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Umstrittenes Buch: "Das ist eine absurde Behauptung"

  • Sandra Simonsen
  • Melanie Rannow
Von Sandra Simonsen, Melanie Rannow

Aktualisiert am 04.10.2020Lesedauer: 7 Min.
"Corona Fehlalarm?": So lautet der Buchtitel der Autoren Karina Reiß und Sucharit Bhakdi.
"Corona Fehlalarm?": So lautet der Buchtitel der Autoren Karina Reiß und Sucharit Bhakdi. (Quelle: Ralph Peters/imago-images-bilder)
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Mit dem Buch "Corona Fehlalarm?" haben die Wissenschaftler Sucharit Bhakdi und Karina Reiß viel Aufmerksamkeit erregt. Corona-Experten widersprechen einigen Thesen vehement.

Das Wichtigste im Überblick


  • Was sagen Corona-Experten zu den wichtigsten Thesen?
  • 1. Symptomfreie Menschen sind nicht ansteckend
  • 2. Die Corona-Maßnahmen waren sinnlos
  • 3. Eine Maskenpflicht ergibt keinen Sinn
  • 4. Ein Covid-19-Impfstoff wĂŒrde mehr schaden als nĂŒtzen

ÜberschĂ€tzen wir die Corona-Gefahr? Waren die Maßnahmen in Deutschland richtig? Wie hoch ist die Sterblichkeitsrate tatsĂ€chlich? Diese und andere Fragen tauchen im öffentlichen Diskurs zur Corona-Pandemie immer wieder auf. Auch die beiden Professoren Sucharit Bhakdi und Karina Reiß haben sich in ihrem Buch "Corona Fehlalarm?" mit viel diskutierten Fragen zur Corona-Pandemie auseinandergesetzt.


Diese Organe kann das Coronavirus schÀdigen

Covid-19 galt zunÀchst nur als Erkrankung der Atemwege und Lunge. Doch Untersuchungen konnten zeigen, dass sich das Coronavirus auch in anderen Organen ausbreiten kann.
Der SARS-CoV-2-Erreger befĂ€llt vor allem die unteren Atemwege. Betroffene mit einem mittleren oder schweren Verlauf entwickeln meist einen trockenen Husten, Atemnot und/oder sogar eine LungenentzĂŒndung. Besonders vorgeschĂ€digte Lungen – zum Beispiel durch Rauchen – scheinen anfĂ€llig fĂŒr einen schweren Krankheitsverlauf zu sein.
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Die im Juni 2020 erschienene Abhandlung landete schon kurz nach der Veröffentlichung auf Platz eins der Bestsellerlisten. Doch die Thesen der Wissenschaftler sind heiß umstritten – t-online hat deshalb mit fĂŒhrenden Corona-Experten ĂŒber die wichtigsten Aussagen des Buchs gesprochen.

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"Corona Fehlalarm?": Das sind die Autoren

Beide Autoren sind renommierte Wissenschaftler. Prof. Dr. Sucharit Bhakdi ist Mikrobiologe, Infektionsepidemiologe und mittlerweile emeritierter UniversitĂ€tsprofessor. Er leitete mehr als 20 Jahre lang das Institut fĂŒr Medizinische Mikrobiologie und Hygiene der Johannes Gutenberg-UniversitĂ€t Mainz.

Prof. Dr. Sucharit Bhakdi und Prof. Dr. Karina Reiß: Das Ehepaar hat den Verein „Mediziner und Wissenschaftler fĂŒr Gesundheit, Freiheit und Demokratie e.V.“ gegrĂŒndet und gemeinsam das Buch "Corona Fehlalarm?" verfasst.
Prof. Dr. Sucharit Bhakdi und Prof. Dr. Karina Reiß: Das Ehepaar hat den Verein „Mediziner und Wissenschaftler fĂŒr Gesundheit, Freiheit und Demokratie e.V.“ gegrĂŒndet und gemeinsam das Buch "Corona Fehlalarm?" verfasst. (Quelle: Goldegg Verlag)

Seine Ehefrau Prof. Dr. Karina Reiß forscht und lehrt aktuell an der Christian-Albrechts-UniversitĂ€t in Kiel auf dem Gebiet der Biochemie, Zellbiologie und Infektiologie. Die UniversitĂ€t hat sich mittlerweile von den Behauptungen des Ehepaars distanziert.

Distanzierung der UniversitÀt

Die UniversitĂ€t Kiel hat im August eine Stellungnahme zu dem Buch abgegeben. Die "ĂŒberwĂ€ltigende Mehrheit" der Hochschullehrer der UniversitĂ€t widersprĂ€chen den "unbelegten und im Gegensatz zu seriösen internationalen wissenschaftlichen Erkenntnissen stehenden Behauptungen" von Reiß und Bhakdi zur Corona-Pandemie. Das Buch sei wissenschaftlich nicht haltbar.

Worum geht es in dem Buch?

Auf knapp 160 Seiten erlĂ€utern Bhakdi und Reiß, warum sie viele Maßnahmen zum Schutz vor der Corona-Pandemie fĂŒr nicht sinnvoll erachten. Sie gehen sowohl auf die generelle Corona-Situation ein als auch auf die Sinnhaftigkeit von Masken und Lockdown, hinterfragen, ob das Gesundheitssystem tatsĂ€chlich durch die Pandemie gefĂ€hrdet war und welche Konsequenzen die Corona-Maßnahmen fĂŒr alte Menschen, Kinder und chronisch Kranke hatten. Zudem thematisieren sie die Situation in anderen LĂ€ndern und stellen die Impfstoffforschung und die Berichterstattung zur Corona-Krise in Frage.

Das Buch ist Ende Juni 2020 erschienen und folgt somit einem mittlerweile veralteten wissenschaftlichen Stand vom Mai. TĂ€glich entwickelt sich die Wissenschaft weiter, besonders schnell in der Corona-Pandemie.

Was sagen Corona-Experten zu den wichtigsten Thesen?

t-online hat verschiedene Corona-Experten zu den wichtigsten Thesen des umstrittenen Bestsellers befragt. Hier setzen sich der Epidemiologe Prof. Dr. Markus Scholz, der Hygieniker Dr. Peter Walger sowie der Immunologe Prof. Dr. Andreas Radbruch mit Aussagen zu den Corona-Maßnahmen, der Impfstoffforschung sowie der Maskenpflicht auseinander.

1. Symptomfreie Menschen sind nicht ansteckend

"Es gibt keinen wissenschaftlichen Beleg dafĂŒr, dass symptomfreie Menschen ohne Husten und Fieber die Erkrankung verbreiten." (Seite 64/65)

Dieser Aussage widerspricht Dr. Peter Walger: "Es gibt Beispiele fĂŒr eine prĂ€-symptomatische Übertragung." Die Übertragung habe dann bei fehlenden Symptomen stattgefunden, die Symptome traten erst etwa ein bis drei Tage nach der Übertragung auf. Mehr noch: "Mathematische Modellierungen ergaben, dass die Rate derartiger Übertragungen in Singapur und China fĂŒr 48 bzw. 62 Prozent der Infektionen verantwortlich sein sollen."

GrundsĂ€tzlich bestehe die Möglichkeit einer Übertragung durch asymptomatische Personen, weil bei ihnen das Virus ebenso wie bei Infizierten mit Symptomen nachgewiesen werden könne. Das unterstĂŒtze eine starke Vermutung ĂŒber die Rolle asymptomatischer Personen als potentielle ÜbertrĂ€ger, so Walger.

Corona-Pandemie: Auch von asymptomatischen Corona-Infizierten kann eine Gefahr ausgehen.
Corona-Pandemie: Auch von asymptomatischen Corona-Infizierten kann eine Gefahr ausgehen. (Quelle: Sven Simon/getty-images-bilder)

2. Die Corona-Maßnahmen waren sinnlos

"Es ist klar, dass die Epidemie Anfang/Mitte MĂ€rz ihren Höhepunkt hatte und am 23. MĂ€rz, als der Lockdown kam, der Peak schon ĂŒberschritten war. Der R-Wert war bereits seit dem 21. MĂ€rz unter 1." (Seite 61)

Prof. Dr. Markus Scholz meint zu dieser Behauptung: "Es ist richtig, dass der Höchstwert von R Mitte MÀrz erreicht wurde. Das Maximum an Infektionen wurde aber erst Anfang April erreicht. Ab Mitte MÀrz sank der R-Wert kontinuierlich. Ein Wert unter 1 wurde nach unserer SchÀtzung etwa Anfang April erreicht, nicht bereits am 21. MÀrz. Der Wert sank danach weiter auf Werte deutlich unter 1 bis etwa Ende April."

(Quelle: UniversitÀt Leipzig)



Prof. Dr. Markus Scholz leitet am Institut fĂŒr Medizinische Informatik, Statistik und Epidemiologie (IMISE) der UniversitĂ€t Leipzig eine Arbeitsgruppe zur Genetischen Statistik und Systembiologie. Seine Arbeitsgruppe untersucht aktuell auch die Corona-Pandemie.

Der Epidemiologe betont auch, dass der Lockdown nicht an "einem bestimmten Tag erfolgte". Vielmehr seien die Maßnahmen schrittweise hochgefahren und zurĂŒckgenommen worden. "Bereits im Januar/Februar gab es Maßnahmen wie Warnungen an die Bevölkerung, Kontaktverfolgung und QuarantĂ€nisierung von Reisenden und Infizierten. Ab dem 11. MĂ€rz wurden Großveranstaltungen abgesagt, in den Tagen danach wurden in den BundeslĂ€ndern zeitlich versetzt die Schulen geschlossen.

"Wir sehen, dass der Lockdown nichts gebracht hat, da die Zahl ab dem 23. MĂ€rz schwankt, aber in der Zeit danach (Inkubationszeit) nicht signifikant sinkt." (Seite 61)

Dem widerspricht Scholz vehement: "Nach unserer SchĂ€tzung sank der R-Wert kontinuierlich auf Werte deutlich unter 1 bis etwa Ende April. Dies lĂ€sst sich plausibel auf die eingeleiteten Maßnahmen zurĂŒckfĂŒhren. Besonders die Absage von Großveranstaltungen und die Schulschließungen hatten nach unserer EinschĂ€tzung einen deutlichen Effekt." Es gebe inzwischen mehr als ausreichende Hinweise, dass die Maßnahmen wirken. "Hierzu sollte man nicht nur auf die Situation in Deutschland schauen."

Scholz verweist beispielsweise auf zweite Infektionswellen in LĂ€ndern wie Israel, nachdem es zu frĂŒhe Lockerungen gab sowie auf LĂ€nder wie SĂŒdkorea, wo erneute Maßnahmen die Epidemie wieder zurĂŒckdrĂ€ngen konnten. Die Effizienz von Kontaktreduktionen zur BekĂ€mpfung einer Epidemie sei zudem nicht neu und wurde auch im Zuge der BekĂ€mpfung der Spanischen Grippe genutzt. "SARS-CoV-2 verhĂ€lt sich diesbezĂŒglich nicht ungewöhnlich."

"Wir sehen, dass auch die Maßnahmen zuvor nichts gebracht haben (Absage von Großveranstaltungen ab 9. MĂ€rz, Bund-LĂ€nder-Vereinbarungen vom 16. MĂ€rz), denn auch hier muss man die Inkubationszeit von 5 bis 14 Tagen bedenken. Sollte ĂŒberhaupt irgendetwas den Kurvenverlauf beeinflusst haben, dann mĂŒssten es Maßnahmen Ende Februar gewesen sein." (Seite 61)

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Auch diese Aussage kann Prof. Scholz widerlegen: "SchĂ€tzungen von R berĂŒcksichtigen typischerweise bereits die Inkubationszeit. Der zeitliche Verlauf der R-Kurve mit einem kontinuierlichen Abfall ĂŒber Wochen spricht fĂŒr die Wirksamkeit der Maßnahmen."

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3. Eine Maskenpflicht ergibt keinen Sinn

"Einfache Masken halten die Viren nicht zurĂŒck, gerade wenn man hustet. Sie schĂŒtzen bekanntermaßen auch nicht vor Ansteckung." (Seite 64/65)

Der Infektiologe und Hygieniker Dr. Peter Walger ist hier skeptisch und beruft sich auf eine Auswertung im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation, die die wissenschaftliche Literatur zu Effekten von Masken und Abstandsregelungen betrachtet. "Die Ergebnisse aus ĂŒber 200 Studien belegen eindeutig, dass medizinische Masken eine Schutzfunktion von ĂŒber 80 Prozent haben, wobei die Masken vom Typ 'Mund-Nasen-Schutz' etwas schlechter abschnitten als die Atemschutzmasken vom Typ FFP2/3."

"Wenn beide Personen im direkten GegenĂŒber eine Maske tragen, erhöht sich die Schutzrate auf mehr als 80 Prozent. Wenn zusĂ€tzlich Abstand von mindestens einem Meter eingehalten wird, können Infektionen weitgehend verhindert werden", zitiert Walger eine Studie. Da Studien ĂŒber die EffektivitĂ€t der sogenannten Alltagsmasken fehlen, können aktuell nur Empfehlungen auf der Basis der Erfahrungen im Alltag gegeben werden.

(Quelle: Peter Walger/privat)


Dr. Peter Walger ist Intensivmediziner und Infektiologe in Bonn und Vorstandssprecher der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Krankenhaushygiene (DGKH)

Walger ist sich sicher: "Wenn die Alltagsmasken aus mehrlagigen Baumwollstoffen gearbeitet sind, regelmĂ€ĂŸig bei mehr als 60 Grad gewaschen werden, bei Durchfeuchtung gewechselt werden und auf sorgfĂ€ltige HĂ€ndehygiene geachtet wird, können Fremd- und Eigenschutz in einem hohen Maße erwartet werden."

"GrĂ¶ĂŸe des Coronavirus: 160 Nanometer "(0,16 Mikrometer), GrĂ¶ĂŸte 'Poren' in einfachen Baumwollmasken 0,3 Mikrometer. Sie fliegen durch herkömmliche Masken oder Mund-Nase-Bedeckung aus Stoff durch wie durch ein offenes Fenster." (Seite 65)

Auch diese Aussage sieht Dr. Walger skeptisch: "Wenn ein infizierter Mensch hustet, niest oder intensiv spricht, singt oder heftig atmet, verbreitet er eine Wolke aus Tröpfchen unterschiedlicher GrĂ¶ĂŸe, deren kleinste Teile Aerosole genannt werden." WĂ€hrend die Tröpfchen der Schwerkraft folgend nach kurzer Distanz zu Boden fallen, schweben Aerosole in der Luft und können weitere Distanzen von acht bis zwölf Metern ĂŒberwinden.

"Masken mĂŒssen also primĂ€r vor Tröpfchen-Durchtritt und in speziellen FĂ€llen vor Aerosolen schĂŒtzen", folgert Walger. Nach aktuellem Wissenstand werde SARS-CoV-2 vor allem ĂŒber die Tröpfcheninfektion ĂŒbertragen."Masken mĂŒssen also primĂ€r vor Tröpfchen-Durchtritt und in speziellen FĂ€llen vor Aerosolen schĂŒtzen", folgert Walger. Nach aktuellem Wissenstand werde SARS-CoV-2 vor allem ĂŒber die Tröpfcheninfektion ĂŒbertragen.

Es habe nur etwa drei bis zehn Prozent sekundĂ€re Infektionen im Haushalt gegeben. Diese Rate sei so niedrig, dass sie nicht zu einer AerosolĂŒbertragung passen wĂŒrde. "Welchen Anteil die weiteren Übertragungswege von SARS-CoV-2 haben, die aerogene Übertragung durch Aerosole und die indirekte Übertragung durch kontaminierte HĂ€nde, ist nicht bekannt", so Walger.

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Impfstoffforschung: Weltweit wird nach einer wirksamen Vakzine gegen Covid-19 gesucht. (Quelle: gevende/getty-images-bilder)

4. Ein Covid-19-Impfstoff wĂŒrde mehr schaden als nĂŒtzen

"Unsere ImmunitĂ€t gegen die Coronaviren beruht auf zwei SĂ€ulen: 1) Antikörper, 2) spezialisierte Zellen unseres Immunsystems, die sogenannten Helfer-Lymphozyten und Killer-Lymphozyten. (
) alle Impfungen gegen Viren beruhen darauf, unseren Körper zur Bildung von Antikörpern anzuregen, die das Andocken der Viren verhindern. [...] Die zweite SĂ€ule der ImmunitĂ€t gegen Coronaviren ist allgemein so gut wie unbekannt. Ganz wichtig dabei: Sie ist weit verbreitet und wirksam in der Bevölkerung und kommt durch die stĂ€ndige Auseinandersetzung unseres Immunsystems mit alltĂ€glichen Coronaviren zustande. [...] Impfstoffe, die diesen zweiten Arm des Immunsystems anregen, gibt es nicht und können auch nicht entwickelt werden." (Seite 115)

Der Immunologe Professor Dr. Andreas Radbruch hĂ€lt diese Aussagen nur zum Teil fĂŒr wahr. Richtig sei, dass immunologische Kreuzreaktionen – also eine gewisse VorimmunitĂ€t – nicht uns alle schĂŒtzt, wenn ĂŒberhaupt. "Nicht richtig ist nach den vorliegenden Daten aber, dass wir alle sowieso und gleichermaßen eine 'kreuzreagierende' VorimmunitĂ€t haben, bevor wir uns das erste Mal mit dem Coronavirus infizieren".

Laut einer Studie wurden kreuzreaktive GedĂ€chtniszellen bei 35 Prozent der nicht-infizierten Probanden festgestellt. "Und welchen Einfluss das auf die Immunreaktion dieser Menschen gegen SARS-CoV-2 hĂ€tte, ob der Krankheitsverlauf milder wĂ€re, bleibt unklar, es gibt sogar erste Hinweise darauf, dass solche Zellen bei Älteren den Krankheitsverlauf sogar verschlimmern", betont Radbruch.

Ebenso unklar sei, ob es sich tatsĂ€chlich um eine Kreuzreaktion mit anderen Coronaviren handle oder mit ganz anderen, bisher unbekannten Antigenen. Radbruch sagt: "Es ist falsch zu behaupten, dass dieses immunologische GedĂ€chtnis nachgewiesenerweise durch die Auseinandersetzung mit Coronaviren zustande kommt. Es ist auch falsch zu behaupten, dass nachgewiesen sei, dass die meisten Menschen bereits vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 immun dagegen wĂ€ren". Nicht zuletzt der schwere Krankheitsverlauf bei einigen der Infizierten zeige ja, dass diese Patienten keine schĂŒtzende VorabimmunitĂ€t hatten.

(Quelle: Gero Breloer)


Prof. Dr. Andreas Radbruch ist Wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Rheuma-Forschungszentrums und PrÀsident der European Federation of Immunological Societies.

"Schon jetzt lĂ€sst sich vorhersagen, dass der Schaden einer Corona-Impfung grĂ¶ĂŸer sein wĂŒrde als jeder denkbare potenzielle Nutzen." (Seite 119)

Professor Radbruch hĂ€lt dies fĂŒr eine "absurde Behauptung". Der grĂ¶ĂŸte denkbare Nutzen einer Corona-Impfung wĂ€re die Eliminierung von SARS-CoV-2 als Infektionserreger fĂŒr den Menschen. Zur Zeit sei noch unklar, wie viele Menschen an Covid-19 sterben, doch in jedem Fall sei die Todesrate drastisch höher als fĂŒr jede zugelassene Impfung akzeptabel wĂ€re oder bekannt ist.

So sei die Todesrate bei Masern geringer als bei Covid-19 (WHO: 0.01-0.1 Prozent), ebenso wie bei Mumps und Röteln. Die Masern-Mumps-Röteln-Impfung verursache aber keine nachweisbaren TodesfĂ€lle, sie weise daher eine Ă€ußerst positive Nutzen-Schaden-Bilanz auf. Außerdem wĂŒrden Impfungen nur zugelassen und empfohlen, wenn die Nebenwirkungen deutlich geringer ausfallen als die Wirkungen einer Infektion vor der sie schĂŒtzen sollen.

"Ich erwarte, dass auch die Covid-19-Impfung eine vernachlĂ€ssigbare Rate an nicht-tödlichen Nebenwirkungen und keine TodesfĂ€lle verursachen wird", sagt Professor Radbruch. In jedem Fall werde sie vor einer signifikanten MortalitĂ€t der Pandemie schĂŒtzen. DarĂŒber hinaus könnte der Corona-Impfstoff die KollateralschĂ€den der Pandemie in Wirtschaft und Gesellschaft beenden – und das dauerhaft.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dĂŒrfen nicht verwendet werden, um eigenstĂ€ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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