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Parkinson: Die ersten Symptome kommen lange vor dem Zittern

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Mehr als nur Zittern  

Diese Symptome können Anzeichen für Parkinson sein

Parkinson: Die ersten Symptome kommen lange vor dem Zittern.  (Quelle: Getty Images/Astrid860)

Das typische Zittern ist nicht das einzige Parkinson-Symptom. (Quelle: Astrid860/Getty Images)

Viele Menschen verbinden Parkinson vor allem mit einem bestimmten Symptom: Zittern. Doch die Erkrankung kann viele andere Beschwerden hervorrufen – und bleibt oft lange Zeit unentdeckt.

Das Parkinson-Syndrom zählt zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen. Dabei gehen bestimmte Nervenzellen im Hirn zugrunde, die den Botenstoff Dopamin herstellen. Dieser Prozess wirkt sich nach und nach auf den ganzen Körper aus, sodass zahlreiche Symptome auftreten. Das charakteristische Zittern ist nur eines davon.

Die Ursache für den Untergang der Nervenzellen bleibt in den meisten Fällen unbekannt. Dann sprechen Fachleute von einem Morbus Parkinson (auch: idiopathisches Parkinson-Syndrom). Nur selten ist ein Parkinson-Syndrom auf eine andere Erkrankung oder Medikamente zurückzuführen.

Lesen Sie mehr über Ursachen, Behandlung und Lebenserwartung bei Morbus Parkinson.

Neben Zittern sind drei weitere Symptome typisch bei Parkinson: Dazu zählen Muskelsteife, gestörte Bewegungsabläufe und eine gestörte Haltungsstabilität. Im Frühstadium der Erkrankung stehen jedoch nicht selten ganz andere Symptome im Vordergrund, die zunächst gar nicht mit Parkinson in Verbindung gebracht werden.

Erste Anzeichen von Parkinson im Frühstadium

Morbus Parkinson entwickelt sich schleichend. In der Regel verläuft die Erkrankung nicht in Schüben, sondern schreitet kontinuierlich voran.

Ein erstes deutliches Anzeichen einer Parkinson-Erkrankung ist das Zittern. Im Frühstadium macht sich Parkinson jedoch häufig durch eher unspezifische Symptome bemerkbar, die auch im Rahmen des normalen Alterungsprozesses auftreten können. Hinzu kommt, dass die möglichen Frühsymptome von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich ausfallen. So können unter Umständen Jahre vergehen, bis die Diagnose gestellt wird.

Parkinson: Vielfältige Frühsymptome möglich

Bereits Jahre vor der Diagnose können Schmerzen oder Steifheitsgefühle ein erstes Anzeichen sein. Die Beschwerden treten etwa im Nacken, in der Schulter, im Rücken oder in Armen oder Beinen auf. Häufig wird zunächst eine rheumatische Erkrankung hinter den Schmerzen vermutet.

Eine vermehrte Sturzneigung kann ebenfalls ein erstes Frühsymptom für Parkinson sein. Zudem haben Erkrankte häufig ein vermindertes Geruchsvermögen. Zu weiteren, eher unspezifischen Frühsymptomen zählen Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Leistungsminderung, Kreislaufprobleme, Vergesslichkeit, Schlafstörungen oder Verstopfung.

Bereits im Frühstadium von Parkinson kann eine Verschlechterung der feinmotorischen Fähigkeiten erkennbar sein. Betroffene haben zum Beispiel Schwierigkeiten, sich die Schuhe zuzubinden. Das Schriftbild kann sich verändern: Die Schrift wird vor allem am Zeilenende kleiner.

Älterer Mann macht sich Notizen (Quelle: Getty Images/KucherAV)Ein verändertes Schriftbild kann ein Symptom von Parkinson sein. (Quelle: KucherAV/Getty Images)

Mitunter fallen Außenstehenden erste Anzeichen einer Parkinson-Erkrankung bereits auf, wenn die Betroffenen selbst sie noch gar nicht bemerken. Zum Beispiel kann die Sprache schon im Frühstadium verändert wirken und leiser werden. Auch eine depressive Stimmung mit Interessenverlust oder gereiztem Verhalten kann erstes Anzeichen sein.

Im weiteren Verlauf können weitere Anzeichen auffallen wie zum Beispiel

  • verlangsamte Bewegungen, sodass alltägliche Dinge wie Waschen oder Essen länger dauern
  • ein Gefühl von Steifheit in Armen oder Beinen
  • Probleme, aus einem Sessel/Stuhl aufzustehen
  • sozialer Rückzug, etwa weil die Betroffenen das Gefühl haben, zu langsam zu sein
  • ein veränderter, starrer Gesichtsausdruck

Hauptsymptome bei Morbus Parkinson

Schreitet Parkinson voran, werden die charakteristischen Hauptsymptome erkennbar. Dazu zählen

  • verlangsamte Bewegungen/Bewegungsarmut,
  • Muskelsteife,
  • Zittern in Ruhe und
  • eine Störung der Haltungsstabilität.

Die ersten drei Symptome werden manchmal als Parkinson-Trias bezeichnet. Treten sie gemeinsam auf, ist die Parkinson-Erkrankung meist schon fortgeschritten. Häufig ist eine Körperseite anfangs stärker von den Symptomen betroffen als die andere.

Verlangsamte Bewegungen bei Parkinson

Menschen mit einer fortgeschrittenen Parkinson-Erkrankung können Bewegungen nur noch sehr langsam (Bradykinese) oder vermindert (Hypokinese) ausführen. Erkrankte fallen durch kurze, immer kleiner werdende Schritte und einen schlurfenden Gang auf. Typisch ist, dass die Arme beim Gehen nicht mitschwingen. Tätigkeiten, für die eine gute Feinmotorik nötig ist, fallen zunehmend schwer – zum Beispiel das Binden einer Schleife oder das Einfädeln eines Fadens.

Parkinson-Patientinnen und -Patienten haben Probleme damit, willkürliche Bewegungen auszuführen oder zu stoppen. Beim Laufen fällt es ihnen zum Beispiel schwer, den ersten Schritt zu machen, und das abrupte Beenden einer Bewegung gelingt ihnen kaum. Ihre Haltung ist oft gebückt.

Die fehlende Beweglichkeit betrifft nicht nur die Muskeln von Armen und Beinen, sondern die des ganzen Körpers. Etwa die Gesichtsmuskeln: Die Mimik wirkt im Laufe der Zeit maskenhaft und starr (sog. Hypomimie). Das Schlucken bereitet zunehmend Schwierigkeiten. Die Stimme wird leiser und monoton. Im Laufe der Erkrankung wird das Schriftbild undeutlicher und kleiner.

Muskelsteife bei Parkinson

Parkinson-Erkrankte leiden unter einer dauerhaften Muskelsteife (sog. Rigor). Arme, Beine und Hals sind besonders betroffen: Sie fühlen sich steif und angespannt an, sodass Muskelschmerzen auftreten können. Versuchen andere Personen, den steifen Körperteil zu bewegen, gelingt dies kaum oder nur gegen einen deutlichen Widerstand.

Zittern bei Parkinson

Zittern – in der Fachsprache Tremor genannt – ist ebenfalls ein typisches Symptom von Parkinson, das bei etwa drei Viertel der Erkrankten auftritt. Der Tremor fällt vor allem in Ruhe auf. Fachleute sprechen dann von einem Ruhetremor. Typisch ist eine Frequenz von etwa vier bis sieben Zitterbewegungen pro Sekunde. Insbesondere die Hand- und Fingergelenke sind betroffen. Die unwillkürlichen Zitterbewegungen können an "Geldzähl-" oder "Pillendreh"-Bewegungen erinnern.

Zahnradphänomen
Wenn Zittern und Muskelsteife zusammen vorkommen, kann das sogenannte Zahnradphänomen sichtbar werden: Bewegt eine andere Person eine Extremität der erkrankten Person, etwa den Arm, ist die Bewegung nicht geschmeidig. Vielmehr gibt der Arm ruckartig nach – ähnlich wie beim Bewegen eines Zahnrads.

Störung der Haltungsstabilität bei Parkinson

Im weiteren Verlauf der Parkinson-Erkrankung wird ein weiteres Symptom sichtbar: eine instabile Körperhaltung (sog. posturale Instabilität). Sie entsteht, weil die Reflexe, die bei Bewegungen den Körper in Balance halten, zunehmend gestört sind.

Erkrankte müssen ihre aufrechte Sitz- oder Stehhaltung immer wieder korrigieren. Abrupte Bewegungen, etwa einen Schubs, können sie nicht gut ausgleichen: Anstatt einen großen Ausfallschritt nach hinten zu machen, machen sie viele kleine Schritte – oder sie stürzen.

Weitere Symptome bei Parkinson

Morbus Parkinson kann zu zahlreichen weiteren Beschwerden führen. Dazu zählen unter anderem

  • Konzentrationsprobleme
  • verlangsamte geistige Funktionen und Denkabläufe
  • Depressionen
  • übermäßiges Schwitzen
  • erhöhte Talgproduktion der Haut, etwa im Gesicht
  • übermäßiger Speichelfluss
  • Störungen der Blasenfunktion
  • Impotenz
  • Verstopfung
  • Störungen des Blutdrucks und der Temperaturregulation
  • Riechstörungen
  • Schlafstörungen
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Missempfindungen oder Schmerzen, etwa im Rücken

Im weiteren Verlauf entwickeln etwa 3 von 10 Betroffenen eine Demenz, die als Parkinson-Demenz bezeichnet wird.

Ältere Frau vor dem Laptop (Quelle: Getty Images/fizkes)Konzentrationsprobleme können viele Ursachen haben, aber auch im Rahmen von Morbus Parkinson auftreten. (Quelle: fizkes/Getty Images)

Parkinson-Demenz

Der fortschreitenden Dopaminmangel im Hirn kann sich auf kognitiver Ebene bemerkbar machen. Die Beschwerden sind zunächst nur leicht ausgeprägt, nehmen jedoch im Laufe der Zeit zu.

Sind die kognitiven Beeinträchtigungen so stark, dass die Person ihren Alltag nicht mehr eigenständig bewältigen kann, liegt eine Parkinson-Demenz vor. Sie entsteht meist in höherem Alter und wenn die Erkrankung bereits fortgeschritten ist.

Eine Parkinson-Demenz zeichnet sich durch einen starken geistigen Abbau (Demenz) aus. Männer erkranken häufiger als Frauen. Mögliche Symptome einer Parkinson-Demenz sind

  • Konzentrations- und Gedächtnisprobleme
  • verlangsamtes Denken, langsamere Reaktionen
  • Veränderungen der Stimmung
  • Veränderungen der Persönlichkeit
  • Veränderung des Verhaltens
  • Probleme mit dem räumlichen Sehen
  • Störungen der Sprache
  • Teilnahmslosigkeit
  • begleitend: weitere psychische Beschwerden wie Depressionen, Ängste, Halluzinationen

Erkrankte Personen können sich neue Dinge meist merken, das Gelernte jedoch später nur schwer abrufen.

Heilbar ist die Parkinson-Demenz nicht. Bei der Behandlung geht es vor allem darum, die Selbstständigkeit der Person so lange wie möglich zu erhalten, etwa durch kognitives Training, regelmäßige Bewegung und eine ausgewogene Ernährung. Durch Medikamente können die Symptome etwas gemildert werden. Dabei kommen häufig sogenannte Acetylcholin-Esterase-Hemmer wie Rivastigmin zum Einsatz. 

Verwendete Quellen:
  • Was ist das Parkinson-Syndrom? Online-Informationen der Berufsverbände und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz: www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org (Abrufdatum: 19.11.2021)
  • Morbus Parkinson. Online-Informationen des Öffentlichen Gesundheitsportals Österreichs: www.gesundheit.gv.at (Abrufdatum: 19.11.2021)
  • Parkinson-Syndrom und Morbus Parkinson. Online-Informationen von AMBOSS: www.amboss.com (Stand: 26.10.2021)
  • Parkinson-Syndrom. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: September 2021)
  • Parkinson. Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen: www.gesundheitsinformation.de (Stand: 19.6.2019)
  • Füeßl, H., Middeke, M.: Duale Reihe Anamnese und klinische Untersuchung. Thieme, Stuttgart 2018
  • Hahn, J.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2018
  • Payk, T., Brüne, M.: Checkliste Psychiatrie und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2017
  • Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Idiopathisches Parkinson-Syndrom. AWMF-Leitlinien-Register-Nr. 030/010 (Stand: 1. Januar 2016)
  • Grehl, H.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2016
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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