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Bayern oder Leipzig – wer hat die bessere Bank?

  • Dominik Sliskovic
Von Dominik Sliskovic

Aktualisiert am 24.02.2021Lesedauer: 4 Min.
Lothar Matthäus: Der Rekord-Nationalspieler hält die Bank von RB Leipzig stärker als die der Bayern.
Lothar Matthäus: Der Rekord-Nationalspieler hält die Bank von RB Leipzig stärker als die der Bayern. (Quelle: Fotostand/imago-images-bilder)
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Das Rennen um die Meisterschaft ist nach Bayerns Patzern völlig offen. Lothar Matthäus sieht Verfolger Leipzig dank des breiten Kaders sogar vorne. Doch stimmt das? t-online analysiert die Konkurrenten.

Die Klub-WM hat ihnen nicht gutgetan: Aus den vergangenen zwei Bundesligapartien konnte Titelverteidiger FC Bayern nur einen mickrigen – und hart erkämpften – Punkt gegen Aufsteiger Arminia Bielefeld mitnehmen, gegen Eintracht Frankfurt setzte es eine verdiente 1:2-Niederlage. Plötzlich hat Fußballdeutschland wieder ein spannendes Meisterschaftsrennen, denn: der Vorsprung auf Verfolger RB Leipzig ist auf schmale zwei Zähler zusammengeschrumpft.


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Bayerns Frühjahrseinbruch ist auch dem Umstand geschuldet, dass mit Benjamin Pavard, Leon Goretzka und Thomas Müller gleich drei Stammspieler mit einer Corona-Infektion ausfielen. Es ist jedoch durchaus besorgniserregend, dass der Ligaprimus so offensichtliche Probleme damit hat, diese personellen Lücken zu füllen – findet auch Lothar Matthäus.

Der Rekordnationalspieler gab in seiner Kolumne für "Sky Sport" zu bedenken, dass es ausgerechnet die unausgewogene zweite Reihe ist, die die Münchner am Ende die Meisterschaft kosten könnte. Denn, so Matthäus, Verfolger Leipzig könne "von der Bank aus für mich auf den meisten Positionen besser nachlegen."

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Beide Klubs haben Schwachstellen in der zweiten Reihe

Stimmt Matthäus' Aussage in ihrer ganzen Pauschalität? Nein, natürlich nicht. Die Angelegenheit ist wesentlich diffiziler, da beide Topklubs ihre Schwächen bei den Bankdrückern haben.

Fakt ist: Der FC Bayern kann Ausfälle auf einigen Schlüsselpositionen qualitativ nahezu identisch kompensieren. Insbesondere in der Verteidigung stehen mit Weltmeister und Rekordtransfer Lucas Hernandez (50 Prozent Startelfquote) und DFB-Abwehrchef Niklas Süle (50 Prozent Startelfquote) zwei Defensivakteure von Weltformat bereit. Das Problem hierbei ist jedoch, dass Cheftrainer Hansi Flick mit Süle nur ein einziger gelernter Innenverteidiger von der Bank zur Verfügung steht. Zudem verlangt er dem 25-Jährigen höchste taktische Flexibilität ab, so setzte er ihn zuletzt als Ersatz für Benjamin Pavard auf der Rechtsverteidigerposition ein. Eine Entscheidung, die Bände über das Standing des etatmäßigen Rechtsverteidigers Bouna Sarr (18 Prozent Startelfquote) spricht, der im Oktober als Ergänzungsspieler von Olympique Marseille verpflichtet wurde.

Niklas Süle und Lucas Hernandez gehören diese Saison nicht zum absoluten Stammpersonal beim FC Bayern.
Niklas Süle und Lucas Hernandez gehören diese Saison nicht zum absoluten Stammpersonal beim FC Bayern. (Quelle: Poolfoto/imago-images-bilder)

Um einiges sattelfester wirkt da die Defensive der Leipziger: Mit Nordi Mukiele, Willi Orban und Dayot Upamecano gibt es ein eingespieltes Innenverteidiger-Trio, das von der Bank durch die beiden DFB-Nationalspieler Lukas Klostermann (32 Prozent Startelfquote) und Marcel Halstenberg (59 Prozent Startelfquote) sowie den Franzosen Ibrahima Konaté (18 Prozent Startelfquote) ergänzt werden kann. Die große Stärke der RB-Alternativen: Klostermann und Halstenberg sind extrem variabel einsetzbar, Coach Julian Nagelsmann kann mit der Einwechslung eines der beiden Akteure problemlos aus einer kompakten Dreier- auf eine Vierer-Abwehrkette wechseln und die beiden Flügelspieler Tyler Adams und Angeliño noch weiter in die Offensive beordern.

Leipzig hat die variableren Möglichkeiten von der Bank

Dieser Reichtum an Variabilitätsmöglichkeiten setzt sich bei den Leipzigern im Offensiven Mittelfeld fort. Mit Emil Forsberg (55 Prozent Startelfquote, acht Torbeteiligungen) und Christopher Nkunku (45 Prozent Startelfquote, sieben Torbeteiligungen) hat Nagelsmann zwei divergente Charaktere, die für die sich hinter der Sturmspitze festgespielten Amadou Haidara (64 Prozent Startelfquote) und Dani Olmo (82 Prouent Startelfquote) in Betracht kommen: Während Nkunku am ehesten ein klassischer Zehner-Spielmacher ist, der sich im zentralen Schaltraum bewegt und für Bälle auch tiefer gen Mittelkreis fallen lässt, kurbelt Forsberg als Flügelflitzer die Außenbahnen der Rasenballsportler an. So kann Nagelsmann mit ihnen aus dem bevorzugten 3-2-2-2-1 problemlos in verschiedene Formationen wie einem 4-2-2-2 oder einem klassischen 4-3-3 wechseln.

Christopher Nkunku und Emil Forsberg sind entscheidend für Nagelsmanns taktische Variabilität.
Christopher Nkunku und Emil Forsberg sind entscheidend für Nagelsmanns taktische Variabilität. (Quelle: Contrast/imago-images-bilder)

Der FC Bayern derweil kann aufgrund der Banksituation eher mit 1:1-Wechseln während eines Spiels reagieren. Dabei ist besonders Leroy Sané als Luxus-Joker zu nennen. Der DFB-Nationalspieler (50 Prozent Startelfquote, elf Torbeteiligungen) fühlt sich auf beiden Flügeln gleich wohl und stellt somit eine Alternative sowohl zu Kingsley Coman (68 Prozent Startelfquote) als auch Serge Gnabry (73 Prozent Startelfquote) dar. Sanés unbestrittener individueller Klasse muss sich auch Rückkehrer Douglas Costa (14 Prozent Startelfquote, zwei Torbeteiligungen) unterordnen.

FC Bayern extrem abhängig von Lewandowski

Am größten ist die Diskrepanz zwischen Bayern und Leipzig jedoch im Sturmzentrum. Während die Sachsen in der laufenden Saison 40 Tore erzielten, sind es auf Münchner Seite unglaubliche 62. Satte 26 Treffer gehen dabei aufs Konto von Weltfußballer Robert Lewandowski. Es ist Bayerns großes Glück, dass der Pole seit Februar/März 2020 nicht mehr verletzungsbedingt ausgefallen ist (damals fiel er zum ersten und einzigen Mal für mehr als zwei Spiele aus). Kaum vorzustellen, welch einen Qualitätseinbruch das Münchner Spiel hinnehmen müsste, wenn Lewandowski für längere Zeit ausfallen würde. Seinem Back-Up Eric Maxim Choupo-Moting kommt in dieser Saison nämlich nicht mehr als die Rolle eines Spielers für das, was man im Basketball die "Garbage Time" nennt – also den letzten Minuten einer längst entschiedenen Partie – zu.

Stürmer Eric Maxim Choupo-Moting ist beim FC Bayern kein ernstzunehmender Ersatz für Weltfußballer Robert Lewandowski.
Stürmer Eric Maxim Choupo-Moting ist beim FC Bayern kein ernstzunehmender Ersatz für Weltfußballer Robert Lewandowski. (Quelle: Poolfoto/imago-images-bilder)

Leipzigs Spiel ist längst nicht so sturmspitzenzentriert wie das der Bayern. Das lässt sich auch an den Statistiken erkennen: RBs bester Torschütze der laufenden Saison mit fünf Treffern ist mit Kapitän Marcel Sabitzer ein zentraler Mittelfeldspieler, Stammangreifer Yussuf Poulsen (45 Prozent Startelfquote) kommt auf vier Tore. Bei anderen Vereinen, wie eben dem FC Bayern, wäre das ein großes Problem, doch Leipzig setzt konsequent auf ein mannschaftsdienliches Offensivkonzept, das deutliche Anleihen des niederländischen "Totaal Voetbal" hat, in dem bei Ballbesitz die komplette Mannschaft angreift und jeder Feldspieler sich als Torschütze anzubieten hat. Daher ist es auch nicht als dramatisch anzusehen, dass es Poulsens Ersatzmann, der Norweger Alexander Sörloth, in bisher 20 Einsätzen (36 Prozent Startelfquote) nur auf einen einzigen Treffer gebracht hat.

So lässt sich unter dem Strich Matthäus' These insofern zustimmen, als dass es nicht Leipzigs Breite im Kader ist, die dem FC Bayern gefährlich werden dürfte, sondern die taktische Variabilität der einzelnen Akteure und des gesamten Teamgefüges. Sollte der Rekordmeister von weiteren strukturellen Ausfällen wie den Corona-Infektionen der vergangenen Wochen verschont bleiben und Lewandowski weiterhin so unvergleichlich treffen, dürfte das direkte Duell mit RB Leipzig am 27. Spieltag (3. April, 18.30 Uhr, im Liveticker bei t-online) schon einen vorentscheidenden Charakter im Titelrennen haben.

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Von David Digili
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