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Checkliste: Was nach dem Tod eines Angehörigen zu tun ist

Checkliste für Hinterbliebene  

Tod eines Angehörigen: Was zu tun ist

19.11.2019, 08:07 Uhr
Checkliste: Was nach dem Tod eines Angehörigen zu tun ist. Rote Rose auf einem Grabstein: Stirbt ein Mensch, bleibt erst einmal kaum Zeit für Trauer. Viele Formalitäten müssen erledigt werden. (Quelle: Getty Images/dragana991)

Rote Rose auf einem Grabstein: Stirbt ein Mensch, bleibt erst einmal kaum Zeit für Trauer. Viele Formalitäten müssen erledigt werden. (Quelle: dragana991/Getty Images)

Der Tod eines Angehörigen ist eine Ausnahmesituation. Viel Zeit zum Trauern bleibt erst einmal nicht. Denn auf die Hinterbliebenen wartet die Bürokratie. Die Zeit ist entscheidend. Worauf im Todesfall zu achten ist.

Wenn ein Angehöriger stirbt, bleibt meist nicht viel Zeit, die Behörden zu informieren und erste Formalitäten zu erledigen. Die Fristen, die es zu beachten gibt, sind verschieden, beginnen jedoch jeweils mit dem Zeitpunkt, an dem der Angehörige vom Tod erfährt. Im Folgenden haben wir die wesentlichen Punkte zusammengefasst, die es nach einem Todesfall zu regeln gibt.

Vorab zu klären ist, ob der Verstorbene entsprechende Verfügungen über den Tod und darüber hinaus getroffen oder Willenserklärungen abgegeben hat. Das umfasst das Testament, die Art und Weise der Bestattung oder Verfügungen über eine mögliche Organspende.

Nicht weniger wichtig ist, einen Ordner mit den wichtigsten, den Verstorbenen betreffenden Informationen anzulegen, den man bei Fragen parat hat.

Totenschein ausstellen lassen

Ist der Angehörige nicht in einem Krankenhaus oder einem Alten- oder Pflegeheim verstorben, muss als erstes ein Arzt informiert werden. Er nimmt die Leichenschau vor und stellt den sogenannten Leichenschauschein, auch Totenschein genannt, aus. Dieser ist erforderlich, um die Behörden zu informieren und die weiteren Schritte einzuleiten.

Sterbeurkunde anfordern

Die Sterbeurkunde wird vom zuständigen Standesamt ausgestellt. Das ist das Standesamt, in dessen Zuständigkeitsbereich der Todesfall eingetreten ist – also der Sterbe- nicht der Wohnort des Verstorbenen. Häufig wird dies auch vom Beerdigungsunternehmen übernommen.

Folgende Unterlagen des Verstorbenen müssen – falls zutreffend – dafür eingereicht werden:

  • Personalausweis oder Pass
  • Toten-/Leichenschauschein
  • Ehe-/Lebenspartnerschaftsurkunde
  • Scheidungsurkunde
  • Sterbeurkunde des Ehepartners

Wichtig: Sowohl die Sterbeurkunde als auch der Totenschein müssen in der Regel als Nachweis für den Tod eines Menschen vorgelegt werden. Gegebenenfalls sollten diese in mehrfacher Ausfertigung aber zumindest in mehreren Kopien vorliegen.

Beerdigungsinstitut beauftragen

Zu den ersten Schritten gehört es, einen Bestatter mit den Formalitäten der Beerdigung zu beauftragen. In manchen Fällen hat der Verstorbene finanzielle Vorsorge betrieben und die Art und Weise seiner Beerdigung – gegebenenfalls in einem letzten Willen – festgelegt. Ist das nicht der Fall, muss ein Beerdigungsinstitut gefunden werden. Dies kann unter anderem über ein Vergleichs- oder Vermittlungsportal erfolgen oder ein Bestatter in der Nähe aufgesucht werden. Wichtig ist, die Preise und Leistungen vorab zu vergleichen und einen Kostenvoranschlag einzuholen. Der Grund: Die Preise können sich erheblich unterscheiden.

Erbschein beantragen

Liegen Sterbeurkunde und Totenschein vor, sollte das Nachlassgericht informiert werden. Zuständig ist hier das Amtsgericht des letzten Wohnortes. Folgend kann man das Testament eröffnen lassen. Nicht zu vergessen: Über eine eingetretene Erbschaft muss das eigene Finanzamt innerhalb von drei Monaten nach Eintreten des Erbfalls informiert werden.
 

 

Arbeitgeber und Versorgungsträger 

Über den Tod sollten recht bald der Arbeitgeber, ein möglicher Berufsverband sowie der Versorgungsträger oder das Sozialamt informiert werden.

Versicherungen informieren

Manche Versicherungen müssen innerhalb weniger Tage benachrichtigt werden. Sonst kann der Anspruch auf Leistungen verloren gehen. Besteht eine Unfalltodversicherung, muss die Mitteilung an den Versicherungsträger innerhalb von 48 Stunden erfolgen. Versicherungen, die Leistungen wegen des Todes erbringen, wie Lebens- und Sterbegeldversicherungen sowie private Rentenanbieter, müssen meist innerhalb von zwei bis drei Tagen informiert werden. Aus dem jeweiligen Versicherungsvertrag können sich allerdings abweichende Fristen ergeben.

Bei der Lebens-, Kranken- und privaten Haftpflichtversicherung gibt es weniger Zeitdruck. Sie enden mit dem Tod des Verstorben. Zu viel abgebuchte Beträge können die Erben zurückfordern. Das gilt auch für Verträge der Sache wegen – wie der Hausratversicherung oder der Versicherung einer Immobilie oder eines Kraftfahrzeuges.

Diese Versicherungen könnten bestehen:

  • Unfallversicherung
  • Lebensversicherung
  • Sterbegeldversicherung
  • Hinterbliebenenversicherung
  • Krankenversicherung
  • Private Haftpflichtversicherung
  • Hausratversicherung
  • Wohngebäudeversicherung
  • Kfz-Versicherung
  • Rechtschutzversicherung

Als Nachweis müssen die Sterbeurkunde und der Totenschein eingereicht werden – in manchen Fällen auch der Versicherungsschein. Das reicht zumeist auch als Kopie.

Wichtig: Die Information an die Versicherung kann telefonisch erfolgen. Um jedoch auf der sicheren Seite zu sein, sollte die Information schriftlich erfolgen. Gegebenenfalls muss die Neuversicherung von Familienangehörigen bei der Krankenkasse beantragt werden.

Rentenversicherung

Der Rententräger wird über den Rentenservice der Deutschen Post AG über den Tod der versicherten Person informiert. Dies kann per Brief oder in der Postfiliale erfolgen. Über den Post-Rentenservice erfolgt auch der Antrag auf Rentenvorschuss für die Witwen-/Witwerrente sowie der Antrag für die Witwen-/Witwerrente selbst. Im Übrigen zahlt der Rententräger in bestimmten Fällen auch noch bis zu drei Monate nach dem Tod die Rente des Verstorbenen.

Kontakt: Sie erreichen den Renten-Service der Deutschen Post per Telefon unter: 0221 5692-444 oder über das Kontaktformular.

Die Beamtenversorgung wird über die zuständige Dienstbehörde und die Zusatzversorgung im öffentlichen Dienst geregelt.

Bankkonten und Depots vorerst nicht schließen

Da auch im Todesfall die regelmäßigen Ein- und Auszahlungen weiterlaufen, sollten die Konten des Verstorbenen so lange nicht geschlossen werden, bis alle Verträge gekündigt wurden und eventuelle Rückerstattungen erfolgt sind. Dazu zählen unter anderem die Miete, das Telefon, Versicherungen, Energie und Versorger aber auch Zahlungen der Rentenversicherung.

Im Grunde besteht für die Angehörigen keine Verpflichtung, die Bankkonten oder Depots zu schließen. Die Verfügungsberechtigung geht auf die Erben als Rechtsnachfolger über.

Wichtig: Es gibt keine rechtlich verbindliche Frist für die Auflösung von Bankkonten Verstorbener. Allerdings können die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) des Kreditinstituts entsprechende Klauseln enthalten.

Erben müssen gegenüber dem Kreditinstitut ihre Legitimation nachweisen. Auch wenn Banken diesen oftmals einfordern, einen Erbschein müssen sie dafür nicht mehr vorlegen. Als Alternative reichen zum Beispiel ein Erbvertrag, ein notarielles Testament oder ein handschriftliches Testament.

Wichtig: Fordert die Bank die Vorlage eines Erbscheins ein, muss sie die eventuellen Kosten tragen.

Mietvertrag kann übergehen

Erben müssen den Vermieter über den Tod eines Mieters informieren. Das kommt nicht der Kündigung der Wohnung gleich. Denn die Ehegatten oder Lebenspartner sowie Kinder oder andere Familienangehörige sowie im gemeinsamen Haushalt lebende Personen haben ein Recht, den Mietvertrag weiterzuführen. Wollen diese das nicht, geht der Vertrag mit allen Rechten und Pflichten an die Erben über – dazu zählen auch eventuelle Mietschulden.

Sind weder Angehörige noch Erben an der Fortführung des Mietvertrags interessiert, kann dieser im Todesfall außerordentlich – und damit fristlos – gekündigt werden.

Wichtig: Für die Wirksamkeit der außerordentlichen Kündigung muss diese innerhalb eines Monats nach Kenntnis vom Todesfall erfolgen.

Haushaltsauflösung

Ist die Wohnung gekündigt, steht die Haushaltsauflösung an. Dies kann in Eigenregie erfolgen oder von einem Dienstleister übernommen werden. Ist Letzteres der Fall, sollten vorher alle wichtigen Dokumente, persönliche Erinnerungen oder auch aufbewahrtes Geld gesichert werden. Das kann etwas Zeit in Anspruch nehmen, wenn man das Ordnungssystem nicht kennt und es zudem das eine oder andere Versteck geben kann.

Strom, Wasser, Gas

Im Zuge der Wohnungskündigung sollten auch alle damit verbundenen Verträge mit den Versorgern gekündigt werden. Dazu zählen: Strom, Wasser, Gas. Die Kündigungsfrist beträgt zwei Wochen.

Wichtig: Halten Sie die aktuellen Zählerstände schriftlich fest und lassen sich diese – wenn möglich – von dem Vermieter bestätigen.

Telefon, Internet, Rundfunkbeitrag

Telekommunikationsverträge haben heutzutage in der Regel eine feste Laufzeit. Manche Anbieter erweisen sich jedoch kulant und ermöglichen eine vorzeitige Kündigung im Todesfall. Hinterbliebene sollten der Kündigung eine Kopie der Sterbeurkunde anfügen. Gegebenenfalls müssen auch geliehene Geräte, so zum Beispiel der Router oder ein Receiver, an den Anbieter zurückgeschickt werden.

Nicht selten wird vergessen, den Verstorbenen auch beim Beitragsservice für den Rundfunkbeitrag abzumelden. Die Kündigung greift frühestens ab dem darauf folgenden Monat. Hier geht's zum Formular.

Mitgliedschaften und Abonnements kündigen

Mit dem Tod endet auch automatisch die Mitgliedschaft in einem Verein. Weitere Mitgliedsbeiträge müssen nicht entrichtet werden. Dennoch sollten die Verantwortlichen über den Todesfall informiert werden. Anders gestaltet es sich in der Regel bei zeitlich gebundenen Mitgliedschaften wie zum Beispiel der Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio. Hier läuft die Mitgliedschaft bis zum Ende der Vertragslaufzeit weiter und damit auch die Beitragspflicht. Manchmal zeigen sich die Anbieter jedoch kulant, was die Restlaufzeit betrifft.

Folgende Mitgliedschaften können bestehen:

  • Vereine (u. a. Sport- und Kulturvereine)
  • Verbände (u. a. Parteien, Gewerkschaften, Kammern)
  • Zeitgebundene Klubs (u. a. Fitnessstudio)
  • Bibliotheken

Nicht zuletzt sollten bestehende Abonnements, so zum Beispiel Zeitungen und Zeitschriften gekündigt und ausgeliehene Gegenstände wie Bücher oder Filme zurückgebracht werden.
 

 

Nachsendeauftrag einrichten

Damit wichtige Post nicht verloren geht oder die Behörden und Dienstleister keine teuren Nachforschungen in Auftrag geben müssen, sollten Erben einen Nachsendeauftrag – so zum Beispiel bei der Deutschen Post AG und der PIN AG – einrichten.

Trotz Nachsendeauftrag sollten die im Todesfall einbezogenen Behörden, der Vermieter und weitere Dienstleister die aktuelle Adresse der Erben oder anderen Verantwortlichen vorliegen haben.

Verwendete Quellen:
  • Verbraucherzentrale Brandenburg
  • Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas
  • GDV – Die deutschen Versicherer
  • Deutsche Rentenversicherung
  • Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz
  • Nachrichtenagentur dpa
  • weitere Quellen
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