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Wie der Ausbruch der Affenpocken Verschwörungstheorien anheizt

Von Liesa Wölm

Aktualisiert am 24.05.2022Lesedauer: 4 Min.
Viruserkrankung: Das steckt hinter den Affenpocken, die sich weltweit ausbreiten. (Quelle: Glomex)
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Das Affenpockenvirus sorgt f√ľr Aufruhr ‚Äď obwohl Mediziner bereits vor Panikmache gewarnt haben. F√ľr Verschw√∂rungstheoretiker ist die Krankheit ein gefundenes Fressen: Sie glauben nicht daran, dass der Ausbruch zuf√§llig ist.

Die Ausbreitung des Coronavirus hatte eine Welle von Verschw√∂rungstheorien zur Folge. Auch nach zwei Jahren Pandemie zweifeln immer noch viele Menschen die Existenz von Covid-19 an. Dabei kostet die Lungenerkrankung t√§glich weltweit Leben. Nun ist erneut ein Virus im Umlauf, das f√ľr Aufsehen sorgt ‚Äď und Verschw√∂rungstheoretiker anlockt: das Affenpockenvirus.


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Auf sozialen Medien mehren sich die Beitr√§ge unter dem Hashtag #Plandemie. Nutzerinnen und Nutzer behaupten, das Auftreten des Virus, von dem es inzwischen auch F√§lle in Deutschland gibt, sei kein Zufall. Ein Nutzer schreibt etwa: "Es ist bemerkenswert, dass man, nachdem es mit Corona 'nicht geklappt hat', sich nun eine Krankheit f√ľr die n√§chste #Plandemie 'aussucht', gegen die mit hoher Wahrscheinlichkeit die Pockenschutzimpfung sch√ľtzt, die sowieso schon die meisten erhalten haben."

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Simulation eines Affenpockenausbruchs

Die Behauptungen sind haltlos ‚Äď dennoch verbreiten sie sich. Gest√ľtzt sind die Aussagen auf die Simulation eines Affenpockenausbruchs im Rahmen der M√ľnchner Sicherheitskonferenz im Jahr 2021. Diese wurde organisiert von der Non-Profit-Organisation Nuclear Threat Initiative (NTI), die sich f√ľr die internationale Friedenssicherung durch die Verhinderung katastrophaler Attacken oder von Unf√§llen mit Massenvernichtungswaffen einsetzt. Dabei geht es insbesondere um nukleare, biologische und chemische Waffen.

In der √úbung spielten Fachleute ein fiktives Szenario zum Ausbruch biologisch manipulierter Affenpocken durch: Das Virus trat in der fiktiven Nation Brinia auf und breitete sich binnen 18 Monaten weltweit aus. Der urspr√ľngliche Ausbruch wurde durch einen Terroranschlag verursacht, bei dem ein Erreger verwendet wurde, der in einem Labor mit unzureichenden Sicherheitsvorkehrungen entwickelt wurde. Am Ende der √úbung f√ľhrte die fiktive Pandemie zu mehr als drei Milliarden Krankheitsf√§llen und 270 Millionen Todesopfern weltweit.


Die gewonnene Erkenntnis: "Das internationale System der Pandemiepr√§vention, -erkennung, -analyse, -warnung und -reaktion ist trotz der Verbesserungen im Anschluss an die weltweite Reaktion auf Covid-19 v√∂llig unzureichend, um den aktuellen und erwarteten k√ľnftigen Herausforderungen zu begegnen", hei√üt es im Bericht von NTI.

Skeptiker: Das kann kein Zufall sein

Verschw√∂rungstheoretiker st√ľrzen sich vor allem auf das Datum des Ausbruchs in der √úbung: der 15. Mai 2022. In der Realit√§t wurde der erste Fall des aktuellen Ausbruchs am 7. Mai gemeldet. Das k√∂nne kein Zufall sein, meinen die Skeptiker.

Was sie nicht beachten: Solche Szenarien, wie etwa eine Pandemie, werden oft durchgespielt, um k√ľnftig besser darauf vorbereitet zu sein. Bei der Gesundheitsministerkonferenz der sieben f√ľhrenden Industriestaaten (G7) vor wenigen Tagen spielten die Teilnehmer etwa die Ausbreitung der "Leopardenpocken" durch. Mehr dazu lesen Sie hier.

Dass die Affenpocken absichtlich verbreitet werden, entspringt lediglich der Welt der Verschw√∂rungstheorien. Derzeit gibt es keine Hinweise f√ľr die Richtigkeit derartiger Behauptungen.

Affenpocken bei Menschen bereits seit 52 Jahren bekannt

Affenpocken-Infektionen beim Menschen waren bislang vor allem aus Regionen West- und Zentralafrikas bekannt. Der erste Fall einer Affenpocken-Infektion beim Menschen sei 1970 in der Demokratischen Republik Kongo registriert worden, schreibt ein internationales Forscherteam im Fachmagazin "Plos Neglected Tropical Diseases". Dass der Erreger Menschen befallen kann, ist also seit mehr als 50 Jahren bekannt. Danach habe sich das Virus in andere Länder Afrikas ausgebreitet, 2003 sei es erstmals außerhalb des Kontinents nachgewiesen worden.

Im westafrikanischen Nigeria wurden in diesem Jahr nach Angaben der dortigen Gesundheitsbeh√∂rde zwischen Januar und Ende April 15 F√§lle von Affenpocken erfasst. In Nigeria, Kamerun und der Demokratischen Republik Kongo kam es laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in den vergangenen f√ľnf Jahren immer wieder zu Ausbr√ľchen.

Auch auf eine Manipulation des Virus deutet nichts hin: Bei der derzeit in Europa und den USA auftretenden Variante handelt es sich um die westafrikanische, die mildere der zwei bekannten Virusvarianten, wobei noch nicht alle Proben sequenziert wurden.

250 Fälle in 16 Ländern

Der WHO sind inzwischen mehr als 250 F√§lle von Affenpocken aus 16 L√§ndern gemeldet worden. Diese Zahl an best√§tigten Infektionen und Verdachtsf√§llen betreffe jedoch nur L√§nder, in denen die Viruskrankheit zuvor nicht regelm√§√üig geh√§uft aufgetreten sei, sagte WHO-Expertin Rosamund Lewis am Dienstag in Genf. "Dieser Ausbruch kann einged√§mmt werden", sagte sie. Die aktuelle H√§ufung der F√§lle sei zwar besorgniserregend, doch das Risiko f√ľr die √Ėffentlichkeit gering.

Auch Mediziner warnen vor zu gro√üer Aufregung um das Virus: Die Corona-bedingte Wachsamkeit werde dazu f√ľhren, dass Kontaktpersonen von Infizierten rasch identifiziert werden k√∂nnen. Es komme "wahrscheinlich keine neue Epidemie auf uns zu", sagte Tobias Tenenbaum, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft f√ľr P√§diatrische Infektiologie, der "Neuen Osnabr√ľcker Zeitung".

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) mahnte, wachsam zu sein. "Corona hat uns gelehrt, sehr genau die Entwicklung weltweit zu betrachten. Denn in einer globalisierten Welt verbreiten sich nicht nur G√ľter schnell, sondern auch Krankheiten", sagte Verbandschef Gerald Ga√ü dem RND. "Aber nach derzeitigem Stand der Erkenntnisse m√ľssen wir keine Affenpocken-Pandemie bef√ľrchten."

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