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Igor Girkin: Wurde der Ex-Separatistenführer Putin zu gefährlich?


Der Ultranationalist, dem Putins Kurs zu weich ist

Von Lisa Becke, Daniel Mützel

Aktualisiert am 14.08.2022Lesedauer: 3 Min.
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Der russische Geheimdienstoberst Igor Girkin hat sich selbst den Kampfnamen "Strelkow" verpasst.
Igor Girkin (Archiv): Der Russe fordert entschlosseneres militärisches Handeln. (Quelle: dpa-bilder)
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Nach Medienberichten wurde der glühende Nationalist und Kremlkritiker Igor Girkin festgenommen – von Behörden auf der Krim. Was steckt dahinter?

Monatelang zog der ehemalige Separatistenführer Igor Girkin das russische Regime in seinen Veröffentlichungen in den Dreck: Zu "inkompetent" sei die Militärführung, und die Invasion in der Ukraine voller "taktischer Fehler". Doch nun könnte es erst mal still werden um den rechten Hardliner: Girkin soll von russischen Behörden auf der Krim festgenommen worden sein. Das schreibt unter anderem die ukrainische Zeitung "The Kyiv Independent". Auch der Girkin-Vertraute Aleksandr Zhuchkovskiy bestätigte die Meldung.

Demnach soll Girkin mit einem gefälschten Pass versucht haben, an die Front in der Ukraine zu gelangen, um dort zu kämpfen. Doch die Behörden auf der Krim haben ihn festgesetzt.

Girkin hingegen bestritt die Festnahme am Sonntag. Das schreibt der Investigativjournalist Christo Grozev auf Twitter. In einem Post im russischen Netzwerk VK habe Girkin zudem mitgeteilt, dass er zwar noch nicht am Krieg teilnehme, dies aber "früher oder später tun werde", zitiert ihn Grozev. Ob tatsächlich Girkin hinter dem Beitrag steckt oder ein Mitstreiter, der derzeit seinen Account benutzt, ist unklar.

Der härteste Kritiker des Kremls – von rechts

Girkins Festnahme wäre eine neue Eskalationsstufe zwischen dem Kreml und seinem härtesten Kritiker im rechtsnationalen Lager. Seit Wochen ledert Girkin ungebremst in den sozialen Medien gegen die aus seiner Sicht "unfähige" russische Armeeführung, die viel mehr für einen russischen Sieg tun müsse. So attackierte er etwa auch den russischen Verteidigungsminister Sergej Shoigu mehrfach direkt: Dieser sei verantwortlich dafür, dass der Krieg in der Ukraine für Russland so schlecht laufe – auch weil Shoigu korrupt sei, sich nur für PR und Geld interessiere, zitiert die "NZZ" Girkin in einem Podcast.

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Russland plant die nächste Provokation

Erst vor wenigen Tagen schrieb Girkin: "Das Versagen der russischen Militärstrategie ist offensichtlich." Um die Situation für Russland zu verbessern, habe er drei Vorschläge:

  • "Das komplette Politbüro erschießen."
  • "Den Kreml in blau-gelben Farben streichen."
  • "Rückzug nach Moskau und Stalingrad, um die Feinde in ihrem Vormarsch zu stoppen."

Dass Girkin über Monate mit derlei Tiraden unbescholten davonkam, kam für viele Beobachter überraschend. Eine mögliche Erklärung: Girkin selbst habe zwar politisch kein größeres Gewicht, so der Ukraine-Korrespondent Ivo Mijnssen im "NZZ"-Podcast; er habe sich aber erfolgreich als "Held des Volkes" inszeniert, von dem sich der Kreml nicht ohne Not distanzieren könne.

Militärblogger mit Kampferfahrung

Dabei kämpfte Girkin – Kampfname "Strelkow" (Schütze) – längst nicht nur an der rhetorischen Front für seine Vision eines russischen Großreiches. Der Ex-Agent des Inlandsgeheimdienstes FSB wird für seinen Einsatz im Donbass-Konflikt 2014 von vielen in Russland als Held gefeiert.

Im Frühling des Jahres 2014 tauchte Girkin bewaffnet auf der Krim auf. "Es ist nicht ganz klar, ob er damals pensioniert war oder noch als Geheimdienstoffizier aktiv", erklärt der Ukraine-Korrespondent Mijnssen der "NZZ" in einem Podcast des schweizerischen Blatts. In der Folge hat er eine zentrale Rolle bei der Annexion der Krim gespielt und ist dann in den Donbass weitergezogen, wo er mit einer Gruppe von Freiwilligen die ukrainische Stadt Slowjansk kurzzeitig eingenommen hatte. In der sogenannten Volksrepublik Donezk wurde Girkin dann "Verteidigungsminister". Als solcher leitete er zeitweise den militärischen Aufstand gegen Kiew im Osten der Ukraine.

Mutmaßlicher Kriegsverbrecher

Außerdem wird ihm eine maßgebliche Rolle beim Abschuss des MH17-Flugzeugs zugewiesen, bei dem 298 Menschen ums Leben kamen. Die Maschine der Malaysia Airlines war auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur im Juli 2014 über schon damals umkämpften Gebiet in der Ostukraine abgeschossen worden. Internationale Experten und Ermittler hatten festgestellt, dass die Maschine von einer russischen Boden-Luft-Rakete vom Typ Buk abgeschossen worden war. Moskau bestreitet jegliche Beteiligung.

Nach Auffassung des internationalen Ermittlerteams war Girkin dabei eine der wichtigsten Kontaktfiguren zur russischen Armee und dem russischen Geheimdienst. Girkin ist in einem Gerichtsverfahren in Amsterdam einer von vier wegen Mordes angeklagten prorussischen Rebellen. Alle vier sind flüchtig und streiten die Vorwürfe ab.

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Sprachrohr der russischen Nationalisten

Girkin hat sich dann in Moskau angesiedelt und eine Bewegung gegründet, die russische imperiale Ansprüche zur Grundlage hat. Der 51-Jährige gilt als rabiater Hardliner und Sprachrohr der einflussreichen Nationalisten in Russland. Bereits 2014 hat er den russischen Präsidenten Wladimir Putin dafür kritisiert, dass dieser nach der Annexion nicht weiter ging. Seit Jahren hat er einen Krieg gegen die Ukraine gefordert.

Nun, da der groß angelegte russische Angriffskrieg auf die Ukraine läuft, monierte Girkin wiederholt, dass dieser zu lasch geführt würde. Immer wieder fordert er eine Mobilmachung im Land und warnte vor einer militärischen Niederlage Moskaus. Er galt als einer der wenigen in Russland, die offen Kritik am Kreml äußern durften.

Doch nun könnte selbst der Hardliner Girkin für den Kreml eine Grenze überschritten haben.

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Verwendete Quellen
  • deutschlandfunk.de: "Ein Angeklagter, der nichts zu befürchten hat"
  • guardian.com: "Russia's valiant hero in Ukraine turns his fire on Vladimir Putin" (englisch)
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