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Nackenschmerzen: Das kann dahinter stecken

Ann-Kathrin Landzettel, fsch

Aktualisiert am 20.12.2021Lesedauer: 13 Min.
Nackenschmerzen sind meist Folge harmloser Verspannungen. Doch bei Lähmungserscheinungen und Bewegungseinschränkungen ist Vorsicht geboten.
Nackenschmerzen sind meist Folge harmloser Verspannungen. Doch bei Lähmungserscheinungen und Bewegungseinschränkungen ist Vorsicht geboten. (Quelle: Sam Edwards/getty-images-bilder)
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Stundenlanges Sitzen am Schreibtisch, Starren aufs Smartphone, Stress, zu wenig Bewegung ‚Äď erkennen Sie sich wieder? Nackenschmerzen sind oft eine Folge unseres Lebensstils. Aber auch ernsthafte Erkrankungen oder psychische Probleme k√∂nnen dahinter stecken. Erfahren Sie mehr zu den Ursachen von Nackenschmerzen und was Sie dagegen tun k√∂nnen.

Das Wichtigste im √úberblick


Meist treten Nackenschmerzen von einem Moment auf den anderen auf: Eine falsche Schlafposition oder Bewegung beim Sport, Zugluft aber auch Stress k√∂nnen zur Verkrampfung der Muskulatur und zu stechenden Schmerzen im Nacken f√ľhren, die zum Teil bis in Schultern, Kopf und Arme ausstrahlen. Diese situativen Umst√§nde sind allerdings nur Ausl√∂ser, aber keine Ursachen von Nackenschmerzen.

Nackenschmerzen: Mögliche Ursachen

Ursachen f√ľr Nackenschmerzen gibt es viele ‚Äď ein ernsthafter Hintergrund liegt jedoch selten vor. "In den meisten F√§llen sind Verspannungen schuld an den Schmerzen im Nacken", erkl√§rt Professor Bernd Kladny, Chefarzt der Abteilung Orthop√§die und Unfallchirurgie der m&i-Fachklinik Herzogenaurach und Generalsekret√§r der Deutschen Gesellschaft f√ľr Orthop√§die und Unfallchirurgie (DGOU).

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Sie entstehen durch ein Ungleichgewicht in der Muskulatur. Mediziner sprechen hierbei auch von muskul√§rer Dysbalance. Meist steckt eine dauerhafte Fehlhaltung oder einseitige Belastung dahinter. Dabei werden bestimmte Muskeln, zum Beispiel durch falsche oder monotone Beanspruchung, √ľberlastet oder ‚Äď aufgrund von Bewegungsmangel oder Schonhaltungen ‚Äď unterfordert. Dann kann bereits eine geringf√ľgige Zusatzbelastung der verk√ľrzten und verh√§rteten Muskulatur ausreichen, um ein qualvolles Ziehen und Stechen hervorzurufen.

Auch Abnutzungserscheinungen und Verletzungen der Wirbel oder Bandscheiben sowie psychische Probleme können Schmerzen im Nacken- und Schulterbereich verursachen. Seltener sind Nackenschmerzen Folge einer ernsthaften Erkrankung.

M√∂gliche Ursachen f√ľr Nackenschmerzen im √úberblick:

  • Muskelverspannungen
  • Muskelzerrungen
  • Gelenkblockaden
  • Fehlstellungen der F√ľ√üe oder H√ľfte
  • Verschlei√ü oder Verletzungen der Halswirbel oder Bandscheiben
  • Schleudertrauma
  • Gehirnhautentz√ľndung (Meningitis)
  • rheumatische Erkrankungen (Rheumatoide Arthritis, Morbus Bechterew)
  • Osteoporose
  • Fehlstellung der Wirbels√§ule (Skoliose)
  • Tumore der Schilddr√ľse, Wirbel oder Lymphknoten
  • Fibromyalgie-Syndrom
  • Psychische Probleme (Stress, Depressionen)

Arten von Nackenschmerzen

In der Medizin werden vier Arten von Nackenschmerzen unterschieden: mechanisch und nicht-mechanisch ausgelöste, sogenannte Übertragungssschmerzen und solche, die psychischer Natur sind.

Mechanisch bedingte Nackenschmerzen

  • Muskelverspannungen: Befindet sich der Nacken- und Schulterbereich dauerhaft in einer Fehlhaltung, also einer unnat√ľrlichen und unentspannten Position, verk√ľrzt und verkrampft die Muskulatur. Typische Beispiele sind das lange angespannte Sitzen vor dem Computer oder die nach vorne geneigte Haltung bei der Nutzung von Smartphone oder Tablet, auch als "Handynacken" bekannt. Ebenso kann eine zu starke Belastung durch beispielsweise schwere k√∂rperliche Arbeit Verspannungen hervorrufen. Manchmal steckt aber auch eine schwache Muskulatur infolge von zu wenig Bewegung dahinter.
  • Gelenkblockaden: "Manchmal liegt es an einer St√∂rung, die im Volksmund als Blockierung bezeichnet wird", sagt Kladny. Dazu kommt es zum Beispiel beim falschen B√ľcken oder Heben, bei pl√∂tzlichen Drehbewegungen oder einer ung√ľnstigen Kopflage beim Schlafen. Der Hexenschuss in der Halswirbels√§ule wird auch als "akuter Schiefhals" (Torticollis acutus) bezeichnet. Dabei ist der Kopf nach rechts oder links verdreht und l√§sst sich kaum bewegen. In diesem Fall muss ein Arzt entscheiden, welche Therapie angebracht ist. Helfen k√∂nnen zum Beispiel Schmerzmittel oder eine Chirotherapie.
  • Fehlstellungen der F√ľ√üe oder H√ľfte: Kommt es immer wieder zu Gelenkblockaden im Nacken, kann der Ausl√∂ser auch im unteren K√∂rperbereich zu finden sein. Verk√ľrzte Muskeln k√∂nnen ebenso Probleme bereiten wie Fehlstellungen der F√ľ√üe oder gar der H√ľfte.
  • Verschlei√ü der Wirbel oder Bandscheiben: In selteneren F√§llen k√∂nnen auch der altersbedingte Verschlei√ü der Wirbel oder Bandscheiben Ursache sein. Ein Bandscheibenvorfall der Halswirbels√§ule geht in der Regel mit starken Schulter- und Nackenschmerzen einher.
  • Schleudertrauma: Ein Schleudertrauma, das etwa durch einen Auffahrunfall ausgel√∂st wurde, kann zur √úberdehnung der Muskeln und B√§nder am Hals oder Verletzungen der Halswirbels√§ule f√ľhren. Die Folge: Eine Art Muskelkater, der teilweise mehrere Monate anhalten kann.
  • Hirnhautentz√ľndung: Auch eine Hirnhautentz√ľndung (Meningitis), die zum Beispiel durch einen Zeckenbiss ausgel√∂st wurde, kann mechanische Nackenschmerzen verursachen. Weil Betroffene aufgrund der Schmerzen in der empfindlichen Hirnhaut eine Schonhaltung einnehmen, verspannen sich die Nackenmuskeln reflexartig, verkrampfen und werden steif.

Nicht-mechanisch bedingte Nackenschmerzen

  • Rheumatische Erkrankungen: Wer unter Rheuma oder der entz√ľndlich-rheumatischen Krankheit Morbus Bechterew leidet, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Gelenk-, R√ľcken- und Nackenschmerzen ertragen m√ľssen. In vielen F√§llen entz√ľnden sich in diesem Zusammenhang auch die Schultergelenke, die Verbindung zwischen Brust- und Schl√ľsselbein oder die Handgelenke.
  • Tumorerkrankungen: Zwar wird die Volkskrankheit Nackenschmerzen in den meisten F√§llen durch "harmlose" Verspannungen ausgel√∂st, in seltenen F√§llen jedoch auch durch Hirntumore oder Schilddr√ľsenkrebs. Bei Letzterem vergr√∂√üert sich nicht nur die Schilddr√ľse, sondern es bilden sich auch harte Lymphknoten im Nacken, die Schmerzen bereiten k√∂nnen.

√úbertragungsschmerzen

√úbertragungsschmerzen z√§hlen zu den Arten von Nackenschmerzen, die nicht lokal entstehen, sondern innerhalb des K√∂rpers wandern. Verspannen oder verh√§rten sich zum Beispiel Muskeln im R√ľcken in der N√§he von Schmerzempf√§ngern, sogenannten Nozizeptoren, wird der Schmerz weitergeleitet. Die Ursachen f√ľr die Entstehung solcher Triggerpunkte sind meist ebenfalls Fehl- oder √úberbelastungen.

Auch Erkrankungen innerer Organe k√∂nnen sich als Schmerzen im Nacken zeigen. Das betrifft in erster Linie die Organe, die mit dem Zwerchfell in Kontakt stehen, also Lunge, Herz, Darm, Leber und Bauchspeicheldr√ľse. Verantwortlich hierf√ľr ist ein langer Nerv zu beiden Seiten der Wirbels√§ule, der vom Zwerchfell √ľber die Halswirbels√§ule bis in die Arme verl√§uft.

Psychisch-bedingte Nackenschmerzen

Auch wenn seelische Arten von Nackenschmerzen nur schwer eindeutig diagnostiziert werden k√∂nnen ‚Äď psychische Probleme geh√∂ren zu den h√§ufigsten Ursachen. Emotionaler Stress, chronische √úber- oder Unterforderung am Arbeitsplatz, depressive Verstimmungen, Pessimismus, Angstst√∂rungen sowie ein geringes Selbstwertgef√ľhl wirken sich leicht auf unser gesamtes Wohlbefinden, unsere Haltung und den Spannungsgrad in Kopf- und Nackenbereich aus. Achten Sie darauf, wann sich Ihre Nackenmuskeln besonders verkrampfen, und versuchen Sie, derartige Situationen durch Entspannungs√ľbungen oder leichte Gymnastik auszugleichen.

Mögliche Begleitsymptome: Nackenschmerzen und Kopfschmerzen gehören oft zusammen

Meist beschr√§nken sich die Beschwerden nicht nur auf eine sp√ľrbar verh√§rtete Nackenmuskulatur, sondern wirken sich auch auf andere Bereiche des K√∂rpers auf.

  • Steifer Hals: Die Beweglichkeit des Kopfes ist stark eingeschr√§nkt und die Drehung nach rechts, links, oben oder unten kaum m√∂glich. Dabei handelt es sich um eine nat√ľrliche Schutzvorrichtung: Durch die Verkrampfung wird die normale Bewegungsfreiheit eingeschr√§nkt und so Gelenksch√§den vorgebeugt, da die kritische Bewegung nicht weiter fortgef√ľhrt wird.
  • Kopfschmerzen: Betroffene berichten h√§ufig auch von stechenden Kopfschmerzen, welche die Nackenschmerzen begleiten. Die Erkl√§rung ist einfach: "Die Nackenmuskulatur und die Nervenstr√§nge, die das Hinterhaupt versorgen, liegen eng beieinander. Verkrampfen die Muskeln, dr√ľcken sie auf die Nerven und der Schmerz im Kopf entsteht", erkl√§rt Kladny.
  • L√§hmungserscheinungen und Taubheitsgef√ľhle in Schultern und Armen
  • Schwindel
  • Ohrger√§usche
  • Sehst√∂rungen
  • √úbelkeit

Hausmittel: Was hilft bei Nackenschmerzen?

Treten die Nackenschmerzen akut auf, greifen Sie nicht gleich zu Medikamenten. Schmerzmittel mit den Wirkstoffen Paracetamol, Ibuprofen und Diclofenac können zwar kurzfristig Linderung verschaffen, sie bekämpfen jedoch nicht die Ursache. Versuchen sie stattdessen zunächst, die Nackenverspannungen mit folgenden Methoden zu lockern.

  • W√§rme: Um verspannte Muskeln zu lockern, kann W√§rme gut tun. Dadurch weiten sich die Gef√§√üe, die Blutzirkulation wird angeregt und der Muskel mit wichtigen N√§hrstoffen versorgt. Neben einem hei√üen Bad oder Saunabesuch, kann auch schon ein Kirschkernkissen, warmer Umschlag, W√§rmepflaster oder eine W√§rmelampe daf√ľr sorgen, dass sich der Betroffene entspannt und die Muskulatur entkrampft.
  • Massagen: Sind der Nacken und die Schultern verspannt, kann eine vorsichtige Massage die Muskulatur lockern. Wenden Sie sich am besten an einen Physiotherapeuten. Aber Vorsicht: Manuelle Therapien d√ľrfen nur dann durchgef√ľhrt werden, wenn Verletzungen an der Wirbels√§ule ausgeschlossen wurden. Bevor Sie Nackenschmerzen auf diese Weise behandeln lassen, sollten Sie deshalb zun√§chst von einem Arzt die genauen Ursachen diagnostizieren lassen.
  • Bewegung: "Das beste Mittel gegen bestehende Verspannungen ist leichte Bewegung", betont Professor Herbert L√∂llgen von der Deutschen Gesellschaft f√ľr Sportmedizin und Pr√§vention. Anstatt eine Schohaltung einzunehmen, sollten Sie die Nackenmuskulatur mit einfachen √úbungen lockern, dehnen und kr√§ftigen. Am besten erfolgt die Krankengymnastik unter Anleitung eines Physiotherapeuten.

Diagnose und Verlauf: Wann muss man zum Arzt?

Akute, pl√∂tzlich auftretende Nackenschmerzen verschwinden in vielen F√§llen nach wenigen Tagen oder Wochen. Treten die Beschwerden immer wieder auf oder bleiben l√§nger als drei Monate, sprechen Mediziner von chronischen Nackenverspannungen. In diesem Fall sollte man definitiv zum Arzt gehen. "Auch wenn zu den Schmerzen weitere Symptome wie etwa L√§hmungserscheinungen, starke Bewegungseinschr√§nkungen, Kribbeln oder Taubheitsgef√ľhle hinzukommen, sollten Sie nicht l√§nger z√∂gern", warnt R√ľckenexperte Bernd Kladny.

Aber welcher Arzt ist der richtige? Erster Ansprechpartner f√ľr Diagnose und Therapie von Nackenschmerzen ist in der Regel der Hausarzt oder Orthop√§de. Um einzugrenzen, um welche Art von Nackenschmerzen es sich genau handelt, sollten Sie Ihre Symptome aufmerksam wahrnehmen und unter Umst√§nden schriftlich festhalten. So beschleunigen Sie die Untersuchung und erleichtern die Entscheidung √ľber Behandlungsm√∂glichkeiten. Strahlen die Schmerzen in den Arm aus, kribbelt es dort, sind auch das Ber√ľhrungsempfinden und die Beweglichkeit am Arm, Hand oder Fingern, am Fu√ü oder Bein beeintr√§chtigt, ist unverz√ľglich ein Neurologe gefragt.

Eine R√∂ntgenuntersuchung ist in den meisten F√§llen √ľberfl√ľssig. Nur, wenn Ihre Symptome chronischer Natur sind oder sich nachts verst√§rken, kann ein R√∂ntgenbild der Halswirbels√§ule sinnvoll Aufschluss dar√ľber geben, ob Fehlbildungen oder Verletzungen vorliegen. Vermutet der Arzt einen Knochenbruch oder Bandscheibenvorfall, f√ľhrt er gegebenenfalls zur weiterf√ľhrenden Diagnose von Nackenschmerzen eine Computer- oder eine Magnet-Resonanz-Tomografie durch.

Behandlung und Therapie: Was tut der Arzt?

Wenn W√§rme, Massagen und Schmerzmittel nicht mehr helfen, gibt es verschiedene Behandlungsmethoden, die angewendet werden k√∂nnen. Sprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt, welche Ma√ünahme f√ľr Sie sinnvoll ist.

  • Chiropraktik: Um die Schutzvorrichtung des K√∂rpers aufzul√∂sen und das Gelenk wieder "einzurasten", kann etwa die Chirotherapie helfen. So werden mit gezielten Bewegungen die Blockaden gel√∂st. "Dabei ist meist ein deutliches Knacken im Gelenk zu vernehmen", erkl√§rt Kladny. Physiotherapeuten k√∂nnen die Wirbels√§ule mit bestimmten Handgriffen und √ľber Dehnungsbehandlungen mobilisieren. Das L√∂sen der Blockierung √ľber einen kurzen Impuls ‚Äď das "Knacken" ‚Äď d√ľrfen in Deutschland aber nur √Ąrzte mit der Zusatzbezeichnung Manuelle Medizin durchf√ľhren.
  • Injektionstherapie: Leidet ein Patient unter besonders starken Schmerzen, greifen √Ąrzte in Ausnahmef√§llen zur Spritze. Beim auch als "Quaddeln" bezeichneten Verfahren werden gereizte Nervenwurzeln mit √∂rtlich wirkenden Bet√§ubungsmitteln oder Kortisonpr√§paraten umspritzt. Durch das Nachlassen des Schmerzes entspannt sich die Muskulatur in diesem Bereich.
  • Physiotherapie: Oft verschreiben √Ąrzte bei Nackenschmerzen Physiotherapie. Der Physiotherapeut l√∂st vorhandene Nackenverspannungen mit Massagen oder bestimmten Handgriffen. Dar√ľber hinaus erlernen Patienten √úbungen zum Aufbau der Nackenmuskulatur. Langfristige Erfolge bei Haltungsschw√§chen lassen sich oft nur so erzielen.
  • Psychotherapie: Einerseits verursacht Stress Muskelverspannungen, andererseits machen dauerhafte k√∂rperliche Beschwerden √§ngstlich und depressiv, was zu noch mehr Stress f√ľhrt. Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, m√ľssen individuelle Therapiepl√§ne erstellt werden, die auch die psychische Verfassung und das soziale Umfeld der Betroffenen in den Blick nehmen.
  • Kinesio-Tape: Gegen Muskelschmerzen wird immer h√§ufiger Kinesio-Tape als Erg√§nzung zu herk√∂mmlichen Behandlungsmethoden eingesetzt. Beim Tapen werden elastische B√§nder auf die entsprechenden K√∂rperstellen aufgeklebt. √úber Sensoren in der Haut werden die Nervenbahnen angeregt und es wird eine Entspannung oder Anspannung der Muskeln erreicht. Entscheidend ist dabei, dass die Tapes in der richtigen Weise auf den R√ľcken geklebt werden. Wenden Sie sich daher am besten an einen ausgebildeten Physiotherapeuten oder Sportarzt.

Halskrause bei Nackenschmerzen?
Die klassische Halskrause sollten Sie nur tragen, wenn Ihre Halswirbelsäule nach einem Schleudertrauma instabil ist oder Sie akut unter sehr starken Schmerzen leiden. Laut der "Apotheken Umschau" raten Experten mittlerweile davon ab, die Muskeln stillzulegen. Anstatt die Muskulatur weiter zu schwächen, sollte sie besser durch ganzheitliche Krankengymnastik oder Physiotherapie gestärkt werden.

Alternative Therapieformen

Alternative Therapien zur Behandlung von Nackenschmerzen gibt es mittlerweile viele. Patienten sollten je nach ihren individuellen Vorlieben und Bed√ľrfnissen Kosten und Nutzen gegeneinander abw√§gen. Bei all diesen Verfahren sind Geduld und Vertrauen in deren Wirksamkeit Voraussetzungen f√ľr den tats√§chlichen Erfolg.

Akupunktur

Die bekannteste alternative Therapie entstammt der Traditionellen Chinesischen Medizin. Nach dieser Lehre verteilen sich √ľber den gesamten K√∂rper 365 Akupunkturpunkte, viele davon auch an Hals und Nacken. Die Nadeln, die in diese Punkte gestochen werden, setzen vermutlich Endorphine, also k√∂rpereigene Gl√ľckshormone, frei. Der Effekt: Dank der ganzheitlichen Therapie k√∂nnte die Lebensenergie "Qi" besser flie√üen, Schmerzen w√ľrden gelindert und das allgemeine Wohlbefinden verbessert. Obwohl die alternative Therapie mittlerweile als Behandlungsmethode anerkannt ist, werden die Kosten zur Nackenschmerzen-Behandlung nicht von den gesetzlichen Krankenkassen √ľbernommen. Nur bei chronischen Schmerzen in der Lendenwirbels√§ule oder chronischer Kniegelenksarthose zahlen die Kassen eine sechsw√∂chige Behandlung mit bis zu zehn Sitzungen. Wer bereit ist, f√ľr die Kosten selbst aufzukommen, muss mit 30 bis 90 Euro pro Sitzung rechnen.

Die Heilmethode, die vor mehr als 140 Jahren begr√ľndet wurde, setzt sich nach und nach auch zur Behandlung von Nackenschmerzen durch. Das Ziel: Gewebe und Organe sollen sich miteinander harmonisch verbinden. Sind Gelenke beispielsweise nur eingeschr√§nkt beweglich, blockiert dies die gesamte Leistungsf√§higkeit des Organismus und l√∂st Beschwerden wie Nackenschmerzen aus.

Die alternative Therapie versucht durch Ertasten, leichten Druck und sanftes Dehnen zu entspannen und die Wirbels√§ule, B√§nder, Muskeln, Knochen und Gelenke wieder ins Gleichgewicht zu bringen ‚Äď und das nicht immer dort, wo der Patient die Schmerzen f√ľhlt. In der NDR-Reportage "Schmerzen lindern mit Osteopathie" erkl√§rt Osteopath Thomas Seebeck, dass beispielsweise durch gezielte √úbungen mit den F√ľ√üen in Kombination mit einer richtigen Atmung Kopf- und Nackenschmerzen gelindert werden k√∂nnen.

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Nicht alle Krankenkassen √ľbernehmen die Kosten von rund 100 Euro pro Sitzung, manche aber immerhin anteilig. Tipp: Lassen Sie Ihre Nackenschmerzen von einem Osteopathen mit staatlicher Anerkennung behandeln.

Softlaser

Softlaser-Strahlen stimulieren das Gewebe √§hnlich wie Akupunkturnadeln. Wie der K√∂lner Orthop√§de Dr. Friedhelm Kuhlmann gegen√ľber dem Frauenmagazin "F√ľr Sie" erkl√§rt, versorgen die Lichtteilchen die Zellen mit Energie: "Diesen Schub nutzen sie unter anderem, um Entz√ľndungen zu bek√§mpfen, die Weiterleitung von Schmerzsignalen zu unterbrechen und Verspannungen zu l√∂sen. Die Selbstheilungskr√§fte werden angeregt." In einer australischen Studie schnitt die alternative Therapie besser als konventionelle Methoden wie Massage und Schmerzmittel ab. Der Grund: "Softlasern geht schnell, tut nicht weh und hat keine Nebenwirkungen", so Kuhlmann weiter. Die Nackenschmerzen-Behandlung mit dem Softlaser dauert etwa 15 Minuten, acht bis zehn Sitzungen sind in der Regel n√∂tig. Die Kosten von 30 bis 80 Euro pro Behandlung werden nur in Ausnahmef√§llen von den gesetzlichen Krankenkassen √ľbernommen.

Biofeedback

Beim Biofeedback trainieren Patienten, K√∂rperfunktionen zu beeinflussen, die normalerweise unbewusst ablaufen. √úber eine Elektromyografie (EMG) k√∂nnen Muskelspannungen gemessen und auf einem Bildschirm sichtbar gemacht werden. Aufgrund der optischen Kontrolle lernen die Patienten, ihre Muskulatur gezielt einzusetzen und so mit stress- bzw. schmerzausl√∂senden Situationen besser umzugehen. Die Sensoren messen beispielsweise die Muskelspannung im Nacken. Wenn der Patient nun Entspannungstechniken √ľbt, bekommt er direkt R√ľckmeldung, ob er die Muskulatur tats√§chlich locker l√§sst. Die Methode wird vor allem bei chronischen Nackenschmerzen eingesetzt. Vor einer Biofeedback-Behandlung ist jedoch zu einer differenzierten Diagnose durch einen Neurologen zu raten.

Operation bei Nackenschmerzen: Wann sinnvoll?

Viele Patienten mit Nackenschmerzen durch einen Bandscheibenvorfall sehen eine Operation als letzte M√∂glichkeit, schmerzfrei zu leben. Bevor die Entscheidung f√ľr das Skalpell f√§llt, sollten jedoch das damit verbundene Risiko und die Erfolgswahrscheinlichkeit sorgf√§ltig abgewogen haben.

Bei dem Eingriff an der Wirbels√§ule entfernt ein Operateur je nach Stabilit√§t der umliegenden Wirbel die zerst√∂rte Bandscheibe direkt oder ersetzt sie durch ein Implantat. Dabei drohen Verletzungen des umliegenden Gewebes im Halsbereich, zum Beispiel am sogenannten Stimmbandnerv. Auch die N√§he zum R√ľckenmark birgt ein Risiko. Verletzt der Operateur dieses aus Versehen, k√∂nnen Nervenbahnen zerst√∂rt werden, wodurch die Reizleitung vom Gehirn zu den Organen und Gliedma√üen unseres K√∂rpers nicht mehr funktionieren w√ľrde. Die m√∂glichen Folgen: kurzfristige oder sogar dauerhafte motorische Funktionsst√∂rungen und L√§hmungen, Probleme bei der Sinneswahrnehmung oder eingeschr√§nkte Organversorgung.

Ein weiteres, ernst zu nehmendes Risiko einer Operation besteht darin, dass die Wunde nicht sauber verheilt und sich Narbengewebe bildet. Dies ist nicht nur aus √§sthetischer Perspektive unerfreulich, sondern kann ebenso wie die entfernte Bandscheibe auf die Nerven dr√ľcken. Somit w√§ren die erhofften Verbesserungen durch einen Eingriff hinf√§llig.

Dr. R√ľdiger Degwert, Sportmediziner und Chirotherapeut, gibt dazu im Interview mit der ARD eine Einsch√§tzung: "Patienten sind ungeduldig. Die Operation steht bei ihnen im Ruf, alles schnell wegzumachen, auch wenn dies gar nicht stimmt." Studien zeigen, dass √ľber 90 Prozent der Bandscheiben-OPs √ľberfl√ľssig seien. Viele davon zahlen sich angeblich eher f√ľr den Operateur als den Betroffenen aus. Nur wer l√§nger als drei Monate oder immer wieder zwischendurch unter unertr√§glichen Nackenschmerzen leidet und keinen Erfolg durch konservative oder alternative Therapien erzielt, sollte eine Operation an den Bandscheiben erw√§gen.

Nackenschmerzen vorbeugen

All diese passiv-reagierenden Maßnahmen dienen dazu, Beschwerden zu lindern. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von aktiven Methoden, mit denen Sie nicht nur Nackenschmerzen behandeln, sondern bestenfalls vorbeugen können:

  • Bewegen Sie sich regelm√§√üig: Um Verspannungen und Schmerzen dauerhaft zu umgehen, hilft nur eines: Bewegung. "Wichtig ist, dass der Nacken nicht dauerhaft starr und angespannt in einer Position verharren muss. Bewegen Sie sich ‚Äď und zwar regelm√§√üig", empfiehlt Kladny. Wenn Sie viel am Schreibtisch sitzen, ist es wichtig, eine monotone Sitzhaltung so oft wie m√∂glich zu unterbrechen. Stehen Sie regelm√§√üig auf und setzen Sie sich immer wieder bewusst gerade hin. So bleibt der Nacken flexibel und die St√ľtzkraft der Muskeln wird gest√§rkt.
  • Trainieren Sie die Nackenmuskulatur: "Um R√ľckenproblemen vorzubeugen, ist grunds√§tzlich jede Sportart geeignet", sagt Professor Dr. Hans-Joachim Appell von der Deutschen Sporthochschule in K√∂ln. Denn die R√ľckenmuskeln geh√∂ren zur Rumpfmuskulatur und sie sind an fast allen Bewegungen des K√∂rpers beteiligt. Trainierte Muskeln mindern den Druck, der auf Wirbels√§ule und Bandscheiben lastet.
  • Meiden Sie Zugluft: Menschen, die h√§ufiger mit Nackenverspannungen zu k√§mpfen haben, sollten sich mit einem Halstuch gegen Zugluft sch√ľtzen.
  • Schlafen Sie richtig: Schlafen Sie m√∂glichst nicht auf dem Bauch. Dabei wird der Kopf unnat√ľrlich abgeknickt. Weiche Matratzen sowie ein zu hohes Kopfkissen beg√ľnstigen Nackenschmerzen ebenfalls. W√§hlen Sie besser eine harte Matratze. Ergonomisch geformte Nackenkissen k√∂nnen positionsbedingte Verspannungen im Schlaf verhindern. Solch ein Kissen sorgt auch auf Reisen im Flugzeug, Auto oder in der Bahn f√ľr ein nackenschonendes Nickerchen.
  • Versorgen Sie Ihre Muskeln mit Magnesium: Magnesium tr√§gt entscheidend zur Muskelentspannung und -regeneration bei. Ein Magnesiummangel kann daher Verspannungen beg√ľnstigen. Besonders reich an Magnesium sind Lebensmittel, wie N√ľsse, Kerne, Reis, Haferflocken, Vollkornprodukte und gr√ľnes Gem√ľse.
  • Entspannen Sie sich: Vermeiden Sie Stress und g√∂nnen Sie sich hin und wieder etwas Wellness. Ein hei√ües Bad, eine Massage oder eine Fangopackung machen die Muskeln sch√∂n locker.
  • Vermeiden Sie einseitige Belastungen: Tragen Sie lieber einen Rucksack als eine Handtasche oder wechseln Sie regelm√§√üig den Tragearm. Verteilen Sie Ihre Eink√§ufe gleichm√§√üig auf zwei Taschen.
  • Arbeiten Sie in einer wirbels√§ulenfreundlichen Sitzposition: "Wer den ganzen Tag im B√ľro sitzt, sollte schauen, dass der Arbeitsplatz ergonomisch korrekt eingerichtet ist ‚Äď also dass der Blickwinkel zum Bildschirm, die Sitzh√∂he und die Beleuchtung passen", erkl√§rt Ute Merz vom Deutschen Verband f√ľr Physiotherapie.
  • Telefonieren Sie mit Headset: Es kann helfen, beim Telefonieren ein Headset zu verwenden. Denn so bleibt die Wirbels√§ule w√§hrend des Gespr√§chs aufrecht, erkl√§rt Reinhard Schneiderhan, Orthop√§de in M√ľnchen und Pr√§sident der Deutschen Wirbels√§ulenliga. Wer sich dagegen den H√∂rer zwischen Ohr und Schulter klemmt, telefoniert mit verdrehtem Kopf und krummem R√ľcken ‚Äď und schadet so seinem Nacken. Mit einem Bluetooth-Headset ist es auch kein Problem, w√§hrend des Gespr√§chs aufzustehen und ein paar Schritte durch den Raum zu laufen.
Wer im B√ľro viel sitzt, hat schnell mal einen verspannten Nacken.
Wer im B√ľro viel sitzt, hat schnell mal einen verspannten Nacken. (Quelle: Monique W√ľstenhagen/dpa-tmn)

Übungen gegen Nackenschmerzen: Verspannungen lösen

Lockere Muskeln sind die beste Vorbeugung gegen Nackenschmerzen. Wer also viele Stunden vor dem Computer sitzen muss, der sollte seine Muskulatur im Schulter- und Nackenbereich immer wieder einmal auflockern. Bewegung f√ľhrt zu einer besseren Durchblutung der Muskeln und damit zu einer schnelleren Erholung.

Neben dem Feierabend-Sport helfen auch kleine √úbungseinheiten im Alltag. Wer viel Zeit vorm Computer verbringt, kann immer wieder seinen Kopf drehen, die Schultern kreisen lassen und die Muskulatur dehnen. Nicht selten ist dabei ein leises Knacken im Nackenbereich zu vernehmen, wenn sich die Halswirbel lockern.

Mit dieser √úbung k√∂nnen die kleinen Kopfgelenke und Nackenmuskeln bewusst gel√∂st und entspannt werden. Die Zeitschrift "Naturarzt" (Ausgabe 10/2017) schl√§gt vor, sich aufrecht hinzusetzen und sich vorzustellen, dass der Kopf wie ein Luftballon gef√ľllt ist und in Richtung Himmel schwebt. Das streckt die Nackenmuskeln.

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Nun stellt man sich vor, die Nasenspitze sei ein Pinsel. Dieser Pinsel malt eine gezackte Linie, indem die Nase auf und ab und der Kopf langsam nach rechts bewegt wird. Danach wird die √úbung auf der linken Seite wiederholt. Der Kiefer bleibt entspannt. Anschlie√üend der √úbung einen Moment nachsp√ľren.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte √Ąrzte. Die Inhalte von t-online k√∂nnen und d√ľrfen nicht verwendet werden, um eigenst√§ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Ann-Kathrin Landzettel
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