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Waldbrände in Griechenland: Deutschland wäre für Ernstfall nicht gewappnet

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Gefahr durch Waldbrände  

Deutschland ist für den Ernstfall nicht gewappnet

Von Sara Orlos

28.07.2018, 17:16 Uhr
Waldbrände in Griechenland: Deutschland wäre für Ernstfall nicht gewappnet. Großer Waldbrand bei Potsdam: Am vergangenen Donnerstag ist das Feuer an der Autobahn entstanden und breitete sich rasant aus. (Quelle: dpa/Polizei Brandenburg)

Großer Waldbrand bei Potsdam: Am vergangenen Donnerstag ist das Feuer an der Autobahn entstanden und breitete sich rasant aus. (Quelle: Polizei Brandenburg/dpa)

In Deutschland gibt es kein einziges Löschflugzeug. Doch nicht aus diesem Grund sind die Einsatzkräfte für die Bekämpfung eines Flächenbrandes wie in Griechenland nicht vorbereitet. 

Bewegende Bilder von den Waldbränden in Griechenland gehen um die Welt: Feuerwehr und Privatpersonen kämpften tagelang gemeinsam mit den Flammen. Über ihnen fliegen Löschflugzeuge und lassen Mengen an Wasser auf die brennenden Wälder fallen. Ein Szenario, das in demselben Fall in Deutschland in diesem Moment wohl nicht zu sehen sein würde. Warum? In der Bundesrepublik gibt es kein einziges Löschflugzeug. Experten warnen, dass die Rettungskräfte hierzulande für einen Ernstfall nicht gewappnet sind. Doch braucht Deutschland überhaupt Löschflugzeuge oder liegt das Problem woanders?

Ein Löschflugzeug wirft Wasser über einen Waldbrand: In Deutschland gibt es keine Löschflugzeuge.  (Quelle: imago/Peter Seyfferth)Ein Löschflugzeug wirft Wasser über einen Waldbrand: In Deutschland gibt es keine Löschflugzeuge. (Quelle: Peter Seyfferth/imago)

Viele Waldbrände in Deutschland

Das Flammen-Inferno in Griechenland tötete bereits 86 Menschen. Trotz Löschflugzeugen, Feuerwehr und dem Einsatz von Privatpersonen dauerte es Tage, die Brände unter Kontrolle zu bekommen. In Deutschland müsste man in solch einem Fall ohne Flugzeuge auskommen. Das macht angesichts der Dramatik in Griechenland Angst.

Zu Recht, wenn man bedenkt, dass Deutschland zu einem Drittel mit Wald bedeckt ist. Auch die Anzahl der Waldbrände ist in der Bundesrepublik ähnlich wie in Griechenland. 2016 brannte es nach Angaben der Europäischen Kommission 777 Mal in Griechenland, in Deutschland 608 Mal. Die Meisten Brände im europäischen Raum gab es in Portugal mit 13.261 – dahinter liegt Spanien mit 8.817 Bränden.

Anzahl der Waldbrände in europäischen Ländern im Jahr 2016.  (Quelle: Statista)Anzahl der Waldbrände in europäischen Ländern im Jahr 2016. (Quelle: Statista)


Angesichts der herrschenden Hitze in Deutschland könnte man meinen, dass ein großer Flächenbrand genauso wahrscheinlich ist wie in Südeuropa. Doch der Deutsche Feuerwehrverband (DFV) ist hier anderer Meinung.

Riesige Flächenbrände in Deutschland fast unmöglich

Eine Lage wie in Griechenland sei demnach kaum möglich. Vor allem die Vegetation sei hier anders und Präventionsmaßnahmen wie Brandschneisen würden das Risiko eines Flammeninfernos verringern. Im internationalen Vergleich habe Deutschland außerdem mit über einer Million Feuerwehrleuten eine sehr stark aufgestellte Feuerwehr, sagte Verbandspräsident Hartmut Ziebs in einem Fernsehinterview. Außerdem gebe es mehr Zufahrtswege und Hydranten im Wald als beispielsweise in Griechenland.

Die Wahrscheinlichkeit für einen Großflächenbrand ist in Deutschland somit geringer. Aber sollte man nicht für alle Fälle gewappnet sein? Harald Ebner (Grüne), Bundestagssprecher für Waldpolitik, plädiert für Löschflugzeuge, auch wenn sie möglicherweise nicht so oft gebraucht werden wie in anderen Staaten. „Für den möglichen Fall großer Waldbrände braucht es ausreichende Spezialisten und eine gute Ausrüstung zum Beispiel mit Löschflugzeugen“, sagte er.

Löschhubschrauber der Bundeswehr: Der Hubschrauber unterstützt beim Löschen des Waldbrandes in Potsdam. (Quelle: dpa/Christian Pörschmann)Löschhubschrauber der Bundeswehr: Der Hubschrauber unterstützt beim Löschen des Waldbrandes in Potsdam. (Quelle: Christian Pörschmann/dpa)

Aus Sicht der Experten liegt die Problematik aber ganz woanders:

„Deutschland braucht keine Löschflugzeuge“, behauptet Rudolf Römer vom Deutschen Feuerwehrverband gegenüber t-online.de. Man brauche dafür mehr Löschhubschrauber, da diese hier nützlicher seien sagte der Experte. Deutschland habe vor allem im Inland nicht genügend große Gewässer, um die Flugzeuge schnell zu betanken. Griechenland dagegen ist vom Meer umgeben – dort fliegen die Löschflugzeuge binnen Sekunden über dem Wasser, öffnen die Tankklappe, um das Wasser einzusammeln, und fliegen sofort weiter, um das Feuer zu löschen", sagte Rudolf Römer. In Deutschland müsste man die Flugzeuge an Land betanken, was viel Zeit in Anspruch nehmen würde.

Französische Löschflugzeuge tanken Meerwasser.  (Quelle: Peter Seyfferth)Französische Löschflugzeuge tanken Meerwasser. (Quelle: Peter Seyfferth)

Das Problem liegt ganz woanders

„Wir brauchen mehr Löschhubschrauber. Wir haben zu wenige“, sagte Rudolf Römer in einem Interview mit t-online.de. Hubschrauber könnten schneller betankt werden. Sie müssten hierfür nicht landen, sondern an sogenannte Außenlastbehälter angeschlossen werden. „Wir haben in Deutschland viele solcher Behälter, aber was nutzen sie, wenn wir keine Hubschrauber haben“, sagte Römer.

Allein die Bundeswehr, die Bundespolizei und Länderpolizei verfügen über solche Löschhelikopter – die Feuerwehr dagegen nicht. Von den 40 größeren Hubschraubern sei die Hälfte entweder kaputt, oder woanders im Auslandseinsatz und stehe im Ernstfall somit nicht zur Verfügung, sagte Ulrich Cimolino vom Verband der Feuerwehren (VdF).

Zwar ist die Entwicklung eines Waldbrandes zu einem Flächenbrand wie in Griechenland in Deutschland unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich. Für einen  Ernstfall ist Deutschland somit nicht gewappnet. Das liegt aber nicht an den nicht vorhandenen Löschflugzeugen, wie zunächst angenommen, sondern an der geringen Anzahl der Löschhubschrauber, die vor allem bei schwer zugänglichen Waldstücken unverzichtbar wären.

Verwendete Quellen:
  • Bericht Tagesspiegel
  • Statistik Feuerwehrverband
  • AFP
  • dpa
  • Bericht infranken.de
  • Eigene Recherche
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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