"Helfen schwarzen Schwänen"

Polizei in Hamburg sorgt nach Tierrettung für Empörung

Von Anna-Lena Janzen

23.06.2020, 07:53 Uhr

Ein Twitter-Post der Polizei-Hamburg: Bei vielen Nutzern sorgte die Bildunterschrift für Empörung. (Quelle: Screenshot/Polizei Hamburg)

Die Polizei in Hamburg postet ein Foto einer Rettungsaktion von einer weißen Schwanenfamilie auf Twitter. Die Bildunterschrift sorgt jedoch bei vielen Nutzern für Kopfschütteln. Die Polizei rudert daraufhin zurück.

Wut im Netz auf die Polizei in Hamburg:  Eine Schwanenfamilie hatte sich in dem Hamburger Stadtteil Billstedt verirrt – und wurde von den Beamten von einer Bushaltestelle entlang der viel befahrenen Straße zurück zur rund einen Kilometer entfernten Bille eskortiert. Das Problem: Die Twitter-Nachricht der Beamten nach dem Einsatz.

Darin kommentierte die Behörde die Aktion mit einem Bild der weißen Schwäne und den Worten: "Eine Schwanenfamilie hatte sich offenbar verirrt und erhielt daraufhin von uns 'Begleitschutz'. Hätten wir übrigens auch für schwarze Schwäne gemacht!"

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"Der letzte Satz ist eine Selbstverständlichkeit"

Die Kritik eines Nutzers zu dem Post, dass der Hinweis am Ende völlig indiskutabel sei, wies die Polizei zunächst mit einer Antwort zurück: "Der letzte Satz ist eine Selbstverständlichkeit, deren Betonung uns aber heute ein besonderes Anliegen war." Es gäbe derzeit Stimmen, die behaupteten, die Polizei würde ihre Maßnahmen am äußeren Erscheinungsbild eines Individuums ausrichten.

Nach nur rund einer Stunde, aber vielen Beschwerden später, löschte die Polizei den umstrittenen Tweet und veröffentlichte eine Stellungnahme. Darin heißt es, man habe verdeutlichen wollen, dass die Polizei für alle gleichermaßen da sei. Die Botschaft sei weder verletzend noch witzig gemeint gewesen. Gleichwohl habe man die Sensibilität des Themas unterschätzt und daher den Tweet gelöscht. 

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Viele der Kritiker besänftigte das allerdings nicht. Einige wiesen darauf hin, dass das wichtige Thema Rassismus und Polizeigewalt mit dem Tweet ins Lächerliche gezogen worden sei, andere kritisierten, dass man Menschen nicht mit Tieren vergleichen dürfe und das institutioneller Rassismus mit dem Tweet relativiert werde. Weitere schrieben, dass ein Hinweis auf den Unterschied zwischen schwarz und weiß sowieso nicht nötig gewesen sei. Einige andere Nutzer jedoch lobten die Polizei für ihren Umgang mit der Kritik an dem Post als "professionell" und beschwerten sich, dass das Thema für so viel Ärger sorge, wenn es doch nur "gut gemeint" gewesen sei.

Der Hintergrund zu der Debatte ist allerdings tatsächlich ernst: Seit dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz in der US-Stadt Minneapolis  am 25. Mai ist es weltweit zu Massenprotesten gegen Rassismus gekommen.

Der Vorfall entfachte auch eine Debatte darüber, ob es bei der deutschen Polizei ein Problem des strukturellen Rassismus gebe. Die Bundesregierung will nun mögliche rassistische Tendenzen in der Polizei wissenschaftlich untersuchen lassen.

Verwendete Quellen:
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