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Putin: "Der blutigste Tag in der Geschichte unseres Landes"

80 Jahre Überfall auf Sowjetunion  

Putin: "Der blutigste Tag in der Geschichte unseres Landes"

22.06.2021, 16:28 Uhr | t-online, dpa

Putin: "Der blutigste Tag in der Geschichte unseres Landes". Präsident Putin legt Blumen in Moskau nieder: Lob für "den Mut und die Standhaftigkeit der Helden der Roten Armee". (Quelle: Reuters/Sputnik/Alexei Nikolsky)

Präsident Putin legt Blumen in Moskau nieder: Lob für "den Mut und die Standhaftigkeit der Helden der Roten Armee". (Quelle: Sputnik/Alexei Nikolsky/Reuters)

Am 22. Juni 1941 begann der Angriff der Nazis auf die Sowjetunion. Millionen Menschen starben. In Moskau legte Russlands Präsident Wladimir Putin Blumen nieder. Auch in anderen Ländern wurde der Opfer gedacht.

Mit Gedenkveranstaltungen haben Russland, die Ukraine, Belarus und andere Staaten an den Überfall Hitler-Deutschlands auf die Sowjetunion vor 80 Jahren erinnert. In Berlin besuchte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Dienstag das sowjetische Ehrenmal Schönholzer Heide und legte einen Kranz nieder. Der Angriff durch die Nazis am 22. Juni 1941 markierte für die Kommunisten den Beginn des Großen Vaterländischen Krieges.

Russlands Präsident Wladimir Putin legte in Moskau Blumen am Grabmal des unbekannten Soldaten an der Kremlmauer nieder. Der Platz war weiträumig abgesperrt und nur für ausgewählte Besucher zugänglich. Auch der AfD-Spitzenkandidat und Fraktionsvize Tino Chrupalla, der in dieser Woche in der russischen Hauptstadt zu Besuch ist, brachte dort seinem Sprecher zufolge am Nachmittag einen Kranz vorbei.

In der Ukraine gedachte Präsident Wolodymyr Selenskyj in der Hauptstadt Kiew der Opfer des Zweiten Weltkriegs und hielt eine Schweigeminute ab. In Belarus, das während des Krieges jeden dritten Einwohner verloren hatte, kamen Tausende Menschen noch im Morgengrauen zur Festung in Brest im Westen des Landes an der Grenze zu Polen. Zu Ehren gefallener Soldaten seien weiße Luftballons in den Himmel aufgestiegen, meldete die Staatsagentur Belta.

Gedenken im Weltkriegs-Museum in Moskau: Vor 80 Jahren fielen deutsche Truppen in der Sowjetunion ein. Ihr Feldzug forderte Millionen Tote. (Quelle: AP/dpa/Alexander Zemlianichenko)Gedenken im Weltkriegs-Museum in Moskau: Vor 80 Jahren fielen deutsche Truppen in der Sowjetunion ein. Ihr Feldzug forderte Millionen Tote. (Quelle: Alexander Zemlianichenko/AP/dpa)

Putin erhebt schwere Vorwürfe gegen Europa

Russlands Präsident Putin sprach sich anlässlich des Jahrestags in einem deutschsprachigen Gastbeitrag für die Zeitung "Die Zeit" zudem für bessere Beziehungen mit Europa aus. Es gebe viele gemeinsame Interessen wie Sicherheit, strategische Stabilität, Klima- und Umweltprobleme, schrieb Putin in dem Text, den das Medium am Dienstag veröffentlichte. Gleichzeitig erhob das russische Staatsoberhaupt Vorwürfe gegen EU und Nato. Mehr dazu hier.

"Der blutigste Tag in der Geschichte unseres Landes"

Der Kremlchef erinnerte daran, dass mit dem Angriff der Nazis am 22. Juni 1941 für das sowjetische Volk der Große Vaterländische Krieg begonnen hatte – "der blutigste in der Geschichte unseres Landes". Er lobte "den Mut und die Standhaftigkeit der Helden der Roten Armee und der Arbeiter daheim", die nicht nur ihr Vaterland, sondern auch Europa und die ganze Welt vor Versklavung gerettet hätten.
 

 
Der Historiker Matthias Uhl zeigte sich unterdessen besorgt angesichts des Umgangs mit dem Zweiten Weltkrieg in Russland. "Es wird auf eine strikte Gesetzgebung zurückgegriffen, die Lesarten vorschreiben möchte", sagte der Experte am Deutschen Historischen Institut (DHI) in Moskau. So ist es per Gesetz nun etwa verboten, die Diktaturen von Adolf Hitler und Josef Stalin zu vergleichen. Wer sich abfällig über frühere Angehörige der Roten Armee äußert, riskiert eine Strafverfolgung wegen Veteranenbeleidigung.

Putin mit Veteranen am 80. Jahrestag des Überfalls auf die Sowjetunion. (Quelle: AP/dpa/Alexei Nikolsky/Sputnik)Putin mit Veteranen am 80. Jahrestag des Überfalls auf die Sowjetunion. (Quelle: Alexei Nikolsky/Sputnik/AP/dpa)

"Man sollte Argumentationen und Diskussionen viel mehr Raum geben", sagte Uhl der Deutschen Presse-Agentur. Es müsse erlaubt sein, Fragen zu stellen – auch mit Blick darauf, dass der Weltkrieg besonders für junge Generationen immer weiter weg sei.

Historiker kritisiert Heldenverehrung

Im Vordergrund stünden heute Sieg und Heldenverehrung, sagte der Historiker. "Es gibt den Versuch, den Mythos am Leben zu halten – und ein unbeflecktes Bild der Roten Armee zu zeigen und alles auszublenden, von dem man glaubt, dass es das Bild des Sieges trüben könnte."

Die Sowjetunion hatte mit rund 27 Millionen Toten so viele Opfer zu beklagen wie kein anderes Land im Zweiten Weltkrieg. Der Überfall durch die Nazis markierte den Beginn eines beispiellosen Vernichtungsfeldzugs – darunter die Leningrader Blockade, mit der die NS-Führung und die Wehrmacht versuchten, die Bevölkerung der Stadt in den Hungertod zu treiben.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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