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Tödlicher Schuss nach Streit um Maskenpflicht

Von dpa
Aktualisiert am 21.09.2021Lesedauer: 3 Min.
Polizisten sichern die Tankstelle kurz nach der Tat.
Polizisten sichern die Tankstelle kurz nach der Tat. (Quelle: Christian Schulz/Foto Hosser/dpa./dpa)
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Idar-Oberstein (dpa) - Nach dem tödlichen Schuss auf einen Tankstellen-Mitarbeiter im Streit um die Maskenpflicht gehen die Ermittler von langwierigen Ermittlungen zu den HintergrĂŒnden aus.

"Wir mĂŒssen uns jetzt erstmal selbst ein klares Bild machen", sagte Oberstaatsanwalt Kai Fuhrmann am Dienstag in Mainz der Deutschen Presse-Agentur. Dies werde noch einige Wochen dauern. In dieser Zeit wolle die Behörde keine Wasserstandsmeldungen zu dem Verbrechen in Idar-Oberstein (Rheinland-Pfalz) abgeben. Fuhrmann: "Die Feinarbeit der Ermittlungen geht jetzt erst so richtig los."

Ein 49-JĂ€hriger, der an der Tankstelle Bier kaufen wollte, soll dem 20 Jahre alten VerkĂ€ufer am Samstagabend in den Kopf geschossen haben - nachdem der junge Mann ihn zweimal auf die coronabedingte Maskenpflicht hingewiesen hatte. Der mutmaßliche SchĂŒtze hat die Tat gestanden, der deutsche Staatsangehörige sitzt wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft. Es gibt den Ermittlern zufolge keine Hinweise darauf, dass sich TĂ€ter und Opfer gekannt hatten.

Die Tat löste bundesweit großes Entsetzen und Anteilnahme aus. Die rheinland-pfĂ€lzische MinisterprĂ€sidentin Malu Dreyer (SPD) sprach von einem tief sitzenden Schock. "Die Tat muss aufgeklĂ€rt, der TĂ€ter bestraft werden." Die Regierungschefin fĂŒgte hinzu: "Im Netz instrumentalisieren Corona-Leugner bereits die Tat. Das beobachten wir genau. In Rheinland-Pfalz verfolgen wir Hass und Hetze konsequent und ziehen alle zur Verantwortung, die im Netz Hass sĂ€en."

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Auch die Kanzlerkandidaten Annalena Baerbock (GrĂŒne), Olaf Scholz (SPD) und Armin Laschet (CDU) zeigten sich erschĂŒttert.

"Die Radikalisierung des Querdenkermilieus bereitet mir große Sorgen", schrieb Baerbock im Kurznachrichtendienst Twitter. "Wir sind alle gefordert, uns gegen den zunehmenden Hass zu stellen."

SPD-Kanzlerkandidat Scholz schrieb auf Twitter, seine Gedanken seien bei den Angehörigen des Mordopfers. "Es erschĂŒttert mich sehr, dass jemand getötet wird, weil er sich und andere schĂŒtzen wollte", betonte Scholz. "Wir mĂŒssen uns als Gesellschaft dem Hass entschlossen entgegenstellen." Der TĂ€ter mĂŒsse hart bestraft werden.

Laschet sagte bei einem Wahlkampfauftritt in Fulda: "Dieser Hass in unserer Gesellschaft muss ein Ende haben."

Der rheinland-pfÀlzische FDP-Chef und Bundes-GeneralsekretÀr der Liberalen, Volker Wissing, sagte, seine Partei sei "mit ihren Gedanken bei der Familie und den Freunden des Opfers", das Verbrechen sei "unertrÀglich".

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) zeigte sich entsetzt ĂŒber zustimmende Reaktionen nach der Bluttat. "Es ist empörend und widerlich, wenn die furchtbare Bluttat von Idar-Oberstein nun im Netz fĂŒr noch mehr Hass und noch mehr Menschenverachtung missbraucht wird. Der Radikalisierung von gewaltbereiten Corona-Leugnern muss sich unser Rechtsstaat mit allen Mitteln entgegenstellen."

Mehr Klarheit ĂŒber die HintergrĂŒnde der Tat erhoffen sich die Ermittler vor allem von der Auswertung der sichergestellten elektronischen GerĂ€te des 49 Jahre alten Mannes. Er lebte zuletzt in Idar-Oberstein und war als SelbststĂ€ndiger in der IT-Branche tĂ€tig. Der Mann sei in den Theorien der Corona-Leugner "bewandert", hieß es aus Ermittlerkreisen.

Der bislang polizeilich nicht in Erscheinung getretene Mann aus Idar-Oberstein hatte den Ermittlern gesagt, dass er die Corona-Maßnahmen ablehne. Zum Motiv habe er angegeben, dass ihn die Situation der Corona-Pandemie stark belaste und er keinen anderen Ausweg gesehen habe, als ein Zeichen zu setzen.

Ermittlungen laufen

Zur Lebenssituation des VerdÀchtigen wollte Oberstaatsanwalt Fuhrmann wÀhrend der laufenden Ermittlungen keine genauen Angaben machen. Der Mann sei noch nie irgendwo bei der Polizei aufgefallen, auch nicht als Teilnehmer einer Demonstration. "Die Waffen hat er nicht legal besessen." Woher sie stammten, sei noch völlig unklar.

Die psychischen HintergrĂŒnde werden nach den Worten von Kriminalpsychologin Lydia Benecke bei einer forensischen Begutachtung des mutmaßlichen TĂ€ters geklĂ€rt werden. "Auch wenn viele Menschen sich nun eine schnelle Antwort auf die Frage wĂŒnschen, warum eine solche Tat begangen wurde: Diese ist zum gegenwĂ€rtigen Zeitpunkt nicht möglich", sagte Benecke der Deutschen Presse-Agentur. "FĂŒr eine solche Tat kann es sehr unterschiedliche HintergrĂŒnde geben." So mĂŒsse untersucht werden, ob eine psychische Störung oder die Wirkung von Alkohol oder Drogen eine Rolle spielten.

Die Stadt Idar-Oberstein im Kreis Birkenfeld will in angemessener Form auf die Tat reagieren, eine öffentliche Gedenkfeier ist in der Diskussion. FĂŒr das Rathaus der Stadt sei bereits am Vortag Trauerbeflaggung angeordnet worden, sagte ein Stadtsprecher.

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