Sie sind hier: Home > Panorama > Buntes >

Leonardo da Vinci: 500. Todestag des Universalgenies

500. Todestag von Leonardo da Vinci  

Universalgenie: "Kulturerbe für die ganze Menschheit"

30.04.2019, 13:58 Uhr | Von Annette Reuther und Sabine Glaubitz, dpa

Leonardo da Vinci: 500. Todestag des Universalgenies. Portrait von Leonardo da Vinci: Der italienischer Maler, Bildhauer, Baumeister, Ingenieur, Zeichner und Naturforscher wurde am 15. April 1452 in Vinci bei Florenz geboren. Am 2. Mai 1519 starb er in Chateaux de Cloux bei Amboise.  (Quelle: imago images/Leemage)

Portrait von Leonardo da Vinci: Der italienischer Maler, Bildhauer, Baumeister, Ingenieur, Zeichner und Naturforscher wurde am 15. April 1452 in Vinci bei Florenz geboren. Am 2. Mai 1519 starb er in Chateaux de Cloux bei Amboise. (Quelle: Leemage/imago images)

Er wird weltweit fast wie ein Heiliger verehrt und zählt zu den einflussreichsten Universalgelehrten überhaupt. Nun jährt sich Leonardo da Vincis Todestag zum 500. Mal. Eine Spurensuche.

Er blickt mit letzter Kraft zu König Franz I. hoch. Dieser hat seinen Arm unter den sterbenden Körper von Leonardo da Vinci geschoben, als wolle er ihn stützen. Mehrere Menschen stehen um das Sterbebett herum, darunter auch Batista de Vilanis, sein treuer Diener. Das großformatige Bild hat der französische Maler François-Guillaume Ménageot gemalt. Es hängt im Schloss von Amboise. In der Stadt an der Loire ist der Universalkünstler Leonardo da Vinci vor 500 Jahren, am 2. Mai 1519, gestorben.

Das Gemälde "Der Tod von Leonardo da Vinci in den Armen von Frantz I." von François-Guillaume Ménageot  hängt heute im Musée de l’Hôtel de Ville in Amboise, Frankreich. (Quelle: Wikipedia)Das Gemälde "Der Tod von Leonardo da Vinci in den Armen von Frantz I." von François-Guillaume Ménageot hängt heute im Musée de l’Hôtel de Ville in Amboise, Frankreich. (Quelle: Wikipedia)

König Franz I. aber, das weiß man heute, war damals gar nicht anwesend, er hielt sich in seiner Residenz in Saint-Germain-en-Laye bei Paris auf. Warum dann diese Darstellung? Ménageot wollte die tiefe Verbundenheit zwischen dem Künstler und dem König darstellen. Der Monarch hatte den über 40 Jahre älteren Maler 1516 nach Amboise kommen lassen. Franz I. war Kunstliebhaber und von Leonardo, dem er auf einer seiner Italien-Reisen begegnet war, fasziniert.

Der berühmteste Sohn der Stadt Vinci

Die Reise auf den Spuren von Leonardo da Vinci, dem Schöpfer der weltberühmten Mona Lisa, der heute als Genie gefeiert wird, beginnt in Vinci, einem kleinen Ort mit einigen Tausend Einwohnern in der Nähe von Florenz. Gleich vor dem Metzgerladen hängt die Mona Lisa. Einige Schritte weiter sieht man an der Wand eine anatomische Studie eines Embryos neben einem Geschäft für Unterhosen, Strümpfe und Büstenhalter. Die lokale Bar heißt "Leonardo", und im Schaufenster eines Haushaltswarengeschäfts steht ein von Kindern gemaltes Bild der Mona Lisa mit dem Verweis "Besser als das Original". "Natürlich sind wir stolz, aus Vinci zu sein", sagt Metzger Francesco.

Italien, Vinci: Ein Kinderbild der Mona Lisa mit dem Vermerk "Besser als das Original" steht als Schaufensterauslage in Vinci. (Quelle: dpa/Annette Reuther)Italien, Vinci: Ein Kinderbild der Mona Lisa mit dem Vermerk "Besser als das Original" steht als Schaufensterauslage in Vinci. (Quelle: Annette Reuther/dpa)

In diesem Jahr hängen noch mehr Leonardo-Poster an den Häusern, noch mehr Souvenirs stehen in den Läden und noch mehr Leonardo-Ausstellungen sollen Touristen anlocken. Gerade war der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella in Vinci. "Das letzte Mal war ein Präsident 1952 hier, damals war Leonardos 500. Geburtstag", sagt Giancarlo Bernardi. Der 82-Jährige war damals auch schon dabei. Er sei nur ein einfacher Bauer, aber jetzt ist er auch wieder auf den Beinen, um den berühmtesten Sohn der Stadt zu würdigen.

Die Zeichnung "8P" gilt als sein erstes Werk

Aus den Uffizien in Florenz wurde das früheste auf Leonardo datierte Werk nach Vinci gebracht. Die Zeichnung namens "8P" zeigt die Landschaft des Flusses Arno. Der windet sich hier durch die toskanischen Hügel, auf denen Olivenbäume und Weinberge stehen. Normalerweise wird die Zeichnung in der Gemäldegalerie in Florenz streng unter Verschluss gehalten. Nun ist sie neben einem Auszug aus dem Testament von Leonardos Onkel und einem Eintrag ins Geburtenregister bis Oktober in dem kleinen Leonardo-Museum in Vinci zu sehen.

Die Zeichnung "8P": Die Landschaft des Flusses Arno soll Leonardo da Vincis ältestes, datiertes Werk sein. Heute wird sie vor allem im Louvre in Paris gezeigt. (Quelle: imago images/Leemage)Die Zeichnung "8P": Die Landschaft des Flusses Arno soll Leonardo da Vincis ältestes, datiertes Werk sein. Heute wird sie vor allem im Louvre in Paris gezeigt. (Quelle: Leemage/imago images)

Die Zeichnung belegt unter anderem, dass Leonardo sowohl mit links als auch mit rechts zeichnete und malte. Sie zu bekommen, sei "sehr kompliziert" gewesen, erzählt der Kulturstadtrat von Vinci, Paolo Santini. "Wir konkurrieren schließlich mit Museen wie dem Louvre." Fünf Jahre habe die Organisation gedauert. Nach der Schau in Vinci wird "8P" nach Paris gebracht, wo es neben der Mona Lisa in der großen Leonardo-Schau des Louvre zu sehen sein wird.

Leonardo da Vinci zog es nach Florenz

Leonardo kam am 15. April 1452 in einem Steinhaus bei Vinci als nichteheliches Kind des Notars Ser Piero und der Magd Caterina zur Welt. Heute kann man das Haus umringt von Olivenbäumen und Rosmarinsträuchern besichtigen, eine kleine Ausstellung gibt es hier auch.

Das Geburtshaus des Künstlers: Leonardo da Vinci wurde im Ortsteil Anchiano bei Florenz geboren. Später zog es ihn nach Frankreich. (Quelle: dpa/Annette Reuther)Das Geburtshaus des Künstlers: Leonardo da Vinci wurde im Ortsteil Anchiano bei Florenz geboren. Später zog es ihn nach Frankreich. (Quelle: Annette Reuther/dpa)

Seine Kindheit verbrachte Leonardo mit seinem Großvater Antonio in Vinci, bevor er zu seinem Vater nach Florenz zog – die Stadt der Dynastie der Medici. Der Aufenthalt sollte wegweisend sein. In Florenz arbeitete er in der Werkstatt bei einem der wichtigsten Renaissance-Künstler, Andrea del Verrocchio. Weil aber Mailand noch mehr Einfluss hatte, ging er 1481 dort an den Hof. Gemälde wie "Das Abendmahl" oder die "Felsgrottenmadonna" entstanden in der Mailänder Zeit.

Das Universalgenie kannte keine Grenzen

Doch Leonardo war weit mehr als nur Maler. Er war schier unersättlich, er wollte alles wissen. Er entwarf Kriegsmaschinen genauso wie Wasserkanäle, er studierte den Tier- und Menschenkörper in unzähligen Studien. Er wollte Flugmaschinen, Schiffe und Gebäude bauen. Er kannte keine Grenzen, daher der Name Universalgenie. Er arbeitete für Päpste, Könige und Herzöge. Er war Bildhauer, Tüftler, Architekt, Ingenieur, Designer und Maler in einem. Vieles blieb unvollendet, trotz – oder gerade deshalb? – wird er fast wie ein Heiliger verehrt. Leonardo fasziniert, weil sein Blick stets in die Zukunft gerichtet war.

Giuseppe Torchia: Er ist der Bürgermeister von Vinci. Eine Stadt, die das größte Genie aller Zeiten hervorbrachte. (Quelle: dpa/Annette Reuther)Giuseppe Torchia: Er ist der Bürgermeister von Vinci. Eine Stadt, die das größte Genie aller Zeiten hervorbrachte. (Quelle: Annette Reuther/dpa)

Leonardo habe eine unermessliche Neugier gehabt, "um Grenzen zu überwinden", sagt Vincis Bürgermeister Giuseppe Torchia. "Leonardo gehört nicht Vinci, er ist Kulturerbe für die ganze Menschheit. Leonardo gehört allen." Sein Leben und seine letzte Reise nach Frankreich hätten eine europäische Dimension gehabt.

Die Konkurrenz durch Raffael und Michelangelo wuchs

Der französische König Franz I. war nicht der erste, der versucht hat, den Maler, Philosophen und Erfinder nach Frankreich zu holen. Schon Ludwig XII. (1462-1515) soll ihn dazu ermutigt haben. Doch damals hatte Leonardo ausreichend Förderer in Italien, darunter auch die florentinische Herrscherfamilie der Medici. Erst als sein letzter Mäzen gestorben war und die Konkurrenz durch die beiden jüngeren Maler Raffael und Michelangelo immer größer wurde, nahm der mittlerweile ergraute Künstler das Angebot von Franz I. an.

Für beide sei das ein idealer Deal gewesen, sagt Samuel Buchwalder, Mitarbeiter im Schloss von Amboise. "Leonardo hat in dem Angebot einen gesicherten Lebensabend gesehen; der König, der um die schwindende Anerkennung Leonardos in dessen Heimatland wusste, konnte seinen Hof mit einem prestigereichen Namen schmücken."

Die "Mona Lisa" war mit im Gepäck

Leonardo war 64 Jahre alt, als er mit seinen Schülern Francesco Melzi und Salai sowie seinem treuen Diener Batista de Vilanis in Amboise ankam. In seinem Gepäck hatte er neben zahlreichen Dokumenten und Zeichnungen die Bilder "Johannes der Täufer", "Anna selbdritt" - und die um 1503 entstandene "Mona Lisa", die von König Franz I. erworben wurde und heute der Star im Pariser Louvre ist.

Frankreich, Paris: Besucher stehen mit ihren Handys und Smartphones vor der "Mona Lisa" von Leonardo da Vinci im Louvre. Das weltberühmte Bild, das Leonardo da Vinci vor mehr als 500 Jahren geschaffen hat, lockt alljährlich Millionen von Besuchern an. Es gehört zu den meist besuchten Kunstwerken der Welt – und wird doch kaum betrachtet. (Quelle: dpa/Sabine Glaubitz)Frankreich, Paris: Besucher stehen mit ihren Handys und Smartphones vor der "Mona Lisa" von Leonardo da Vinci im Louvre. Das weltberühmte Bild, das Leonardo da Vinci vor mehr als 500 Jahren geschaffen hat, lockt alljährlich Millionen von Besuchern an. Es gehört zu den meist besuchten Kunstwerken der Welt – und wird doch kaum betrachtet. (Quelle: Sabine Glaubitz/dpa)

Der junge Regent zeigte sich dem Universalgenie gegenüber sehr großzügig: Er überließ ihm als Domizil das Schloss Clos Lucé, ein herrliches Herrenhaus mit Wehrmauer aus roten Ziegeln und grauen Tuffsteinen unweit des Königsschlosses Amboise. Er zahlte ihm eine Pension und stellte ihm Hauspersonal und einen Gärtner für den großen Park zur Verfügung. Von dort aus hat man auch heute noch einen herrlichen Blick auf das nur knapp einen Kilometer entfernte Schloss Amboise, das als eines der schönsten der Loire gilt.

Der Alterssitz des Genies dient als Pilgerort

In Clos Lucé ist Leonardo da Vinci am 2. Mai 1519 in seinem reich verzierten Himmelbett mit roten schweren Veloursvorhängen gestorben. Heute ist aus der letzten Verweilstätte ein Pilgerort geworden, in den jedes Jahr mehr Besucher strömen. Rund 400 000 Menschen besuchten 2018 in Amboise den Alterssitz des Genies.

Frankreich, Amboise: Das Sterbebett des Universalkünstlers Leonardo da Vinci im Schloss Clos Luce. In der Stadt an der Loire ist da Vinci vor 500 Jahren, am 2. Mai 1519 gestorben. (Quelle: dpa/Sabine Glaubitz)Frankreich, Amboise: Das Sterbebett des Universalkünstlers Leonardo da Vinci im Schloss Clos Luce. In der Stadt an der Loire ist da Vinci vor 500 Jahren, am 2. Mai 1519 gestorben. (Quelle: Sabine Glaubitz/dpa)

Neben dem Schlaf- und Sterbezimmer ist dort sein Atelier zu besichtigen. Bis zuletzt tüftelte er an seinen Erfindungen, saß an seinen anatomischen Studien und brütete über Projekten. Für einen Palast in Amboise hatte er sogar noch Pläne entworfen. Seinen Erfindergeist spiegelt das Parterre von Clos Lucé wider: Neben dem Modell eines beweglichen Panzers und einer Flugmaschine schwebt ein Mensch, der an einer Art Fallschirm hängt, denn Leonardo träumte zeitlebens vom Fliegen.

 

Kurz vor seinem Tod hat Leonardo sein Testament verfasst. Darin bekundete er seinen Willen, im Schloss Amboise bestattet zu werden. König Franz I., der den Künstler auch "meinen Vater" nannte, erfüllte ihm den letzten Willen. Leonardo wurde vier Tage nach seinem Tod in der Stiftskirche Saint-Florentin begraben, inmitten des königlichen Schlosskomplexes. So wie Leonardo es bestimmt hatte, wurde er auf seinem letzten Weg von 60 Männern als Fackelträgern begleitet.

Das Grab von Leonardo da Vinci: Hier in der Schlosskapelle Saint Hubert befindet sich die letzte Ruhestätte. Eine einfache Marmorplatte mit der Inschrift "Leonardo da Vinci" erinnert daran, dass vor 500 Jahren hier ein Universalgenie gestorben ist. (Quelle: dpa/Leonard de Serres/Schloss Amboise)Das Grab von Leonardo da Vinci: Hier in der Schlosskapelle Saint Hubert befindet sich die letzte Ruhestätte. Eine einfache Marmorplatte mit der Inschrift "Leonardo da Vinci" erinnert daran, dass vor 500 Jahren hier ein Universalgenie gestorben ist. (Quelle: Leonard de Serres/Schloss Amboise/dpa)

Später wurde das Schloss als Königsresidenz aufgegeben und verfiel. Erst im 19. Jahrhundert begann die Restaurierung. Bei Ausgrabungen im Jahr 1863 entdeckte man ein Grab mit menschlichen Überresten. Heute gehen Forscher davon aus, dass es sich um Leonardos Grab handelte. An der ursprünglichen Grabstelle steht eine Marmorbüste, die Leonardo mit langem Bart zeigt. Die menschlichen Überreste wurden in der kleinen Schlosskapelle Saint Hubert bestattet. Das Grab wirkt erstaunlich schlicht. Nur eine einfache Marmorplatte mit der Inschrift "Leonardo da Vinci" erinnert daran, dass vor 500 Jahren hier ein Universalgenie gestorben ist.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
New Collection - Daisies & Stripes
bei TOM TAILOR
myToysbonprix.deOTTOUlla Popkenamazon.deLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal