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Ralph Ghadban: Mulitkulti lässt arabische Clans gewähren

MEINUNGUrsache Multikulti?  

"Kriminelle Clans spalten unsere Gesellschaft"

Von Ralph Ghadban, aus dem Buch "Arabische Clans"

11.10.2018, 18:53 Uhr
Ralph Ghadban: Mulitkulti lässt arabische Clans gewähren. Das Graffiti des in Berlin erschossenen Nidal R.: In der Hauptstadt gibt es Auseinandersetzungen zwischen Clans. (Quelle: imago)

Das Graffiti des in Berlin erschossenen Nidal R.: In der Hauptstadt gibt es Auseinandersetzungen zwischen Clans. (Quelle: imago)

Arabische Clans beherrschen die Unterwelt zahlreicher deutscher Großstädte. Mittlerweile gehen sie zum Angriff auf die Staatsgewalt über. Das liegt auch an Ideologen, die wegsehen. 

"Der deutsche Staat interessiert mich nicht. Wir haben unsere eigenen Gesetze. Sonst würden wir doch nicht so eine Scheiße machen." Dies sind die Worte Tareks, eines Kokain-Dealers, der mit seiner arabischen Großfamilie im Berliner Bezirk Neukölln lebt. So spricht ein Mitglied der arabischen Clans.

Ganz anders spricht ein gewöhnliches Bandenmitglied der organisierten Kriminalität. Denn jemand, der einer solchen Bande angehört, ist durchaus am deutschen Staat interessiert, schließlich will er sich ja dessen Kontrolle entziehen. Auch ein solches Bandenmitglied hat seine eigenen Gesetze. Aber es sieht darin auf keinen Fall eine Alternative zum Rechtsstaat, sondern lediglich ein Instrument, um die Beziehungen in der kriminellen Unterwelt zu regeln. 

Das Recht der Clans

Tarek und seinesgleichen dagegen scheinen sich im Besitz eines eigenen Rechtssystems zu wähnen, das sie veranlasst, unsere Gesetze zu brechen. Mit der Nichtbeachtung dieser Gesetze signalisieren sie deutlich eine Ablehnung des Rechtsstaates. Ihre rechtlichen Vorstellungen werden ihnen in der islamischen Parallelgesellschaft vermittelt. (...)

Der Islamwissenschaftler Ralph Ghadban: Er macht die Politik des Multikulturalismus verantwortlich für gescheiterte Integration. (Quelle: ullstein bild)Der Islamwissenschaftler Ralph Ghadban: Er macht die Politik des Multikulturalismus verantwortlich für gescheiterte Integration. (Quelle: ullstein bild)

Der Islam ist nicht nur eine Religion, sondern zugleich eine politische Herrschaft und ein Rechtssystem. Er bildet die Grundlage zu einer jahrhundertealten Zivilisation, die unentwegt in Konfrontation mit dem christlichen Europa stand. Während Europa sich mit der Aufklärung und der Moderne kulturell verändert und weiterentwickelt hat, behielt die islamische Welt die Grundzüge ihrer Kultur weitgehend bei. Eine große Errungenschaft im Westen stellt der Sieg des Humanismus dar, der den Menschen in das Zentrum aller Bemühungen stellt. Das Individuum ist die Referenz für das gesamte soziokulturelle System. Nur im Westen ist dies geschehen.

Scharia verfestigt das Patriarchat

In der islamischen Welt hat sich das Individuum von der Großfamilie und der Gemeinschaft aller Muslime, der sogenannten Umma, nicht befreien können. Diese Gruppenorganisation ist von der Religion mit ihrer Scharia zementiert worden. Fast überall in der islamischen Welt regelt die Scharia das Familien- und Erbrecht und verfestigt die patriarchalischen Verhältnisse der Großfamilie. Es gilt für Muslime die im Koran vorgeschriebene Distanzierung von den "Ungläubigen" wie bei den Traditionalisten, bis zur Gewaltanwendung gegen "Ungläubige " bei den Dschihadisten.

Mit diesem kulturellen Hintergrund sind die Muslime in den Westen eingewandert. Die Hoffnung auf Modernisierung ihrer Kultur und Religion wurde enttäuscht, ein moderner Islam existiert bis heute nicht. Stattdessen sind die islamischen Parallelgesellschaften entstanden. Immer wieder wird behauptet, ihre Entstehung hinge mit der gescheiterten Integrationspolitik zusammen.

Multikulti lenkt vom entscheidenden Problem ab

Das ist zum Teil wahr, weil von der Integrationspolitik alle Migranten betroffen sind: Italiener, Griechen, Polen, Brasilianer, Vietnamesen und unzählige weitere Gruppen – aber nur bei den Muslimen ist eine Parallelgesellschaft entstanden, weil sie eine globale, alternative und zugleich ausschließende Kultur haben. Ihre starre Kultur bekämpft alle Fremdeinflüsse und erlaubt kein gleichberechtigtes Zusammenleben mit Nichtmuslimen, sie sind überzeugt von der Überlegenheit ihrer Religion, dem Herrschaftsanspruch ihrer Gemeinschaft und können im besten Fall die "Ungläubigen" nur dulden. (...)

Diese Zersplitterung der Gesellschaft wird zudem von der multikulturalistischen Ideologie unterstützt, die die Kulturen bedingungslos respektiert. Nicht mehr die Würde des Menschen, sondern die Würde der Kultur beziehungsweise der Religion wird verteidigt. Bei den muslimischen Bürgern wird vor allem ihre religiöse Identität geschützt und das Grundgesetz somit auf die positive Religionsfreiheit – also auf das Recht, eine religiöse oder weltanschauliche Handlung auszuführen – reduziert. Die Tatsache hingegen, dass der organisierte Islam die Menschenrechte ausschließlich im Rahmen der Scharia anerkennt, wird ausgeklammert. Multikulti und die falschen Debatten lenken von einem entscheidenden konstitutiven Element ab, das die Existenz der Parallelgesellschaft überhaupt erst ermöglicht hat: die islamische Großfamilie. (...)

Die Umma, die islamische Gemeinschaft

Stattdessen findet regelmäßig eine oberflächliche, aber erhitzte Debatte über das Kopftuch statt, fast immer in Bezug auf Religionsfreiheit. Dabei sprechen Kritiker von der Unterdrückung der Frau, Befürworter von einem Akt der Emanzipation, und manch einer bemüht die Religion, um zu erfahren, ob das Kopftuch nun obligatorisch ist oder nicht. Aber niemand stellt die Frage nach der Struktur der islamischen Familie und ihrer spezifischen Funktion in der Herausbildung der islamischen Gemeinschaft, der Umma. (...)

Orientalisten haben die Beziehung zwischen Religion und Stamm analysiert, manche sprechen von der Umma [also der islamischen Gemeinschaft] als großem Stamm, ich nenne sie einen Megastamm. Das ist auch in der Öffentlichkeit ein Tabuthema. Aber ohne das Wissen über sie ist es unmöglich, die Parallelgesellschaft, geschweige denn die Clankriminalität zu verstehen, denn beide beruhen auf der Großfamilie. Die interne Solidarität der Großfamilie ist unterschiedlich stark. Sie bestimmt die Integrationsbereitschaft ihrer Mitglieder, je schwächer sie ist, umso größer sind die Integrationschancen und umgekehrt.

Autonome Bürger sind den Clans ausgeliefert

Was alle Großfamilien zusammenhält, ist die islamische Parallelgesellschaft. Im Megastamm der Umma ist die Identifizierung mit der Religion unterschiedlich intensiv. Bei den Radikalen, die uns nicht nur ablehnen, sondern auch hassen, führt sie zur religiösen Kriminalität, dem Terrorismus. Die Großfamilien, bei denen die Verachtung für uns und unsere Werte besonders groß ist, haben die Clankriminalität entwickelt:

Sie haben gemerkt, dass in unserer offenen, toleranten Gesellschaft die Menschen als Individuen und autonome mündige Bürger, die das Gewaltmonopol des Staates respektieren, ihnen als aggressiv auftretende Gruppe ausgeliefert sind. Deshalb haben sie die Gruppensolidarität des Clans weiterentwickelt und verfestigt und damit seine Funktion geändert. Während der Clan in der Heimat dem Schutz der Gruppe diente, hat er sich heute in Deutschland zu einer kriminellen Organisation entwickelt. (...)

Es geht im Grunde genommen um zwei unterschiedliche Zivilisationsmodelle: das westliche Modell, das auf dem autonomen, mündigen Individuum beruht, und das islamische Modell, das auf der Gruppe – sei es die Großfamilie oder der Megastamm der Muslime, die Umma – basiert und die Autonomie und Mündigkeit des Individuums einschränkt. Die beiden Modelle sind inkompatibel, die Integration setzt die Befreiung des Individuums voraus; das bedeutet die Sprengung der Gruppe. Die Multikulturalisten aber wollen die Gruppen beschützen und verhindern maßgeblich die Integration. (...)

Multikulturalismus wird oft mit Multikulturalität verwechselt. Infolge der Migration gibt es kaum noch monokulturelle Staaten, Multikulturalität ist daher ein empirisch feststellbares Phänomen. Multikulturalismus hingegen ist eine Philosophie der Anerkennung, die ihren Ausdruck in einer Politik der Akzeptanz kultureller Differenz findet. Er ist eine Ideologie, die in den multikulturellen Gesellschaften den von dem angeblich homogenen Nationalstaat verursachten Rassismus und die Diskriminierung bekämpfen will.

Er beabsichtigt, eine gesellschaftliche Integration mit Beibehaltung der Unterschiede in ihrer ganzen Bandbreite zu realisieren. Er postuliert, dass die treibende existenzielle Kraft des Menschen die Verwirklichung der eigenen kulturellen Identität sei. Daher wird die gesellschaftliche Auseinandersetzung von dem Kampf um Anerkennung und nicht mehr von dem Kampf um die materiellen Lebensbedingungen dominiert.

Eine gesamtsoziale Aufgabe

Gerade Anerkennung und Respekt haben es den Muslimen erlaubt, ihre Kultur mitsamt ihrem abweichenden Wertesystem in westlichen Demokratien zu etablieren, mit dem Ergebnis, dass wir eine tiefe Spaltung unserer Gesellschaft erleben: Auf der einen Seite eine offene, tolerante und kompromissvolle Mehrheitsgesellschaft, auf der anderen Seite eine geschlossene, teilweise aggressive und kompromisslose Parallelgesellschaft, die religiösen Terrorismus und Clankriminalität erzeugt. 

[Die] Bekämpfung der Clankriminalität [ist] eine gesamtsoziale Aufgabe, die nicht nur Polizei und Justiz betrifft, sondern alle staatlichen Behörden und sozialen Organisationen. Es geht darum, in unserer offenen und toleranten Gesellschaft, die aus autonomen, mündigen Individuen besteht, Millionen Menschen aus dem islamischen Kulturkreis zu integrieren, die sich an erster Stelle als Gruppen verstehen und in Großfamilien eingebunden sind.


Die islamische Parallelgesellschaft und die kriminellen Clans spalten unsere Gesellschaft und bedrohen unsere freiheitlich demokratische Rechtsordnung. (...) Heinz Buschkowsky bringt die Kritik auf den Punkt: "Eine Gesellschaft, die ihre Normen nicht exekutiert, macht sich nicht nur zum Kasper, sondern darf sich auch nicht wundern, wenn das entstehende Vakuum sofort durch alternative Lebensregeln gefüllt wird." 

Das Vakuum verdanken wir der Multikulti-Ideologie, sie stellt die größte Bedrohung unserer Rechtsordnung dar und untergräbt systematisch unser Wertesystem. (...) Der Hauptgrund dafür, meine ich, ist vor allem die political correctness, die das Handeln vieler hemmt oder, als Ausdruck von Überzeugung, sogar verhindert. Das gilt auch für die Politik als letzte und höchste Instanz, sie trägt die volle Verantwortung für die gescheiterte Integration, die sie durch ihre Multikulti-Einstellung verhindert hat. Die Politiker aber haben schließlich wir, die Bürger, gewählt.

Verwendete Quellen:
  • Das Buch "Arabische Clans - Die unterschätzte Gefahr" von Autor und Islamwissenschaftler Ralph Ghadban erscheint am Freitag, 12.10.2018, im Econ Verlag, ISBN: 978-3-430-20255-8

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