Sie sind hier: Home > Gesundheit > Krankheiten & Symptome > Rheuma >

Rheumafieber: Warum rheumatisches Fieber gefährlich sein kann

Rheumafieber geht aufs Herz  

Rheumatisches Fieber: Woher es kommt und was hilft

Ann-Kathrin Landzettel

15.12.2020, 12:06 Uhr
Rheumafieber: Warum rheumatisches Fieber gefährlich sein kann. Krankes Kind liegt mit Fieberthermometer im Bett: Rheumatisches Fieber trifft häufig Kindern. (Quelle: Getty Images/stefanamer)

Krankes Kind liegt mit Fieberthermometer im Bett: Rheumatisches Fieber trifft häufig Kindern. (Quelle: stefanamer/Getty Images)

Eine Mandelentzündung aufgrund von Streptokokken hatte wohl jeder schon mal. Meistens verläuft die Erkrankung glimpflich. Doch manchmal kann es etwa zwei Wochen nach der Krankheit einer fälschlichen Reaktion des Immunsystems kommen: dem Rheumafieber. 

Definiton: Was ist Rheumafieber?

Rheumatisches Fieber (RF), auch Rheumafieber oder Streptokokkenrheumatismus genannt, beschreibt eine entzündlich-rheumatische systemische Erkrankung. Bei Rheumafieber handelt es sich um eine Entzündungsreaktion im Körper als Folge einer Streptokokken-Infektion im Rachenbereich. Ursache des Rheumatischen Fiebers ist meist eine nicht ausreichend behandelte Mandelentzündung oder eine andere Racheninfektion, ausgelöst durch Streptokokken der Gruppe A (Streptococcus pyogenes).

Wie häufig ist Rheumafieber?

Vor allem Kinder zwischen fünf und fünfzehn Jahren sind betroffen – Erwachsene nur selten. Die Entzündungsreaktionen zeigen sich an Herz, Gelenken, Haut und Nervensystem. Während in Entwicklungsländern Rheumatisches Fieber die häufigste Herzerkrankung bei Kindern ist, ist sie in Deutschland selten. Schätzungen zufolge entwickeln bis zu drei Prozent der nicht antibiotisch behandelten Kinder Rheumatisches Fieber.

Rheumafieber ist in vielen Ländern selten geworden, da sich die bakterielle Rachenentzündung mit Antibiotika meist gut behandeln lässt. Dennoch: Schätzungen gehen von weltweit 15 bis 19 Millionen Menschen mit rheumatischer Herzerkrankung aus, von denen jährlich ungefähr 250.000 sterben.

Ursachen von Rheumafieber: Folgeerkrankung einer Streptokokken-Infektion

Meist tritt Rheumatisches Fieber zwei bis drei Wochen nach einer Mandelentzündung, verursacht durch Streptokokken, auf. Die Rheumafieber-Symptome sind nicht die Folge der Bakterien selbst, sondern eine Reaktion des Immunsystems auf die Bakterien. Es sind also körpereigene Antikörper, die fälschlicherweise beginnen, eigenes Gewebe anzugreifen. Rheumafieber ist somit eine Autoimmunerkrankung. Das Immunsystem richtet sich gegen den eigenen Körper.

Rheumafieber-Symptome: Rheumatisches Fieber erkennen

Eine häufige Folge der körpereigenen Abwehrreaktion ist das akute rheumatische Fieber mit möglicher Schädigung der Herzklappen (Endokarditis) und des Herzmuskels (Myokarditis). Neben dem Herzen werden auch andere Bereiche des Körpers angegriffen. Die Symptome können sowohl allein als auch in Kombination auftreten. Zu den Rheumafieber-Symptomen gehören:

  • Fieber bis 40 Grad Celsius
  • Kopfschmerzen
  • Schwitzen
  • Geschwollene, steife Gelenke (vor allem Knöchel, Knie, Ellbogen und Handgelenke)
  • Schmerzen in den Gelenken
  • nicht juckender flächiger Hautausschlag
  • kleine Knötchen unter der Haut
  • unkontrollierbare Muskelbewegungen (Sydenham Chorea)
  • Schwäche
  • Übelkeit
  • Erbrechen

Rheumafieber schädigt das Herz

Greift Rheumatisches Fieber auf das Herz über, entwickelt sich eine Herzentzündung (Karditis). Dann kommen zu den genannten Symptomen des Rheumatischen Fiebers weitere Beschwerden hinzu:

  • Brustschmerzen
  • Herzklopfen
  • Herzrhythmusstörungen
  • Husten
  • Atemnot

Der Deutschen Gesellschaft für pädiatrische Kardiologie zufolge ist in 70 bis 80 Prozent der Fälle mit diagnostiziertem Rheumatischem Fieber mit einer Herzbeteiligung zu rechnen. Im Vordergrund stehen initial die linksseitigen Klappeninsuffizienzen. Betroffene Kinder mit einer Herzmuskelentzündung im Rahmen des Rheumatischen Fiebers haben ein erhöhtes Risiko, im Laufe ihres Lebens Herzkrankheiten zu entwickeln. Manche Betroffene behalten eine Schädigung des Herzmuskels zurück. Mediziner sprechen dann von rheumatischer Herzerkrankung. Sind die Herzklappen stark beschädigt, wird ein operativer Eingriff nötig, um die Herzklappen zu reparieren.

Behandlung: Rheumatisches Fieber behandeln

Rheumafieber wird mit entzündungshemmenden Medikamenten (beispielsweise Kortison), Schmerzmitteln (meist Aspirin und Naproxen) und Antibiotika (meist Penicillin oder Clarithromycin) behandelt. Das Antibiotikum soll eine eventuell noch bestehende Infektion bekämpfen.

Um die Bakterien erfolgreich behandeln zu können und um Resistenzen vorzubeugen, ist es wichtig, das Antibiotikum den Anweisungen des Arztes entsprechend einzunehmen. Die Antibiotikagabe erfolgt über zehn Tage hinweg.

Auch wenn sich die Symptome verbessern, muss die Antibiotika-Behandlung bis zum Ende fortgeführt werden. Wird die Therapie zu früh beendet, droht eine erneute Vermehrung der Bakterien. Zudem besteht das Risiko, dass die Erreger auf das Antibiotikum weniger sensibel reagieren.

Auch wenn sich viele betroffene Kinder gut vom Rheumafieber erholen: Die meisten müssen langfristig Antibiotika einnehmen, um einem erneuten Ausbruch der Infektion vorzubeugen – in manchen Fällen sogar ein Leben lang. 

Rheumafieber kann wiederkommen

Die über mehrere Jahre dauernde Antibiotikagabe ist deshalb wichtig, weil das Rheumatische Fieber jederzeit erneut auftreten kann. Laut der Deutschen Gesellschaft für pädiatrische Kardiologie haben Patienten mit Rheumatischem Fieber ein hohes Rückfallrisiko (Rezidivrisiko) bei erneuter Streptokokken A-Infektion.

Rezidive könnten deutlich schwerer verlaufen und eine bestehende Herzschädigung verstärken. Eine sogenannte „antibiotische Reinfektionsprophylaxe“ zur Vorbeugung wird daher bei allen Patienten empfohlen.

Rheumafieber vorbeugen

Um Rheumafieber vorzubeugen, ist vor allem die frühzeitige antibiotische Behandlung der ursächlichen Mandelentzündung beziehungsweise jeder durch Streptokokken verursachten Racheninfektion unverzichtbar. Nach einem Rheumatischen Fieber kann es sinnvoll sein, die Mandeln entfernen zu lassen, um ein Wiederauftreten zu verhindern.

Eltern sollten sich vom behandelnden Kinderarzt ausführlich über die Vor- und Nachteile eines solchen Eingriffs informieren lassen.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Alba Modatchibo.deOTTODeichmannbonprix.deLIDLBabistadouglas.deamazon.de

shopping-portal