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Extremwetter in Deutschland: Gewitter und Starkregen – ist die Klimakrise schuld?

MEINUNGExtremwetter in Deutschland  

Gewitter und Starkregen – ist die Klimakrise schuld?

Von Michaela Koschak

28.08.2019, 19:03 Uhr
 (Quelle: t-online.de - dpa)
Unwetter über Hamburg: starker Hagel und Überschwemmungen

Vollgelaufene Keller, schwimmende Autos und herabfallende Äste. Über 285 Mal musste die Feuerwehr in der vergangenen Nacht in Hamburg zu Unwettereinsätzen ausrücken. (Quelle: dpa)

Unwetter im Norden: Starker Hagel und Überschwemmungen sorgten vor allem in Hamburg für viele Unwettereinsätze der Feuerwehr. (Quelle: t-online.de - dpa)


Enorme Regenmassen, schwere Unwetter: Kaum eine Woche vergeht, in der sich das Wetter in Deutschland nicht von seiner extremen Seite zeigt. Doch passiert das wirklich häufiger als früher?

Gibt es wegen des Klimawandels mehr Gewitter und Starkregen? Wenn man eine Umfrage auf der Straße machen würde, gäbe es wahrscheinlich auf diese Frage ein eindeutiges Ja. Aber ist das wirklich so?

Schauer und Gewitter gab es schon immer. Vor allem wenn unterschiedliche Luftmassen aufeinandertreffen und viel Feuchtigkeit in der Atmosphäre ist. Dann kommt es zu extremem Wetter, was vor allem im Sommer mit heftigen Gewittern einhergeht. In diesen Cumulonimbuswolken ist Energie ohne Ende: Es können dicke Hagelkörner entstehen, es gibt enorme Regenmengen und es sind Sturmböen und manchmal Tornados möglich.

Heute ist jeder beim Unwetter live dabei

Bei den aktuellen Gewittern der letzten Tage kommen die hohen Regenmengen dadurch zustande, dass die Luft steht, es quasi kaum Bewegung in der Atmosphäre gibt. Eine Gewitterwolke bildet sich, bleibt an Ort und Stelle und regnet sich genau nur hier ab. Ein paar Hundert Meter weiter passiert gar nichts, aber direkt unter den "CBs", wie wir Wetterfrösche diese Wolken nennen, schüttet es wie aus Eimern und es gibt Überschwemmungen. Das ist nichts Neues, das gab es schon immer. Aber warum hat man das Gefühl, das so etwas viel häufiger als früher passiert?

Das liegt vor allem an unserer modernen medialen Welt. Es gibt jetzt Handys, die jeder überall dabei hat. So wird natürlich jedes Unwetter aufgezeichnet.

Früher traten auch so einige heftige Sommerunwetter auf, aber nur der Bauer, dessen Scheune durch einen Tornado kaputtgegangen ist, merkte das. Heute bekommt das durch eine Sondersendung im Fernsehen oder die sozialen Netzwerke ganz Deutschland mit und kann teilhaben an dem Ereignis. Somit scheint es viel häufiger zu passieren als früher. Wir sind bei jeder Überschwemmung am anderen Ende des Landes mit dabei. Vor 30 Jahren merkte das manchmal nicht einmal das Nachbardorf.

Mehr Wärme führt zu mehr Gewittern – oder?

Allerdings ergibt es physikalisch schon Sinn, dass der Klimawandel mehr Gewitter und Starkregen verursacht: Bei höheren Temperaturen verdunstet mehr. Wasserdampf: Das ist das Futter der Gewitterbildung. Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen als kalte Luft, deshalb treten bei Sommergewittern meist intensivere Regengüsse auf als bei Wintergewittern. Wenn es nun wärmer wird, ist das Potenzial zu heftigeren Unwettern vorhanden.

Aber – jetzt kommt das große Aber – bisher konnte noch kein eindeutiger Trend zu mehr Unwettern und Starkregen nachgewiesen werden. Die Zahl der Gewittertage in Deutschland hat sich in den letzten zehn Jahren kaum verändert.
 

 
Beim Klima muss man sich aber ja immer die letzten 30 Jahre anschauen, damit man sinnvolle Aussagen machen kann und da sieht man bisher keine Zunahme.

Bewiesen ist noch nichts

Jedoch muss man dazusagen, dass die Messgeräte, die Niederschlagsradardaten und Blitzdaten umfangreich erfassen, erst seit etwa 15 Jahren existieren. Insofern kann man keine eindeutige Aussage diesbezüglich machen. In diesen 15 Jahren ist jedoch die Anzahl der Tage mit Starkniederschlägen gestiegen.

Man sollte also damit rechnen, dass beispielsweise Starkregen zunimmt, aber bewiesen ist es noch nicht. Dadurch, dass sich die Atmosphäre erwärmt, kann potenziell mehr Wasserdampf gespeichert werden, was letztendlich zu höheren Regenmengen führt. Daher können extremere Wetterereignisse in Zukunft noch intensiver werden. Hinzu kommt unsere Versiegelung der Landschaft durch Straßen und Häuser, die die Auswirkungen der Starkregenfälle außerdem extremer werden lässt.
 

 
Einfach ist die Frage also nicht zu beantworten, aber klar ist: Die Kaltfront von Tief "Carlo", die uns am Donnerstag erreicht, bringt wieder teils unwetterartige Schauer und Gewitter in Deutschland und mancherorts einen recht markanten Temperaturrückgang, der aber nur von kurzer Dauer sein wird.

Michaela Koschak ist Wetter- und Klimaexpertin und kennt sich mit der Atmosphäre bestens aus. Wenn Sie manchmal unsicher sind, was es mit der Klimakrise und dem Wetter auf sich hat, lesen Sie die Kolumne unserer Diplom-Meteorologin. Je mehr Sie zum Thema wissen, desto weniger verfallen Sie in Panik und desto bewusster und schonender gehen Sie mit der Umwelt um.

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