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So lebt es sich mit einem Tumor in der Prostata

Andrea Goesch

Aktualisiert am 20.11.2016Lesedauer: 4 Min.
Zu wissen, dass Krebszellen im Körper aktiv sind, ist fĂŒr viele Patienten eine unertrĂ€gliche Vorstellung.
Zu wissen, dass Krebszellen im Körper aktiv sind, ist fĂŒr viele Patienten eine unertrĂ€gliche Vorstellung. (Quelle: /Thinkstock by Getty-Images-bilder)
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Die Diagnose Prostatakrebs ist fĂŒr viele MĂ€nner ein Schock. Gleichzeitig stellt sie die Betroffenen oft vor ein psychisches Dilemma: Muss sofort operiert oder bestrahlt werden? Oder reicht es, den Tumor erst mal zu beobachten? Ein Experte gibt RatschlĂ€ge, wie Patienten diese schwierige Situation meistern können.

Um Tumoren in der Prostata möglichst frĂŒh auszuspĂŒren, setzen Mediziner im Rahmen der Krebsvorsorge eine Reihe von Verfahren ein.


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Erst die Gewebeprobe bringt Gewissheit

Am bekanntesten ist der PSA-Test, der die Anzahl des prostataspezifischen Antigens im Blut misst. Ist dieser Wert hoch, kann das ein Zeichen sein, dass gefÀhrliche Tumorzellen heranwachsen.

Zur weiteren AbklĂ€rung empfehlen Ärzte eine Biopsie. Nur sie bringt Gewissheit darĂŒber, ob tatsĂ€chlich ein Tumor vorliegt.

Nicht bei allen Tumoren ist Eile geboten

Finden sich Krebszellen in der Gewebeprobe, heißt das jedoch nicht automatisch, dass der Patient sofort unters Messer muss. Vielmehr kommt es auf die Art des Tumors an.

"Wenn ein Niedrigrisiko-Prostatakrebs vorliegt, die Zellen also nicht aggressiv sind und keine Absiedlungen bilden, ist es gerechtfertigt, erst einmal abzuwarten und ĂŒber den PSA-Wert regelmĂ€ĂŸig zu kontrollieren", sagt Dr. Wolfgang BĂŒhmann, Pressesprecher des Berufsverbandes der Deutschen Urologen (BDU).

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Denn viele Prostatakarzinome sind harmlos, wachsen nur langsam und bilden keine Metastasen. Oft kann der Patient lange Zeit problemlos weiterleben und der Krebs entwickelt sich nicht weiter.

Engmaschige Kontrollen und aktive Überwachung

Die Kontrollen sollten vierteljĂ€hrlich ĂŒber einen Zeitraum von einem Jahr erfolgen. Steigt der PSA-Wert in diesem Zeitraum an, sollte erneut eine Gewebeprobe entnommen werden, rĂ€t der Experte. "Dabei wird geprĂŒft, ob sich der Tumor möglicherweise in einen aggressiven gewandelt hat." Wenn dies nicht der Fall ist, könne weiter ĂŒberwacht werden. FĂŒr den Patienten hat das den Vorteil, dass er sich keiner Operation unterziehen muss und dass ihm hĂ€ufige Nebenwirkungen wie Inkontinenz und Impotenz erspart bleiben.

Bei einer negativen Entwicklung der Werte dagegen sollten gemeinsam mit dem behandelnden Urologen weitere Maßnahmen besprochen werden. "Hierbei kommen in der Regel eine Operation oder alternativ eine Strahlentherapie in Betracht", sagt BĂŒhmann.

Eine Entscheidung, die einem keiner abnimmt

Ob diese Art der defensiven Behandlung im Einzelfall möglich ist, muss mit dem Arzt besprochen werden. Das setzt eine grĂŒndliche Beratung voraus.

Letztendlich ist es aber der Patient, der darĂŒber entscheiden muss, ob er mit dem Gedanken, einen schlummernden Tumor in sich zu haben, weiterleben kann oder ob er diesen lieber aus seinem Körper entfernen lassen und so auf Nummer sicher gehen möchte.

Beide Möglichkeiten haben durchaus ihre Berechtigung. Die erste jedoch, setzt ein hohes Maß an psychischer Belastbarkeit voraus. Die Entscheidung ist daher eine sehr persönliche und sollte gut ĂŒberlegt sein.

Gratwanderung zwischen Über- und Untertherapie

Nicht nur fĂŒr den Patienten, auch fĂŒr den Arzt, stellt die Empfehlung der richtigen Therapie oft ein Dilemma dar. Denn abzuschĂ€tzen, ob und wie sich ein Prostatakrebs entwickelt, ist tatsĂ€chlich eine hohe Ă€rztliche Kunst, die viel Erfahrung voraussetzt, sagt BĂŒhmann.

Patienten haben Angst, etwas falsch zu machen

Dass MĂ€nner mit Prostatakrebs, die nicht unbedingt operiert werden mĂŒssen, unsicher bei der Wahl ihrer Therapie sind, beobachtet BĂŒhmann immer wieder. Solchen Patienten empfiehlt der Urologe, sich eine Zweitmeinung einzuholen. "Immerhin handelt es sich hier um eine wichtige Entscheidung fĂŒr den Patienten, die auch ein großes Vertrauen in die Kompetenz des Arztes voraussetzt."

Ein StĂŒck weit kann BĂŒhmann betroffenen MĂ€nnern aber auch die Angst nehmen: "Zu der aktiven Überwachung gibt es langfristige Statistiken, die zeigen, wie sich die einzelnen Tumorarten verhalten und entwickeln. Wenn engmaschige Kontrollen stattfinden und der Patient einen engen Kontakt zu seinem Urologen hĂ€lt, bestehen keine Nachteile durch diese Art der Therapie."

Auch das Alter spielt eine wichtige Rolle

Die Frage, ob eine defensive Behandlung infrage kommt oder doch besser operiert werden soll, ist auch vom Alter des Patienten abhĂ€ngig. "Wenn ein 75-jĂ€hriger Mann die Diagnose Prostatakrebs bekommt, ist die Gefahr, daran zu sterben, sehr gering - unabhĂ€ngig von der AggressivitĂ€t des Tumors", sagt BĂŒhmann.

Eine aktive, heilende Behandlung mit Strahlentherapie und Operation sei in der Regel nur dann sinnvoll, wenn noch eine natĂŒrliche Lebenserwartung von wenigstens zehn Jahren bestehe. Auf einen operativen Eingriff zu verzichten, sollte daher in diesem Fall gut ĂŒberlegt sein.

Das GefĂŒhl, eine tickende Bombe in sich zu haben

Bei jĂŒngeren MĂ€nnern dagegen besteht ein ganz anderes Problem: "Es gibt eine Reihe von Patienten, die nicht damit fertig werden, dass sie einen Tumor haben", sagt BĂŒhmann. "Sie haben das GefĂŒhl, eine tickende Bombe in sich zu tragen."

Daher komme es immer wieder vor, dass sich MĂ€nner gegen eine defensive Behandlung entscheiden und sich den Tumor herausoperieren lassen.

Seelische UnterstĂŒtzung vom Psychoonkologen

FĂŒr diejenigen, die erst mal abwarten, empfiehlt BĂŒhmann eine Begleitung durch einen Psychoonkologen. Hierbei handelt es sich um einen Krebsexperten, der sich vor allem mit den seelischen Folgen der Erkrankung beschĂ€ftigt und die Patienten bei Anzeichen von Belastung, Anspannung und Ängsten unterstĂŒtzt.

Weitere Artikel


Auch der Austausch mit anderen Betroffenen kann helfen, Ängste abzubauen. BĂŒhmann verweist hier auf den Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe e.V..

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dĂŒrfen nicht verwendet werden, um eigenstĂ€ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Von Lydia Klöckner
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