Sie sind hier: Home > Panorama > Wetter > Kolumne - Michaela Koschak >

Wetter – Brände in Australien: Bedrohen Feuerwolken auch Deutschland?

MEINUNGBrandkatastrophe in "Down Under"  

Feuerwolken bedrohen Australien – und auch uns?

Eine Kolumne von Michaela Koschak

10.01.2020, 11:03 Uhr
Wie Buschbrände in Australien das Wetter verändern

Die heftigen Wald- und Buschbrände in Australien haben nicht nur am Boden verheerende Auswirkungen. Sie sorgen auch für eine Änderung der Wetterlage. Durch die großflächigen Feuer entstehen Feuerwolken. (Quelle: t-online.de)

Riesige Wolkentürme: Imposante Aufnahmen aus Australien zeigen die sogenannten Feuerwolken. (Quelle: t-online.de)


In Australien bilden sich kilometerhohe Feuerwolken – und sind selbst bei Feuerwehrleuten gefürchtet. Sie machen die Brandkatastrophe noch verheerender. Ihre Auswirkungen sind weit über den Kontinent zu spüren.

Haben Sie schon einmal etwas von "pyroCbs" gehört? Erstens wissen die meisten wahrscheinlich nicht mal, wie man das ausspricht und wenn, dann klingt es ein bisschen nach Pyrotechnik, also Feuerwerkskörpern, die zum Beispiel zu Silvester wieder hoch im Kurs standen.

Aber damit hat das nichts zu tun, sondern mit meteorologischen "Cbs" – das sind Cumulonimbuswolken, also Gewitterwolken, die bis zu 15 Kilometer in die Höhe reichen können. Ist Feuer im Spiel, entstehen Pyrocumulonimbus, auf Deutsch Feuerwolken, so wie gerade in Australien.

Aufnahmen der Feuerwolken in Australien können Sie oben im Video sehen oder Sie schauen hier.

Die Hitze des Feuers sorgt dafür, das binnen kürzester Zeit große Mengen Luft weit nach oben in die Atmosphäre geschleudert werden. Mit ihr Wasserdampf, Ruß und Asche. Unter bestimmten Voraussetzungen bilden Ruß und Asche dann in der Höhe die Kondensationskerne und lassen den Wasserdampf zu riesigen Wolkentürmen kondensieren. Heftige Gewitter bilden sich, die meist zu eher wenig Regen, aber heftigen Blitzen führen, die auch in großer Entfernung, vereinzelt über 30 Kilometer weiter, neue Brände entzünden können.

Zudem treten in Gewitternähe starke Böen, teils mit Orkanstärke, auf, die schnell neue große Flächen brennen lassen können, vor allem wenn die Vegetation ausgedorrt und knochentrocken ist. Beides und die extrem hohen Temperaturen macht die Feuerwolken so gefährlich.



Das Phänomen "Feuerwolken" war Wissenschaftlern zwar schon länger bekannt, aber da sie so selten auftraten, wurden sie nicht näher erforscht. Seit einigen Jahren steigt die Zahl der auftretenden "pyroCbs" deutlich, somit werden sie von den Forschern näher unter die Lupe genommen und da gibt es so einige neue Erkenntnisse.

In Bolivien, Kalifornien, Russland und vor allem in Australien wurden sie in den letzten Jahren häufiger gesichtet und fürchten gelernt. Feuerwehrleute sind ja mutige und meist sehr erfahrene Menschen, aber vor den Feuerwolken nehmen sich wirklich alle in Acht, sie sind unberechenbar und noch heißer als andere Feuer.

Die bisher verhängnisvollsten Feuerwolken erlebte Australien vor etwa zehn Jahren: Damals hatten sich im Bundesstaat Victoria gleich drei "pyroCbs" gleichzeitig gebildet. Insgesamt starben dadurch am Black Saturday (07. Februar 2009) 173 Menschen, 414 wurden verletzt.

Auch in Deutschland wird der Himmel grau

Wie riesige Schornsteine sehen die Feuerwolken, von Satelliten betrachtet, aus. Sie können Ruß, Staub und Asche bis in 23 Kilometer Höhe bringen und sie dort in andere Regionen der Erde transportieren. Im Moment erreicht die Rauchfahne der australischen Brände Chile und Argentinien. Bis zu uns werden sie es nicht schaffen, aber bei heftigen Bränden in Kanada und den USA gelangten auch nach Deutschland in den letzten Jahren unzählige Rauchpartikel und ließen den blauen Himmel ergrauen und die Sonnenuntergänge besonders rot erscheinen.

Wissenschaftler vermuten, dass Sulfatanteile in der Stratosphäre, das heißt höhere Schwefelkonzentrationen, möglicherweise nicht nur auf Vulkanausbrüche zurückzuführen sind, wie man bisher dachte, sondern auch von Feuerwolken verursacht sein können. Die Schwefelpartikel bleiben dort oben in der Atmosphäre teils monatelang, da es hier keinen Regen gibt, der die Partikel aus der Luft waschen kann. Was das langfristig für unser Wetter bedeutet, muss noch weiter erforscht werden. Einige Wissenschaftler versuchen gerade nachzuweisen, dass dieser Schwefel der Erderwärmung entgegenwirken kann – ein kleiner Hoffnungsschimmer, der aber noch weiter erforscht werden muss und unser Problem der Klimakrise sicher nicht lösen wird.

Insgesamt geht die Wissenschaft davon aus, dass durch die weiter steigende Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre, die steigenden Temperaturen und die regional heftiger ausfallenden Dürren "pyroCbs" in Zukunft häufiger auftreten werden. Auch in Europa, hier bevorzugt in Spanien und Portugal, wo es ja auch jedes Jahr zu teils schlimmen Waldbränden kommt, befürchtet man häufiger Feuerwolken. Aber auch in Schweden wurden schon welche gesichtet und theoretisch besteht auch bei uns die Gefahr dieser Pyrocumuluswolken, wenn auch deutlich seltener.

Die meisten Feuer verursacht der Mensch selbst

Mehr Feuerwolken bedeuten schlimmere Brände und damit gelangt mehr CO2 in die Atmosphäre, was die Erderwärmung beschleunigt. Schon jetzt verursachten die australischen Feuer die Hälfte der Kohlendioxidemissionen der Wirtschaft des Kontinents des ganzen Jahres.

Die Gefahr von großen verheerenden Feuern erhöht sich weltweit. Und dabei hat der Mensch in zweierlei Hinsicht seine Finger im Spiel: Oft verursacht er die Feuer und durch die Erderwärmung und Trockenheit werden unsere Wälder und Savannen immer trockener und schneller brennbar.

Das Schlimme ist, dass meistens die Feuer von uns Menschen gemacht sind, denn einfach so entsteht höchst selten ein Waldbrand (laut WWF haben nur vier Prozent aller weltweiten Waldbrände natürliche Ursachen wie Blitzeinschlag). In den häufigsten Fällen ist der Mensch direkt oder indirekt, das heißt fahrlässig oder vorsätzlich Ursache der Brände. Die Ausbreitung der Feuer macht immer wieder das Wetter – ja, das stimmt, aber an die menschlichen Ursachen müsste mehr herangegangen werden, damit erst gar keine Feuer entstehen.

Vor allem Tiere und Pflanzen leiden

Wichtig an dieser Stelle ist mir nun noch, dass wir alle wirkliche Hochachtung vor den ja meist ehrenamtlichen Feuerwehrleuten in Australien haben sollten. Denn viele Experten gehen davon aus, dass es noch Monate auf dem fünften Kontinent brennen wird und ihnen noch viel Arbeit und Gefahr bevorsteht.

Retten das eigene Haus und Kängurubabys: Diese Aufnahmen zeigen den mutigen Kampf der Australier gegen das Inferno. (Quelle: t-online.de)

Ja, Feuer sind in Australien normal, die gibt es hier jedes Jahr und es brennt diesmal auch nicht halb Australien, wie man manchmal liest. Dennoch sind die Feuer stärker und unberechenbarer als in den letzten Jahren. Für die nächsten Tage wird in einigen Regionen eine neue Hitzewelle vorhergesagt, die die Lage gebietsweise noch dramatischer werden lässt. Vor allem die Tier- und Pflanzenwelt leidet unter den Feuern, aber natürlich auch die Menschen vor Ort, die ihr Hab und Gut verlieren, haben weiter eine schwere Zeit vor sich.

Deshalb bitte ich Sie, jammern sie nicht über die paar Regenwolken und das graue Wetter, was da gerade über uns weilt.

Ihre Meinung zählt!

Wir freuen uns auf angeregte und faire Diskussionen zu diesem Artikel.
Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

Live-Diskussion öffnen (0 Kommentare, 0 Reaktionen)

Gefällt 0 Gefällt nicht0
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Ulla Popkenbonprix.deOTTOhappy-sizetchibo.deLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal