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Wer ermordete Heike Rimbach in der alten SchÀferei?

  • Dietmar Seher
Von Dietmar Seher

01.12.2019Lesedauer: 7 Min.
Heike Rimbach: 1995 wurde die 19-jÀhrige ermordet auf diesem Dachboden gefunden. Das Foto rechts wurde Jahrzehnte spÀter aufgenommen.
Heike Rimbach: 1995 wurde die 19-jÀhrige ermordet auf diesem Dachboden gefunden. Das Foto rechts wurde Jahrzehnte spÀter aufgenommen. (Quelle: privat/Axel Petermann)
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1995 wird die 19-jÀhrige Heike Rimbach grausam auf einem Dachboden

Es muss das Schlimmste sein, was Eltern durchmachen können: Karl-Heinz Rimbach vermisste seine Tochter seit mehr als zwölf Stunden. Noch einmal suchte er im eigenen Haus. Die Katzen jaulten merkwĂŒrdig. MĂŒllsĂ€cke standen nicht dort, wo sie sonst standen. Dann fand er die 19-JĂ€hrige auf dem Dachboden. Heike trug ein T-Shirt und einen Slip. "Ich sah den Strick um ihren Hals. Blut habe ich keines gesehen. Aber ich wusste sofort, dass sie tot war. Ich habe sie nur kurz angefasst. Sie war eiskalt und blaugefroren. Kein Atem mehr." So schilderte er spĂ€ter dem Profiler Axel Petermann die Entdeckung seiner ermordeten Tochter.

Maria Rimbach ist die Mutter der Toten, seit 24 Jahren kĂ€mpft sie mit dem Erlebten. "Die meisten Familien zerbrechen daran", sagt sie. "Wir nicht. Wir halten bis heute zusammen. Mein Mann und ich sind nach wie vor verheiratet. Wir haben einen guten Kontakt zu unseren Kindern." Das Paar hat seinen Herzinfarkt und ihren Krebs ĂŒberstanden. "Wir haben jede Situation in den Griff bekommen. Nur das eine nicht."

Zugezogen aus dem Westen

Das eine: Dass der Mörder ihrer Tochter nicht ĂŒberfĂŒhrt werden kann. Dass kein Richter ihn verurteilt. Dass sie nicht nur nicht wissen, wer ihre Tochter tötete, sondern auch nicht, warum. Heike Rimbach starb in den letzten Augusttagen 1995. Die junge Frau war brutal gewĂŒrgt, erschlagen, erstochen und stranguliert worden. Doch nach einem Vierteljahrhundert gibt es dazu allenfalls Spekulationen und GefĂŒhle, Ahnungen und einige Aktennotizen. Eine riesige LĂŒcke klafft bis heute.

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LĂŒttgenrode am Harz, Sachsen-Anhalt. Es ist der Sommer vor 24 Jahren. Maria und Karl-Heinz Rimbach leben mit ihrer Familie erst seit wenigen Wochen in dem 400-Seelen-Dorf an der frĂŒheren deutsch-deutschen Grenze. Sie haben einen Teil der SchĂ€ferei gemietet, ein großes, verfallenes Gehöft. Sie sind aus dem Westen zugezogen und wollen in der Nachbarschaft einen Baubetrieb aufbauen. Das Einleben fĂ€llt aber schwer.

Zimmer von Heike Rimbach: Die Aufnahme wurde mehr als 20 Jahre nach ihrem Tod gemacht.
Zimmer von Heike Rimbach: Die Aufnahme wurde mehr als 20 Jahre nach ihrem Tod gemacht. (Quelle: Axel Petermann)

Heike ist ihre Älteste. Sie hat zwei BrĂŒder. Sportlich und hĂŒbsch sieht die 19-JĂ€hrige auf den Bildern aus, die es von ihr gibt, mit blonden Locken. Sie lernt in einer Metzgerei. In diesen Sommertagen ist sie frisch verliebt in einen jungen Mann aus Dessau. Mit dessen VorgĂ€nger, einem 21-JĂ€hrigen, war sie zuvor zwar vier Jahre zusammen gewesen, fĂŒr die Eltern schien er fast "wie ein dritter Sohn." Doch vor ein paar Wochen hat sie Schluss gemacht. Heike ist aus der von ihr zuletzt als eng empfundenen Beziehung ausgebrochen. Kontakt zu Heikes Familie hĂ€lt er trotzdem.

Drei Tage im August 1995

Sonntagabend, 27. August: Die Rimbachs haben bis 22.30 Uhr zusammengesessen, als sich Heike in ihr Zimmer im Obergeschoss der SchĂ€ferei verabschiedet. Den nĂ€chsten Tag kann sie frei machen. Heike kann also lange schlafen, wĂ€hrend die anderen zur Arbeit mĂŒssen. Sie verlassen das Haus am nĂ€chsten Morgen um 6.30 Uhr frĂŒh.

Montagabend, 28. August: Die Familie ist zurĂŒck. Heike ist nicht da, stellen ihr Bruder und ihre Mutter Maria fest. Ungewöhnlich. Aber doch erklĂ€rbar. Ist sie beim neuen Freund im 120 Kilometer entfernten Dessau? Dabei lag die Geldbörse in Heikes Zimmer, in das sie kurz hineinschauten. Die Blutflecken an der Bettkante, die zerbrochene Schale, ein nasser Boden: Bald werden sie befragt, warum ihnen das alles nicht aufgefallen sein soll.

Dienstagmorgen, 29. August: Maria Rimbach hat viel telefoniert. Von Heike keine Spur. Die Polizei vertröstet sie. Eine 19-JĂ€hrige, die verschwinde mal. Wo ist die Tochter? Von Unruhe getrieben, kehrt Karl-Heinz Rimbach nach kurzer Zeit von der Arbeit nach Hause zurĂŒck. Vielleicht ist sie mit dem FrĂŒhbus von irgendwoher gekommen. Er stellt das Gehöft auf den Kopf. Rimbach wundert sich, dass die TĂŒr zum Partyraum offen steht, wird er viel spĂ€ter dem frĂŒheren Bremer Polizei-Fallanalytiker Axel Petermann erzĂ€hlen, der sich den Tatort angesehen, die Geschichte nachermittelt und 2015 in seinem Buch "Der Profiler" dergestalt aufgeschrieben hat. Auf dem Speicher, der gebĂŒckt durch einen Durchgang zu erreichen ist, steht der Vater plötzlich vor seinem leblosen Kind. Auch t-online.de hat mit Petermann ĂŒber den Mordfall gesprochen.

"Mehrfach todesursÀchlich"

Heike Rimbach, so stellt schließlich der Magdeburger Rechtsmediziner RĂŒdiger Schöning fest, ist durch massive Gewalt gestorben, die "mehrfach todesursĂ€chlich" gewesen ist: Durch SchlĂ€ge auf den Kopf, wahrscheinlich mit einem Metallhaken. Durch WĂŒrgen, Fausthiebe und bis zu 30 Messerstiche, vor allem in den Halsbereich. Schließlich durch eine Strangulation des bereits bewußt- bzw. hilflosen Opfers mit einem Hanfseil in knieender Stellung. Die Tat hat sich ĂŒber mehrere RĂ€ume verteilt abgespielt. Dass Heike mit dem TĂ€ter zu Beginn gekĂ€mpft habe, will der Gerichtsmediziner nicht ausschließen. Von einem "Overkill", einem "Übertöten", wird der Profiler Petermann sprechen und das Vorgehen des Mörders mit "wenig Planung, viel Wut" umschreiben.

Wie kam der Mörder in die Wohnung? Wie beschaffte er sich die Mordwerkzeuge? Wann trat bei Heike Rimbach der Tod ein? Was geschah wirklich zwischen Montagmorgen, 6.30 Uhr, und Dienstag in der FrĂŒhe in der alten SchĂ€ferei ?

LĂŒttgenrode im Harz: Dort wurde Heike Rimbach 1995 ermordet.
LĂŒttgenrode im Harz: Dort wurde Heike Rimbach 1995 ermordet. (Quelle: Martin Wagner/imago-images-bilder)

Viele Fragen sind bei den Ermittlungen nach 1995 weitgehend offen geblieben. Dennoch: Die zustĂ€ndige Kriminalpolizei aus Halberstadt war zunĂ€chst sicher, den TĂ€ter in der Familie zu finden. Der 16-jĂ€hrige Bruder wurde in Handschellen zur Vernehmung abgefĂŒhrt. Ein HalberstĂ€dter Ermittler, so erinnert sich der Vater, hat ihm gesagt: "Ich bin seit ĂŒber 30 Jahren bei der Kripo. Sie machen mir nichts vor. Ich weiß genau, dass es einer von ihnen war."

"Jeder Ermittler sucht erst in der NĂ€he"

DafĂŒr könnte es durchaus Anhaltspunkte geben. Die angeblich ĂŒbersehenen Spuren im Zimmer. Das Wissen um Heikes freien Montag. Eine Information, wonach sie sich öfter – aus Angst wovor? – in ihrem Dachzimmer zum Schlafen eingeschlossen hat. Beim GesprĂ€ch mit dem Profiler Axel Petermann ist herauszuhören, dass auch er zunĂ€chst, schon berufsbedingt, Zweifel an der unbedingten Unschuld von Familienangehörigen hatte.

In Deutschland geschehen die meisten Morde in den eigenen vier WĂ€nden, zumindest aber im Umkreis. "Jeder Ermittler sucht erst in der NĂ€he, dann nach draußen", sagt Petermann.

Nach wie vor ist der Experte davon ĂŒberzeugt, dass "der TĂ€ter eine Heike nahestehende Person war." Nur: Er interpretiert NĂ€he weiter. Ihr verlassener Ex-Freund, der die Wohn- und LebensverhĂ€ltnisse in der SchĂ€ferei kannte, könnte danach genau so getötet haben wie ein Arbeitskollege aus der Fleischerei, mit einer wenig Vertrauen erweckenden Vita.

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In den Jahren nach der Tat zerstreute sich der Verdacht gegen die Familie, die kurz nach dem Mord nach Bad Harzburg zurĂŒckgezogen ist. Die Staatsanwaltschaft versicherte, auch den Freundes- und Bekanntenkreis durchleuchtet zu haben. Vergeblich. Aber einiges deutet darauf hin, dass Spuren nur halbherzig gesichert wurden, die gesammelte DNA kaum brauchbar war. Petermann zu t-online.de: "Die DNA-Spuren waren nicht verwertbar, weil sie aus heutiger Sicht unsachgemĂ€ĂŸ behandelt worden waren." Die Erfahrung mit der neuen Art der Spurensicherung seien nicht groß gewesen.

Eine neue Spur?

Heikes Mutter denkt verbittert ĂŒber diese Jahre. "Zuviel ist damals durch Polizei und Staatsanwaltschaft versaut worden", sagt sie, "so, wie die ermittelt haben. Alles rein in die blauen SĂ€cke. Es gab genug Beweise. Aber sie haben von Anfang an die Familie in Verdacht gehabt und sich daran festgebissen. WĂ€ren sie mal in eine andere Richtung gegangen."

2005 zeichnet sich die erste Spur in eine andere Richtung plötzlich ab. In Bad Harzburg, rund 15 Kilometer vom Tatort in LĂŒttgenrode entfernt, bringt ein Freier eine Prostituierte aus Thailand um und verletzt eine zweite schwer. Brutale SchlĂ€ge fĂŒhrten zum Tod. Wie in der SchĂ€ferei. Und des Prostituierten-Mordes verdĂ€chtig ist ausgerechnet der ehemalige Metzger-Kollege von Heike Rimbach, der ihr nachgestellt haben soll. Er wird verhaftet. Am Ende reichen die Indizien nicht, ihn wegen des Prostituierten-Mordes anzuklagen.

UngeklĂ€rte KriminalfĂ€lle schlagen Volten. Vierzehn Jahre nach dem Mord, 2009, haben Magdeburger Ermittler ĂŒbernommen. Auf einem Foto vom Tatort entdecken sie Freizeitschuhe. Es sind die des ehemaligen und lĂ€ngerjĂ€hrigen Partners von Heike, dem besagten 21-jĂ€hrigen, dem sie kurz vor ihrem Tod den Laufpass gegeben hatte. Damals ist er Mitte 30, hat selbst Familie. Die Fahnder glauben, er könnte bei der Tat im Raum gewesen sein und aus KrĂ€nkung heraus seine Ex-Freundin getötet haben. Es folgen Haftbefehl – und der nĂ€chste RĂŒckschlag. Das Landgericht in Magdeburg hebt den Haftbefehl auf. "Kein dringender Tatverdacht." Die Schuh-Spur ist nicht ausreichend, ein Bekannter hat ihm zudem fĂŒr die Tatzeit ein Alibi attestiert.

Mord verjÀhrt nicht

Dass es der Ex-Freund gewesen sein könnte, hat Maria Rimbach "schon immer im GefĂŒhl gehabt", sagt sie. Andererseits: Auch beim Arbeitskollegen halte sie die TĂ€terschaft nicht fĂŒr "unwahrscheinlich". Anders als der 21-jĂ€hrige Verflossene ("Er ist bei uns ein- und ausgegangen") hatte dieser aber offenbar nie einen Zutritt zur Wohnung. Nur schwer passt das zur Annahme, der TĂ€ter mĂŒsse sich im Haus ausgekannt haben.

Herbst 2019. Weil Mord nicht verjĂ€hrt, sind Maria und Karl-Heinz Rimbach immer noch in Kontakt mit der Staatsanwaltschaft, erzĂ€hlt Heikes Mutter im GesprĂ€ch mit t-online.de. Doch "weitere Hinweise", sagt sie, "gibt es nicht. Die letzten sind schon ein paar Jahre her." Hat sie noch Vertrauen in die Behörden und in den Rechtsstaat? "Nein. In dieses Land und in diese Paragraphen, die das Land hat, nicht mehr. Sie sind fĂŒr TĂ€ter gemacht, nicht fĂŒr Opfer."


Der Vorwurf ist schwerwiegend. Wahr ist auch: Alle Verdachtsmomente sind nur privater Natur, offiziell und nach geltendem Recht sind sie unbewiesen. Dennoch begleiten und quĂ€len sie die Rimbachs und beherrschen ihre GefĂŒhle. Vielleicht lebt der Mörder keine acht Kilometer entfernt von ihnen? Heikes Eltern sind vor sieben Jahren erneut umgezogen. Mutter Maria: "Der Ex-Freund von Heike hat zwei Straßen weiter gewohnt. Das war mir zu viel. Er ist mir ĂŒber die FĂŒĂŸe gelaufen. Ich musste da weg."

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