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Zankapfel EEG-Umlage: Trimet sieht ohne Strom-Rabatte keine Zukunft

Zankapfel EEG-Ausnahmen  

Diese Firma sieht ohne Strom-Rabatte keine Zukunft

24.02.2014, 15:38 Uhr | dpa, t-online.de

Zankapfel EEG-Umlage: Trimet sieht ohne Strom-Rabatte keine Zukunft. Ein Mitarbeiter im Werk der Trimet Aluminium AG (Quelle: dpa)

Die Aluminium-Industrie gehört noch zu der Branche, die keine EEG-Umlage zahlen müssen (Quelle: dpa)

Eine einzige Fabrik verbraucht so viel Strom wie mehrere Großstädte - und wäre nach Einschätzung der Betreiber ohne Rabatte sofort pleite. Großverbraucher wie das Trimet-Aluminiumwerk in Essen bangen um die deutschen Nachlässe. An denen stört sich jedoch nicht nur die EU.

Wenn Haushaltsstrom aus der Steckdose ein schmales Rinnsal ist, dann fließt hier ein gewaltiger Fluss - lautlos, aber mit brachialer Kraft. Im Essener Werk des Aluminium-Herstellers Trimet erhitzt 160.000 bis 170.000 Ampere starker Strom riesige Metallmengen auf fast 1000 Grad Celsius. 240.000 Tonnen des teuren und in der Autoindustrie begehrten Leichtmetalls produziert die Fabrik im Stadtteil Bergeborbeck im Dreischichtbetrieb jedes Jahr.

Trimet Aluminium zählt zusammen mit der Bahn zu Deutschlands größten Stromverbrauchern und ist damit besonders stark auf die Strompreisrabatte angewiesen. Beim extrem energieaufwendigen Prozess der Aluminium-Herstellung entfällt allein auf die zwei Hütten des Unternehmens in Essen und Hamburg rund ein Prozent des nationalen Stromverbrauchs. Beide Standorte beschäftigen gemeinsam rund 1000 Menschen.

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Ohne Rabatte etwa 250 Millionen Euro Mehrkosten

250 Millionen Euro gibt die Firma für den Strom pro Jahr aus - dabei profitiert die Aluminiumschmiede wegen des extrem hohen Verbrauchs schon seit 2003 von Strompreisnachlässen und ist von der EEG-Umlage fast völlig ausgenommen. Wenn der Rabatt wegfiele, würden sich die Stromkosten in etwa verdoppeln, sagt Trimet-Gründer Heinz-Peter Schlüter: "Das zu bezahlen, wäre für uns völlig illusorisch." Die Alu-Hütte müsste sofort schließen.

Das Beihilfeverfahren der EU wegen der deutschen Strompreisrabatte für die Industrie sieht Schlüter deshalb mit großer Sorge. "Wir sind erleichtert, dass EU-Kommissar Almunia für Stahl, Aluminium und Zink auch weiter Ausnahmen befürwortet hat", sagt er. Aber wenn die deutsche Regierung zugleich Kappungen der EEG-Rabatte um eine Milliarde Euro in Aussicht stelle, müsse es ja irgendwen treffen. "Hoffentlich nicht uns - wir haben keinen Spielraum nach unten."

Nicht nur Deutschland schützt stromintensive Industrie

Kritiker machen dagegen eine andere Rechnung auf. Die Börsenstrompreise seien unter anderem durch die Energiewende erheblich auf unter 40 Euro pro Megawattstunde gefallen, sagt der Geschäftsführer des Landesverbands Erneuerbare Energien NRW, Jan Dobertin. Davon profitiere Trimet wie andere deutsche Großverbraucher. Unternehmen, die die EEG-Befreiung bekämen, zahlten unter dem Strich teils sogar weniger als ihre EU-Konkurrenten für den Strom, sagt Dobertin. Die Pleite der niederländischen Aluminium-Hütte Aldel mit 300 Beschäftigten zum Jahresbeginn sei daher in der Branche auch auf die günstigen deutschen Strompreise zurückgeführt worden.

Dabei gibt es natürlich auch in den Niederlanden Fördertöpfe für die stromintensive Industrie. In dem internationalen Regulierungswirrwarr haben selbst Fachleute oft Probleme, den Durchblick zu behalten. Sicher ist, dass die ganze Branche zu kämpfen hat - und dass auch Trimet mit weniger als zwei Millionen Euro Gewinn bei 1,2 Milliarden Euro Umsatz hart an der Kante fährt und empfindlich auf veränderte Rahmenbedingungen reagieren würde.

Schlüter betont, dass er mit dem Werk auf keinen Fall weg will - schon weil der Neubau einer Hütte der Essener Größenordnung 750 Millionen Euro oder mehr kosten würde. Außerdem säßen mehr als 80 Prozent der Kunden im Umkreis von 200 Kilometern. Nordrhein-Westfalen ist Aluminium-Land mit dem größten Alu-Walzwerk der Welt in Neuss, vielen weiterverarbeitenden Betrieben etwa für Fensterprofile oder Autobleche und mehr als 100.000 Jobs in der gesamten Branche.

Alu-Öfen sollen als "virtuelle Batterie" dienen

Statt ins Ausland zu gehen, beteiligt Schlüter sich mit seinen Riesen-Stromverbrauchern an der Lösung eines Kernproblems der Energiewende: den Produktionsschwankungen der erneuerbaren Energien und den bisher fehlenden Stromspeichern. Das Unternehmen will in Essen überschüssigen Sonnen- und Windstrom in einer "virtuellen Batterie" an den Alu-Öfen speichern.

Dabei werde die Aluminium-Produktion in den Öfen kurzfristig hochgefahren und könne auf Knopfdruck wieder gedrosselt werden - bis zu 200 Megawatt ließen sich so zwischenspeichern. Ende des Jahres startet ein Versuchsbetrieb, bis 2017 könnte die Aluminium-Fabrik zugleich ein riesiger Stromspeicher werden.

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