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FC Bayern – Stefan Effenberg über Trainer Niko Kovac: "Er tut mir leid"


MEINUNGTrainer unter Druck  

Stefan Effenberg kritisiert Bayern: "Niko Kovac tut mir leid"

Von Stefan Effenberg

16.04.2019, 11:16 Uhr
FC Bayern – Stefan Effenberg über Trainer Niko Kovac: "Er tut mir leid". Klare Meinung: t-online.de-Kolumnist Stefan Effenberg (r.) spricht über Bayern-Trainer Niko Kovac. (Quelle: imago images)

Klare Meinung: t-online.de-Kolumnist Stefan Effenberg (r.) spricht über Bayern-Trainer Niko Kovac. (Quelle: imago images)

Stefan Effenberg schreibt in seiner Kolumne über die Situation beim FC Bayern, das Drama auf Schalke – und die Trainer-Diskussionen bei den Liga-Sorgenkindern. 

Noch fünf Spieltage und die Bundesliga ist spannend wie lange nicht. An der Spitze das Duell zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund, dahinter der Kampf um die Europacup-Plätze – und auch am Tabellenende ist längst noch nicht alles klar.

Doch nicht nur in der Tabelle gibt es Fragezeichen – sondern auch in den Vereinen. Insbesondere auf den Trainerbänken.

Gleich bei sieben Klubs gibt es derzeit Trainerdiskussionen. Drei von ihnen gehen ein hohes Risiko ein. Vielleicht zu hoch. Und andere sind selbst schuld an der Unruhe. Fangen wir unten in der Tabelle an.


Thomas Doll und die Bilanz des Grauens

Ich gehe davon aus, dass Hannover und Nürnberg den Weg in die zweite Liga gehen werden. Insbesondere die Bilanz von Thomas Doll in Hannover ist verheerend. Zehn Spiele, neun Niederlagen: Da fehlen ihm jegliche Argumente. Ich kann trotzdem verstehen, dass er zuletzt auf der Pressekonferenz nach dem 0:1 gegen Borussia Mönchengladbach dünnhäutig und angefressen reagierte, als er die angebliche Schadenfreude der Reporter monierte. Das ist legitim. Man sollte das nicht auf die Goldwaage legen.

Aber wie gehen sie jetzt mit der Situation in Hannover um? Aus meiner Sicht kommen sie nur wieder aus dem Stimmungstief, wenn sie jetzt mit dem Neuaufbau beginnen, den Schalter umlegen und auf Spieler setzen, die eine Perspektive bei 96 haben.

Jetzt ist die Frage: ist Doll der Richtige für einen Neuaufbau? Will er das? Darf er das? Ich kann es mir nicht vorstellen. Thomas Doll hat sich in den letzten Wochen permanent aufreiben müssen. Als Verein musst du da einen klaren Schnitt machen. Das wäre für beide Seiten besser – und auch ein Zeichen an die Fans. Das Ziel muss ab sofort sein, dass sie sich ganz neu und erfolgreich für die zweite Liga aufstellen und den Wiederaufstieg anpeilen.

Markus Weinzierl und das kleinste Übel

Es ist ein schmaler Grat, den der VfB beschreitet. Wechselt der Verein noch mal den Trainer? Aus meiner Sicht wäre es der richtige Weg, an ihm festzuhalten. Man sieht in den Spielen sehr wohl, dass die Stuttgarter Widerstand leisten und die Grundtugenden an den Tag legen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass da ein erneuter Trainerwechsel etwas bringen würde. Sie sollten versuchen, sich auf das kleinste Übel zu konzentrieren: Die Relegation. Denn die müssen sie dann auch erst mal überstehen.

Statistisch gesehen haben sich die Bundesligisten zwar überwiegend durchgesetzt, aber in der zweiten Liga gibt es gefährliche Gegner. Ich sehe ehrlicherweise den psychologischen Vorteil bei den Vereinen aus dem Unterhaus – ob das am Ende Union, Paderborn, Heidenheim oder der HSV wird.

Für Stuttgart steht extrem viel auf dem Spiel. Bei einem Abstieg müssen sie komplett aufräumen. Bei einem Klassenerhalt müssen sie natürlich auch Dinge verändern. Der VfB hat aber mit Sport-Vorstand Thomas Hitzlsperger und Sportdirektor Sven Mislintat die richtigen Leute, um in der neuen Saison neu angreifen zu können.

Huub Stevens und die spielerische Armut

Es hat wenig bis gar nichts mit Fußball zu tun, was Schalke aktuell anbietet. Das ist über weite Strecken das Schlechteste, was die Liga zu bieten hat. Aber: Sie haben sechs Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Dafür müssten sie jeden Tag dem Fußballgott danken. Der Vorsprung müsste im Normalfall zum Klassenerhalt reichen.

Für den VfB Stuttgart und auch für den neutralen Fußballfan wäre es natürlich spektakulär, wenn es am letzten Spieltag gegen Schalke noch zum Showdown kommen würde um den Relegationsplatz. Für Schalke wäre das dramatisch.

Pal Dardai und die gestiegenen Erwartungen

Pal Dardai ist ein richtig guter Typ und ein richtig guter Trainer – so viel vorweg. Er ist jetzt seit vier Jahren Cheftrainer von Hertha und hat in dieser Zeit das Optimum rausgeholt. Hertha spielt Jahr für Jahr eine gute Rolle, auch wenn es in der Rückrunde ab und an eine Schwächephase gibt.

Wie kommt es jetzt zur Ablösung Dardais am Saisonende, wie sie der Verein bekannt gegeben hat? Ich kann mir vorstellen, dass die Verantwortlichen eine ähnliche Hoffnung haben wie in Gladbach. Dass die Erwartungen steigen und sie auf die internationalen Plätze schauen. Aber muss man sich dafür von Dardai trennen? Ich kann das nicht wirklich nachvollziehen.

Bruno Labbadia und die beste Entwicklung der Liga

Der VfL Wolfsburg ist der Bundesliga-Verein, der im Vergleich zur Vorsaison den größten Schritt nach vorne gemacht hat. Das ist eine Entwicklung, die ich total positiv finde. Deshalb kann ich es im doppelten Sinn nicht verstehen, dass der Verein nicht alles versucht hat, mit dem Trainer zu verlängern. Das kann nur menschliche Gründe haben – sportlich ist das nicht zu erklären.

Dieter Hecking und das große Risiko

Manager Max Eberl und Gladbach sind auf einem noch schmaleren Grad unterwegs als Wolfsburg oder Hertha, weil die Latte noch höher liegt. Sie wollen den nächsten Schritt machen. Da frage ich mich natürlich: Was ist der nächste Schritt?

Die Borussia ist auf dem Weg in den Europacup, womöglich sogar in die Champions League. Wenn sie sich dann verbessern will, reden wir von Platz eins bis drei. Dann müssten sie also das Ziel haben, um die Meisterschaft zu spielen und das halte ich dann doch für zu ambitioniert. Vielleicht möchten sie auch einfach mehr Konstanz als in den vergangenen Jahren. Aber es gibt keine Garantie dafür, dass das auch funktioniert.

Fest steht: Es wäre eine große Genugtuung für Dieter Hecking, wenn er mit Gladbach die Europa League oder sogar noch die Champions League erreicht. Auch, wenn er das nicht zeigen wird.

Man kann für die Vereine Hertha, Wolfsburg und Gladbach nur hoffen, dass das gut geht. Die Entscheider werden daran gemessen, wie es in der kommenden Saison weitergeht. Für die Trainer ist es schade – aber Sorgen um sie braucht man sich nicht machen. Dardai, Hecking und Labbadia stehen alle Türen offen.

Niko Kovac und die ständigen Diskussionen

Der FC Bayern steht an der Bundesliga-Spitze und im Pokal-Halbfinale. Trotzdem wird permanent über Niko Kovac diskutiert und spekuliert. Ich muss ehrlich sagen: Da wird mir schlecht, wenn ich das verfolge. Kovac wird entweder aus den eigenen Reihen angeschossen oder von außen hinterfragt. Das ist respektlos. Insbesondere die Aussagen von Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge bei seinem TV-Auftritt bei Sky zuletzt kann ich nicht nachvollziehen.

Auf die Krise im Herbst angesprochen hätte er einfach sagen können: "In der Hinrunde hatten wir Probleme aufgrund der Rotation. Niko hat das dann korrigiert."

Er hat aber gesagt: "Wir haben uns selbst das Bein gestellt, weil der Trainer in unglaublich großem Stil rotiert hat." Erst ein Eingreifen der Bosse habe dazu beigetragen, dass Kovac noch die Kurve bekam.

Rummenigge sagte darüber hinaus: "Es gibt keine Job-Garantie bei Bayern München. Für niemand. Jeder muss bei Bayern München liefern. Das ist das Prinzip Bayern München. Wer damit nicht umgehen kann, ist im falschen Klub."


Ich bekomme bei diesen Aussagen Bauchschmerzen. Niko Kovac tut mir leid. Kalle Rummenigge muss sich doch bewusst sein, dass das ein mediales Gewitter nach sich zieht und den Trainer viel Energie kostet.

Auch wenn die Ansprüche und das Umfeld nicht zu vergleichen sind: Ich kann mich an keine einzige negative Äußerung über Kovac in Frankfurt erinnern. Das haben sie bei der Eintracht also deutlich besser gemacht, daran sollte sich der FC Bayern ein Beispiel nehmen.

Denn: Ich bin mir sicher, dass Niko Kovac der Richtige ist für den Umbruch beim FC Bayern.


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