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Fall Skripal: Verdächtige Russen wollen nur Touristen gewesen sein

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Nach Giftgasanschlag in Großbritannien  

Verdächtige Russen wollen nur Touristen gewesen sein

13.09.2018, 23:06 Uhr | dpa

Fall Skripal: Verdächtige Russen wollen nur Touristen gewesen sein. Ruslan Boschirow (l) und Alexander Petrow im Interview: In einem Fernseh-Interview haben sich die zwei Verdächtigen im "Fall Skripal" zu Wort gemeldet.  (Quelle: dpa)

Ruslan Boschirow (l) und Alexander Petrow im Interview: In einem Fernseh-Interview haben sich die zwei Verdächtigen im "Fall Skripal" zu Wort gemeldet. (Quelle: dpa)

Die beiden im Fall Skripal von London als Gift-Attentäter verdächtigten Russen sind nach eigener Darstellung als Touristen nach Großbritannien gereist.

Freunde hätten ihnen empfohlen, "die wunderschöne Stadt" Salisbury zu besuchen und sich "die bekannte Kathedrale anzuschauen", beteuerten Alexander Petrow und Ruslan Boschirow in einem veröffentlichten Interview des kremlnahen Senders RT.

Die britischen Behörden hatten vergangene Woche Namen und Fahndungsfotos der beiden Verdächtigten veröffentlicht. London wirft ihnen vor, den russischen Ex-Spion Sergej Skripal und dessen Tochter in der englischen Kleinstadt mit dem Kampfstoff Nowitschok vergiftet zu haben. Es soll sich nach britischen Angaben dabei um zwei Mitglieder des russischen Militärgeheimdienstes handeln.

Fall verursacht diplomatische Krise

Vater und Tochter Skripal waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank in der südenglischen Kleinstadt Salisbury entdeckt worden. Sie mussten wochenlang intensiv behandelt werden und entkamen nur knapp dem Tod. London macht den Kreml für das Attentat verantwortlich. Moskau bestreitet die Vorwürfe. Der Fall löste eine schwere diplomatische Krise aus.



Russlands Präsident Wladimir Putin hatte am Mittwoch mitgeteilt, die beiden Männer seien von den russischen Behörden aufgespürt worden. Es gäbe "nichts Außergewöhnliches und Kriminelles" an ihnen, so Putin. Es handle sich um Zivilisten, nicht um Militärangehörige.

London bekräftigte dagegen die Vorwürfe. "Die Regierung ist sich sicher, das diese Männer Mitarbeiter des russischen Militärgeheimdiensts GRU sind, die eine verheerend giftige, illegale chemische Waffe auf den Straßen unseres Landes eingesetzt haben", teilte das britische Außenministerium am Donnerstag mit. Moskau habe durchgehend mit "Verschleierung und Lügen" auf die Vorwürfe reagiert.

Identifikation der Verdächtigen dank Videomaterial möglich

Die britische Polizei hatte die beiden Verdächtigen unter anderem anhand von Videoaufnahmen identifiziert. Minutiös zeichneten die Ermittler den Weg der Männer nach Salisbury nach.

Die beiden reisten demnach am 2. März per Flugzeug von Moskau nach London. In ihrem Hotel in London seien winzige Spuren des verwendeten Nervengifts nachgewiesen worden, hieß es in einer Polizei-Mitteilung. Am 3. März sollen sie die südenglische Stadt Salisbury ausgekundschaftet haben. Am Folgetag reisten sie erneut nach Salisbury und wurden dort in der Nähe des Wohnhauses Skripals gesichtet. Die Polizei geht davon aus, dass sie dabei das Gift auf die Türklinke aufbrachten.

Den beiden Verdächtigen zufolge handelt es sich dabei aber alles um einen Irrtum. Bei ihrem ersten Ausflug nach Salisbury hätten sie sich das nahegelegene Steinzeitmonument Stonehenge anschauen wollen, gaben die Männer in dem RT-Interview an. Wegen schlechten Wetters hätten sie die Stadt aber nach etwa einer Stunde wieder verlassen und seien nach London zurückgekehrt.

Verdächtige weisen Tat von sich 

Möglicherweise seien sie am Skripal-Haus vorbeigekommen, gaben die beiden Männer zu. Sie hätten aber nicht gewusst, wo sich dieses befindet. "Wir hoffen, dass die wahren Täter gefunden werden und wir eine Entschuldigung bekommen", sagte Petrow in dem Interview. Ihr Leben habe sich inzwischen stark verändert. Sie könnten sich nicht mehr unerkannt in der Öffentlichkeit aufhalten. Der Sender RT (früher Russia Today) wird staatlich finanziert. Kritiker werfen ihm vor, als Propagandainstrument die Politik des Kreml zu unterstützen.

Nowitschok gehört zu den tödlichsten Kampfstoffen und kann über die Haut oder Atemwege in den Körper gelangen. Die Überlebenschancen sind sehr gering. Sowjetische Forscher entwickelten die Serie neuartiger Nervengifte in den 1970er und 80er Jahren heimlich, um internationale Verbote zu umgehen. Auch andere Länder forschten damit.

Skripal in Russland zu 13 Jahren Lagerhaft verurteilt

Anfang Juli kam ein britisches Paar aus dem nahen Amesbury versehentlich mit dem Nervengift in Kontakt. Der Mann hatte ein Parfümfläschchen gefunden, das er seiner Freundin schenkte. Sie hatte sich mit der Flüssigkeit besprüht – die dreifache Mutter starb acht Tage nachdem sie ins Krankenhaus eingeliefert worden war.

Die britischen Ermittler gehen davon aus, dass die Parfümflasche den Skripal-Attentätern als Behälter für das Gift bei dem Anschlag gedient hat. Es handelte sich in beiden Fällen um den exakt gleichen Stoff. Das bestätigten Untersuchungen der Organisation für ein Verbot von Chemiewaffen (OPCW).


Sergej Skripal hatte früher für den russischen Militärgeheimdienst GRU gearbeitet und dem britischen MI6 Informationen weitergeleitet. 2004 flog er auf. Er wurde in Russland zu 13 Jahren Lagerhaft verurteilt. Bei einem Gefangenenaustausch kam er 2010 nach Großbritannien.

Verwendete Quellen:
  • dpa

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