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Wo kommen eigentlich die Berliner Partydrogen her?

Von Katharina Weiß

12.03.2022Lesedauer: 5 Min.
Eine Frau schnupft Koks – Blick in den Berliner Mauerpark bei Nacht: In der Berliner Partyszene ist der Konsum von illegalen Drogen weit verbreitet.
Eine Frau schnupft Koks – Blick in den Berliner Mauerpark bei Nacht: In der Berliner Partyszene ist der Konsum von illegalen Drogen weit verbreitet. (Quelle: INSADCO und Rolf Zöllner/imago - Montage t-online)
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Nachmittags Shopping im Bioladen, nachts Kunde am Kokstaxi: In kaum einer Stadt sind der Nachhaltigkeitshype und der trendige Drogenkonsum so verbreitet wie in Berlin. Aber passt das ĂŒberhaupt zusammen? t-online hat mit Ermittlern und Konsumenten gesprochen.

Berlin gilt als einer der Drogen-Hotspots Deutschlands. Zwar sprechen einige Statistiken davon, dass beispielsweise in Frankfurt der Anteil an Rauschgift-Verbrechen gemessen an der Bevölkerungsdichte höher ist. Doch nirgends in Deutschland scheinen Drogen so angesagt und ethisch akzeptiert zu sein wie in der Hauptstadt.


Legale und illegale Drogen

Ein "Genuss ohne Reue" ist das Rauchen einer E-Zigarette nicht.
Polizisten untersuchen eine Hanfplantage: Die Bundesbeauftragte fĂŒr Sucht und Drogen, Daniela Ludwig, hatte sich offen fĂŒr neue AnsĂ€tze gezeigt und gesagt, es gehe nicht um "Verbotspolitik".
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Ein Eindruck, den auch Dezernatsleiter Olaf Schremm teilt: "An reinen Fallzahlen mögen andere StÀdte vor Berlin liegen. Es ist allerdings so, dass Angebot und Vielfalt an Drogen hier besonders hoch sind", sagt er. Der 61-JÀhrige ist Chef des Berliner LKA 43 mit Sitz am Tempelhofer Damm. Von dort aus koordiniert er mit seinem Team die Rausch- und ArzneimittelbekÀmpfung und vertritt Berlin auf internationaler Ebene in Sachen Drogenhandel.

Schremm beschÀftigt auch die Frage, wie der Drogen-Hype der Spreemetropole mit dem nachhaltigen und umweltbewussten Selbstbild vieler HauptstÀdter zusammenpasst: "Wir kritisieren zu Recht das Ein-Euro-T-Shirt aus Pakistan. Aber woher die Line kommt, die man am Abend im Club zieht, wird selten hinterfragt", sagt er im GesprÀch mit t-online.

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Blick auf die Abteilung 4 des Landeskriminalamtes Berlin: Hier setzt sich Dezernatsleiter Olaf Schremm unter anderem gegen den Drogenhandel ein.
Blick auf die Abteilung 4 des Landeskriminalamtes Berlin: Hier setzt sich Dezernatsleiter Olaf Schremm unter anderem gegen den Drogenhandel ein. (Quelle: Polizei Berlin)

Aus guten GrĂŒnden legen große Teile der Berliner Bevölkerung etwa bei ihrer Kleidung oder ihren Lebensmitteln inzwischen Wert auf nachhaltige Produktion. Doch woher kommt eigentlich das MDMA und Speed, das in den Szene-Clubs fast schon zum guten Ton gehört und wie passt dieser Konsum mit dem vermeintlichen Umweltbewusstsein der Berliner zusammen?

Rauschmittel in Berlin: Die Drogenrouten

FĂŒr die weit verbreitete Droge Kokain sind Kolumbien, Bolivien, Ecuador und Peru die wichtigsten AnbaulĂ€nder. Der illegale Anbau der Koka-Pflanzen findet zumeist in abgelegenen Regenwaldregionen statt. Die Bauern ĂŒbergeben die Koka-BlĂ€tter an Labore in SĂŒdamerika. Dort wird der Rohstoff zu Kokain verarbeitet und dann ĂŒber den Schiffsfrachtverkehr an große ÜberseehĂ€fen wie Rotterdam, Antwerpen, Amsterdam, Bremerhaven oder Hamburg transportiert. Laut dem LKA wird die Ware von dort aus von Fahrern in europĂ€ische BallungsrĂ€ume gebracht, hĂ€ufig werde dieses Abholsystem von Banden organisiert.

Dezernatsleiter Olaf Schremm spricht aktuell von einer Kokainschwemme: Die Nachfrage steige seit Jahren stetig. "Die Weltproduktion wird von Fachleuten auf circa 1.800 Tonnen geschĂ€tzt. Die Großsicherstellungsmengen weltweit hingegen beliefen sich schon auf gut 1.200 Tonnen im Jahr 2020. Was bedeuten wĂŒrde, dass ĂŒber die HĂ€lfte sichergestellt wird. Meiner Beurteilung nach, eine sehr unrealistische Perspektive. Der Großteil landet immer noch beim Endkonsumenten."

Sichergestellte Kokain-Pakete (Archivbild): Immer wieder gelingt es den Beamten, Drogen sicherzustellen. Der Großteil landet jedoch weiter beim Endkonsumenten, meint Olaf Schremm.
Sichergestellte Kokain-Pakete (Archivbild): Immer wieder gelingt es den Beamten, Drogen sicherzustellen. Der Großteil landet jedoch weiter beim Endkonsumenten, meint Olaf Schremm. (Quelle: Olaf Wagner/imago-images-bilder)

MDMA, Speed und LSD hingegen werden schwerpunktmĂ€ĂŸig in Europa hergestellt. DafĂŒr werden Rohstoffe aus dem asiatischen Bereich besorgt, die legal importiert werden können, weil sie auch fĂŒr wirtschaftliche Produktionen benötigt werden. Besonders viele illegale Chemielabore befinden sich aktuell in den Niederlanden. Von dort aus werden die Drogen mit den bunten Designs bis in den vorderen Orient exportiert, oft gegen Geld, hĂ€ufig aber auch im Austausch fĂŒr Heroin.

Cannabis wiederum wird in Deutschland nur in geringen Mengen angebaut. Der Großteil des Marihuanas, das in Berlin geraucht wird, stammt aus Nordafrika, vor allem aus Marokko. Von dort aus transportieren Schnellboote die BlĂŒten nach Spanien. Der Handel floriert jedoch auch aus dem albanischen Raum. Da die Balkanroute aber mit vielen Zollkontrollen verbunden ist, wird immer hĂ€ufiger der Seeweg nach Italien gewĂ€hlt. Von dort aus transportieren Pkws die Ware nach Berlin.

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Partydrogen als Klima-Killer?

Angesichts der teils weiten Reisewege der Rauschmittel, ĂŒberrascht es kaum, dass der Drogenkonsum oftmals auch dem Klima schadet. Klima-Killer Kokain ist laut einer Recherche der "SĂŒddeutschen Zeitung" besonders schĂ€dlich. Vier Quadratmeter Regenwald werden pro Gramm Kokain zerstört. Schon im Jahr 2010 hatte die kolumbianische Drogenmafia 2,5 Millionen Hektar vernichtet.

Blick auf eine Koka-MĂŒhle auf einer Kokain-Plantage bei Rio de Janeiro (Archivbild): Die Kokain-Produktion schadet oftmals auch dem Regenwald.
Blick auf eine Koka-MĂŒhle auf einer Kokain-Plantage bei Rio de Janeiro (Archivbild): Die Kokain-Produktion schadet oftmals auch dem Regenwald. (Quelle: Xinhua/imago-images-bilder)

Doch auch synthetische Drogen schaden Klima und Umwelt. Zwar wird etwa Ecstasy hĂ€ufig direkt in Deutschland oder im Nachbarland Niederlande hergestellt, doch auch hier gibt es einen gravierenden Knackpunkt: Die hĂ€ufig in lĂ€ndlicheren Gebieten angesiedelten Bauernhöfe, die zu Drogenlaboren umgebaut wurden, unterliegen keinerlei Aufsicht oder Auflagen. ÜberschĂŒssige Materialien – oft hochgiftige Chemie – werden einfach ins Erdreich oder in nahe gelegene FlĂŒsse gekippt.

Durch den Konsum landet zudem ein Teil der Giftstoffe im Abwasser: So hat sich die Menge an Kokain-Spuren in Berliner Wasserproben zwischen 2016 und 2019 verdoppelt.

Berliner Dealer als "arme Schlucker"

Auch die prekĂ€ren Arbeitsbedingungen der Bauern, die auf den Koka-Plantagen SĂŒdamerikas arbeiten, sind viel erforscht und in zahlreichen Dokumentationen belegt. Es ist hinreichend bekannt, wie brutal der Bandenkrieg zwischen den verschiedenen Kokain-Kartellen wĂŒtet und wie viele zivile Opfer die Droge auf ihrem Weg nach Europa zurĂŒcklĂ€sst. Dennoch: Diese Schicksale scheinen weit weg. Wer sich in der Toilette im Nobel-Restaurant eine Line Kokain legt, denkt in seiner Champagnerlaune wohl kaum an diese Masse von Unbekannten.

Doch nicht nur am Anfang, sondern auch ganz am Ende, oft direkt vor der eigenen HaustĂŒr, wird die Arbeit von den unterprivilegierten Gliedern der Handelskette ausgefĂŒhrt. Am sichtbarsten wird dies am Beispiel der Drogendealer in Berliner Parks. Olaf Schremm bezeichnet sie als "arme Schlucker". Sie sind Laufburschen, oftmals ohne Arbeitserlaubnis, die sich aus prekĂ€ren ZwĂ€ngen heraus zum Schritt in die IllegalitĂ€t genötigt fĂŒhlen. DemgegenĂŒber stehen jene Parteien des Rauschgifthandels, die wirklich satte Gewinne einfahren.

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Polizisten kontrollieren eine Gruppe MÀnner im Görlitzer Park (Archivbild): Hier hat die Stadt besonders mit DrogenkriminalitÀt zu kÀmpfen.
Polizisten kontrollieren eine Gruppe MÀnner im Görlitzer Park (Archivbild): Hier hat die Stadt besonders mit DrogenkriminalitÀt zu kÀmpfen. (Quelle: Olaf Wagner/imago-images-bilder)

Besonders deutlich wird dies auch hier am Beispiel Kokain: Der Wert eines Kilos Koka-Paste liegt bei etwa 2.500 US-Dollar. Der große Gewinn wartet aber in Europa: Wenn sich das Kilo Kokain in Berlin befindet, wird sein Wert auf 45.000 Euro geschĂ€tzt. Der Kunde kauft meistens in Grammeinheiten und zahlt dafĂŒr um die 60 Euro. Was er in kleinen, wieder verschließbaren PlastikbehĂ€ltern ausgehĂ€ndigt bekommt, sind jedoch zumeist nur 0,7-0,8 Gramm. Daraus ergeben sich drei Konsumeinheiten, also drei Kokain-Highs. An einem Abend im "Berghain" oder im "About blank" ist diese Menge schnell verbraucht.

Die dicken Autos der Kokstaxi-Fahrer sind nicht umsonst ein popkultureller Marker geworden: "Die Betrachtung der TĂ€ter aus dem sozialen Blickwinkel heraus fĂŒhrt zu einem Kreis von Personen, die sich damit ihren opulenten Lebensstil finanzieren wollen", erklĂ€rt Olaf Schramm.

Was sagen Endkonsumenten dazu?

Doch was sagen die Berliner Endkonsumenten dazu? t-online hat zwei PartygÀnger mit den Ergebnissen der Recherche konfrontiert:
Einer von ihnen ist Marius. Er hat BWL studiert und einen Job als Angestellter in einer Unternehmensberatung. Seit er 16 ist, kifft der 33-JĂ€hrige regelmĂ€ĂŸig. Die Droge schenkt ihm gelegentliche Feierabendentspannung: "So wie andere, die Donnerstagabend mal zwei Bier trinken, drehe ich mir gerne einen sanften Joint." Auch mit anderen Drogen wie MDMA oder Speed hat er schon Erfahrungen gesammelt.

"Wenn ich mir das so anschaue, dann könnte einigen der Probleme – vor allem die Menschenrechtsverletzungen in sĂŒdamerikanischen LĂ€ndern und die miesen Standards in deutschen Chemielaboren – durch eine kontrollierte Legalisierung entgegengewirkt werden", meint er. Am US-amerikanischen Beispiel, wo Marihuana in vielen Bundesstaaten legal erhĂ€ltlich ist, sehe man jedoch, dass dort die Profitgier der Pharmaindustrie andere ethische Probleme mit sich bringe, sagt Marius.

Auch Daniella hat die Recherche nachdenklich gemacht. Sie ist 25 Jahre alt und arbeitet neben ihrer Tischler-Ausbildung als DJ in verschiedenen Clubs. Dort ist sie schon mit diversen Drogen in BerĂŒhrung gekommen.

Daniella bezeichnet sich politisch als links, ist absolute Pelz-Gegnerin und isst aus UmweltgrĂŒnden keinen Fisch und nur sehr wenig Fleisch. Sie bezeichnet sich selbst als "nicht radikal, was Nachhaltigkeit betrifft", sieht sich aber als bewusste Konsumentin. "Wenn man sich damit beschĂ€ftigt, sollte man wirklich kein Kokain mehr konsumieren", sagt sie. "Das habe ich fĂŒr mich mitgenommen und hoffe, das so umsetzten zu können."

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