Meinung
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Die subjektive Sicht des Autors auf das Thema. Niemand muss diese Meinung √ľbernehmen, aber sie kann zum Nachdenken anregen.

"Kriminelle Clans spalten unsere Gesellschaft"

Von Ralph Ghadban, aus dem Buch "Arabische Clans"

Aktualisiert am 11.10.2018Lesedauer: 6 Min.
Das Graffiti des in Berlin erschossenen Nidal R.: In der Hauptstadt gibt es Auseinandersetzungen zwischen Clans.
Das Graffiti des in Berlin erschossenen Nidal R.: In der Hauptstadt gibt es Auseinandersetzungen zwischen Clans. (Quelle: /imago-images-bilder)
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Arabische Clans beherrschen die Unterwelt zahlreicher deutscher Gro√üst√§dte. Mittlerweile gehen sie zum Angriff auf die Staatsgewalt √ľber. Das liegt auch an Ideologen, die wegsehen.

"Der deutsche Staat interessiert mich nicht. Wir haben unsere eigenen Gesetze. Sonst w√ľrden wir doch nicht so eine Schei√üe machen." Dies sind die Worte Tareks, eines Kokain-Dealers, der mit seiner arabischen Gro√üfamilie im Berliner Bezirk Neuk√∂lln lebt. So spricht ein Mitglied der arabischen Clans.

Ganz anders spricht ein gewöhnliches Bandenmitglied der organisierten Kriminalität. Denn jemand, der einer solchen Bande angehört, ist durchaus am deutschen Staat interessiert, schließlich will er sich ja dessen Kontrolle entziehen. Auch ein solches Bandenmitglied hat seine eigenen Gesetze. Aber es sieht darin auf keinen Fall eine Alternative zum Rechtsstaat, sondern lediglich ein Instrument, um die Beziehungen in der kriminellen Unterwelt zu regeln.

Das Recht der Clans

Tarek und seinesgleichen dagegen scheinen sich im Besitz eines eigenen Rechtssystems zu wähnen, das sie veranlasst, unsere Gesetze zu brechen. Mit der Nichtbeachtung dieser Gesetze signalisieren sie deutlich eine Ablehnung des Rechtsstaates. Ihre rechtlichen Vorstellungen werden ihnen in der islamischen Parallelgesellschaft vermittelt. (...)

Der Islamwissenschaftler Ralph Ghadban: Er macht die Politik des Multikulturalismus verantwortlich f√ľr gescheiterte Integration.
Der Islamwissenschaftler Ralph Ghadban: Er macht die Politik des Multikulturalismus verantwortlich f√ľr gescheiterte Integration. (Quelle: /ullstein-bild)
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Der Islam ist nicht nur eine Religion, sondern zugleich eine politische Herrschaft und ein Rechtssystem. Er bildet die Grundlage zu einer jahrhundertealten Zivilisation, die unentwegt in Konfrontation mit dem christlichen Europa stand. W√§hrend Europa sich mit der Aufkl√§rung und der Moderne kulturell ver√§ndert und weiterentwickelt hat, behielt die islamische Welt die Grundz√ľge ihrer Kultur weitgehend bei. Eine gro√üe Errungenschaft im Westen stellt der Sieg des Humanismus dar, der den Menschen in das Zentrum aller Bem√ľhungen stellt. Das Individuum ist die Referenz f√ľr das gesamte soziokulturelle System. Nur im Westen ist dies geschehen.

Scharia verfestigt das Patriarchat

In der islamischen Welt hat sich das Individuum von der Gro√üfamilie und der Gemeinschaft aller Muslime, der sogenannten Umma, nicht befreien k√∂nnen. Diese Gruppenorganisation ist von der Religion mit ihrer Scharia zementiert worden. Fast √ľberall in der islamischen Welt regelt die Scharia das Familien- und Erbrecht und verfestigt die patriarchalischen Verh√§ltnisse der Gro√üfamilie. Es gilt f√ľr Muslime die im Koran vorgeschriebene Distanzierung von den "Ungl√§ubigen" wie bei den Traditionalisten, bis zur Gewaltanwendung gegen "Ungl√§ubige " bei den Dschihadisten.

Mit diesem kulturellen Hintergrund sind die Muslime in den Westen eingewandert. Die Hoffnung auf Modernisierung ihrer Kultur und Religion wurde enttäuscht, ein moderner Islam existiert bis heute nicht. Stattdessen sind die islamischen Parallelgesellschaften entstanden. Immer wieder wird behauptet, ihre Entstehung hinge mit der gescheiterten Integrationspolitik zusammen.

Multikulti lenkt vom entscheidenden Problem ab

Das ist zum Teil wahr, weil von der Integrationspolitik alle Migranten betroffen sind: Italiener, Griechen, Polen, Brasilianer, Vietnamesen und unz√§hlige weitere Gruppen ‚Äď aber nur bei den Muslimen ist eine Parallelgesellschaft entstanden, weil sie eine globale, alternative und zugleich ausschlie√üende Kultur haben. Ihre starre Kultur bek√§mpft alle Fremdeinfl√ľsse und erlaubt kein gleichberechtigtes Zusammenleben mit Nichtmuslimen, sie sind √ľberzeugt von der √úberlegenheit ihrer Religion, dem Herrschaftsanspruch ihrer Gemeinschaft und k√∂nnen im besten Fall die "Ungl√§ubigen" nur dulden. (...)

Diese Zersplitterung der Gesellschaft wird zudem von der multikulturalistischen Ideologie unterst√ľtzt, die die Kulturen bedingungslos respektiert. Nicht mehr die W√ľrde des Menschen, sondern die W√ľrde der Kultur beziehungsweise der Religion wird verteidigt. Bei den muslimischen B√ľrgern wird vor allem ihre religi√∂se Identit√§t gesch√ľtzt und das Grundgesetz somit auf die positive Religionsfreiheit ‚Äď also auf das Recht, eine religi√∂se oder weltanschauliche Handlung auszuf√ľhren ‚Äď reduziert. Die Tatsache hingegen, dass der organisierte Islam die Menschenrechte ausschlie√ülich im Rahmen der Scharia anerkennt, wird ausgeklammert. Multikulti und die falschen Debatten lenken von einem entscheidenden konstitutiven Element ab, das die Existenz der Parallelgesellschaft √ľberhaupt erst erm√∂glicht hat: die islamische Gro√üfamilie. (...)

Die Umma, die islamische Gemeinschaft

Stattdessen findet regelm√§√üig eine oberfl√§chliche, aber erhitzte Debatte √ľber das Kopftuch statt, fast immer in Bezug auf Religionsfreiheit. Dabei sprechen Kritiker von der Unterdr√ľckung der Frau, Bef√ľrworter von einem Akt der Emanzipation, und manch einer bem√ľht die Religion, um zu erfahren, ob das Kopftuch nun obligatorisch ist oder nicht. Aber niemand stellt die Frage nach der Struktur der islamischen Familie und ihrer spezifischen Funktion in der Herausbildung der islamischen Gemeinschaft, der Umma. (...)

Orientalisten haben die Beziehung zwischen Religion und Stamm analysiert, manche sprechen von der Umma [also der islamischen Gemeinschaft] als gro√üem Stamm, ich nenne sie einen Megastamm. Das ist auch in der √Ėffentlichkeit ein Tabuthema. Aber ohne das Wissen √ľber sie ist es unm√∂glich, die Parallelgesellschaft, geschweige denn die Clankriminalit√§t zu verstehen, denn beide beruhen auf der Gro√üfamilie. Die interne Solidarit√§t der Gro√üfamilie ist unterschiedlich stark. Sie bestimmt die Integrationsbereitschaft ihrer Mitglieder, je schw√§cher sie ist, umso gr√∂√üer sind die Integrationschancen und umgekehrt.

Autonome B√ľrger sind den Clans ausgeliefert

Was alle Gro√üfamilien zusammenh√§lt, ist die islamische Parallelgesellschaft. Im Megastamm der Umma ist die Identifizierung mit der Religion unterschiedlich intensiv. Bei den Radikalen, die uns nicht nur ablehnen, sondern auch hassen, f√ľhrt sie zur religi√∂sen Kriminalit√§t, dem Terrorismus. Die Gro√üfamilien, bei denen die Verachtung f√ľr uns und unsere Werte besonders gro√ü ist, haben die Clankriminalit√§t entwickelt:

Sie haben gemerkt, dass in unserer offenen, toleranten Gesellschaft die Menschen als Individuen und autonome m√ľndige B√ľrger, die das Gewaltmonopol des Staates respektieren, ihnen als aggressiv auftretende Gruppe ausgeliefert sind. Deshalb haben sie die Gruppensolidarit√§t des Clans weiterentwickelt und verfestigt und damit seine Funktion ge√§ndert. W√§hrend der Clan in der Heimat dem Schutz der Gruppe diente, hat er sich heute in Deutschland zu einer kriminellen Organisation entwickelt. (...)

Es geht im Grunde genommen um zwei unterschiedliche Zivilisationsmodelle: das westliche Modell, das auf dem autonomen, m√ľndigen Individuum beruht, und das islamische Modell, das auf der Gruppe ‚Äď sei es die Gro√üfamilie oder der Megastamm der Muslime, die Umma ‚Äď basiert und die Autonomie und M√ľndigkeit des Individuums einschr√§nkt. Die beiden Modelle sind inkompatibel, die Integration setzt die Befreiung des Individuums voraus; das bedeutet die Sprengung der Gruppe. Die Multikulturalisten aber wollen die Gruppen besch√ľtzen und verhindern ma√ügeblich die Integration. (...)

Multikulturalismus wird oft mit Multikulturalität verwechselt. Infolge der Migration gibt es kaum noch monokulturelle Staaten, Multikulturalität ist daher ein empirisch feststellbares Phänomen. Multikulturalismus hingegen ist eine Philosophie der Anerkennung, die ihren Ausdruck in einer Politik der Akzeptanz kultureller Differenz findet. Er ist eine Ideologie, die in den multikulturellen Gesellschaften den von dem angeblich homogenen Nationalstaat verursachten Rassismus und die Diskriminierung bekämpfen will.

Er beabsichtigt, eine gesellschaftliche Integration mit Beibehaltung der Unterschiede in ihrer ganzen Bandbreite zu realisieren. Er postuliert, dass die treibende existenzielle Kraft des Menschen die Verwirklichung der eigenen kulturellen Identität sei. Daher wird die gesellschaftliche Auseinandersetzung von dem Kampf um Anerkennung und nicht mehr von dem Kampf um die materiellen Lebensbedingungen dominiert.

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Eine gesamtsoziale Aufgabe

Gerade Anerkennung und Respekt haben es den Muslimen erlaubt, ihre Kultur mitsamt ihrem abweichenden Wertesystem in westlichen Demokratien zu etablieren, mit dem Ergebnis, dass wir eine tiefe Spaltung unserer Gesellschaft erleben: Auf der einen Seite eine offene, tolerante und kompromissvolle Mehrheitsgesellschaft, auf der anderen Seite eine geschlossene, teilweise aggressive und kompromisslose Parallelgesellschaft, die religiösen Terrorismus und Clankriminalität erzeugt.

[Die] Bek√§mpfung der Clankriminalit√§t [ist] eine gesamtsoziale Aufgabe, die nicht nur Polizei und Justiz betrifft, sondern alle staatlichen Beh√∂rden und sozialen Organisationen. Es geht darum, in unserer offenen und toleranten Gesellschaft, die aus autonomen, m√ľndigen Individuen besteht, Millionen Menschen aus dem islamischen Kulturkreis zu integrieren, die sich an erster Stelle als Gruppen verstehen und in Gro√üfamilien eingebunden sind.


Die islamische Parallelgesellschaft und die kriminellen Clans spalten unsere Gesellschaft und bedrohen unsere freiheitlich demokratische Rechtsordnung. (...) Heinz Buschkowsky bringt die Kritik auf den Punkt: "Eine Gesellschaft, die ihre Normen nicht exekutiert, macht sich nicht nur zum Kasper, sondern darf sich auch nicht wundern, wenn das entstehende Vakuum sofort durch alternative Lebensregeln gef√ľllt wird."

Das Vakuum verdanken wir der Multikulti-Ideologie, sie stellt die gr√∂√üte Bedrohung unserer Rechtsordnung dar und untergr√§bt systematisch unser Wertesystem. (...) Der Hauptgrund daf√ľr, meine ich, ist vor allem die political correctness, die das Handeln vieler hemmt oder, als Ausdruck von √úberzeugung, sogar verhindert. Das gilt auch f√ľr die Politik als letzte und h√∂chste Instanz, sie tr√§gt die volle Verantwortung f√ľr die gescheiterte Integration, die sie durch ihre Multikulti-Einstellung verhindert hat. Die Politiker aber haben schlie√ülich wir, die B√ľrger, gew√§hlt.

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