den Kameras seiner Propagandasender ein Medikament. (Quelle: imago images)
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Mehr als einen Monat dauert der Krieg in der Ukraine nun schon. Die täglichen Schreckensnachrichten ähneln sich, das Interesse vieler Menschen hierzulande flaut ab. Das erscheint bestürzend, wenn man bedenkt, dass hinter jeder Meldung Schicksale stecken, doch so war es auch schon beim Blutvergießen in Syrien: Anfangs überschlugen sich Empörung und Emotionen, jeder verfolgte auf dem Smartphone die neueste Wendung, die Anteilnahme mit den Opfern war groß. Aber je länger der Schrecken andauerte, je mehr Bilder von verwüsteten Städten, von Toten, Verletzten und Flüchtlingen zu sehen waren, desto mehr Beobachter wandten sich ab. Wer den Krieg selbst erlebt, für den zählt nichts anderes mehr. Wer den Krieg auf Bildschirmen verfolgt, der stumpft ab – sei es, weil irgendwann der Neuigkeitswert fehlt oder weil sich das permanente Grauen einfach nicht mehr ertragen lässt. Das ist zynisch, doch es ist auch menschlich.

Ruinen im südukrainischen Mariupol.
Ruinen im südukrainischen Mariupol. (Quelle: imago-images-bilder)

Umso größer ist die Leistung jener Menschen zu bewerten, die sich Tag für Tag mit der Tragödie in der Ukraine befassen. Nothelfer, die sich um Flüchtlinge kümmern. Politiker und Diplomaten, die sich um einen Waffenstillstand bemühen. Reporter, die aus dem Kriegsgebiet berichten. Und ja, natürlich auch der Beitrag jener, die den bedrängten Ukrainern helfen, sich gegen die Russen zu verteidigen.

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In den vergangenen Tagen sind bemerkenswerte Meldungen zum militärischen Geschehen veröffentlicht worden. Sie sind mit Vorsicht zu behandeln, weil sich in Kriegszeiten nur schwer zwischen Wahrheit und Lüge unterscheiden lässt. Trotzdem fügen sich die Nachrichten zu einem Lagebild zusammen, das bei aller gebotenen Vorsicht Erkenntnisse zulässt: Die russische Armeeführung hat den Widerstand der Ukrainer massiv unterschätzt und sowohl strategisch als auch taktisch große Fehler begangen. Statt Kiew wie geplant im Blitzkrieg zu erobern, Präsident Selenskyj gefangen zu nehmen oder zu ermorden und eine moskauhörige Marionettenregierung einzusetzen, finden sich die russischen Generäle nun in einem verlustreichen Abnutzungskrieg wieder und verlieren täglich Soldaten und Militärgerät.

Daher gehen Putins Schergen immer brutaler vor. Sie "bestrafen" die ukrainische Zivilbevölkerung, indem sie ganze Städte einäschern; aus Grosny und Aleppo wissen sie ja, wie das geht. Schwadronierten sie zu Beginn von einer "Militäraktion" gegen angebliche "ukrainische Nazis", faseln sie nun von einem "Verteidigungseinsatz" gegen den "bösen Westen". Im Lügen war der Kreml immer schon Weltklasse. Teil der Propaganda ist die jüngste Behauptung, die russische Armee solle nurmehr den Donbass "befreien". So spielt Putin auf Zeit, bis er neues Kanonenfutter aus Georgien, Syrien und den Rekruten-Jahrgängen herangekarrt hat, um die Angriffe auf Kiew und die Westukraine wieder aufzunehmen.

Menschen fliehen in überfüllten Autos aus der Südostukraine.
Menschen fliehen in überfüllten Autos aus der Südostukraine. (Quelle: imago-images-bilder)

Die Verbrechen der russischen Führung richten sich eben auch gegen die eigene Bevölkerung: Erst wäscht man jungen Burschen mit Lügen das Gehirn, dann schickt man sie schlecht ausgebildet, ausgestattet und angeleitet an die Front, wo sie so lange töten sollen, bis sie selbst getötet werden. Nicht nur das Schicksal von Zivilisten, auch das Schicksal der eigenen Soldaten ist Putin erkennbar egal. Unfassbar, dass ein einzelner Mann und seine Clique so viel Leid über so viele Menschen bringen können. Aber so ist es, wenn Gangster zu lange zu viel Macht besitzen; die Weltgeschichte ist voll von solchen Typen.

Mitleid kann man deshalb nicht nur mit den leidenden Zivilisten, sondern auch mit den Soldaten auf beiden Seiten der Front haben. Gleichzeitig kann man den ukrainischen Truppen Anerkennung zollen, die der russischen Übermacht durch geschickte Kriegstaktik widerstehen und den Angreifern auf dem Schlachtfeld empfindliche Niederlagen zufügen. Nördlich von Kiew, im Süden bei Cherson und im Osten bei Charkiw und Sumy haben sie in den vergangenen Stunden mehrere Orte zurückerobert. Zudem konkretisieren sich Berichte, wie es gerade einmal 30 ukrainischen Guerillakämpfern gelang, den kilometerlangen russischen Konvoi vor Kiew zu stoppen.

Begräbnis eines gefallenen russischen Fallschirmspringers.
Begräbnis eines gefallenen russischen Fallschirmspringers. (Quelle: imago-images-bilder)

Die Erfolge der zahlenmäßig unterlegenen Ukrainer gegen die mehr als 120.000 Mann starke Invasoren-Armee haben Gründe. Aufseiten der Russen hapert es an der Motivation, der Kommunikation sowie der Vernetzung von Panzern, Infanterie, Luftwaffe und Drohnen. Der wichtigste Grund liegt jedoch in der veralteten Organisationsstruktur: Die russische Armee ist streng hierarchisch gegliedert, die Mannschaftsteile haben keine eigene Entscheidungsbefugnis, sondern müssen strikt den Befehlen von ganz oben gehorchen. Weil die Befehlskette jedoch häufig überdehnt ist und nicht effizient funktioniert, begeben sich hohe Offiziere selbst an die Front, um für Ordnung zu sorgen. So erklärt es sich, dass schon 7 der 20 russischen Generäle im Einsatz gefallen sind.

Anders kämpfen die ukrainischen Truppen, die sich aus der regulären Armee, Freiwilligenverbänden und Guerilleros zusammensetzen. Auch dank Nato-Beratern hat die Regierung in Kiew das Militär in den vergangenen Jahren modernisiert und nach westlichen Maßstäben organisiert. Dazu gehört, anders als in der russischen Armee, eine starke Stellung der Unteroffiziere. Diese kümmern sich darum, dass die Mannschaften gut versorgt sind, dienen als Verbindung zwischen Offizieren und einfachen Soldaten und genießen im Einsatz einen hohen Grad an Eigenständigkeit. Während russische Generäle ihren Truppen befehlen, von A nach B zu ziehen, ohne dass die Soldaten immer den genauen Grund kennen, bekommen ukrainische Kämpfer schlicht den Auftrag, den Gegner in einer bestimmten Region zu attackieren – wie genau, bleibt den Kampfgruppen häufig selbst überlassen. Viele operieren eher wie Partisanen. Auch das erklärt, warum sie den trägen russischen Verbänden so hohe Verluste zufügen können.

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Tagesanbruch - Was heute wichtig istWas heute wichtig ist

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Derlei militärtaktische Betrachtungen mögen angesichts des täglichen Leids so vieler Menschen für manche Ohren überflüssig klingen. Doch das sind sie nicht. Nur wer weiß, wo die Schwächen eines Aggressors liegen, kann den Verteidigern wirksam helfen. Für ihren Abwehrkampf brauchen die Ukrainer neben Panzer- und Flugabwehrraketen, Drohnen und Kommunikationssystemen vor allem gute Beratung und eine möglichst genaue Lageaufklärung. So können sie die Angreifer vielerorts aufhalten. Die Russen von ihren verheerenden Bombardements abhalten können sie jedoch nicht, deshalb werden weiterhin jeden Tag Menschen sterben. Der Schlüssel für einen Waffenstillstand liegt nicht auf dem Schlachtfeld, sondern in der Politik und der Diplomatie. Dort kann der Druck auf Putin so lange erhöht werden, bis auf ihn endlich der prägnante Satz des Schriftstellers Mark Twain zutrifft: "Politiker und Windeln sollten regelmäßig gewechselt werden, und zwar aus demselben Grund." In Moskau ist es allerhöchste Zeit für einen Wechsel.

Ukrainische Soldaten schützen den Strand von Odessa.
Ukrainische Soldaten schützen den Strand von Odessa. (Quelle: imago-images-bilder)

Termine des Tages

Vertreter Russlands und der Ukraine verhandeln in Istanbul über … ja was eigentlich? Auch auf dem diplomatischen Parkett sind die Fronten verhärtet, vor allem die Russen zeigen sich unerbittlich. Noch jedenfalls.

Der Europäische Gerichtshof spricht sein Urteil zur Justiz in Polen: Ist das oberste Gericht des Landes noch unabhängig oder längst zur Erfüllungsgehilfin der Regierung degradiert worden?

Allmählich taucht Deutschland aus dem digitalen Pleistozän auf. Heute startet ein Pilotprojekt der Sicherheitsbehörden: Die gemeinsame elektronische Ermittlungsakte von Polizei und Justiz soll die Aufklärung von Straftaten erleichtern. Polizisten und Staatsanwälte müssen sich also nicht länger Aktendeckel per Büroboten zuschicken. Genau, wir schreiben das Jahr 2022.

Wer in Tübingen Einweggetränkebecher oder -geschirr kauft, muss seit diesem Jahr 50 Cent extra berappen. Bei Einwegbesteck sind es 20 Cent. So sollen die Bürger dazu bewegt werden, Mehrwegmaterial zu nutzen. Dagegen klagt die Inhaberin eines Schnellrestaurants, heute verhandelt der baden-württembergische Verwaltungsgerichtshof. Dieses Verfahren darf die Klägerin gern verlieren.


Was rührt mich?


Was lesen?

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ie SPD-Chefs äußern sich auch zu Gerhard Schröder. (Quelle: Robert Recker/T-Online-bilder)

Wann kommen der Tankrabatt und die anderen geplanten Entlastungen für die Bürger? Das haben unsere Reporter Johannes Bebermeier, Sven Böll und Miriam Hollstein die beiden SPD-Chefs Saskia Esken und Lars Klingbeil gefragt. Ihre Antworten lassen aufhorchen.

Mehr aus dem Ressort
"Das wäre ein großer Rückschlag für Putin"
Rauch über dem Krim-Strand: Russische Touristen ergriffen am Dienstag panisch die Flucht.



Der Lieferstopp für russisches Gas rückt näher. Was Putin zum Einlenken zwingen soll, hätte für Deutschland schwere Konsequenzen, warnen Ökonomen. Mehr erfahren Sie von meinen Kollegen Nele Behrens und Florian Schmidt.


Am 9. Mai gedenkt Russland in Berlin seiner Gefallenen des Zweiten Weltkriegs. Wird Deutschland Schauplatz einer Propagandashow des Kremls? Mein Kollege Jonas Mueller-Töwe hat die Hintergründe.



Was amüsiert mich?

Nach dem Debakel im Saarland tüftelt der CDU-Chef an seiner Strategie für die nächsten Landtagswahlen.

(Quelle: Mario Lars/T-Online-bilder)

Ich wünsche Ihnen einen erkenntnisreichen Tag.

Herzliche Grüße

Ihr

Florian Harms
Chefredakteur t-online
E-Mail: t-online-newsletter@stroeer.de

Mit Material von dpa.

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