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Coronavirus: Erste Anti-Corona-Pille in Großbritannien zugelassen

Arzneimittel-Überblick  

Erste Anti-Corona-Pille wurde zugelassen

05.11.2021, 14:03 Uhr
Coronavirus: Erste Anti-Corona-Pille in Großbritannien zugelassen. Medikament von Merck: In Großbritannien wurde die erste Pille gegen das Coronavirus zugelassen. (Quelle: imago images/NurPhoto)

Medikament von Merck: In Großbritannien wurde die erste Pille gegen das Coronavirus zugelassen. (Quelle: NurPhoto/imago images)

Mediziner forschen nicht nur mit Hochdruck an Impfstoffen, sondern auch an Medikamenten gegen Covid-19. Jetzt hat Großbritannien als erstes Land eine Pille gegen Corona zugelassen. Ein Überblick.  

Ein Ende der Corona-Pandemie ist erst dann in Sicht, wenn ausreichend Menschen geimpft sind – oder es wirksame Medikamente gegen eine Erkrankung mit Covid-19 gibt. Immer wieder gibt es Erfolgsmeldungen.

Aktuellste Meldungen zu Corona-Medikamenten

Anfang November haben die britischen Gesundheitsbehörden das Mittel "Molnupiravir" von Merck zugelassen. Die Anti-Corona-Pille ist für Patienten über 18 Jahren freigegeben, die an Covid-19 erkrankt sind und ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf haben. Wie das ZDF berichtet, soll die Pille bei "leichten bis moderaten Symptomen fünf Tage lang jeweils zweimal täglich eingenommen werden". Molnupiravir ist damit die erste Pille, die erwiesenermaßen gegen die Krankheit Covid-19 effektiv ist. Merck hat zusätzlich zu Großbritannien auch die Zulassung in der EU, den USA und anderen Staaten beantragt. Eine Pille, die Symptome mildert und auch zu Hause eingenommen werden kann, wäre laut ZDF ein Durchbruch im Kampf gegen die Pandemie. 

Eine Ende Oktober veröffentlichte Studie in "The Lancet" zeigt unterdessen, dass ein Antidepressivum möglicherweise vor schweren Corona-Verläufen schützen könnte. Demnach wurden rund 1.500 Personen aus Brasilien untersucht, die ungeimpft waren und positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer lag bei etwa 50 Jahren, sie hatten zudem Symptome und ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf. Etwa die Hälfte der Studienteilnehmer bekam ein Placebo, die andere Hälfte das Antidepressivum Fluvoxamin. Daraufhin kamen nur 79 der Patienten, die das Antidepressivum eingenommen hatten, ins Krankenhaus. Bei der Placebo-Gruppe waren es 119. Die Autoren der Studie kommen daher zu dem Schluss, dass Fluvoxamin das Risiko reduzieren kann, mit einer Covid-19-Erkrankung ins Krankenhaus zu müssen.

Eine Corona-Therapie von Roche hatte zudem kürzlich in klinischen Tests Wirkung gezeigt. Das Präparat Ronapreve, das auch als REGN-COV-2 bekannt ist, verringerte nach Angaben des Schweizer Pharmakonzerns in einer Phase-II/III-Studie die Virenlast von im Krankenhaus behandelten Covid-19-Patienten signifikant und erreichte damit das Hauptziel. In mehreren Ländern wie etwa den USA, Großbritannien und Japan ist der Cocktail aus den Arzneien Casirivimab und Imdevimab für den Notfalleinsatz bereits zugelassen.

Berichten aus dem August zufolge könnte das Mittel Ivermectin helfen, die Infektionsdauer bei Covid-19 stark zu verkürzen. Eine Studie zeigt, dass das Mittel, das eigentlich gegen Parasiten wirken soll, auch antivirale Eigenschaften hat. So soll es die Virusausscheidung bei Patienten im Frühstadium einer Covid-19-Infektion verringern. 

Bereits im Juni hat die US-Gesundheitsbehörde FDA ein monoklonales Antikörper-Medikament zur Behandlung von frühen Covid-19-Infektionen zugelassen: Das Medikament mit dem Namen Sotrovimab der Hersteller Vir Biotechnology Inc und Glaxosmithkline plc ist der dritte Antikörper-Wirkstoff, mit dem Patienten, die ein hohes Risiko für schwere Verläufe haben, im Frühstadium der Krankheit behandelt werden können. 

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (Ema) hatte zuvor zwei Covid-19-Behandlungsmittel offiziell zugelassen: Dexamethason und Remdesivir.

Anfang des Jahres machte der Pharmakonzern Astrazeneca zudem mit einem Corona-Medikament auf sich aufmerksam. Im Februar prüfte die Ema ein weiteres Medikament, das seit Ende Februar ebenfalls zugelassen wurde: REGN-COV2 ist ein Antikörpermedikament, das bereits der ehemalige US-Präsident Donald Trump bekommen hat.

Arzneimittelgruppen, die im Kampf gegen Covid-19 wichtig sind

Bei Medikamenten spielt vor allem die Frage eine Rolle, für welches Krankheitsstadium von Covid-19 sie geeignet sind. Deshalb gibt es verschiedene Medikamentengruppen, die zum Einsatz kommen könnten. 

Laut dem Verband forschender Arzneimittelhersteller (VfA) stehen auch jene Arzneimittel im Vordergrund, die bereits gegen andere Krankheiten zugelassen oder zumindest in der Entwicklung sind. Denn es koste weniger Zeit, diese Medikamente umzufunktionieren, als ganz neue zu entwickeln. Demnach werden aktuell mehr als 600 verschiedene Medikamente darauf getestet, ob sie hilfreich gegen Covid-19 sein könnten. 

Der VfA unterteilt die Medikamente, die als Hoffnungsträger gegen das Coronavirus gelten, zunächst in sechs Gruppen: 

Antivirale Medikamente: Sie sollen die Vermehrung der Viren blockieren oder verhindern, dass sie in die Lungenzellen eindringen.

  • Ursprünglich entwickelt gegen: HIV, Ebola, Hepatitis C, Grippe, SARS oder MERS

Dämpfende Immunmodulatoren: Sie sollen die Abwehrreaktionen des Körpers begrenzen, damit diese nicht mehr Schaden anrichten als das Virus.

  • Ursprünglich entwickelt gegen: Rheumatoide Arthritis oder entzündliche Darmerkrankungen 

Medikamente für Lungenkranke: Sie sollen verhindern, dass die Lunge der Covid-19-Patienten nicht mehr genug Sauerstoff ins Blut pumpen kann.

  • Ursprünglich entwickelt gegen: Idiopathische Lungenfibrose

Herz-Kreislauf-Medikamente: Sie sollen verhindern, dass es zu Komplikationen im Herz-Kreislauf-System kommt. 

  • Ursprünglich entwickelt gegen: Blutgerinnsel oder Herzrhythmusstörungen

Andere Medikamentengruppen: Hier tauchen unter anderem Medikamente auf, die ursprünglich gegen Ebola, Malaria oder auch Krebs entwickelt wurden.

Neu entwickelte Medikamente speziell gegen SARS-CoV-2Viele Pharmaunternehmen suchen nach eigenen Wirkstoffen, die speziell gegen Covid-19 entwickelt werden. 

Warum dauert die Entwicklung der Medikamente so lange?

Wie der VfA erklärt, müsse jedes Medikament zunächst darauf geprüft werden, ob es für die Behandlung von Covid-19-Patienten geeignet sei. Diese Bedingung müsse auch dann erfüllt sein, wenn das Medikament bereits für andere Patienten zugelassen oder erprobt sei. Im Anschluss müsse jedes Medikament von den Zulassungsbehörden auf Wirksamkeit, Verträglichkeit und technische Qualität überprüft werden. Zwar sollen diese Genehmigungsverfahren beschleunigt und bevorzugt behandelt werden – trotzdem nimmt der Prozess zusätzliche Zeit in Anspruch.

In Deutschland ist die oberste Zulassungsbehörde das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Das Robert Koch-Institut erklärt zudem, es könne eine "bedingte Zulassung" für Medikamente geben, wenn sie zur Behandlung, Vorbeugung oder ärztlichen Diagnose von schweren, lebensbedrohlichen Krankheiten bestimmt seien, gegen die Bedrohung der öffentlichen Gesundheit eingesetzt werden oder bei seltenen Leiden helfen können.

Zusätzlich spiele eine Rolle, wie schnell die Unternehmen Medikamente entwickeln und verkaufen können. Bei diesem Aspekt arbeiten viele Pharmaunternehmen bereits zusammen oder stellen ihre Expertise kleineren Unternehmen zur Verfügung.

Welche Medikamente sind bereits (bedingt) zugelassen?

Remdesivir

Das wohl bekannteste Medikament in der Corona-Krise ist Remdesivir. Der Wirkstoff hat in einigen Studien zunächst gezeigt, dass es als Medikament gegen Covid-19 die Krankheit verkürzen kann. Daraufhin erhielt der Wirkstoff von Gilead Sciences eine Zulassung in den USA sowie in Japan und im Juli 2020 auch eine bedingte Zulassung in der EU. Mittlerweile ist das Medikament in rund 50 Ländern zugelassen.

Klinische Studien zeigen mittlerweile auch, dass Remdesivir die Genesungszeit verkürzen und das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen kann. Real-World-Studien mit rund 50.000 Patienten zeigen zudem, dass die Behandlung mit Remdesivir die Sterblichkeit bei einer Infektion senken kann. 

In seiner Bewertung des Medikaments vom Juli 2021 sieht das deutsche Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) einen Hinweis auf einen "beträchtlichen Zusatznutzen" bei Patienten, die bei Therapiebeginn eine bestimmte Sauerstofftherapie erhielten. 

Im Mai 2021 stellten Wissenschaftler der Universität Frankfurt zudem fest, dass Remdesivir möglicherweise noch einen weiteren, bisher unbekannten Wirkmechanismus haben könnte. Mithilfe eines Zwischenprodukts soll Remdesivir demnach dazu führen, dass ein Protein des Virus gehemmt wird, das mit dem menschlichen Abwehrsystem kommuniziert und dort sozusagen "Hilferufe der Zelle" unterdrückt. 

Dexamethason

In Großbritannien gelang bei einer Studie mit dem Cortison-Wirkstoff Dexamethason eine Abschwächung der Immunreaktionen auf das Coronavirus. Demnach konnte das Mittel das Sterberisiko bei Patienten, die Sauerstoff benötigten oder künstlich beatmet wurden, deutlich senken. Das Medikament wurde von der Ema auch in der EU zugelassen. Allerdings spielt auch hier der Zeitpunkt der Medikamentengabe eine große Rolle: Wird das Immunsystem zu früh gehemmt, kann Dexamethason sogar schaden. Es ist daher nur zugelassen, wenn Patienten bereits einen schweren Verlauf zeigen. 

REGN-COV2/Ronapreve

Am 1. Februar 2021 hat die Ema mit einem sogenannten Rolling-Review-Verfahren des Medikaments REGN-COV2 begonnen. Ende Februar berichtete schließlich unter anderem das "Ärzteblatt", die Ema befürworte die vorläufige Anwendung des Antikörpermittels REGN-COV2.

Die Corona-Therapie von Roche hat zudem in klinischen Tests Wirkung gezeigt. REGN-COV-2, verringerte nach Angaben des Schweizer Pharmakonzerns in einer Phase-II/III-Studie die Virenlast von im Krankenhaus behandelten Covid-19-Patienten signifikant und erreichte damit das Hauptziel. In mehreren Ländern wie etwa den USA, Großbritannien und Japan ist der Cocktail aus den Arzneien Casirivimab und Imdevimab für den Notfalleinsatz bereits zugelassen.

Das Antikörpermedikament besteht aus einer Kombination der Antikörper Casirivimab und Imdevimab und wurde von Regeneron Pharmaceuticals (USA) und Hoffman-La Roche (Schweiz) gemeinsam entwickelt. Die Antikörper wurden im Labor entwickelt, um Antigene zu erkennen und sich an diese zu binden. So sollen die beiden Antikörper an zwei verschiedenen Stellen an das Spike-Protein des Coronavirus andocken und verhindern, dass das Virus in die Körperzellen gelangt. Dadurch könnte die Viruslast im Blut verringert werden. 

Einer zusätzlichen Phase-III-Studie zufolge hilft der Wirkstoff auch asymptomatischen Probanden mit frischer Infektion: Er reduzierte die Viruslast um 90 Prozent und das Risiko, Symptome zu entwickeln, um etwa die Hälfte. Es wurde bereits 2020 beim damaligen US-Präsidenten Donald Trump eingesetzt, Medienberichten zufolge sollte auch Deutschland bereits im Februar rund 200.000 Dosen eingekauft haben.

Arzneimittelforschung: Wissenschaftler auf der ganzen Welt suchen nach Medikamenten gegen das Coronavirus.  (Quelle: imago images/AAP)Arzneimittelforschung: Wissenschaftler auf der ganzen Welt suchen nach Medikamenten gegen das Coronavirus. (Quelle: AAP/imago images)

Beispiele für Medikamente, die gegen Covid-19 getestet werden

Ein Überblick (Stand: 28. Oktober 2021) über einige der erfolgversprechendsten Medikamentenprojekte. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. 

Antivirale Medikamente

Molnupiravir

Der Wirkstoff Molnupiravir vom Hersteller Merck wurde Anfang November in Großbritannien für die Behandlung von Corona-Patienten zugelassen. Seit Ende Oktober läuft auch bei der Ema ein Zulassungsverfahren. Ursprünglich wurde Molnupiravir für die Grippetherapie erfunden, dafür allerdings nicht zu Ende erprobt. In einer Phase-III-Studie mit Corona-Patienten gab es eine Halbierung der Zahl der Patienten, die ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten. Grundsätzlich arbeitet der Wirkstoff antiviral und blockiert in den Zellen die Vermehrung des Virus. Damit hat es eine ähnliche Wirkungsweise wie beispielsweise Remdesivir. 

Ivermectin

Studien zeigen, dass das antiparasitäre Mittel Ivermectin auch antiviral wirkt. Eigentlich ist es gegen Milben und Fadenwürmer zugelassen. Zwei Auswertungen von jeweils mehreren Studien kamen zu dem Ergebnis, dass das Medikament die Rate von Krankenhauseinweisungen verringern kann und die Lebensgefahr senkt. Eine andere Metaanalyse hingegen sah keinen solchen Effekt. In einer Placebo-kontrollierten Studie mit jüngeren Patienten in Kolumbien brachte die Behandlung ebenfalls keinen Vorteil.

Die Ema rät sogar davon ab, Ivermectin außerhalb klinischer Studien einzusetzen. In Tschechien wird das Mittel trotzdem mit einer Sondergenehmigung eingesetzt. 

Nasensprays 

Um Coronaviren bereits in den oberen Atemwegen abzufangen, arbeiten verschiedene Unternehmen und Wissenschaftler an der Entwicklung von antiviralen Nasensprays. So konnte das Spray der Firma Sanotize in einer Phase-II-Studie in Großbritannien bereits die Viruslast deutlich reduzieren. 

ATR-002

Dieses Medikament wurde von Atriva Therapeutics (Tübingen/Deutschland) ursprünglich gegen die Grippe entwickelt. In Laborversuchen konnte bereits bestätigt werden, dass der Wirkstoff auch die Vermehrung von SARS-CoV-2 hemmt. Zusätzlich hat ATR-002 eine Wirkung auf das Immunsystem und verhindert, dass Botenstoffe freigesetzt werden, die eine Immunreaktion verstärken würden. Der Wirkstoff wird seit Anfang Januar 2021 in einer klinischen Phase-II-Studie an Patienten mit mittelschwerem bis schwerem Covid-19-Verlauf in Deutschland und anderen Ländern getestet. 

Favipiravir (Favilavir) – Handelsname Avigan/Avifavir

Bisher hat Favipiravir von der japanischen Firma Fujifilm Toyama Chemical nur eine Zulassung für die Grippetherapie in Japan und China. In China und Thailand gibt es aber auch Studien zu dem Medikament und seiner Wirkung gegen SARS-CoV-2. Chinesische Behörden sollen das Arzneimittel bereits als wirksam eingestuft haben. Das russische Medikament Avifavir basiert auf dem japanischen Wirkstoff – dort wurde das Arzneimittel zugelassen und mittlerweile auch in mehrere Länder verkauft. Der Wirkstoff wurde bereits in einer klinischen Phase-III-Studie in Japan getestet, die Auswertung ergab im Februar allerdings, dass das Mittel zwar für "frisch hospitalisierte" Covid-Patienten hilfreich sein könnte, jedoch die Sterblichkeit nicht senkt.

Das Medikament gehört zu den Virostatika und soll die Virenvermehrung hemmen. Die "Gelbe Liste – Pharmaindex" warnt allerdings auch vor Nebenwirkungen wie Schock, Lungenentzündung oder Gelbsucht. Schwangere und stillende Frauen dürfen das Mittel nicht einnehmen.  

APN01/Alunacedase alfa

In Deutschland, Österreich, Dänemark und Großbritannien wurde das Medikament von Apeiron Biologics (Wien/Österreich) bereits mit Patienten in Phase II getestet. Dabei wurde festgestellt, dass die Beatmungstage und die Viruslast gesenkt werden konnten. Das Medikament ist ein Ergebnis der SARS-Forschung und wurde schon gegen andere Lungenkrankheiten getestet. APN01 soll ein Molekül auf den Viren blockieren, sodass diese nicht mehr in die Lungenzellen eindringen können. Zudem sollen Lungenschäden durch Entzündungsreaktionen vermieden werden. Jetzt soll das Medikament weiterentwickelt und in einer US-amerikanischen Phase-II-Studie getestet werden. 

Dämpfung des Immunsystems: Immunmodulatoren

Grundsätzlich ist es etwas Gutes, wenn das Immunsystem auf Viren reagiert. In manchen Fällen, wie auch beim Coronavirus, können die Immunreaktionen aber so heftig ausfallen, dass sie dem Körper mehr schaden als nützen. Deshalb gibt es verschiedene Forschungsprojekte, die nach Medikamenten suchen, die diese Immunreaktionen eindämmen. 

Tocilizumab

Die Firma Roche testet den sogenannten Immunmodulator Tocilizumab bereits an Corona-Patienten. Das Medikament ist schon zur Behandlung mehrerer rheumatischer Erkrankungen sowie zur Krebstherapie zugelassen. Während allerdings in einigen Fällen weniger Patienten beatmungspflichtig wurden und auch weniger von ihnen starben, zeigten andere Studien keine solche Wirkung. Eine Studie mit schwer kranken Patienten zeigte eine Verringerung der Lebensgefahr. In den USA hat Tocilizumab im Juni 2021 eine Notfallzulassung für die Anwendung bei Covid-19-Patienten erhalten. Mittlerweile wurde das Medikament auch bei der Ema zur Zulassung eingereicht.

Sanofi: Der französische Pharmakonzern beteiligt sich an der Suche nach Medikamenten gegen das Coronavirus.  (Quelle: imago images/UIG)Sanofi: Der französische Pharmakonzern beteiligt sich an der Suche nach Medikamenten gegen das Coronavirus. (Quelle: UIG/imago images)

M5049

In den USA, auf den Philippinen und in Brasilien testet das deutsche Unternehmen Merck den Immunmodulator M5049 an Covid-19-Patienten. Bislang gibt es zwar noch kein zugelassenes Medikament dieser Arzneimittelklasse, es wurde aber bereits gegen verschiedene Immunkrankheiten getestet. 

Acalabrutinib

Das Unternehmen Astrazeneca hat dieses Medikament ursprünglich für die Krebstherapie entwickelt. Acalabrutinib hat daher eine Zulassung zur Therapie bestimmter Leukämien. Jetzt wird es in einer klinischen Studie auch gegen Covid-19 getestet. Bei der Erkrankung durch SARS-CoV-2 soll Acalabrutinib Immunreaktionen eindämmen.

Medikamente für Lungenkranke 

Solnatide

Der Wirkstoff Solnatide wurde vom Wiener Biotech-Unternehmen Apeptico entwickelt und wirkt gegen akutes Lungenversagen. Er soll die Dichte von Membranen im Lungengewebe wiederherstellen und wird gerade auf seine Eignung für Corona-Patienten getestet. In Österreich können schwer Erkrankte im Rahmen eines Härtefall-Programms bereits mit Solnatide behandelt werden. 

Solnatide ist ein künstliches Peptid, das inhaliert wird und dann die Dichtigkeit der Lungenbläschen schützen kann. 

Aviptadil

Der Wirkstoff Aviptadil ist eine künstliche Version eines Moleküls, das natürlich im Menschen vorkommt. Das Schweizer Unternehmen Relief Therapeutics hat bereits eine Zulassung zur Behandlung von anderen Krankheiten in der EU. Bislang ist das Medikament allerdings noch nicht in Deutschland auf dem Markt. Aviptadil wirkt antientzündlich und soll Lungenzellen vor Virenbefall schützen. In den USA gab es bereits eine Phase-II/III-Studie mit schwer erkrankten Covid-19-Patienten, die sich schneller von den Atemwegssymptomen erholten. Zudem gibt es eine Phase-II-Studie mit einer inhalierbaren Form des Wirkstoffs.   

Herz-Kreislauf-Medikamente

Da sich eine schwere Covid-19-Infektion nicht nur auf die Lunge, sondern zudem auf zahlreiche andere Organe ausbreiten kann, hat das Coronavirus häufig auch Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System. Gegen Komplikationen wie Blutgerinnsel werden verschiedene Herz-Kreislauf-Medikamente getestet. 

Acetylsalicysäure (ASS)

Nachdem einige Vergleiche darauf hindeuteten, dass ASS möglicherweise einen Nutzen gegen Covid-19 haben könnte, wird auch dieses Medikament in einer klinischen Studie getestet. Dabei wird es an stationär behandelten Covid-19-Patienten erprobt. Bisher ist ASS unter anderem zur Vorbeugung von Herzinfarkten oder Schlaganfällen zugelassen. 

Rivaroxaban

Das Medikament von Bayer ist ein Gerinnungshemmer, der unter anderem bereits zur Behandlung des Akuten Koronarsyndroms zugelassen ist. Rivaroxaban wird aktuell darauf getestet, ob es bei Herz-Komplikationen bei einer Corona-Infektion helfen kann. 

Bayer: Der deutsche Pharmakonzern arbeitet unter anderem an der Entwicklung von Gerinnungshemmern gegen das Coronavirus.  (Quelle: imago images/Future Image)Bayer: Der deutsche Pharmakonzern arbeitet unter anderem an der Entwicklung von Gerinnungshemmern gegen das Coronavirus. (Quelle: Future Image/imago images)

Enoxaparin

Ebenfalls ein Gerinnungshemmer ist Enoxaparin. Das Arzneimittel wurde ursprünglich von einem Vorgängerunternehmen von Sanofi entwickelt und wird gegen die Thrombosegefahr bei Covid-19-Patienten bereits erfolgreich eingesetzt. 

Blutdrucksenker: Telmisartan, Valsartan, Losartan

Blutdrucksenker aus der Klasse der Sartane werden gerade an verschiedenen medizinischen Einrichtungen darauf getestet, ob sie bei Lungen- oder Herzkomplikationen durch das Coronavirus helfen können. Zu ihnen zählen Telmisartan, Valsartan, Losartan und Candesartan. Gleichzeitig überprüft eine irische Studie auch, ob Blutdrucksenker gefährlich für Covid-19-Patienten sein könnten. 

Andere Medikamente

Einige Medikamente lassen sich nicht in die vorgenannten Kategorien einordnen, werden aber dennoch bei der Bekämpfung des Coronavirus in Erwägung gezogen. 

Novartis: Das Schweizer Unternehmen ist 1996 entstanden und engagiert sich in der Corona-Forschung.  (Quelle: imago images/Future Image)Novartis: Das Schweizer Unternehmen ist 1996 entstanden und engagiert sich in der Corona-Forschung. (Quelle: Future Image/imago images)

Camostat, Nafamostat und Upamostat

Camostat und Nafamostat haben in Japan eine Zulassung zur Behandlung von Bauchspeicheldrüsenentzündungen. Deutsche Forscher haben in Laborversuchen festgestellt, dass der Wirkstoff ein Enzym hemmt, das wichtig für das Eindringen von SARS-CoV-2 in menschliche Zellen ist. Deshalb wird der Wirkstoff in klinischen Studien mit Covid-19-Patienten getestet. Zudem ist die Entwicklung eines Nasensprays mit diesem Wirkstoff vorgesehen. 

Die Wirksamkeit von Camostat wird zudem bereits in mehreren Phase-III-Studien getestet, nachdem kleinere Studien bereits positive Ergebnisse gezeigt hatten. Upamostat wurde ursprünglich gegen Krebserkrankungen getestet, jetzt gibt es eine Phase-II/III-Studie mit Covid-19-Patienten mit leichten bis mittelschweren Symptomen. 

Brilacidin

Der Wirkstoff wird eigentlich zur Therapie von entzündlichen Darmerkrankungen erprobt. Allerdings vermuten Forscher, dass er auch die äußere Hülle des Coronavirus angreifen könnte – das wurde bereits in Zellkulturen nachgewiesen, wo er die Vermehrung des Virus verhinderte. Derzeit wird das Medikament in einer Phase-II-Studie an hospitalisierten Covid-Patienten getestet. Zusätzlich soll es gegen Bakterien wirken können. Die FDA verlieh Brilacidin den sogenannten Fast Track Status zur Beschleunigung der Entwicklung und Prüfung der Wirkstoffs.

Fluoxetin/Fluvoxamin

Wissenschaftler der Universitäten Würzburg und Münster haben entdeckt, dass das Antidepressivum Fluoxetin die Virenvermehrung in Zellkulturen hemmen kann. Das gilt auch für Fluvoxamin, zu dem Ende Oktober 2021 eine zusätzliche Studie herauskam. Auch dieser Wirkstoff ist gegen Depressionen zugelassen und kann zudem die Produktion von Zytokinen während einer Immunreaktion regulieren. So könnte ein Zykotinsturm, also eine Überreaktion des Immunsystems, bei Corona-Patienten verhindert werden. Es laufen aktuell mehrere Phase-II-Studien mit beiden Wirkstoffen.

Neue Medikamente speziell gegen SARS-CoV-2

Neben den Medikamenten, die bereits zur Bekämpfung anderer Krankheiten getestet werden oder zugelassen sind, entwickeln viele Pharmaunternehmen neue Arzneimittel speziell für Covid-19. Dabei handelt es sich vor allem um Projekte mit Antikörpern und antiviralen Medikamenten.

Direktweitergabe der Antikörper

Besonders einfach ist die Therapie mit Antikörpern genesener Covid-19-Patienten über die Direktweitergabe: Aktuell erkrankte Patienten erhalten eine Blutplasmaspende genesener Patienten mit Antikörpern gegen das Coronavirus. Diese Methode wird in Deutschland in einigen Kliniken bereits praktiziert – Genesene werden daher vielerorts gebeten, Plasma zu spenden. Bisher gab es allerdings noch keine überzeugenden Therapieerfolge.

Medikamente mit Antikörpern 

Zahlreiche Pharmaunternehmen arbeiten an der Produktion von Medikamenten, die aus Coronavirus-Antikörpern bestehen. Einige gewinnen die Antikörper aus dem Plasma genesener Patienten, andere kopieren diese Antikörper oder arbeiten mit den Genen für Antikörper. Eine weitere Möglichkeit sind die Antikörper von SARS- oder MERS-Patienten sowie die künstliche Herstellung von im Labor entwickelten Antikörpern. 

AZD7442 von Astrazeneca

Anfang 2021 machte der Pharmakonzern Astrazeneca nicht nur mit seinem Impfstoff, sondern auch mit einem Corona-Medikament auf sich aufmerksam: Dabei handelt es sich um ein Medikament, das sofort nach dem Verabreichen eine Covid-19-Erkrankung bei Menschen verhindern soll, die dem Coronavirus ausgesetzt waren. Der Wirkstoff mit dem Namen AZD7442 könnte Experten zufolge eine wichtige Ergänzung zu den zugelassenen Impfstoffen bedeuten. Denn AZD7442 nutzt eine Kombination aus zwei langlebigen Antikörpern, die genesenen Covid-19-Patienten entnommen und im Labor hergestellt wurden. Nach positiven Zwischenergebnissen gibt es jetzt eine Phase-III-Studie mit leicht erkrankten Covid-Patienten. Zusätzlich wurde in einer Phase-III-Studie geprüft, ob sich das Medikament zur Vorbeugung eignet. In Labortests konnte der Wirkstoff auch Viren der Delta-Variante neutralisieren.

Neues Antikörper-Medikament COR-101

Mit einem neuen Antikörper-Medikament sollen Patienten behandelt werden können, die bereits Sauerstoff benötigen. Bisher konnten Antikörper-Medikamente nur bei leichten Verläufen eingesetzt werden. 

Seit April wird der Antikörper COR-101 in einer Phase Ib/II-Studie mit Freiwilligen erprobt. COR-101 wurde so gestaltet, dass der Antikörper auch dann verabreicht werden kann, wenn eine weitere Steigerung des Entzündungsgeschehens vermieden werden muss.

Ende Mai verkündete das Konsortium erste Erfolge. Dem SWR zufolge dauere eine Behandlung drei Stunden und eine Infusion reiche aus. Im Labor konnten sich die Antikörper an SARS-CoV-2 binden und das Virus blockieren. Das gilt demnach auch für die Delta-Variante. Jetzt starten die klinischen Studien mit zunächst 45 Corona-Patienten. Zeigen sich Erfolge, soll sofort eine Notfallzulassung beantragt werden. 

Sotrovimab 

Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat ein monoklonales Antikörper-Medikament zur Behandlung von frühen Covid-19-Infektionen zugelassen. Das Medikament mit dem Namen Sotrovimab der Hersteller Vir Biotechnology Inc und Glaxosmithkline plc ist das dritte Antikörper-Medikament, das für die Behandlung im Frühstadium der Krankheit für Patienten zugelassen wurde, die ein hohes Risiko für einen schweren Verlauf haben. Im März wurde eine Studie zu dem Medikament sogar vorzeitig beendet, weil es sich als hochwirksam erwies. Demnach sollen Krankenhausaufenthalte und Todesfälle im Vergleich zu einem Placebo um 85 Prozent reduziert worden sein. Die Ema gab bisher eine Einschätzung ab und es gibt ein Rolling-Submission-Verfahren. 

Gene Silencing

Mehrere Pharmaunternehmen wie auch das deutsche Biotech-Unternehmen Secarna arbeiten an Mitteln, die verhindern sollen, dass bestimmte Gene zur Vermehrung des Coronavirus genutzt werden können. 

Verwendete Quellen:
  • Verband Forschender Arzneimittelhersteller (VfA)
  • Robert Koch-Institut
  • European Medicines Agency (Ema)
  • Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte
  • Gelbe Liste - Pharmaindex 
  • The Lancet: "Effect of early treatment with fluvoxamine on risk of emergency care and hospitalisation among patients with COVID-19: the TOGETHER randomised, platform clinical trial", 27. Oktober 2021. 
  • Deutsche Welle: "Made in Moskau: Das Corona-Mittel Avifavir", 4. August 2020
  • SWR: "Neues Antikörper-Medikament gegen Corona", 26. Mai 2021. 
  • NTV: "Vielversprechendes Corona-Medikament in USA zugelassen", 27. Mai 2021. 
  • Studie: "Favorable outcome on viral load and culture viability using Ivermectin in early treatment of non-hospitalized patients with mild COVID-19 – A double-blind, randomized placebo-controlled trial", August 2021. 
  • Eigene Recherche
  • weitere Quellen
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