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Corona-Medikamente: Was hilft gegen die neue Variante?

Von dpa
21.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Eine Krankenpflegerin nimmt Medikamente von einem St├Ąnder.
Eine Krankenpflegerin nimmt Medikamente von einem St├Ąnder. (Quelle: Marijan Murat/dpa./dpa)
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M├╝nchen (dpa) - Seitdem vor knapp zwei Jahren die ersten Corona-Patienten Deutschlands in M├╝nchen behandelt wurden, ist das Virus sp├╝rbar mutiert.

Die neue Variante Omikron verbreitet sich besonders schnell. Sie ist so ver├Ąndert, dass sich Geimpfte und Genesene h├Ąufiger anstecken als bei der Delta-Variante. Zudem versagen bei Omikron bestimmte, aufwendig entwickelte Medikamente. Doch einige neuere Pr├Ąparate machen durchaus Hoffnung.

Nach einer im Fachmagazin "Cell" ver├Âffentlichten Studie, an der deutsche Teams aus G├Âttingen, Hannover, Braunschweig und Erlangen beteiligt waren, scheinen mehrere Pr├Ąparate bei Omikron ihre Wirksamkeit einzub├╝├čen. Dabei geht es laut Mitteilung der Uni Erlangen um die meisten der zugelassenen und gegen fr├╝here Varianten wirksamen Medikamente auf Antik├Ârper-Basis.

Antik├Ârper bildet der K├Ârper nach einer Impfung oder Infektion. Sie k├Ânnen an das Virus binden und es ausschalten. Antik├Ârper k├Ânnen auch biotechnologisch hergestellt werden, um damit Infizierte zu behandeln. Weil das Omikron-Virus gegen├╝ber fr├╝heren Varianten deutlich ver├Ąndert ist, k├Ânnen Antik├Ârper - k├Ârpereigene oder als Medikament hergestellte - die Infektion aber nicht mehr so gut bek├Ąmpfen.

Reduzierte Wirksamkeit bei Omikron?

Casirivimab und Imdevimab, Etesevimab und Bamlanivimab: Auf diesen Antik├Ârper-Pr├Ąparaten ruhte zun├Ąchst Hoffnung. Bei fr├╝her Gabe sollten sie schwere Verl├Ąufe verhindern. Bei Omikron gilt die Wirkung nun als reduziert. Studien zufolge hemmt aber das neue Antik├Ârper-Pr├Ąparat Sotrovimab Omikron. Dieses empfiehlt auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO).

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Der Chefarzt der Infektiologie an der M├╝nchen Klinik Schwabing, Clemens Wendtner, der 2020 die ersten Corona-Patienten in Deutschland behandelt hatte, sieht den medikament├Âsen "Werkzeugkasten" trotzdem insgesamt besser gef├╝llt als je zuvor. Das viel versprechende Pr├Ąparat Sotrovimab solle Ende Januar f├╝r die station├Ąre Therapie zur Verf├╝gung stehen. "Es gibt auch hier eine klare Perspektive."

W├Ąhrend die Antik├Ârper-Gabe nur in einer fr├╝hen Phase der Krankheit hilft, bleibt das entz├╝ndungshemmende Dexamethason sp├Ąter bei schwerem Verlauf die Standard-Behandlung. Weiter verabreicht werden auch Interleukin-6-Antagonisten, die auch die Entz├╝ndungsreaktion blockieren und die urspr├╝nglich f├╝r rheumatische Erkrankungen entwickelt wurden, und sogenannte Januskinase-Inhibitoren wie Baricitinib. Dieses Mittel wird schon l├Ąnger auch bei Covid-19 angewendet und wird nun auch von der WHO empfohlen. Zudem werden weiter Blutverd├╝nner verabreicht, um Thrombosen, Schlaganf├Ąllen und Infarkten vorzubeugen.

Pillen gegen Corona

Hoffnungen ruhen auf neuen antiviralen Arzneimitteln wie Paxlovid und Molnupiravir - die ersten Pillen gegen Corona, die in wenigen Wochen auf Rezept in den Apotheken erh├Ąltlich sein sollen. Das stimme ihn optimistisch, sagt Wendtner. "Da ist ein Quantensprung eingetreten."

Auch der Pandemie-Beauftragte des Klinikums rechts der Isar der TU M├╝nchen, Christoph Spinner, sieht gute Chancen in den neuen Medikamenten. Molnupiravir werde "als Kapsel zwei Mal t├Ąglich ├╝ber f├╝nf Tage eingenommen und wirkt auch gegen die Omikron-Variante." In K├╝rze werde Paxlovid als weitere orale Therapie-Option hinzukommen. Es sch├╝tzt laut Spinner ebenfalls vor Omikron - und bis zu 90 Prozent vor schweren Verl├Ąufen.

Remdesivir, urspr├╝nglich gegen das Ebolavirus entwickelt und 2020 gegen Corona zugelassen, wird laut Spinner weiter eingesetzt. "Es wirkt ebenso gegen Omikron und zeigte in einer neuen Studie einen etwa 80-prozentigen Schutz vor schweren Verl├Ąufen." Anders als die orale Therapie mit Paxlovid und Molnupiravir muss Remdesivir weiter intraven├Âs als Kurzinfusion gegeben werden. Das geht aber ambulant.

Der Bund hatte Remdesivir-Vorr├Ąte f├╝r Deutschland gesichert. Nun schafft er eine Million Einheiten Paxlovid an. Die neuen Pillen - Paxlovid und Molnupiravir - sind teuer. Rund 700 Dollar kostet die f├╝nft├Ągige Behandlung. Auch die Tabletten m├╝ssen fr├╝h genommen werden, um die Viren zu bremsen.

Impfung bleibt wirksamstes Mittel

Vor allem vorbeugend soll das Antik├Ârper-Pr├Ąparat Evusheld eingesetzt werden - das laut Hersteller Astrazeneca auch gegen Omikron wirksam ist. Es muss nicht wie bisherige Antik├Ârper im Krankenhaus ├╝ber die Vene verabreicht werden, sondern kann einmalig in den Muskel gespritzt werden. "Das wirkt sechs Monate", erl├Ąutert Wendtner, warnt aber, hier eine Alternative zur Impfung zu sehen. Das Medikament ist erheblich teurer, vor allem aber regt es den K├Ârper nicht dazu an, eigene Antik├Ârper zu bilden. Es sei nur geeignet f├╝r Menschen, die eine Impfung nicht vertragen oder keine Antik├Ârper bilden k├Ânnen. Die Impfung bleibe das wirksamste Mittel, betonen Experten immer wieder.

Von dem Antik├Ârper-Medikament Ronapreve (Casirivimab und Imdevimab), bei dem auch das Paul-Ehrlich-Institut bei Omikron eine reduzierte Wirksamkeit sieht, hatte der Bund 150.000 Dosen gesichert. Dann lag das Mittel kaum genutzt auf Halde. Das Ablaufdatum r├╝ckte n├Ąher, als es in der Prophylaxe bei besonders gef├Ąhrdeten Menschen ein Revival erlebte. Nun ist klar: "Dieser Antik├Ârper ist ein Auslaufmodell, er wird bei Omikron nicht mehr verwendet werden k├Ânnen", sagt Wendtner. Wie viele Dosen noch in Schr├Ąnken lagern, ist offen.

Unter Hochdruck wird unterdessen weiter an neuen Medikamenten gearbeitet. Etwa wird an der Technischen Universit├Ąt M├╝nchen (TUM) an einem Spray geforscht, das Lungensch├Ąden bei Covid-19 eind├Ąmmen soll.

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