• Home
  • Panorama
  • Wissen
  • Krankheiten: Mehr Affenpocken-FĂ€lle weltweit - Was hat das zu bedeuten?


Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Symbolbild fĂŒr einen TextArbeitslosigkeit im Juni gestiegenSymbolbild fĂŒr einen TextGehaltserhöhung fĂŒr Olaf ScholzSymbolbild fĂŒr ein VideoPutin reagiert auf Witze der G7-ChefsSymbolbild fĂŒr einen TextHoeneß teilt gegen Watzke ausSymbolbild fĂŒr einen TextLieferprobleme bei wichtigen MineralienSymbolbild fĂŒr einen TextTödlicher Unfall auf A2 – lange SperrungSymbolbild fĂŒr einen TextSamsung feuert 120 deutsche IngenieureSymbolbild fĂŒr einen Text"Bachelorette": Erster Kuss hat FolgenSymbolbild fĂŒr einen TextGottschalk wettert gegen JungstarsSymbolbild fĂŒr einen TextFBI warnt vor DeepfakesSymbolbild fĂŒr einen TextUnfall mit neuem Tesla: TotalschadenSymbolbild fĂŒr einen Watson TeaserRTL-Star ist erneut schwangerSymbolbild fĂŒr einen TextSchlechtes Hören erhöht das Demenzrisiko

Mehr Affenpocken-FĂ€lle weltweit - Was hat das zu bedeuten?

Von dpa
Aktualisiert am 23.05.2022Lesedauer: 6 Min.
Die HandflÀchen eines Affenpockenpatienten zeigen einen Ausschlag.
Die HandflÀchen eines Affenpockenpatienten zeigen einen Ausschlag. (Quelle: -/CDC/Brian W.J. Mahy/dpa/Archiv./dpa)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo

Berlin (dpa) - ZunĂ€chst war es ein wohl aus Nigeria eingeschleppter Fall in Großbritannien, inzwischen werden aus immer mehr LĂ€ndern Nachweise und VerdachtsfĂ€lle von Affenpocken gemeldet.

Das Ausmaß ĂŒberrascht und lĂ€sst Experten aufmerken. Was ist das fĂŒr ein Erreger und wie besorgniserregend ist der Ausbruch? Fragen und Antworten:

Wie ist die aktuelle Situation in westlichen LĂ€ndern?

Offenbar hat sich der Erreger bereits lĂ€ngere Zeit unbemerkt in mehreren westlichen LĂ€ndern ausgebreitet. Die WHO berichtet mit Stand Samstag von rund 90 bestĂ€tigten Infektionen und 30 VerdachtsfĂ€llen in LĂ€ndern, in denen das in West- und Zentralafrika heimische Virus normalerweise nicht auftritt. In Europa sind unter anderem Spanien, Portugal, Großbritannien, Italien, Schweden und die Schweiz betroffen. In Deutschland wurde am vergangenen Freitag ein erster Fall in MĂŒnchen nachgewiesen - der erste Nachweis einer Affenpockeninfektion in Deutschland ĂŒberhaupt. Am Samstag bestĂ€tigten Behörden dann zwei Infektionen in Berlin. Auch in Australien, Kanada und den USA gab es bereits Nachweise der Erkrankung. Experten rechnen mit einer weiteren Zunahme der FĂ€lle.

Was sind die Affenpocken?

Affenpocken sind eine auf ein Virus zurĂŒckgehende Erkrankung. Der Erreger wurde erstmals 1958 in einem dĂ€nischen Labor bei Affen nachgewiesen - daher der Name Affenpocken. Fachleute vermuten allerdings, dass der Erreger eigentlich in Hörnchen und Nagetieren zirkuliert, Affen gelten als sogenannte Fehlwirte. Das Affenpockenvirus ist auch auf den Menschen ĂŒbertragbar.

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
Warum Putin nicht verhaftet wird
Wladimir Putin: Der russische PrÀsident besuchte erstmals nach Beginn des Ukraine-Krieges mit Tadschikistan und Turkmenistan zwei auslÀndische Staaten.


Großen Schrecken verbreitete frĂŒher die Pockenkrankheit, verursacht von einem Virus aus der gleichen Gruppe. An der Infektion starb ein großer Teil der Betroffenen. Die Pockenkrankheit gilt nach Impfkampagnen seit 1980 als ausgerottet. Der letzte Fall in Deutschland wurde 1972 erfasst.

Was sind die Symptome von Affenpocken?

Zu den Symptomen zĂ€hlen: plötzlich einsetzendes Fieber, starke Kopfschmerzen, RĂŒckenschmerzen, Halsschmerzen, Husten, hĂ€ufig auch Lymphknotenschwellungen. Typisch ist zudem ein vom Gesicht auf den Körper ĂŒbergreifender, pockentypischer Ausschlag. Selten treten Erblindung und entstellende Narben als DauerschĂ€den auf.

Wie gefÀhrlich sind die Affenpocken?

Die kursierende Variante des Affenpocken-Virus ruft nach Angaben von Gesundheitsbehörden meist nur milde Symptome hervor, kann aber auch schwere VerlĂ€ufe nach sich ziehen. Es sind zwei Varianten des Erregers bekannt: Die mildere, westafrikanische Variante fĂŒhrt nach Angaben von Clemens Wendtner Chefarzt der Infektiologie der MĂŒnchen Klinik Schwabing zu einer Sterblichkeit von etwa einem Prozent, vor allem Kinder unter 16 Jahren. "Man muss aber bedenken, dass diese Daten aus Afrika nicht zwingend ĂŒbertragbar auf das Gesundheitswesen in Europa oder den USA sind, bei uns wĂ€re die Sterblichkeit eher niedriger anzusetzen. Das ist eine Erkrankung, die meines Erachtens nicht das Potenzial hat, die Bevölkerung massiv zu gefĂ€hrden." Die Sterblichkeit fĂŒr die zweite, zentralafrikanische Variante wird mit etwa zehn Prozent angegeben.

Bei allen bisher genetisch analysierten Proben handelte es sich um die westafrikanische Erreger-Variante, auch bei dem Patient in MĂŒnchen. Alle Altersgruppen und Geschlechter gelten dem RKI zufolge als gleichermaßen empfĂ€nglich.

Wo kursieren Affenpocken ĂŒblicherweise?

Affenpocken-Infektionen beim Menschen waren bislang vor allem aus Regionen West- und Zentralafrikas bekannt. Der erste Fall einer Affenpocken-Infektion beim Menschen sei 1970 in der Demokratischen Republik Kongo registriert worden, schreibt ein internationales Forscherteam im Fachmagazin "Plos Neglected Tropical Diseases". Danach habe sich das Virus in andere LĂ€nder Afrikas ausgebreitet, 2003 sei es erstmals außerhalb des Kontinents nachgewiesen worden.

Im westafrikanischen Nigeria wurden in diesem Jahr nach Angaben der dortigen Gesundheitsbehörde zwischen Januar und Ende April 15 FĂ€lle von Affenpocken erfasst. In Nigeria, Kamerun und der Demokratischen Republik Kongo kam es laut WHO in den vergangenen fĂŒnf Jahren immer wieder zu AusbrĂŒchen.

Über das Infektionsgeschehen in der Tierwelt ist kaum etwas bekannt. GrĂ¶ĂŸere AusbrĂŒche in Afrika bei Tieren seien schlecht dokumentiert, deshalb habe man da keine Übersicht, sagt Elke Reinking, Pressesprecherin des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI).

Ist der aktuelle Ausbruch bei Menschen außerhalb Afrikas ungewöhnlich?

Ja, da sind sich die Experten einig. "In der Vergangenheit waren die Affenpocken-AusbrĂŒche begrenzt in der Ausbreitung", sagt der Virologe Stephan Becker von der Uni Marburg der Deutschen Presse-Agentur. Infektionsketten zwischen Menschen seien ungewöhnlich und mĂŒssten eng ĂŒberwacht werden.

Die kĂŒrzlich nachgewiesenen Infektionen seien unter anderem deshalb atypisch, weil die meisten Betroffenen nicht nach West- oder Zentralafrika gereist seien, heißt es auch in einem Freitag veröffentlichten Statement von Hans Kluge, Regionaldirektor fĂŒr Europa bei der WHO. AuffĂ€llig sei auch, dass die meisten zunĂ€chst entdeckten Infektionen bei MĂ€nnern mit gleichgeschlechtlichen Sexualkontakten nachgewiesen wurden.

Die WHO rief zu einer rigorosen Verfolgung aller Kontakte von Betroffenen auf. Kliniken und Bevölkerung mĂŒssten dafĂŒr sensibilisiert werden, einen ungewöhnlichen Hautausschlag von Fachpersonal begutachten zu lassen. ErhĂ€rte sich der Verdacht auf Affenpocken, sollten Patienten isoliert werden.

Insgesamt gewÀnnen die Affenpocken allmÀhlich an globaler Bedeutung, so die Forscher. Ob das Virus die Nische besetzt, die durch die Ausrottung der Pockenkrankheit freigeworden ist, sei momentan noch nicht abschÀtzbar, erklÀrte der Marburger Virologe Becker.

Wie wird das Virus ĂŒbertragen?

Bei den aktuell erfassten FĂ€llen sind in der Mehrheit, wenn auch nicht ausschließlich, MĂ€nner betroffen, die Sexualkontakte zu anderen MĂ€nnern hatten. Das Virus scheine sich derzeit vor allem zwischen homo- oder bisexuellen MĂ€nnern auszubreiten, sagte Becker. Intimkontakt ist aber nur eine Möglichkeit der Übertragung - es ist womöglich Zufall, dass das Virus zunĂ€chst in diesen Personenkreis getragen wurde und dann vor allem bei Schwulen weiter kursierte.

Dem RKI zufolge geschieht eine Übertragung auf den Menschen allgemein hĂ€ufig durch Kontakt mit infizierten Tieren oder tierischem Blut und Sekreten, ĂŒber das Essen infizierten Affenfleischs sowie Tröpfcheninfektion. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch sei grundsĂ€tzlich selten und nur bei engem Kontakt möglich, könne aber etwa auch durch Kontakt mit KörperflĂŒssigkeiten oder Schorf Infizierter vorkommen.

Bei der aktuellen InfektionshĂ€ufung sind die detaillierten Infektionsketten noch weitgehend unklar. Aktuell scheine die Übertragung bei Affenpocken dabei aber zumindest nicht durch Aerosole zu erfolgen, schĂ€tzt der Marburger Virologe Becker. "Dann wĂ€re das Ausbreitungsmuster anders."

Wie wird eine Infektion nachgewiesen?

Der Nachweis erfolgt wie beim Coronavirus und anderen Erregern mit einer Probe des Betroffenen ĂŒber einen sogenannten PCR-Test. Sind Affenpocken-Viren enthalten, wird gezielt deren Erbgut in einem speziellen GerĂ€t vermehrt und kann danach leicht nachgewiesen werden.

Gab es schon einmal AusbrĂŒche von Affenpocken?

Außerhalb von Afrika wurden Affenpocken-Infektionen beim Menschen bisher ĂŒberhaupt erst wenige Male nachgewiesen. Die HĂ€ufigkeit scheint allerdings zuzunehmen. Im Jahr 2021 gab es der WHO-Statistik zufolge fĂŒnf erfasste Infektionen im Vereinigten Königreich und in den USA. Dreimal waren Menschen betroffen, die sich in Nigeria aufgehalten hatten, bei einem dieser Patienten steckten sich in Großbritannien zwei Familienmitglieder an.

Mit welchen anderen Infektionskrankheiten können die Affenpocken verwechselt werden?

Nach Angaben der britischen Behörde UKHSA kann der Ausschlag in bestimmten Phasen der Erkrankung Windpocken oder Syphilis Ă€hneln. Das RKI sensibilisierte Ärzte in Deutschland: Affenpocken sollten auch dann bei unklaren pockenĂ€hnlichen HautverĂ€nderungen als mögliche Ursache in Betracht gezogen werden, wenn die Betroffenen nicht in bestimmte Gebiete gereist seien. MĂ€nner, die Sex mit MĂ€nnern haben, sollten laut RKI bei ungewöhnlichen HautverĂ€nderungen "unverzĂŒglich eine medizinische Versorgung aufsuchen".

Loading...
Loading...
Loading...

Gibt es eine schĂŒtzende Impfung?

In der EU gibt es keine speziell gegen Affenpocken zugelassene Impfung. Historischen Daten zufolge schĂŒtzt aber eine Pockenimpfung gut vor Affenpocken - und das wohl lebenslang. Ältere Menschen, die die Impfung noch bekommen haben, dĂŒrften also auch vor den Affenpocken geschĂŒtzt sein. Experten diskutieren momentan die Möglichkeit, zumindest Kontaktpersonen von Affenpocken-Infizierten mit einer Impfung zu schĂŒtzen. Der Virologe Gerd Sutter von der Ludwig-Maximilians-UniversitĂ€t MĂŒnchen sagte "Zeit Online": "Von dem klassischen Pockenvirenimpfstoff, einem Lebendimpfstoff, haben wir in Deutschland so viel Vorrat, dass man die ganze Bevölkerung impfen könnte." Seit 2013 ist in der EU der Impfstoff Imvanex gegen die Pocken zugelassen. Eine Zulassung zur Vorbeugung von Affenpocken hat er in der EU nicht. Die WHO weist darauf hin, dass dieser Impfstoff nicht flĂ€chendeckend verfĂŒgbar sei. Man wolle Experten einberufen, um mögliche Impfempfehlungen zu erörtern.

Wie wird die Infektion behandelt?

Behandelt werden in der Regel die Symptome sowie mögliche bakterielle SekundĂ€rinfektionen. Mit dem Medikament Tecovirimat gibt es zudem eine in der EU zugelassene Therapiemöglichkeit fĂŒr die Affenpocken-Erkrankung.

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Neueste Artikel
  • Marc von LĂŒbke-Schwarz
Von Marc von LĂŒpke
AffenpockenAustralienDeutschlandEuropaFieberGroßbritannienHalsschmerzenHustenItalienKanadaNigeriaPortugalRKISchweizSpanienUSAWHO
Justiz & KriminalitÀt




t-online - Nachrichten fĂŒr Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Ströer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverlÀngerung FestnetzVertragsverlÀngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website