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Herzerkrankungen: Stents häufig nicht besser als Medikamente

US-Studie zu Herzerkrankungen  

Stents sind nicht zwangsläufig besser als Medikamente

Von Melanie Weiner

18.11.2019, 14:21 Uhr
Herzerkrankungen: Stents häufig nicht besser als Medikamente. Stent-Implantation: Die Notwendigkeit von Herzoperationen sollte laut einer Studie besser geprüft werden. (Quelle: Getty Images/monkeybusinessimages)

Stent-Implantation: Die Notwendigkeit von Herzoperationen sollte laut einer Studie besser geprüft werden. (Quelle: monkeybusinessimages/Getty Images)

Stents und Bypass-Operationen sind laut einer neuen Studie nicht die einzigen Möglichkeiten, um bestimmte Herz-Kreislauf-Erkrankungen wirksam zu behandeln. Unter Herzexperten löst das eine Debatte aus.

Bei chronischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Arteriosklerose und koronarer Herzkrankheit ist das Einsetzen eines Stents eine übliche Behandlungsmethode. Stents sind kleine Gefäßstützen aus Metallgeflecht, die in eine Arterie eingesetzt werden. Sie sollen verengte oder verschlossene Herzkranzgefäße wieder öffnen, damit die ausreichende Blutversorgung gewährleistet wird.

Eine aktuelle Studie deutet jedoch darauf hin, dass dieser operative Eingriff möglicherweise in vielen Fällen nicht notwendig ist. Stattdessen ist laut US-Forschern eine Änderung des Lebensstils in Kombination mit Medikamenten oft die bessere Behandlungsmethode, um das Infarktrisiko von Herzpatienten zu senken.

Was ist Arteriosklerose?
Als Arteriosklerose wird eine Erkrankung der Schlagadern (Arterien) bezeichnet, bei der Ablagerungen aus Fett und Kalk in den Arterien entstehen. Dadurch verändern sich die Arterienwände – sie werden immer dicker und starrer. Das Blut kann die Region weniger gut durchströmen – Durchblutungsstörungen sind die Folge. Im schlimmsten Fall kann es bis zu einem vollständigen Verschluss der Gefäße kommen. Dann droht ein Infarkt.

Behandlung mit medizinischen Stents und Medikamenten

In einer durch das US-Gesundheitsministerium geförderten Studie nahmen 5.179 Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Arterienverkalkung aus 37 Ländern teil.

Alle Probanden erhielten über sieben Jahre lang Medikamente sowie eine individuelle Beratung zu ihrem Lebensstil. Sie wurden zum Beispiel ermutigt, bei Bedarf abzunehmen, die Ernährung umzustellen, häufiger Sport zu treiben oder mit dem Rauchen aufzuhören. Die Hälfte der Studienteilnehmer wurde zusätzlich operiert. Sie bekamen einen Stent oder einen Bypass eingesetzt.

Die Studie ergab, dass nach vier Jahren die Raten von Herzinfarkt und kardiovaskulärem Tod in beiden Gruppen nahezu identisch waren: 13,3 Prozent in der Hälfte, die operiert wurde, gegenüber 15,5 Prozent in der reinen Medikamenten-Gruppe.

Das Resümee der Forscher: Stent- und Bypass-Operationen zusätzlich zur medizinischen Behandlung können das Risiko von Herzinfarkten oder Tod nicht signifikant senken, verglichen mit der alleinigen medizinischen Therapie.

Es gab jedoch einen bemerkenswerten Unterschied: Die chirurgischen Eingriffe führten zu einer besseren Symptomlinderung und Lebensqualität bei Menschen, die häufig Brustschmerzen hatten. Für Herzpatienten, die unter solchen Schmerzen oder Engegefühl leiden, sei deshalb die Stent-Implantation die richtige Therapie, so die Wissenschaftler.

Studienergebnisse lösen Kontroverse unter Kardiologen aus

Viele Kardiologen sind sich uneinig darüber, von welcher Therapie Herzpatienten am besten profitieren. In der gängigen Praxis erhalten Betroffene mit starker Verengung ihrer Arterien eine Bypass-Operation oder einen Stent zur Wiederherstellung der Durchblutung. Die Mehrheit berichtet nach dem Eingriff, sich sofort besser zu fühlen, sagen Experten.

Medikamente, mit denen sich die Gefäßverkalkung aufhalten lässt, können die Arteriosklerose eher langfristig günstig beeinflussen. Dafür sind laut der Deutschen Gefäßliga die Wirkstoffe Clopidogrel oder Acetylsalicylsäure (ASS) die Mittel der Wahl.

Die Studienautoren raten Ärzten, nicht vorschnell zu handeln und genau zu überprüfen, ob eine Stent-Implantation nötig ist. Patienten, die unter Arteriosklerose leiden, aber nicht akut infarktgefährdet sind, empfehlen sie ein Gespräch mit dem behandelnden Kardiologen, um Vorteile und Risiken der Therapien individuell abzustimmen.

So senken Sie Ihr Arteriosklerose-Risiko

Viele Risikofaktoren für Arteriosklerose können über eine Veränderung des Lebensstils beeinflusst werden. Patienten wird deshalb geraten, eventuelles Übergewicht zu reduzieren und den Tabakkonsum vollständig einzustellen. Dadurch kann das Risiko einer Erkrankung erheblich gesenkt werden. Darüber hinaus ist es empfehlenswert, einen aktiven Lebensstil mit körperlicher Betätigung und gesunder Ernährung zu pflegen. Der Abbau von Stress ist bei der Behandlung der Arterienverkalkungen ebenfalls hilfreich.

Verwendete Quellen:

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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