• Home
  • Digital
  • Netzpolitik
  • EU-Urheberrechtsreform: Die Generation YouTube rechnet mit der Groko ab


Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Symbolbild fĂŒr einen TextAlpenrand: Höchste Unwetter-WarnstufeSymbolbild fĂŒr einen TextWeltgrĂ¶ĂŸte Schokofabrik stoppt ProduktionSymbolbild fĂŒr einen TextUSA: NĂ€chstes umstrittenes UrteilSymbolbild fĂŒr einen TextSöhne besuchen Becker im GefĂ€ngnisSymbolbild fĂŒr einen TextVerstappen gegen Sperre fĂŒr F1-LegendeSymbolbild fĂŒr einen TextBĂŒrgertest-Chaos bricht in Berlin ausSymbolbild fĂŒr einen TextUnion Berlin tĂ€tigt KönigstransferSymbolbild fĂŒr einen Text"Hartz und herzlich"-Liebling ist totSymbolbild fĂŒr einen TextHollywoodstar fordert Viagra-VerbotSymbolbild fĂŒr einen TextWie erleben Sie das Reise-Chaos?Symbolbild fĂŒr einen TextNorddeutschland: 13-jĂ€hrige Amy vermisstSymbolbild fĂŒr einen Watson TeaserBecker bekommt erfreulichen Knast-BesuchSymbolbild fĂŒr einen TextErdbeersaison auf dem Hof - jetzt spielen

Jetzt rechnet die Generation YouTube mit der Groko ab

Von Laura Stresing

Aktualisiert am 18.02.2019Lesedauer: 4 Min.
Urheberrechtsreform im EU-Parlament: VerhandlungsfĂŒhrer Axel Voss (CDU) freut sich ĂŒber das "Ja" zur Urheberrechtsreform.
Urheberrechtsreform im EU-Parlament: VerhandlungsfĂŒhrer Axel Voss (CDU) freut sich ĂŒber das "Ja" zur Urheberrechtsreform. (Quelle: Vincent Kessler/Reuters-bilder)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo

Nach dem Ja zur EU-Urheberrechtsreform schlĂ€gt der Bundesregierung die Wut einer ganzen Generation entgegen. Die Jugend wehrt sich gegen eine Politik, die etwas regulieren will, fĂŒr das sie sonst wenig VerstĂ€ndnis zeigt.

Normalerweise berichtet Thomas Hackner ĂŒber Klatsch und Tratsch aus der YouTuber- und Gamer-Szene. "Die Politik lasse ich außen vor", sagt er selbst. Doch als die UnterhĂ€ndler im EU-Parlament ihre Entscheidung zur geplanten Urheberrechtsreform verkĂŒnden, ist der 28-JĂ€hrige mit seinem YouTube-Kanal "Herr Newstime" auf einmal mittendrin. In einer stundenlangen Live-Schalte nach Straßburg spricht er mit Netzaktivisten, greift die Fragen seiner Zuschauer auf und interviewt Politiker auf den GĂ€ngen des Parlaments. Zwischenzeitlich verfolgen 20.000 Menschen seinen Live-Stream auf YouTube. "Das war ein richtiger Krimi", sagt Hackner.

Als die Verhandlungen am spĂ€ten Abend enden, verkĂŒndet "Herr Newstime" seinen Zuschauern die Hiobsbotschaft live: Der umstrittene Artikel 13 hat von den UnterhĂ€ndlern aus Parlament, Kommission und EU-Rat grĂŒnes Licht bekommen. Die in der YouTube-Szene gefĂŒrchteten Uploadfilter könnten damit bald RealitĂ€t werden.

In diesem Moment, in diesem Live-Stream formt sich ein Slogan, der kurz darauf auch bei Twitter Einzug hÀlt: #NieMehrCDU.

Diesen Verrat vergisst die Generation YouTube nicht

Mit ihrem "Ja" zur EU-Urheberrechtsreform hat die Bundesregierung ein Versprechen gebrochen, das den "Digital Natives" wichtig war. Noch im Koalitionsvertrag haben CDU, CSU und SPD Uploadfilter als "unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸig" ausgeschlossen. Trotzdem fĂŒhrt nach dem Kompromiss, den der CDU-Europapolitiker Axel Voss ausgehandelt und den die Bundesregierung abgenickt hat, wohl kaum ein Weg daran vorbei.

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
Ukraine wirft Belarus "verdeckte Mobilisierung" vor
MilitĂ€rĂŒbung in Belarus (Archivbild): Medien berichteten, dass auch Personen, die zuvor als wehruntauglich eingestuft worden seien, aufgefordert wurden, sich bei der Truppe zu melden.


Diesen "Verrat" wird die Generation YouTube nicht vergessen. Kritik kommt aber auch von DatenschĂŒtzern, DigitalverbĂ€nden und Unternehmen. Sie sehen in Artikel 11 und 13 vor allem Lobby-Instrumente, die der Vielfalt im Netz schaden könnten. Ein Administrator der Meme-Plattform pr0gramm wirft Politikern im t-online.de-Interview fehlende Digitalkompetenz vor.

Empfohlener externer Inhalt
Twitter

Wir benötigen Ihre Einwilligung, um den von unserer Redaktion eingebundenen Twitter-Inhalt anzuzeigen. Sie können diesen (und damit auch alle weiteren Twitter-Inhalte auf t-online.de) mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder deaktivieren.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen ĂŒbermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

4,7 Millionen wollen die Reform stoppen

Am Montag sind die Aktivisten der Petition "Save the Internet", die bei pr0gramm ihren Ausgang fand, bei Justizministerin Katarina Barley (SPD) zu Gast. Sie ĂŒberbringen mehr als 4,7 Millionen Unterschriften von Menschen, die sich gegen die Urheberrechtsreform in ihrer jetzigen Form aussprechen.

Nach EinschĂ€tzung der netzpolitischen Sprecherin der SPD Saskia Esken werden die Aktivisten in der SPD-Justizministerin eine VerbĂŒndete finden. Katarina Barley habe das "Nein" zu Uploadfiltern auf der EU-Ebene ĂŒber Wochen hinweg verteidigt. Letztendlich habe sich aber Kanzlerin Angela Merkel ĂŒber den Koalitionsvertrag hinweggesetzt und dem Kompromiss zugestimmt. "Das ist inakzeptabel", findet Esken.

FĂŒr eine umfassende Bewertung des aktuellen Gesetzesvorschlages sei es zwar noch zu frĂŒh, so die SPD-Politikerin. "Was man aber ĂŒber Upload-Filter und Leistungsschutzrecht hört, ist Ă€ußerst bedenklich." Die SPD halte eine Urheberrechtsreform zwar fĂŒr "dringend notwendig", lehne Uploadfilter aber weiterhin ab, da diese einen "unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸigen Eingriff in die Freiheit des Internets" darstellten.

Die Gegner tragen ihren Protest auf die Straße

Die Hoffnungen der Reformgegner ruhen auf dem EU-Parlament, das im MĂ€rz oder April noch einmal im Plenum ĂŒber den finalen Gesetzesvorschlag abstimmen darf. Wenige Wochen spĂ€ter stehen die Europawahlen an. Das wollen die Netzaktivisten ausnutzen: Mit E-Mails und Anrufen versuchen sie auf die Abgeordneten einzuwirken. Es sind vor allem Jung- und ErstwĂ€hler, die drohen, den Politikern keine Stimme zu geben, wenn sie die Reform passieren lassen.

Am 23. MĂ€rz sind bundesweite Proteste gegen den Artikel 13 angekĂŒndigt. Bereits am Wochenende hatten sich etwa 2.000 Menschen zu einer Spontan-Demo in Köln versammelt, einem Zentrum der deutschen YouTuber-Szene. Wieder mittendrin: Thomas Hackner, alias Herr Newstime. "Das Thema hat aus meiner Sicht eine gesamtgesellschaftliche Relevanz", sagt der YouTuber. "Letztendlich bedeutet es, dass jede Form von Nutzerinhalten eingeschrĂ€nkt werden könnte. Das ist der grĂ¶ĂŸte Einschnitt, den das Internet je erlebt hat."

Wer am Beckenrand sitzt, braucht kein Wasser im Pool

FĂŒr professionelle YouTuber wie Hackner geht es um die Frage, ob sie in Zukunft noch ungehindert arbeiten dĂŒrfen. Wird es noch erlaubt sein, Ausschnitte aus fremden Videos zu zeigen, oder wird eine Filtersoftware solche Inhalte noch beim Hochladen einkassieren? Wie ist das bei Live-Streams? "Es ist völlig unklar, wie das technisch alles umgesetzt werden soll", beschwert sich Hackner.

Doch kĂŒmmert das außerhalb der YouTube-Blase irgendjemand? Wer nichts hochlĂ€dt, muss sich um Uploadfilter schließlich keine Sorgen machen. Der Journalist und Autor Dirk von Gehlen bringt es so auf den Punkt: "Wer nur am Rand hockt, braucht kein Wasser im Pool".

TatsÀchlich zeigen Statistiken immer wieder, dass nur eine Minderheit der Internetnutzer eigene Inhalte erstellt und veröffentlicht. Die Mehrheit konsumiert nur. Allerdings könnte die Auswahl an Inhalten erheblich schrumpfen, wenn Plattformen gezwungen sind, erst teure Lizenzvereinbarungen zu treffen oder radikal zu filtern.

Der Ton verschÀrft sich

Es ist wohl auch der Berichterstattung von YouTubern wie Hackner zu verdanken, dass Stichworte wie "Artikel 13" inzwischen jeden Teenager in wutentbrannte RedeschwĂ€lle ĂŒber realitĂ€tsferne Politik ausbrechen lassen. In den Machtzentren in Berlin, Straßburg und BrĂŒssel löst das politische Engagement der Jugend jedenfalls Misstrauen aus.

Loading...
Symbolbild fĂŒr eingebettete Inhalte

Embed

Am Samstag veröffentlichte die EU-Kommission einen Blog-Beitrag mit dem Titel "Wie der Mob aufgefordert wurde, den Drachen zu retten und den Ritter zu töten". Die Botschaft ist klar: Diese Jugendlichen können unmöglich von selbst darauf gekommen sein, dass sie Uploadfilter fĂŒr keine gute Idee halten. Stattdessen werden sie angestachelt von "einfachen, einprĂ€gsamen Slogans – egal wie unwahr oder unerfĂŒllbar", die dazu beitragen "Herz, Verstand und WĂ€hler zu gewinnen" – Ă€hnlich wie bei der Brexit-Kampagne. Nach heftiger Kritik wurde der Artikel zurĂŒckgezogen. Der Text sei "falsch verstanden" worden, teilte die EU-Kommission mit.

Netzpolitik als Generationenkonflikt?

Ein Tweet des EU-Abgeordneten Sven Schulze schlĂ€gt in die gleiche Kerbe: Der vermutet hinter dem Widerstand gegen Artikel 13 offenbar eine von Google angeleierte Verschwörung. Schließlich kĂ€men all die Beschwerde-Mails zu einem Großteil von Google-Accounts. Dabei kann sich jeder ein kostenloses Postfach bei Gmail zulegen und bekommt damit eine Adresse mit der Endung "@gmail.com".

Empfohlener externer Inhalt
Twitter

Wir benötigen Ihre Einwilligung, um den von unserer Redaktion eingebundenen Twitter-Inhalt anzuzeigen. Sie können diesen (und damit auch alle weiteren Twitter-Inhalte auf t-online.de) mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder deaktivieren.

Das wiederum lĂ€sst die Reformgegner spotten. Sie sehen ihre schlimmste BefĂŒrchtung bestĂ€tigt: Dass Netzpolitik von Menschen betrieben wird, die das Internet kaum nutzen und noch weniger verstehen.

Doch es gibt auch Politiker, von denen sich die Jungen und Internetaffinen verstanden und vertreten fĂŒhlen. Abgeordnete wie die Piraten-Politikerin Julia Reda oder der SPD-Politiker Tiemo Wölken kĂ€mpfen seit Jahren fĂŒr eine Urheberrechtsreform, mit der auch die YouTube-Welt gut leben könnte. Denn dass es eine Reform braucht, bestreitet kaum jemand.

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Themen
BundesregierungCDUCSUEUEU-KommissionGroße KoalitionSPDStraßburgTwitterYouTube

t-online - Nachrichten fĂŒr Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Ströer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverlÀngerung FestnetzVertragsverlÀngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website