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Wann bei Hämorrhoiden eine OP nötig ist

Abwarten oder operieren?  

Hämorrhoiden: Wann eine Operation nötig ist

06.09.2019, 10:01 Uhr | ag, t-online.de

Wann bei Hämorrhoiden eine OP nötig ist. Falls eine Hämorrhoiden-Operation nötig ist, sollte diese nicht auf die lange Bank geschoben werden. (Quelle: Getty Images/FatCamera)

Falls eine Hämorrhoiden-Operation nötig ist, sollte diese nicht auf die lange Bank geschoben werden. (Quelle: FatCamera/Getty Images)

Jeder zehnte Deutsche plagt sich mit Hämorrhoiden herum. Wenn Salben, Zäpfchen und Cremes nicht helfen, ist ein chirurgischer Eingriff oft der letzte Ausweg, um sich von dem lästigen Leiden zu befreien. Dank schonender Techniken ist eine Hämorrhoiden-OP heutzutage kein großer Eingriff mehr. Wir stellen die einzelnen Verfahren vor und sagen, in welchen Fällen sie infrage kommen. 

Hämorrhoiden: Wann sollte operiert werden? 

Ob eine Hämorrhoiden-Operation notwendig ist oder eine andere Therapie infrage kommt, hängt vom Schweregrad des Hämorrhoidalleidens ab. Mediziner unterscheiden dabei in vier Grade:

  • Grad 1: Das Hämorroidalgewebe hat sich an einer bestimmten Stelle im After erweitert.
  • Grad 2: Die Hämorrhoide tritt beim Stuhlgang kurzfristig nach außen, zieht sich aber von selbst wieder zurück.
  • Grad 3: Die Hämorrhoide zieht sich nicht mehr selbst in den Analkanal zurück, sondern kann nur noch mit der Hand zurückgeschoben werden.
  • Grad 4: Die Hämorrhoiden liegen vor dem Analkanal und lassen sich auch nicht mehr zurückschieben. 

Nur bei Grad 1 und 2 ist eine Behandlung der Gefäßpolster mithilfe von Cremes, Zäpfchen und Salben sinnvoll. Spätestens im dritten und vierten Stadium sind die Erfolgsaussichten auf Heilung bei einer OP höher. Hinzu kommt, dass bei fortschreitendem Hämorrhoidalleiden schwere Blutungen und andere Komplikationen auftreten können. Um vorzubeugen, raten die meisten Ärzte in diesen Stadien zu eine Hämorrhoiden-Operation.

Abschnüren, veröden, vereisen

Am schnellsten und unkompliziertesten ist die Behandlung bei Hämorrhoidalleiden des zweiten Grades. Hier kommt häufig die Gummibandligatur (HAL-Methode) zum Einsatzdie während einer Enddarmspiegelung durchgeführt werden kann. Die Blutgefäße an den Hämorrhoiden werden mit einem Gummiband abgeschnürt, so dass diese nicht mehr mit Blut gefüllt werden. Dadurch schrumpft die Hämorrhoide und verkümmert schließlich. Die Behandlung ist schmerzfrei, erfolgt ohne Narkose und bedarf nicht einmal einer Betäubung.

Neben der Gummibandligatur besteht im zweiten Stadium auch die Möglichkeit, die Hämorrhoiden mittels einer Injektion zu veröden (Sklerosierung). Dabei stirbt das Gewebe, das die Hämorrhoide umgibt, ab und das Gefäßpolster zieht sich zurück in den Analkanal. Auch dieser Eingriff wird ambulant durchgeführt. Weitere Behandlungsmethoden für Hämorrhoiden bis zum zweiten Grad sind sind die Verödung mit Hilfe von Infrarotstrahlung (Infrarotkoagulation) und die Vereisung mit Lachgas oder flüssigem Stickstoff (Kyrohämorrhoidenektomie). 

OP-Methoden bei Hämorrhoiden ab Grad 3 

In den Stadien 3 und 4 sind die genannten sanften Methoden nicht mehr möglich, da sich die Hämorrhoiden schon zu weit entwickelt haben. Hier empfehlen Ärzte meist eine Hämorrhoidektomie, bei der die Hämorrhoidenpolster und die umgebenden Blutgefäße vollständig entfernt werden. Es gibt dabei verschiedene Techniken, die in der Regel in Vollnarkose durchgeführt werden. 

Die Milligan-Morgan-OP gehört zu den gängigsten Verfahren und wird bei Hämorrhoiden im Stadium 3 und 4 eingesetzt. Die Hämorrhoidenpolster werden mit Klemmen aus dem Afterkanal herausgezogen. Anschließend umsticht der Chirurg mithilfe von medizinischem Nähmaterial die blutzuführenden Arterien und schneidet den Hämorrhoidalknoten heraus. Die Wunde bleibt offen und heilt unverschlossen aus. Daher wird die Milligan-Morgan-OP auch als offene Hämorrhoidektomie bezeichnet. Der Nachteil dabei ist, dass die Wundheilung länger dauert und für den Patienten schmerzhaft ist. Doch es gibt auch Vorteile: Durch das offene Abheilen entstehen Narben, die ein Wiederkehren der Hämorrhoiden an diesen Stellen verhindern. 

Eine weitere OP-Technik, die häufig bei Hämorrhoiden zweiten und dritten Grades eingesetzt wird, ist die THD-Methode. Die Abkürzung steht für Transanale Hämorrhoiden-Dearterialisation mit Dopplersonde. Die Operation wird im Allgemeinen ambulant mit örtlicher Betäubung durchgeführt, zuweilen auch mit kurzem stationärem Krankenhausaufenthalt. Das besondere an dem Verfahren ist, dass die Hämorrhoiden nicht herausgeschnitten werden, sondern dass die Blutzufuhr am Mastdarm unterbunden wird. Anschließend rafft der Chirurg mithilfe von Nadel und Faden das umliegende Gewebe zusammen und zieht es nach oben, so dass es dicht an der Schleimhaut anliegt. So entstehen keine großen Wunden und die kleinen Nahtstiche heilen schnell aus. Daher ist bereits am ersten Tag nach der OP eine normale, ballaststoffreiche Nahrung erlaubt. 

Schonende OP-Technik: die Longo-Methode

Ein schonendes, relativ neues OP-Verfahren stellt die nach ihrem Entwickler benannte Longo-OP dar. Sie wird besonders häufig bei Hämorrhoiden im dritten Stadium angewandt und ist auch unter dem Namen Stapler-Methode bekannt. Bei der OP  werden die Gefäßpolster mithilfe eines medizinischen Klemmnahtgeräts (Stapler) entfernt. Der Patient liegt dabei entweder auf dem Bauch oder in der sogenannten Stinschnittlage auf dem Rücken. Bei dieser Position liegt der Patient mit gespreizten, angewinkelten Beinen auf einem Behandlungsstuhl. Die Operation erfolgt über den After, der hierzu vom Chirurgen geweitet werden muss. Die Longo-OP ist schonender und schmerzärmer als andere OP-Verfahren und der Patient kann relativ schnell wieder in seinen Alltag zurückkehren.

Damit der Erfolg der Longo-OP dauerhaft ist und die Hämorrhoiden nicht an anderer Stelle zurückkehren, sollte der Patient jedoch einige Änderungen in seiner Lebensweise vornehmen. Hierzu gehören vor allem eine Ernährung mit vielen Ballaststoffen, ausreichende Flüssigkeitszufuhr, körperliche Bewegung und eine sorgfältige Analhygiene. 

Für schwere Fälle: Fansler-Arnold-Verfahren

Für Patienten mit Hämorrhoidalleiden des vierten Grades reicht eine einfache Hämorrhoidektomie nicht mehr aus. Für sie kommt nur das Fansler-Arnold-Verfahren infrage. Bei diesem  rekonstruktiven Eingriff wird die nach außen verlagerte Analhaut von innen abgelöst und die darunterliegenden Hämorrhoiden abgetragen. Im Anschluss wird der Hautlappen wieder mit dem Inneren des Afterkanals vernäht.

Im Vergleich zu den genannten OP-Methoden ist das Fansler-Arnold-Verfahren ein aufwendiger Eingriff, der höhere Risiken in sich birgt. Neben Schwellungen und Entzündungen können vor allem Blutungen direkt nach der OP zum Problem werden. Eine lange Wundheilung und eine starke Narbenbildung sind ebenfalls möglich. Darüber hinaus muss der Patient mit einem langen Heilungsprozess rechnen, der auch mit starken Schmerzen verbunden sein kann. 

Wie lange dauert eine Hämorrhoiden-OP? Die Longo-Operation dauert nur etwa 15 bis 20 Minuten. Bei der ambulanten THD-Methode hat der Patient nach circa 30 Minuten alles überstanden. Aufwendiger sind die Milligan-Morgan-OP und das Fansler-Arnold-Verfahren. Hier hängst es davon ab, wie weit fortgeschritten das Hämorrhoidalleiden ist. Entsprechend hoch ist der zeitliche Aufwand bei der OP.

Nach der OP: Wie lange im Krankenhaus?

Wie lange der Patient nach der Operation im Krankenhaus ist und wann er wieder zur Arbeit kann, hängt von der OP-Methode ab. Bei der Milligan-Morgan-OP bleibt der Patient wegen der offenen Wundheilung meist mehrere Tage im Krankenhaus. Wie lange genau, hängt von der Beschaffenheit der Wunden, den Schmerzen und seinem Gesundheitszustand ab. Um Infektionen zu vermeiden, ist es in den Tagen nach der OP wichtig, tägliche Analduschen mit Wasser durchzuführen. So gelangen keine Bakterien in den Analkanal. Auch bei der Umstellung von Schonkost auf normale Nahrung gibt es einiges zu beachten. So sollte der Patient zunächst auf scharfe und saure Speisen verzichten, um die Darmschleimhaut zu schonen. In der Regel klingen die Beschwerden nach der OP innerhalb von 10 bis 14 Tagen langsam ab. So lange ist der Patient in der Regel auch krankgeschrieben.

Am schnellsten kommt der Patient nach einer THD-OP wieder nach Hause. Innerhalb von zwei bis drei Tagen nach der Operation können die meisten Patienten ihre normale Arbeitstätigkeit wieder aufnehmen. Einen sehr kurzen Krankenhausaufenthalt erfordert auch die Operation nach Longo. Hat der Patient den Eingriff gut überstanden und ist wohlauf, ist er meist nach einem Tag schon wieder zu Hause. In der Regel spürt er nach der OP keine oder nur geringe Schmerzen. Eine aufwendige Nachbehandlung ist nicht erforderlich. Wenn es keine Komplikationen gab, darf der Operierte nach einem Tag Schonkost bereits am darauffolgenden Tag wieder normale Nahrung zu sich nehmen. Im Durchschnitt reicht eine Krankschreibung von einer Woche aus, bis der Patient wieder zur Arbeit gehen kann. 

Beim Fansler-Arnold-Verfahren dagegen muss der Patient circa zwei bis drei Tage stationär überwacht werden. Eine Schmerztherapie mit Salben und Medikamenten ist in der Regel für zwei bis drei Wochen erforderlich.

Welche Risiken hat eine Hämorrhoiden-OP?

Insgesamt ist das Risiko für Komplikationen infolge einer Hämorrhoiden-Operation relativ gering. Bei allen OP-Methoden besteht jedoch die Möglichkeit, dass es zu Schmerzen und Nachblutungen kommt. Deshalb müssen Patienten bei größeren Eingriffen auch noch einige Zeit im Krankenhaus bleiben. Darüber hinaus können bei Männern nach der OP Probleme beim Wasserlassen auftreten.

Dass der Schließmuskel während der OP verletzt wird, kommt dank der schonenden Techniken heutzutage nur noch äußerst selten vor. In seltenen Fällen treten bei der Wundheilung Entzündungen auf. Um diesen vorzubeugen, kann der Patient selbst einiges tun. Mit einer gründlichen, sanften Hygiene unterstützt er den Heilungsprozess. So sollte der After in den Wochen nach der OP nach jedem Stuhlgang sanft mit lauwarmem Wasser gesäubert werden. Ausreichende Flüssigkeitszufuhr und eine ballaststoffreiche Ernährung fördern zudem eine gesunde Verdauung und weichen Stuhl, der schmerzfrei ausgeschieden werden kann.

Verwendete Quellen:
  • internisten-im-netz.de
  • Operatives Zentrum MediCenter (Homepage)
  • Marien Krankenhaus Bergisch Gladbach (Homepage)
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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