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Salvini-Karikaturist: "Ich bekomme Morddrohungen, weil ich laut bin"


"Ich bekomme Morddrohungen, weil ich laut bin"

Von Sarah Thust

Aktualisiert am 15.08.2019Lesedauer: 4 Min.
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Italiens Innenminister Matteo Salvini: Eine Karikatur des Politikers sorgt für Streit und Drohungen.
Italiens Innenminister Matteo Salvini: Eine Karikatur des Politikers sorgt für Streit und Drohungen. (Quelle: Paolo Santalucia/ap-bilder)
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In Italien ist Wahlkampfstimmung. Mittendrin provoziert ein deutschsprachiger Künstler mit einer Karikatur des rechten Innenministers Matteo Salvini. Dafür erhält er nun Morddrohungen.

Die Karikatur eines deutschsprachigen Zeichners sorgt in Italien für heftige Kritik. Italiens Innenminister Matteo Salvini ist dort kopfüber aufgehängt dargestellt. Das ist eine Anspielung auf die Bestrafung des damaligen faschistischen Diktators Benito Mussolini.


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Italienische Medien wüten gegen den "Spiegel"

Karikaturist Marian Kamensky sagt, dass er sich so das Ende von Faschisten in Italien vorstellt. Der Slowake Kamensky ist 62 Jahre alt, lebt in Wien und arbeitet hauptsächlich für deutschsprachige Medien. Einmal am Tag veröffentlicht er eine Karikatur auf seiner Facebook-Seite. Und fügt passende Links hinzu – unter anderem zu einem tagesaktuellen Bericht bei "Spiegel Online".

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Am Montag veröffentlichte er die Karikatur, auf der zu sehen ist, wie Italiens Innenminister Matteo Salvini kopfüber an einer Laterne hängt. Die Füße sind an den Strang gebunden. Daneben tobt die Menge mit Säbeln, Hämmern und Stöcken. Darunter steht geschrieben: "Bungee Jumping auf Italienisch".

Schon kurz darauf berichteten italienische Medien, dass die Karikatur im deutschen Nachrichtenmagazin "Spiegel" erschienen sei. Diese Information war falsch. In den deutschen Medien ist die Karikatur nie erschienen.

Karikaturist: "So können Faschisten in Italien enden"

Die Karikatur ist keine Drohung, sagt ihr Autor. Er sieht darin eine Mahnung. "Ich wollte den Weg der Faschisten aufzeigen, auf ganz simple Art. Also wie Faschisten in Italien enden können", sagt Marian Kamensky t-online.de.

Die Zeichnung ist eine Anspielung: Ende April 1945 wurde der tote italienische Diktator Benito Mussolini mit mehreren Faschisten kopfüber aufgehängt. An der Piazzale Loreto in Mailand prügelte eine aufgebrachte Menge auf die leblosen Körper ein.

Es gibt allerdings aktuell wenig Anlass, Salvini zeitnah ein derartiges Ende zu prophezeien. Salvinis Lega-Partei konnte bei Umfragen mehr als 30 Prozent der Stimmen holen.

"Ich halte das Bild für nicht realistisch, da Salvini trotz einiger Proteste an der Spitze der Popularität steht", sagte der Italiener Francesco Nicoli, der derzeit als Assistenzprofessor an der Universität Gent arbeitet. "Das Bild lässt mich ehrlich gesagt ungerührt."

Aus Italien kommen Morddrohungen und Hass

Kamensky sagt, dass er regelmäßig beim Lesen der Schlagzeile einen Blitz erlebt. "Dann zeichne ich sofort los. So war das auch an diesem Tag", berichtet er. Er sei sich sicher gewesen, dass er provozieren wird – und postete die Karikatur auf Facebook.

Anfangs gab es Lob und Likes. Nach ein paar Stunden überrollte ihn der Hass. Vorerst löschte der Autor das Bild. Inzwischen berichteten italienische Medien, dass die Karikatur im "Spiegel" veröffentlicht wurde. Das stimmt allerdings nicht. Salvini selbst reagierte auf Twitter. Er schrieb: "Lustig, dieser Cartoon in einigen deutschen Zeitungen, in dem ich auf dem Kopf stehe ... Schade."

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"Karikatur soll wehtun"

Eine Karikatur hat Macht, sagt nun Kamensky: "Satire kann Schlagzeilen machen – und das soll sie auch. Ich bin stolz, dass ich Morddrohungen bekomme. Ich bekomme Morddrohungen, weil ich laut bin, weil ich die Leute berührt habe."

Darum hat Marian Kamensky auch keine Angst vor den Drohungen. "Das zeigt nur, dass es eine starke Karikatur ist. Die hat den Leuten wehgetan. Und Karikatur soll wehtun", sagt er.

Ob der Karikaturist inzwischen denkt, dass er mit seiner Zeichnung zu weit gegangen ist? "Nein!", antwortet er deutlich und bestimmt. Salvini lasse in Italien schon Sinti und Roma zählen. Wer ein Menschenleben rettet, könne schon jetzt von der Justiz verfolgt werden. Kamensky nennt das "faschistische Methoden".

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Er zeichnet nicht des Geldes wegen

Für diese Haltung muss sich Kamensky nun anhören, er habe es auf Geld und Ruhm abgesehen. Die Drohungen, die er von den italienischen Nationalisten erhält, seien so scharf und heftig wie nie zuvor. Dabei berichtet der Künstler, er sei auch schon mit Nationalisten aus Polen, Ungarn, den USA und Deutschland aneinandergeraten. Viele seiner Skizzen von Trump, Putin und Co. sind provokant.

Doch laut eigenen Angaben hat er mit seiner Salvini-Zeichnung kaum etwas verdient. "Viele meiner Zeichnungen, die sich gegen Rechts richten, verkaufen sich schlecht", sagt er. "Inzwischen höre ich oft, ich wäre zu scharf oder zu kritisch. Aber so soll es doch sein!"

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Kamensky kritisiert die deutschen Medien. "Fast alle Politiker sagen, man soll laut gegen Rechts sein. Aber ich sehe diese Lautstärke nicht. Was man hört ist nur ein Nuscheln", sagt er. Stattdessen würden Journalisten inzwischen AfD-Politiker und Rechte in Talkshows einladen. "Wir dürfen nicht schweigen wie in den Zwanziger- und Dreißigerjahren. Sonst wachen wir plötzlich auf und haben wieder Diktatur."

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Wer steckt hinter den Morddrohungen?

Inzwischen flaut die Flut der Drohungen, die bei Kamensky eingehen, wohl langsam wieder ab. Er sagt: "Die Salvini-Anhänger sind äußerst aggressiv und vulgär, brutal. Aber wissen Sie, Hunde, die bellen, beißen nicht."

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Verwendete Quellen
  • Eigene Recherche
  • "Mimikama": Der Spiegel und die Salvini-Karikatur - Faktencheck
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