• Home
  • Gesundheit
  • Krankheiten & Symptome
  • Corona
  • Coronavirus-Krise in Europa: Was Deutsche von Italienern lernen können


Meinung
Was ist eine Meinung?

Die subjektive Sicht des Autors auf das Thema. Niemand muss diese Meinung ĂĽbernehmen, aber sie kann zum Nachdenken anregen.

Was manche Deutsche von den Italienern lernen können

  • Manfred Schäfer
Von Manfred Schäfer

Aktualisiert am 27.09.2020Lesedauer: 5 Min.
Corona-Maßnahmen in Italien: Nicht nur an Flughäfen, wie hier in Mailand Linate, werden die Regeln streng kontrolliert.
Corona-Maßnahmen in Italien: Nicht nur an Flughäfen, wie hier in Mailand Linate, werden die Regeln streng kontrolliert. (Quelle: Carlo Cozzoli/picture alliance)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Symbolbild für einen TextKoalition baut Ökoenergien massiv ausSymbolbild für einen TextItalien ruft Dürre-Notstand ausSymbolbild für einen TextVor EM-Start: DFB bangt um Top-SpielerinSymbolbild für einen TextFDP schlägt zweite Sprache in Behörden vorSymbolbild für einen TextBarcelona mit Transfer-DoppelschlagSymbolbild für ein VideoUrlaubsflieger von Kampfjets abgefangenSymbolbild für einen TextAnja Reschke bekommt ARD-ShowSymbolbild für einen Text25 Grad warmer Fluss: Fische in GefahrSymbolbild für einen TextFürstin Charlène zeigt sich im KrankenhausSymbolbild für einen TextTV-Star Anna Heiser wollte sich trennenSymbolbild für einen TextFrau gefilmt und begrabscht: Opfer gesuchtSymbolbild für einen Watson TeaserÜberraschende Gäste auf Lindner-HochzeitSymbolbild für einen TextSo beugen Sie Geheimratsecken vor

Italiener sind eher bekannt für die Lust am Leben, als für Regeln, Vorschriften und Disziplin. Im Corona-Sommer 2020 erlebe ich dort aber eine ganz neue Seite. Von der sich mancher Deutsche eine Scheibe abschneiden könnte.

Ich komme gerade aus Italien. Nach langem Überlegen und Abwägen habe ich dort Urlaub gemacht – am Gardasee, mitten im einstigen Corona-Epizentrum Europas. Bei meinen geliebten Italienern, die nicht gerade bekannt dafür sind, dass sie sich gerne an Regeln halten.


Coronavirus: An diesen Orten lauert das größte Risiko

In der Bahn, im Restaurant und auch zu Hause – wo sich Menschen auf engem Raum befinden, kann sich das Coronavirus leicht ausbreiten. Unsere Fotoshow zeigt, welche Situationen besonders riskant sind.
Bahn: Öffentliche Verkehrsmittel wie Busse oder Bahnen sind ebenfalls mögliche Infektionsquellen. Hier treffen viele Menschen auf engem Raum aufeinander. Schutzmaßnahmen wie Abstand halten und das Tragen einer Gesichtsmaske können das Ansteckungsrisiko minimieren – sofern sich alle daran halten.
+7

Maskenschutz und Abstandsregeln in Italien: Wie läuft das in dem Land des Dolce Vita und der fröhlichen Disziplinlosigkeit, wo die rote Ampel längst nicht bedeutet, dass du mit deinem Alfa auch stehen bleibst? Wie wird es dort mitten in der Corona-Krise sein?

Die neue Disziplin der Italiener

Es war die größte Überraschung, die ich auf all meinen Italienreisen erlebt habe: Die Menschen in der gesamten Region um den Gardasee halten sich in einer nie vorher gesehenen Disziplin an alle Regeln. An der Fähre in Torri del Benaco wird am Pier bei jedem Passagier Fieber gemessen. Die Leute warten ruhig und geduldig mit Mundschutz in der Schlange. Vor den Geschäften in Bardolino oder Toscolano stehen automatische Spender für Desinfektionsmittel zum Einsatz vor jedem Zutritt bereit.

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
Neue Corona-Variante beunruhigt Fachleute
Labormitarbeiterin mit einer Corona-Probe: "Noch bevor wir mit der BA.5-Welle durch sind, müssen wir uns vielleicht schon auf die nächste vorbereiten".


Gargnano am Gardasee: Der attraktive Mix aus alpiner und mediterraner Landschaft macht die Region noch immer zu einem Sehnsuchtsort fĂĽr viele deutsche Urlauber.
Gargnano am Gardasee: Der attraktive Mix aus alpiner und mediterraner Landschaft macht die Region noch immer zu einem Sehnsuchtsort fĂĽr viele deutsche Urlauber. (Quelle: Jonas Kruse/AFP-bilder)

Und bevor ich in der Eisdiele in Garda meine Granita bekomme, muss ich das Schleckermaul vor mir rauskommen lassen und den Mund-Nasen-Schutz korrekt aufgesetzt haben. Ich mache das natĂĽrlich sowieso vor dem Eintreten. Im Gegensatz zu einer deutschen Touristin im Supermarkt. Sie will den Security-Mitarbeiter im deutsch-italienischen Sprachmix wild gestikulierend davon ĂĽberzeugen, dass sie per Attest vom Arzt von der Maskenpflicht befreit sei. Der Mann schaut sie unbeeindruckt an und schmeiĂźt sie raus.

Ohne Maske kein Shopping. So einfach ist das in Italien gerade. Bravo! Ich bin begeistert und denke, warum geht das in Deutschland nicht. Warum haben wir dort Regeln, die doch niemand verfolgt?

ZurĂĽck in Berlin: Der Schock

Als ich nach zwei Wochen Ferien bei den diszipliniertesten Italienern, die ich je erlebt habe, zurĂĽck nach Berlin komme, kriege ich einen Schock.

Auf dem S-Bahn-Steig warten ungefähr 50 Personen auf ihren Zug. Zwei Drittel haben den Mundschutz unter dem Kinn baumeln oder überhaupt nicht im Gesicht. Im Zug sieht es zwar etwas besser aus, nur noch ein Drittel fährt mit der Maske unter der Nase. Obwohl es eine Pflicht und Bußgeld bei Missachtung gibt. Aber das interessiert wenig, da es niemanden gibt, der kontrolliert. Vom nicht einhaltbaren Mindestabstand will ich gar nicht reden, das Abteil ist brechend voll.

Personal am Flughafen Berlin ignoriert Maskenpflicht

Den Höhepunkt der deutschen Ignoranz und Arroganz erlebte ich bereits zwei Wochen zuvor beim Abflug in Berlin-Tegel: Während Passagiere alle 15 Minuten über Durchsagen ermahnt werden, die Maskenpflicht einzuhalten, treffe ich beim Security-Check auf Mitarbeiterinnen, die ihren Mund-Nasen-Schutz als lästiges Accessoire unter dem Kinn schlabbern lassen.

Ich bin stinksauer und frage die Kollegin, die mich abfertigt, ob es hier keine Maskenpflicht mehr gäbe. Im in Berlin häufig anzutreffenden ignorant-überheblichen Ton antwortet sie: "Jaja…alles wird gut, wir kriegen das schon hin." Sie ist übrigens nicht die einzige Kollegin, die sich nicht an die Corona-Regeln hält und glaubt, sich über sie hinwegsetzen zu können.

Wieso wird eine Frau, die täglich mit Tausenden von Reisenden aus aller Welt Kontakt hat und nicht fähig ist, einen Mundschutz zu tragen, nicht aus dem Verkehr gezogen? In Italien wäre ihr Einsatz am Flughafen so undenkbar.

Deutschland hat einfach Schwein gehabt

Was muss bei solchen Ignoranten eigentlich noch passieren, um ihnen klar zu machen, wie asozial sie sich benehmen. Deutschland hatte bislang viel Glück in der Corona-Pandemie. Hauptsächlich, weil wir Anfang des Jahres ein paar Wochen früher mit Maßnahmen auf das Virus reagiert hatten als unsere Nachbarn.

Wir müssen nicht so tun, als hätte Deutschland irgendwas besonders toll gemacht oder als wären wir den anderen überlegen. Wir haben Schwein gehabt, dass bislang mit 9.423 Menschen vergleichsweise wenige an den Folgen des Coronavirus gestorben sind. Italien hatte dieses Glück nicht. Hier kam das Virus früher an. Die Familien dort haben bis heute 35.758 Corona-Tote zu beklagen.

In manchen Regionen Corona-Tote in fast jedem Ort

In Norditalien hat das Coronavirus in den drei Regionen rund um den Gardasee gewĂĽtet wie fast nirgendwo in Europa: Im Norden in Trentino-SĂĽdtirol, in der westlichen Lombardei und im Osten in Venetien.

Äußerlich sind die Spuren – bis auf weniger Touristen – für mich als Besucher im September kaum zu sehen. Die Spuren, die Corona an diesem wunderschönen Fleckchen Erde hinterlassen hat, liegen viel tiefer. Der Vermieter unseres Ferienhauses erzählt uns, dass fast jede Familie vom Virus betroffen war. In nahezu jedem Ort gab es Corona-Tote, er selbst hat den Vater verloren. Er würde nicht im Traum daran denken, ohne Mundschutz einkaufen zu gehen.

Fiebermessung im Supermarkt: In Italien werden Besucher von Supermärkten 2020 vielerorts von Sicherheitsmitarbeitern mit Scannern begrüßt.
Fiebermessung im Supermarkt: In Italien werden Besucher von Supermärkten 2020 vielerorts von Sicherheitsmitarbeitern mit Scannern begrüßt. (Quelle: Marco Passaro/picture alliance)

Italien hat seine Lektion gelernt

Regel-Verweigerer wie die Mitarbeiterin am Tegeler Security-Check oder in der Berliner S-Bahn-kämen in Italien nicht einen Meter weit. Dort mussten die Menschen im Frühjahr wochenlang auf alles verzichten, was zu jenem Lebensstil gehörte, wegen dem auch viele Deutsche Jahr für Jahr nach Italien pilgern: Kein Aperitivo mit den Freunden, keine großen Familienessen, kein Sonnenbad am Lido, keine Modenschauen.

Stattdessen: Abgeriegelte Regionen, Ausgangssperren und ein stillstehendes öffentliches Leben. Ganz Italien war quasi unter Quarantäne. Solche Bilder aus dem Land, wo die Zitronen blühen, hatten wir so noch nie gesehen: Leergefegte Straßen in Rom und Mailand, unendliche Reihe von Särgen in Bergamo und die Hilferufe der Ärzte aus den Krankenhäusern der Region werde ich so schnell jedenfalls nicht vergessen.

Bravo Italia! Lernen vom traumatisierten Land

Der Respekt der Italiener vor dem Coronavirus ist auch wegen dieser Erfahrung enorm. Genauso wie ihre Disziplin. Der Feind ist nicht die Regierung, die Medien oder ein amerikanischer Milliardär. Der Feind ist das Coronavirus und gegen das kämpft man in der Not unisono und im Kollektiv. "Responsabilità" war im letzten halben Jahr ein oft gehörtes Wort in Italien. Verantwortung, die haben die Italiener auf vorbildliche Weise übernommen.

Loading...
Loading...
Loading...

Die Corona-Ignoranten hierzulande, die glauben, das Coronavirus ginge sie nichts an oder existiere gar nicht, können viel lernen von den so oft belächelten Italienern. Von ihrem Willen, das Virus zu besiegen. Und von der Solidarität, gemeinsam die Regeln einzuhalten, um sich selbst und die Mitmenschen zu schützen.

Europa vor dem Herbst: Die Pandemie ist noch da

In Europa ist die Corona-Lage kritisch. Die Fallzahlen steigen fast überall weiter an. Dramatisch ist es in Frankreich und Spanien. Dort ist die Situation bereits schlimmer als im März zur ersten Welle. Inzwischen gibt es europaweit starke Restriktionen. Sperrstunden für die Gastronomie in Frankreich, Militäreinsatz in Großbritannien und Absage der Après-Ski-Partys in Österreich. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie werden auf dem Kontinent deutlich verschärft. In Italien bleiben die Zahlen dagegen auf niedrigem Niveau.

Ähnlich ist es in Deutschland – noch. Die Übertragungswege des Virus liegen bei uns derzeit im privaten Bereich – bei Feiern, Familientreffen, Hochzeiten und Partys. Ein Problem, das von uns allen bekämpft werden kann. Aber dazu gehört etwas, was vielen in Deutschland gerade fehlt: "Responsabilità".

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Von Martin KĂĽper
  • Sandra Simonsen
Von Sandra Simonsen
CoronavirusDeutschlandEuropaFieberGardaseeItalienMailandMaskenpflicht
Beliebte Themen

t-online - Nachrichten fĂĽr Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Ströer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverlängerung FestnetzVertragsverlängerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website