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In Russland boomen Impftouren nach Europa

Von dpa
Aktualisiert am 18.12.2021Lesedauer: 3 Min.
Passagiere vor Abfertigungsschaltern am Internationalen Flughafen Scheremetjewo in Moskau.
Passagiere vor Abfertigungsschaltern am Internationalen Flughafen Scheremetjewo in Moskau. (Quelle: Alexander Zemlianichenko Jr/XinHua/dpa./dpa)
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Moskau (dpa) - Wazlaw hat GlĂŒck: Der 31 Jahre alte Moskauer ist bei einem deutschen Arbeitgeber angestellt und hat so kĂŒrzlich eine kostenlose Biontech-Impfung bei seinem Betriebsarzt in Köln ergattern können.

"Mein Wunsch war, dass mein erster Schuss Impfstoff ein getesteter ist, also einer, der von der WHO grĂŒnes Licht bekommen hat", sagt er der Deutschen Presse-Agentur. Nun hat Wazlaw ein EU-Zertifikat - und das wollen andere Landsleute auch. Der Nachweis ĂŒber eine Immunisierung mit dem russischen Corona-Impfstoff Sputnik V ist in vielen ihrer Lieblings-ReiselĂ€nder nĂ€mlich nicht anerkannt.

Sputnik selbst zugelassen haben in Europa nur wenige LĂ€nder, Ungarn etwa oder San Marino. Um also Erleichterungen bei der Einreise zu genießen, um im Urlaub Restaurants, Bars oder Theater zu besuchen, möchten viele lieber eines der westlichen PrĂ€parate gespritzt bekommen. Die aber sind in Russland wiederum nicht zugelassen.

Diese Nische haben einige russische Reiseanbieter nun fĂŒr sich entdeckt - und spezielle Impftouren in den Westen in ihr Portfolio aufgenommen. Das Angebot boomt: Insgesamt fĂŒnf ReisebĂŒros bieten es seit Mitte September an - "und die Nachfrage nimmt jeden Monat zu", wie die Direktorin der Vereinigung russischer Reiseanbieter, Maja Lomidse, der dpa sagt. Organisiert werden Flug, Übernachtung und Impftermin in einer medizinischen Einrichtung - alles zusammen ab 1000 Euro. Besonders beliebt sei das PrĂ€parat von Johnson & Johnson, weil da nur eine Injektion nötig ist.

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Bis Jahresende, so prognostiziert Lomidse, werden Tausende Russen auf diesem Weg etwa nach Kroatien oder Griechenland geflogen sein. Hinzu kĂ€men zahlreiche Menschen, die sich die Reise zur westlichen Corona-Impfung auf eigene Faust organisierten. Auch nach Deutschland werden Impfreisen angeboten - allerdings fĂŒr einen eher kleinen, wohlhabenderen Kreis: Zumindest ĂŒber die Reiseanbieter kostet der Piks dort fĂŒr Russen noch einmal 500 Euro extra. Aber: "Viele unserer Touristen vertrauen Deutschland, der QualitĂ€t der Impfstoffe dort und der QualitĂ€t der Dienstleistung", so Lomidse.

Russland selbst verfĂŒgt zwar mittlerweile ĂŒber fĂŒnf eigene Impfstoffe - doch keiner davon ist von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) oder der EuropĂ€ischen Arzneimittel-Agentur (EMA) anerkannt. Ein EU-Impfzertifikat hingegen ermöglicht einen unbeschwerteren Aufenthalt in vielen UrlaubslĂ€ndern. "Die Leute verstehen, dass die Tendenz hin zu Reiseerleichterungen fĂŒr Geimpfte geht und wollen sich mit den PrĂ€paraten impfen lassen, die von der WHO anerkannt sind", sagt Lomidse.

Eigentlich hÀtte aus russischer Sicht alles genau andersherum laufen sollen: Das russische Vakzin Sputnik V, von PrÀsident Wladimir Putin einst als weltbester Impfstoff angepriesen, sollte die Welt erobern, zum Exportschlager werden - und westliche Impfwillige anlocken.

Doch lĂ€ngst erinnert sich kaum noch jemand an die Bilder, die das russische Staatsfernsehen Anfang des Jahres stolz sendete: von EuropĂ€ern, die - als in Deutschland viele noch auf einen Impftermin warten mussten - in Moskau eintrafen, um sich dort ihre erste Spritze abzuholen. Und als Putin dann im Juni auf dem internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg Sputnik-Immunisierungen auch offiziell fĂŒr AuslĂ€nder freigab, war der Zug lĂ€ngst abgefahren.

Seit Monaten prĂŒfen EMA und WHO eine mögliche Zulassung von Sputnik - bislang ohne Ergebnis. Die fehlende Anerkennung im Westen befeuert die ohnehin hohe Skepsis in der russischen Bevölkerung gegenĂŒber dem PrĂ€parat noch zusĂ€tzlich. Nachdem russische Politiker immer wieder ĂŒber eine angeblich politisch motivierte Verzögerung wetterten, rĂ€umte der Kreml nun ein, dass Moskau es tatsĂ€chlich bislang versĂ€umt habe, notwendige Zulassungsunterlagen bei der WHO einzureichen und begrĂŒndete das mit Abstimmungsproblemen.

Bei der Entscheidung ĂŒber eine gegenseitigen Anerkennung von Impf-Zertifikaten wiederum kommt Experten zufolge erschwerend hinzu, dass Russland die Daten seiner BĂŒrger nicht mit Europa teilen will.

Im flĂ€chenmĂ€ĂŸig grĂ¶ĂŸten Land der Erde mit seinen 146 Millionen Einwohnern könnten die mit westlichen PrĂ€paraten Immunisierten nun immerhin ein klein wenig die Quote der vollstĂ€ndig Geimpften anheben, die mit 46 Prozent noch immer verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig niedrig ist. DarĂŒber hinaus sollen Russen, die ein auslĂ€ndisches Vakzin verabreicht bekommen haben, nun auch in ihrer Heimat davon profitieren: Sie könnten kĂŒnftig einen Antikörper-Test machen und auf dieser Grundlage ein fĂŒr sechs Monate gĂŒltiges Corona-Zertifikat ausgestellt bekommen, sagte Vize-Regierungschefin Tatjana Golikowa kĂŒrzlich.

FĂŒr AuslĂ€nder gilt diese neue Regelung nicht - ebenso wie andere Erleichterungen von Covid-BeschrĂ€nkungen. So mĂŒssen sie etwa bei der Einreise nach Russland - anders als Russen - auch dann einen negativen PCR-Test vorweisen, wenn sie mit Sputnik geimpft sind.

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