• Home
  • Regional
  • Berlin
  • Hoene├č: "Jetzt bin ich ein totaler Fan von Karl Lauterbach"


Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Symbolbild f├╝r ein VideoLotto am Samstag: Die GewinnzahlenSymbolbild f├╝r einen TextNeue Doppelspitze der Linken gew├ĄhltSymbolbild f├╝r ein VideoSo sieht es im G7-Luxushotel ausSymbolbild f├╝r einen TextGep├Ąck-Chaos in D├╝sseldorfSymbolbild f├╝r einen TextScholz fehlt auf S├Âders G7-FotoSymbolbild f├╝r einen TextFu├čballstar ├╝berrascht mit Wechsel Symbolbild f├╝r ein VideoWo jetzt heftige Gewitter drohenSymbolbild f├╝r einen TextDeutscher Olympiasieger holt WM-BronzeSymbolbild f├╝r einen TextJunge stirbt beim S-Bahn-SurfenSymbolbild f├╝r einen Text14-J├Ąhriger stirbt bei FallschirmsprungSymbolbild f├╝r einen TextFerchichi ├╝ber Liebesleben mit BushidoSymbolbild f├╝r einen Watson TeaserAzubi k├Ąmpft in Armut ums ├ťberlebenSymbolbild f├╝r einen TextPer Zug durch Deutschland - jetzt spielen

Hoene├č: "Jetzt bin ich ein totaler Fan von Karl Lauterbach"

Von dpa
02.01.2022Lesedauer: 13 Min.
Uli Hoene├č
Uli Hoene├č, Ehrenpr├Ąsident des FC Bayern M├╝nchen, spricht. (Quelle: Sven Hoppe/dpa/Archivbild/dpa-bilder)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo

Auch zwei Jahre nach seinem R├╝ckzug aus der ersten Reihe des FC Bayern M├╝nchen nimmt der Fu├čball-Rekordmeister immer noch eine zentrale Rolle im Leben von Uli Hoene├č ein. Das Wort des Ehrenpr├Ąsidenten hat weiter intern und extern Gewicht. "Ich bin ein Gl├╝ckskind", sagt Hoene├č im Interview der Deutschen Presse-Agentur zu seinem 70. Geburtstag am kommenden Mittwoch (5. Januar).

Frage: Herr Hoene├č, zu Ihrem 60. Geburtstag hat der FC Bayern ein gro├čes Fest im einstigen M├╝nchner Postpalast mit Thomas Gottschalk als Moderator ausgerichtet. Wie werden Sie Ihren 70. Geburtstag in Corona-Zeiten feiern?

Antwort: Damals gab es zwei Feiern, eine des FC Bayern - ein tolles Fest. Da war alles da, was Rang und Namen hatte, nicht nur aus dem Sport, sondern auch aus der Wirtschaft, Kultur und Politik ÔÇô unter anderem hat mir der damalige Ministerpr├Ąsident Horst Seehofer die Ehrenb├╝rgerw├╝rde des Freistaates Bayern verliehen, eine Kopie-Band der Beatles hat gespielt. Daneben hatte ich privat ein Fest mit 150 Leuten ausgerichtet. Das wird diesmal alles wegfallen.

Frage: Was hatten Sie geplant?

Antwort: Ich wollte wieder zu einem Fest einladen, weil ich fand, dass die Menschen gerade in diesen Corona-Zeiten auch mal etwas zum Lachen haben sollten. Ich hatte die Kabarettistin Monika Gruber gebeten, aufzutreten. Sie hatte auch zugesagt. Sie hat ein neues Programm. Und bei ihr lachen auch die mit, die kein Bayerisch verstehen. Alle diese Dinge kann man aber jetzt leider nicht machen.

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
"Der Kreml ist sauer"
Russische Separatistenmilizen in Sjewjerodonezk: Aus der Stadt hat sich das ukrainische Milit├Ąr mittlerweile zur├╝ckgezogen.


Frage: Wie verbringen Sie dann Ihren Ehrentag?

Antwort: Wir sind zuhause. Mein Bruder Dieter wird kommen. Wir werden die Regeln einhalten, kleiner Kreis, ein sch├Ânes Essen, das war's. Allerdings ist klar: Das wird nachgeholt. Meine Frau Susi wird auch 70 im kommenden Juni. Und wenn dann die Verh├Ąltnisse so sind, wie wir uns das vorstellen, gibt es ein Riesenfest im privaten Bereich. Man muss auch mal innehalten, zur├╝ckblicken und mit Freunden feiern.

Frage: Wenn Sie auf 70 Lebensjahre zur├╝ckblicken, f├╝hlen Sie sich dann als ein Gl├╝ckskind?

Antwort: Nat├╝rlich bin ich ein Gl├╝ckskind, wenn ich zum Beispiel alleine daran denke, dass ich mal als Einziger einen Flugzeugabsturz ├╝berlebt habe (1982). Und auch sonst, obwohl ich auch mit gro├čen Schwierigkeiten zu k├Ąmpfen hatte, etwa in meiner Fu├čball-Karriere. Wer ist schon mit 23 Jahren praktisch fertig? Nach meiner schweren Knieoperation 1975 habe ich zwar weitergespielt, bis ich 27 war. Aber das war nicht mehr der Uli Hoene├č, der ich vorher war, der wilde, schnelle Uli Hoene├č. Das Knie wurde vor den Spielen punktiert - und danach war es meistens dick.

Frage: Was stimmt Sie im Ruhestand gl├╝cklich?

Antwort: Ich habe eine tolle Familie. Ohne sie w├Ąre das Ganze im Fu├čball nicht m├Âglich gewesen. Susi hat mir immer den R├╝cken freigehalten. Als Manager habe ich oft morgens angerufen, dass ich abends mit Leuten zum Essen heimkomme. Dann hat meine Frau etwas zum Essen gezaubert. Ein Beispiel: Als 2010 die Geschichte mit Franck Rib├ęry beim FC Bayern zu Ende zu gehen schien, weil seine Berater ihn mehr oder weniger an Real Madrid verkauft hatten, haben wir ihn mit seiner Frau Wahiba zu uns zum Essen eingeladen. Susi hat extra f├╝r sie halal gekocht, wir hatten einen wunderbaren Abend, und gegen Mitternacht hat Wahiba schlie├člich gesagt: "Franck, nous restons ├á Munich!" Wir bleiben in M├╝nchen.

Frage: Die Familie war und ist Ihnen also sehr wichtig?

Antwort: Ich bin stolz, dass meine Kinder die Wurstfabrik, die ich mit meinem verstorbenen Freund Werner Wei├č aufgebaut hatte, vor fast acht Jahren ├╝bernommen haben. Florian ist Gesch├Ąftsf├╝hrer und macht einen super Job. Sabine ist auch beteiligt. Ich habe schon Gl├╝ck, dass ich so eine tolle Familie habe. Freunde habe ich nicht so viele - aber auf die kann ich mich verlassen. Und sie k├Ânnen sich auf mich verlassen. Zuverl├Ąssigkeit und Dankbarkeit sind mir in einer Freundschaft ganz wichtig. Wer mir mal etwas Gutes getan hat, ist gesch├╝tzt - ein Leben lang.

Frage: Gibt es Dinge, die Sie aus Ihrer Vita gerne streichen w├╝rden, etwa Ihre Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung?

Antwort: Das ist auf jeden Fall ein Makel, den ich selbst zu verantworten habe. Ich habe einen Riesenfehler gemacht. Aber es haben damals viele Leute respektiert, auch solche, die mich kritisch sehen, dass ich nicht in Revision gegangen bin ÔÇô gegen den Rat meiner Anw├Ąlte. Das h├Ątte Jahre dauern k├Ânnen, aber meine Familie und ich hatten in der Nacht nach dem Urteil entschieden, dass ich ins Gef├Ąngnis gehe. Die Zeit dort hat mich stark gepr├Ągt, und ich glaube, auch noch st├Ąrker gemacht.

Frage: Sie sind im Anschluss sogar noch einmal Pr├Ąsident des FC Bayern geworden. Vor zwei Jahren haben Sie sich dann endg├╝ltig aus der ersten Reihe zur├╝ckgezogen. Ein eigenes B├╝ro haben Sie als Ehrenpr├Ąsident auf der Gesch├Ąftsstelle nicht mehr. Wie schwer fiel Ihnen das Loslassen?

Antwort: Wenn man so eine Entscheidung trifft, muss man sie konsequent durchziehen. Ich muss zugeben, dass es am Anfang nicht so einfach war. Ich bin zwei-, dreimal w├Âchentlich hierhergekommen. Aber im Laufe der Zeit habe ich gemerkt, die Nachfolger schwimmen sich frei. Wenn ich mich zu sehr einmische und zu oft sehen lasse, ist das nicht gut. Man macht es dann den neuen handelnden Personen, die ich selbst ausgesucht und forciert habe, unn├Âtig schwerer.

Frage: Wird Ihr Ratschlag noch gesucht?

Antwort: Nat├╝rlich bin ich zur Stelle, wenn mein Nachfolger Herbert Hainer etwas besprechen m├Âchte. Hasan Salihamidzic l├Ądt mich oft zum Kaffeetrinken ein. Mit Oliver Kahn habe ich aktuell weniger Kontakt, aber das ist normal. Er will einen eigenen Stil kreieren, und das ist gut so. Zudem ist er nicht mein Nachfolger, sondern der von Karl-Heinz (Rummenigge). Unser Verh├Ąltnis ist ausgezeichnet.

Frage: Die Jahreshauptversammlung im November eskalierte am Streitthema Katar. Sie haben sie sp├Ąter als "schlimmste Veranstaltung" bezeichnet, die Sie beim FC Bayern erlebt haben. Sie gingen damals ganz am Ende ans Rednerpult, verlie├čen das Podium aber wortlos...

Antwort: ...ich bin froh, dass das Mikro keinen Saft mehr hatte...

Frage: Was h├Ątten Sie den Mitgliedern und Fans denn sagen wollen?

Antwort: Ich h├Ątte Herbert Hainer und Oliver Kahn zur Seite stehen wollen. Ich h├Ątte den Leuten sagen wollen, dass es berechtigt ist, dass man Dinge kritisch sieht. Aber auch sie sind Teil des FC Bayern. Und das Bild, das der FC Bayern an diesem Abend abgegeben hat, kann niemandem von uns gefallen haben. Wie ich mich kenne, w├Ąren meine Worte emotional aus mir herausgekommen ÔÇô und auch wenn ich es im Sinne des FC Bayern gut gemeint h├Ątte, w├Ąre es in diesem Ambiente vermutlich kontraproduktiv gewesen. In der Zeit, die es dauerte, das Mikrofon wieder anzuschalten, ist in meinem Kopf der Impuls aufgekommen, nein, das passt jetzt nicht.

Loading...
Loading...
Loading...

Frage: Wie w├╝rden denn Sie die Problematik Katar und den Sponsorenvertrag mit der staatlichen Fluglinie l├Âsen?

Antwort: Das ist ein ganz elementares Thema auch f├╝r die Zukunft des Vereins. Ich habe neulich mit einem der gr├Â├čten deutschen Wirtschaftsbosse gesprochen, dessen Konzern eine Studie erstellt hat, laut der in nur sieben Prozent der L├Ąnder auf der Welt die Menschenrechte tats├Ąchlich so sind, wie es sich die meisten vorstellen. Man muss das realistisch sehen, wie klein die Welt allein nach diesen Ma├čst├Ąben w├Ąre. Aber dann w├╝rde es sehr schwer werden.

Frage: Als Verein?

Antwort: Ja, sportlich gesehen. Wir haben in Deutschland gravierende wirtschaftliche Nachteile gegen├╝ber den von Investoren und Staatsfonds finanzierten internationalen Vereinen, in die Geld ohne Ende gepumpt wird. Irgendwann k├Ânnte der Punkt kommen, an dem unsere Fans - und ├╝brigens auch die Medien ÔÇô akzeptieren m├╝ssten, dass die deutschen Fu├čballmannschaften international keine Rolle mehr spielen.

Frage: Geld vor Moral, also?

Antwort: Ich glaube nicht, dass die Tatsache, dass der FC Bayern in Katar ein Trainingslager abh├Ąlt, so wie zum Beispiel jetzt im Winter unsere Frauen-Mannschaft, dazu f├╝hrt, dass es dort schlechter wird. Im Gegenteil. Der Besuch unserer FC Bayern Frauen treibt den Prozess der Gleichberechtigung voran. Die Devise lautet: Ver├Ąnderung durch Ann├Ąherung. Wenn der FC Bayern eines Tages vielleicht nicht mehr nach Katar f├Ąhrt und auch die Fu├čball-WM vorbei ist, geht es dort weiterhin um die Menschen. Die Menschenrechte werden nur besser, wenn man im Dialog immer wieder auf die Missst├Ąnde hinweist. Nur das f├╝hrt dazu, dass sich die Dinge verbessern. Meine ├ťberzeugung ist, man muss dort pr├Ąsent sein.

Frage: Sie w├╝rden also erw├Ągen, die Partnerschaft mit Qatar Airways ├╝ber 2023 hinaus zu verl├Ąngern?

Antwort: Das habe nicht ich zu entscheiden. Ich pers├Ânlich w├╝rde zu einer Verl├Ąngerung tendieren, wenn wir das Gef├╝hl haben, dass wir mit dieser Partnerschaft einen Beitrag leisten k├Ânnen, dass sich die Dinge vor Ort verbessern und weiter verbessern werden.

Frage: Themenwechsel. Wie erleben Sie seit zwei Jahren die Corona-Pandemie. Sind Sie f├╝r eine Impfpflicht?

Antwort: Ich bin ganz klar f├╝r das Impfen, aber nicht f├╝r eine Impfpflicht. Zeitweise war ich daf├╝r, aber ich habe mir dann vorgestellt: Was macht man mit einem Menschen, der sich partout nicht impfen lassen will? Ich halte eine Impflicht ohne Wenn und Aber f├╝r ein zu gro├čes Problem, das die Gesellschaft eher spalten kann. Aber so, wie sich die Situation gerade darstellt, bedeutet das auch, dass die Rechte f├╝r Ungeimpfte eingeschr├Ąnkt sein m├╝ssen.

Frage: Wie sind Sie mit den Impfbedenken von Joshua Kimmich umgegangen, der dem FC Bayern erst als Kontaktperson und dann als selbst Infizierter l├Ąnger fehlte und beim Pieks nun umgedacht hat?

Beliebteste Videos
1
So packen Sie den Koffer knitterfrei
Symbolbild f├╝r ein Video

Alle VideosPfeil nach rechts

Antwort: Joshua ist ein fantastisches Beispiel, dass man seine Meinung ├Ąndern kann. Ich habe das eine oder andere Mal mit ihm gesprochen, ohne Druck zu machen. Ich rechne es ihm hoch an, dass er sich hinstellt und sagt: "Ich habe das falsch eingesch├Ątzt." Das w├╝rde ich mir bei mehr Menschen w├╝nschen. Ich finde es gut, dass er sich, sobald es m├Âglich ist, impfen lassen m├Âchte. Das kann vielen Andersdenkenden einen Impuls geben.

Frage: Nach Lungenproblemen infolge der Covid-Erkrankung hat sich Kimmichs Comeback verz├Âgert. Kann er im neuen Jahr wieder loslegen?

Antwort: Das wird sich zeigen, wenn er unter H├Âchstbelastung trainiert. Aber ich hoffe es sehr und gehe auch fest davon aus.

Frage: Glauben Sie, dass er wegen der Impfthematik nun anders betrachtet wird, wom├Âglich auch innerhalb der Mannschaft?

Antwort: Die Mannschaft hat die Kohlen auch ohne ihn gut aus dem Feuer geholt. Da braucht er sich also keine Vorw├╝rfe zu machen. Er kommt in eine Mannschaft zur├╝ck, die intakt ist und alle Ziele in der Hinrunde - bis auf den DFB-Pokal, wo er noch dabei war - erreicht hat. Er wird vom Team sicher positiv aufgenommen, weil er nicht nur ein gro├čartiger Spieler ist, sondern weil ihn alle als Pers├Ânlichkeit insgesamt extrem sch├Ątzen. Zudem hat er bei diesem Thema ja auch umgedacht.

Frage: Was halten Sie von Karl Lauterbach als Gesundheitsminister?

Antwort: Solange er nicht im Amt war, hatte ich meine Probleme mit ihm. Ich fand, dass er alles besser wei├č. Jetzt bin ich ein totaler Fan von Karl Lauterbach, weil ich das Gef├╝hl habe, dass er von der Sache sehr viel versteht und ein Macher ist. Er macht etwa eine Bestandsaufnahme beim Impfstoff und besorgt, was fehlt. Kaum ist das Medikament Paxlovid gegen schwere Covid-Verl├Ąufe akzeptiert, bestellt er eine Million Packungen. Sein Vorg├Ąnger Jens Spahn war Ank├╝ndigungsweltmeister, hat aber wenig zustandegebracht. Lauterbach dagegen hat eine Vision, er hat eine Idee - und die setzt er um. Deswegen habe ich meine Meinung zu Lauterbach total ge├Ąndert. Er ist nicht jedem recht - aber er ist einer, der handelt, und so einer ist mir zehnmal lieber.

Frage: Durch Lauterbach werden Sie am Ende wom├Âglich noch zum Fan der Ampel-Koalition?

Antwort: Ich habe anders gew├Ąhlt. Aber ich bin im Moment gl├╝cklich, dass diese neue Konstellation an der Regierung ist, weil ich ihr zutraue, die Probleme, die wir jetzt haben, gut zu l├Âsen. Solange die CDU, ich sage bewusst die CDU, nicht CSU, immer noch mit sich selbst besch├Ąftigt ist, w├╝rde ich ihr eine Regierung, die aktuell so viele Probleme zu l├Âsen hat, nicht zutrauen.

Frage: Sie sind ein neuer Fan von Karl Lauterbach, waren aber schon vor seinem Wechsel zum FC Bayern ein gro├čer Bef├╝rworter von Julian Nagelsmann. Ist er als Trainer ein Gl├╝cksfall f├╝r Ihren Club?

Antwort: Ich sa├č schon vor Jahren mit Julian in meinem B├╝ro. Damals hatte er mir als Jugendtrainer zugesagt. Er sagte dann aber: "Herr Hoene├č, ich habe ein Problem: Sie m├╝ssen den Herrn Hopp anrufen, denn in Hoffenheim habe ich noch ein Jahr Vertrag." Da habe ich in Julians Beisein Dietmar Hopp angerufen. Und er hat dann gesagt: "Uli, das kannst du nicht machen! Der soll unser Cheftrainer in der Bundesliga werden." Julian hat dann gesagt, das mit dem Wechsel zum FC Bayern k├Ânne er Dietmar nicht antun.

Frage: Jetzt ist Nagelsmann hier Cheftrainer der Profis. Und Sie sind gl├╝cklich?

Antwort: Ich habe ihm als Trainer viel zugetraut. Er hat einen Erfolgsweg hinter sich. Aber dass er von der Pers├Ânlichkeit her in dem jungen Alter so ├╝ber den Tellerrand hinausschaut, ist sehr beeindruckend. Er macht immer eine gute Figur und sagt auch bei schwierigen Themen stets das Richtige. Ich bin total happy, dass wir ihn haben.

Frage: Der FC Bayern musste daf├╝r allerdings viele Millionen Euro Abl├Âse an RB Leipzig ├╝berweisen...

Antwort: ...jetzt warten wir mal ab, wie viel davon ├╝brig ist, wenn das mit dem DFB vereinbarte Spiel zwischen dem FC Bayern und der Nationalmannschaft stattgefunden hat als Kompensation f├╝r Hansi Flick. Aber ich sage auch schon jetzt: Julian ist jeden Euro wert.

Frage: Werden Trainer-Transfers im Profifu├čball wom├Âglich demn├Ąchst zur Normalit├Ąt geh├Âren wie Spieler-Transfers?

Antwort: Ich bin kein gro├čer Freund davon. Der FC Bayern wurde attackiert daf├╝r, dass wir den Leipzigern angeblich den Trainer weggenommen haben. Aber dann k├Ânnten wir auch sagen, der DFB hat uns Hansi Flick weggenommen. Er hatte vor seinem Wechsel ins Amt des Bundestrainers bei uns auch noch einen g├╝ltigen Vertrag. Ich habe aber nie eine Kritik am DFB gelesen. Ich habe auch nie eine Kritik an Hansi Flick gelesen, der den FC Bayern aus eigenen St├╝cken verlassen hat. Da wird mit zweierlei Ma├č gemessen. Es sollte aber nicht zur Normalit├Ąt werden, dass Trainer st├Ąndig auf dem Transfermarkt gehandelt werden.

Frage: Was zeichnet Nagelsmann aus im Umgang mit der Mannschaft?

Antwort: Ich hatte nur etwas Bedenken, weil er so alt ist wie mancher Spieler bei uns. Aber was ich h├Âre, trifft er immer den richtigen Ton, nicht kumpelhaft, aber auch nicht wie ein strenger Lehrer. Er muss den Weg gefunden haben, den Spielern als Respektsperson etwas beizubringen. Was wir besonders gut gef├Ąllt, ist, dass es ihm gelingt, fast jeden Spieler besser zu machen - und so die Mannschaft.

Frage: Wie gut ist diese? Was ist m├Âglich in dieser Saison?

Antwort: Das wei├č ich noch nicht. Wir dominieren in der Bundesliga. In der Champions League kommen die schwierigen Aufgaben erst. Alle sechs Gruppenspiele zu gewinnen, ist eine ├╝berragende Leistung. Salzburg im Achtelfinale ist ein schwieriges Los, weil wir als Top-Favorit gelten. Falls wir die Runde schaffen sollten, gibt es danach nur noch etablierte Hochkar├Ąter.

Frage: Mit neun Punkten Vorsprung startet der FC Bayern zwei Tage nach Ihrem Geburtstag gegen Gladbach in die R├╝ckrunde. Der zehnte Meistertitel am St├╝ck scheint Formsache. Was sagt das ├╝ber die St├Ąrke des FC Bayern aus? Und was ├╝ber die Schw├Ąche der Konkurrenz um den mal wieder abgeh├Ąngten Tabellenzweiten Borussia Dortmund?

Antwort: Eigentlich sind es mit dem Torverh├Ąltnis sogar zehn Punkte Vorsprung. Trotzdem sind das Momentaufnahmen. Vor der Saison hie├č es, der FC Bayern habe keinen breiten Kader, der von Leipzig sei besser und der von Dortmund auch. Jetzt sind wir Herbstmeister. Und pl├Âtzlich hei├čt es: Der FC Bayern hat ja auch den viel besseren Kader. In Wirklichkeit wird hier einfach sehr gut gearbeitet. Julian hat junge Spieler stark gemacht, Josip Stanisic oder Marc Roca, der Ende des Jahres immer h├Ąufiger zum Einsatz kam. Da haben wir jetzt einen Spieler, den du jederzeit einsetzen kannst.

Frage: Bei drei Leitfiguren ├╝ber 30 laufen Mitte 2023 zeitgleich die Vertr├Ąge aus. W├╝rden Sie mit Manuel Neuer (35), Robert Lewandowski (33) und Thomas M├╝ller (32) nochmals verl├Ąngern?

Antwort: Derzeit kann ich mir die Jahre 2024 und 2025 ohne dieses Trio nicht vorstellen. Ich bin beim FC Bayern nicht mehr auf dem driver's seat. Aber ich denke, dass Oliver, Hasan und Herbert Hainer sich der Thematik bewusst sind und versuchen werden, mit diesen Spielern zu verl├Ąngern. Davon gehe ich aus.

Frage: Was zeichnet Neuer, Lewandowski und M├╝ller aus?

Antwort: Das sind drei verschiedene Pers├Ânlichkeiten, aber sie alle eint, dass sie f├╝r den FC Bayern alles geben. Das Sch├Âne an unserer Mannschaft ist, dass wir generell sehr viele verschiedene Charaktere haben ÔÇô und viele davon h├Âchst intellektuell. Wenn ich h├Âre, was Leon Goretzka zu gesellschaftlichen Themen so von sich gibt. Oder ein Thomas M├╝ller, der sagt ja immer das Richtige. Und Manuel oder Robert sind im Laufe der Jahre zu absoluten F├╝hrungsfiguren geworden.

Frage: Kontinuit├Ąt als Erfolgsfaktor?

Antwort: Bei uns ist etwas Gro├čes gewachsen. Manchester United versucht, die Mannschaft nach der Verpflichtung von Cristiano Ronaldo auf ihn auszurichten. Paris Saint-Germain muss Lionel Messi neben Kylian Mbapp├ę und Neymar installieren - beim FC Barcelona hat er jeden Ball gekriegt, das ist nun also eine gro├če Umstellung. Das sind drei starke Typen und so au├čergew├Âhnlich gute Spieler, dass man f├╝r sie eigentlich drei B├Ąlle br├Ąuchte... Bei uns hoffe ich jetzt, dass es auch gelingt, Kingsley Coman oder Serge Gnabry, der ein ganz wichtiger Spieler ist, ├╝ber 2023 hinaus zu halten.

Frage: Wie schwierig wird das finanziell in Corona-Zeiten?

Antwort: Ganz kritisch wird es, wenn wir nicht irgendwann wieder Zuschauer im Stadion haben. Wenn das noch zwei Jahre so geht, k├Ânnen wir uns diese Mannschaft so nicht mehr leisten. Es sollte sp├Ątestens ab 1. Juli wieder ein volles Stadion geben.

Frage: Wie f├╝hlen Sie sich eigentlich bei Geisterspielen als einsamer Trib├╝nengast?

Antwort: Sportlich gesehen ist der FC Bayern ehrlicherweise ein Profiteur der Geisterspiele. Denn ohne Zuschauer ist die Qualit├Ąt der Mannschaft noch wichtiger als ohne, weil die Fans eine Mannschaft zu H├Âchstleistungen treiben k├Ânnen. Ohne sie entscheidet die Qualit├Ąt der beiden Mannschaften - und da sind wir ├╝berragend. Aber wenn ich oben auf der Trib├╝ne sitze und kein Mensch da ist, k├Ânnte ich weinen. Wir machen das ja alles f├╝r die Fans. Wenn ich so eine Orgie in Rot-Wei├č in der Allianz Arena sehe, dann wei├č ich, wof├╝r wir arbeiten.

Zur Person: Uli Hoene├č ist am 5. Januar 1952 in Ulm geboren. Beim FC Bayern feierte der Weltmeister von 1974 seine gr├Â├čten Erfolge als Fu├čball-Profi. Als Manager, Vorstandsmitglied und Vereinspr├Ąsident formte er den deutschen Rekordmeister zu einem Topclub in der Welt. Seit 2019 ist er Ehrenpr├Ąsident und weiter Mitglied im Aufsichtsrat. Hoene├č lebt mit seiner Frau Susi am Tegernsee. Er hat zwei Kinder und vier Enkel.

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Neueste Artikel
CDUDFBDeutsche Presse-AgenturFC Bayern M├╝nchenFlugzeugabsturzFranck Rib├ęryHansi FlickHorst SeehoferJoshua KimmichJulian NagelsmannKarl LauterbachOliver KahnReal MadridSteuerhinterziehungThomas M├╝llerUli Hoene├č

t-online - Nachrichten f├╝r Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Str├Âer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverl├Ąngerung FestnetzVertragsverl├Ąngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website