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Sie sagen aus dem gleichen Grund Nein zu Bayern

Eine Kolumne von Stefan Effenberg

Aktualisiert am 14.05.2022Lesedauer: 5 Min.
Erling Haaland und Robert Lewandowski: Keiner der beiden TopstĂŒrmer sagt Ja zu Bayern.
Erling Haaland und Robert Lewandowski: Keiner der beiden TopstĂŒrmer sagt Ja zu Bayern. (Quelle: Reuters-bilder)
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Die zwei grĂ¶ĂŸten Stars gehen. Das stellt Bayern und Dortmund vor Probleme. FĂŒr die Bundesliga aber ist das vor allem eines: gut.

Erling Haaland und Robert Lewandowski: Sie sind die grĂ¶ĂŸten Stars der Bundesliga – und sie stehen beide vor dem Abschied.


FC Bayern: Was diese ehemaligen Stars heute machen

t-online.de hat sich 20 ehemalige Spieler des deutschen Rekordmeisters herausgesucht und aufgeschrieben, was sie heute machen. Tobias Rau beispielsweise, 2003 bis 2005 im Verein, unterrichtet heute in der NĂ€he von Bielefeld an einer Gesamtschule Biologie und Sport.
Thomas Helmer (1992–1999): Jahrelang eine Bank in der Defensive des FC Bayern. Zuletzt moderierte der Europameister von 1996 die Sport1-Kultsendung "Doppelpass", im Sommer 2021 gab er sie jedoch an Florian König ab. Helmer ist dennoch weiterhin fĂŒr Sport1 als Moderator im Einsatz, moderiert unter anderem den "Doppelpass on Tour", den Sport1-Fantalk oder auch die Spiele des DFB-Pokals.
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Diese Quote wird kein Nachfolger erreichen

Haaland verlĂ€sst Borussia Dortmund in diesem Sommer in Richtung Manchester City, Lewandowski den FC Bayern spĂ€testens 2023 – um sich dem FC Barcelona anzuschließen.

Fußballfans tut das weh, weil man solche Spieler nicht alle Tage zu Gesicht bekommt und sicherlich Glanz verloren geht.

FĂŒr die Bundesliga ist das aber, das mag ĂŒberraschend klingen, vor allem eines: gut.

Der Abgang von Lewandowski wird der Liga zu deutlich mehr Spannung verhelfen, weil Bayern ihn erst mal ersetzen muss, das aber nicht kann. Lewandowski hat pro Saison 30, 40, eher 50 Pflichtspieltore erzielt. Eine solche Quote wird kein Nachfolger erreichen. Das ist wie in den Siebzigern bei Gerd MĂŒller.

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Zumal Lewandowski so gut wie nie verletzt war.

Unterschiedliche Vorzeichen, gleicher Anreiz

Der Weltfußballer hat sich offenbar gegen einen Verbleib bei Bayern entschieden, Haaland gegen einen Wechsel nach MĂŒnchen. Ich denke, dass bei beiden der gleiche Grund zu ihrer jeweiligen Entscheidung beigetragen hat.

Beide haben sich gegen Bayern entschieden, weil sie den großen Reiz verspĂŒren, etwas Besonderes zu erreichen.

NatĂŒrlich mit anderen Vorzeichen: Lewandowski hat bei Bayern alles gewonnen und abgerĂ€umt, was möglich ist – vom Champions-League-Titel bis zur persönlichen Weltfußballer-Auszeichnung. All das also, was Haaland noch erreichen will.

Der Anreiz ist dennoch bei beiden gleich.

Wo passen die Herausforderungen?

Manchester City hat, trotz Ausgaben in Milliardenhöhe allein an Ablöse in den vergangenen Jahren, noch nicht die Champions League gewonnen. Haaland kann also zum Helden werden, wenn er sich als der Baustein entpuppt, der bisher fehlte.

Der FC Barcelona hat einen Absturz hinter sich mit einem enttĂ€uschenden Abschneiden im Europacup, zwischenzeitlich nur einem neunten Platz in der Liga sowie dem finanziellen Fast-Kollaps. Gelingt nach einem Auf in der Liga die endgĂŒltige Auferstehung mit Lewandowski, hievt er den Verein womöglich in SphĂ€ren, in denen der zuletzt mit Lionel Messi war.

Bayern? Real Madrid? Der FC Liverpool? Die Klubs haben allesamt in den vergangenen Jahren die Champions League gewonnen. Da ist es schwer, noch einen draufzusetzen. NatĂŒrlich spielt auch das finanziell jeweils unglaublich attraktive Angebot eine Rolle bei beiden. Aber man muss eben auch schauen, wo die Herausforderung passt.

Bayern-Entscheidung ist legitim

Dortmund konnte sich bei Haaland seit geraumer Zeit auf einen Abgang vorbereiten, auch der Wechselwunsch von Lewandowski kommt nun nicht mehr vollkommen ĂŒberraschend.

Ich habe im Februar geschrieben: "Wenn Bayern nicht versucht, den Vertrag zu verlÀngern, ist das die schlechteste Entscheidung der Vereinsgeschichte."

Nun muss ich den Verein in Schutz nehmen.

Es hat nĂ€mlich durchaus GesprĂ€che gegeben. Der FC Bayern hat sich allerdings entschieden, Lewandowski nur eine VerlĂ€ngerung um ein weiteres Jahr bis 2024 anzubieten, so wie er das auch bei Thomas MĂŒller und Manuel Neuer getan hat.

Das ist in meinen Augen eine legitime Entscheidung, weil es um so wahnsinnig hohe Summen und GehÀlter geht. Bayern ist nicht in der Lage zu sagen: "Auf 10, 20 Millionen Euro Gehaltszahlungen im Jahr kommt es nicht an."

Kein VerstĂ€ndnis fĂŒr Lewandowski

Diese Summen kann Bayern nur zahlen, wenn ein Weltklassespieler sein absolutes Topniveau erreicht. Und das kann im Alter von 33 oder 34 Jahren niemand garantieren – zumindest nicht fĂŒr die nĂ€chsten drei, vier Jahre. Das muss auch ein Spieler wie Lewandowski akzeptieren, der am liebsten einen Vertrag ĂŒber zwei oder drei weitere Jahre unterschrieben hĂ€tte.

Ich habe auch wenig VerstĂ€ndnis dafĂŒr, wenn ein Spieler in dem Alter beleidigt ist, weil sich der Verein mit anderen und jĂŒngeren Spielern beschĂ€ftigt, so wie in diesem Fall Bayern mit Haaland.

Sportvorstand Hasan Salihamidzic hat schon zu Saisonbeginn ĂŒber Haaland im "Doppelpass" gesagt: "60 Spiele, 60 Tore, da muss man hinschauen, sonst wĂ€ren wir ja Vollamateure." Schon damals soll Lewandowski verstimmt gewesen sein. Dabei ist das nur das GeschĂ€ft.

Ich war 2002 auch 33 Jahre alt, als Bayern entschieden hat, Michael Ballack fĂŒr das Mittelfeld zu verpflichten, der deutlich jĂŒnger war. Da habe ich auch nicht gejammert und mich beschwert. Es geht um den Verein, nicht um einen Spieler.

Bayern muss sich entscheiden

Deshalb kann ich auch die aufkommende Kritik an den Verantwortlichen und insbesondere an Hasan Salihamidzic nicht nachvollziehen. Die ist polemisch – und nicht mehr als Schlagzeilenhascherei.

In der Kritik: Hasan Salihamidzic.
In der Kritik: Hasan Salihamidzic. (Quelle: Sportfoto Rudel/imago-images-bilder)

Ich denke sogar, dass das Modell des FC Bayern Schule machen wird, Spielern ĂŒber 30 nur noch VertrĂ€ge ĂŒber ein beziehungsweise ein weiteres Jahr zu geben. Zumal die Topklubs fĂŒr gewöhnlich bei Spielern in dem Alter nicht mehr Schlange stehen. Bei Lewandowski gibt es so einen Interessenten mit dem FC Barcelona, bei Dortmunds Marco Reus und Mats Hummels dagegen ist das schon nicht mehr der Fall.

Der Fall Lewandowski ist natĂŒrlich mit der Äußerung des Wechselwunsches noch nicht gelöst. Der FC Bayern muss nun entscheiden, ob er dem nachkommt und womöglich noch 30 Millionen Euro an Ablöse kassiert – oder ob er Lewandowski bis zu seinem Vertragsende hĂ€lt und man entsprechend noch eine weitere Saison gemeinsam bestreitet.

Ich persönlich hoffe, dass die Verantwortlichen ihr Wort halten.

Verkauf wÀre fatal

Vorstandschef Oliver Kahn hatte vor einigen Wochen im GesprĂ€ch mit Prime Video gesagt: "Wir wĂ€ren dumm, einen Spieler zu verkaufen, der 30 bis 40 Tore pro Saison erzielt. [...] Er hat einen Vertrag bis Juni 2023 und wir werden ihn auf jeden Fall fĂŒr eine weitere Saison bei uns haben."

Auch der ehemalige Bayern-PrĂ€sident Uli Hoeneß sagte: "Ich gehe hundertprozentig davon aus, dass Robert Lewandowski nĂ€chste Saison beim FC Bayern spielt. Weil er einen Vertrag hat. Ganz einfach."

Und erst heute hat Bayern-PrĂ€sident Herbert Hainer bei "Merkur" und "tz" bestĂ€tigt: "Robert Lewandowski hat beim FC Bayern einen Vertrag bis zum 30. Juni 2023. Und den wird er erfĂŒllen."

Ich muss klar sagen: Es wÀre fatal, wenn Bayern ihn jetzt schon verkauft. Das Sportliche sollte immer im Fokus stehen. Insbesondere nach dieser Saison, in der Bayern die Ziele verpasst hat, ist die kommende Saison extrem wichtig.

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Das Grummeln ist gefÀhrlich

Insbesondere auch fĂŒr Trainer Julian Nagelsmann. Die Berichte ĂŒber Unzufriedenheiten von Spielern, Lewandowski inklusive, mĂŒssen alle Beteiligten sehr ernst nehmen. Die sind gerade im Hinblick auf die kommende Saison gefĂ€hrlich, das vorherrschende Grummeln im Verein ist gefĂ€hrlich. Wenn Bayern zum Saisonstart nicht sofort liefert, wird es fĂŒr einen Trainer schnell eng. Ohne Lewandowski kann das besonders schnell gehen.

Julian Nagelsmann reckt seine erste Meisterschale in die Höhe. Um ihn herum gibt es ein "Grummeln" bei Bayern, wie Stefan Effenberg es nennt.
Julian Nagelsmann reckt seine erste Meisterschale in die Höhe. Um ihn herum gibt es ein "Grummeln" bei Bayern, wie Stefan Effenberg es nennt. (Quelle: Sven Simon/imago-images-bilder)

Bayern muss also Zeit gewinnen, um sich zu orientieren und den richtigen Nachfolger zu finden. Ich habe an dieser Stelle bereits den Leverkusener Patrik Schick ins Spiel gebracht, den auch Dortmund im Blick hat. Ich gehe allerdings davon aus, dass sein Klub ihn definitiv nicht in diesem Sommer gehen lassen wird, er also frĂŒhestens im kommenden Jahr wechseln könnte.

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Auch das wĂŒrde dafĂŒr sprechen, dass Bayern Lewandowski bis 2023 hĂ€lt.

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  • Florian Wichert
Von Florian Wichert
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