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Ja, die Redaktion hat fĂĽr diesen Ratgeberartikel alle relevanten Fakten recherchiert. Eine Beeinflussung durch Dritte findet nicht statt.

Wenn Tinnitus nicht mehr verschwindet

Ann-Kathrin Landzettel

Aktualisiert am 18.02.2022Lesedauer: 4 Min.
Eine junge Frau hält die linke Hand an ihr Ohr. Tinnitus kann viele Ursachen haben und verschwinden häufig von selbst. Halten sie Ohrgeräusche jedoch länger als 48 Stunden an, sollte man einen Arzt aufsuchen.
Tinnitus kann viele Ursachen haben und verschwindet häufig von selbst. Halten die Ohrgeräusche jedoch länger als 48 Stunden an, ein Arzt aufgesucht werden. (Quelle: Judith Dzierzawa/getty-images-bilder)
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Das kurze Piepen im Ohr in einer stressigen Situation, das Pfeifen nach der Disco oder das Rauschen bei Fieber: Ohrgeräusche kennt fast jeder. Meist halten sie nur kurz an und verschwinden dann wieder. Manchmal aber kann aus akutem ein chronischer Tinnitus werden.

Bei chronischem Tinnitus nehmen die Betroffenen dauerhaft Geräusche im Ohr wahr.. Wann ein Tinnitus chronisch werden kann und wie Sie am besten vorbeugen können.


Tinnitus: Sechs Tipps gegen die lästigen Ohrgeräusche

Tipp Nr. 1: Schnell zum Arzt gehen. Je früher eine Behandlung bei Tinnitus einsetzt, umso besser. Sofern das Geräusch nicht weggeht, sollte man innerhalb der ersten acht Tage zu einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt gehen.
Tipp Nr. 2: nicht an Wundertherapien glauben. Immer wieder tauchen Nachrichten von sensationellen Heilungserfolgen bei Tinnitus auf. Auch die Zahl der Therapien ist kaum ĂĽberschaubar. Orientierung bietet die Krankenkasse. Therapien, die von der Krankenkasse bezahlt werden, gelten als geprĂĽft.
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Tinnitus: Was steckt dahinter?

Von chronischem Tinnitus sprechen Mediziner, wenn Ohrgeräusche länger als drei Monate andauern. Teilweise wird auch für den Zeitraum von drei bis zwölf Monaten von einem subakuten Tinnitus gesprochen. Sind die Ohrgeräusche dagegen temporär und treten nur gelegentlich auf, liegt ein aktuter Tinnitus vor.

In Deutschland sind Schätzungen zufolge zwischen 3,5 und 4 Millionen Menschen von chronischem Tinnitus betroffen – Männer etwas häufiger als Frauen. Zwischen 5 und 15 Prozent aller Erwachsenen erleben irgendwann eine länger andauernde Tinnitus-Episode.

Bei etwa 40 bis 50 Prozent der Betroffenen mit Tinnitus sind die Ohrgeräusche so intensiv, dass die Lebensqualität erheblich beeinträchtigt ist. Wie ein Tinnitus verläuft, lässt sich nicht sicher vorhersagen. Ist die Ursache bekannt und behandelbar, kann der Tinnitus verschwinden. Oftmals bleibt die Ursache der chronischen Ohrgeräusche unbekannt, was die Behandlung erschwert. Dann handelt es sich um primären oder idiopathischen Tinnitus, der fortbestehen und chronisch werden kann.

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Wann mit Geräuschen im Ohr zum Arzt?

In den meisten Fällen lässt das Pfeifen, Piepen, Rauschen, Klingeln, Klopfen oder Brummen im Ohr von selbst wieder nach – meist innerhalb weniger Minuten. Wer länger als 48 Stunden unter den Geräuschen im Ohr leidet, sollte zunächst einen Hals-Nasen-Ohrenarzt aufsuchen, um eine Schwerhörigkeit ausschließen zu lassen. Treten die Ohrgeräusche gemeinsam mit einem Hörverlust auf, sollten Betroffene ohne Zögern einen Arzt aufsuchen.

Möglicherweise werden weitere Termin bei anderen Ärzten notwendig, etwa bei einem Neurologen, einem Zahnarzt, Kieferorthopäden oder einem Internisten, um mögliche organische Ursachen abzuklären. Ist der Auslöser der Ohrgeräusche bekannt und kann entsprechend behandelt werden, lässt sich der Tinnitus in vielen Fällen reduzieren – oder er verschwindet ganz.

Welchen Einfluss hat Lärm?

Ist das Ohr beispielsweise verstärkt Lärm ausgesetzt, reagiert es häufig mit einem Piepen im Ohr. Noch größer ist das Risiko bei einem durch Lärm verursachten Hörschaden, etwa einem Knalltrauma. Warum die Ohrgeräusche bei einem Hörschaden durch Lärm entstehen und was genau dabei passiert, ist wissenschaftlich nicht abschließend geklärt. Allerdings sollten die Ohren bestmöglich vor Lärm geschützt werden.

Ein entsprechender Gehörschutz wie Lärmschutzkopfhörer oder Gehörschutzstöpsel schützt die empfindlichen Sinneszellen der Hörschnecke im Innenohr. Lärmschutz ist im beruflichen Umfeld ebenso wichtig wie im privaten, etwa bei Gartenarbeiten mit der Säge oder beim Discobesuch. Ein guter Gehörschutz verringert sowohl das Risiko, einen Tinnitus zu bekommen als auch eine Chronifizierung eines bestehenden Tinnitus.

Welche Erkrankungen zugrunde liegen können

Eher selten sind die Geräusche im Ohr ein Hinweis auf eine schwerwiegendere Erkrankung. Möglich ist, dass eine chronische Mittelohrentzündung Tinnitus verursacht. Eine Knochenerkrankung im Mittel- und Innenohr (Otosklerose), die Menière-Krankheit (Erkrankung des Innenohrs), ein geplatztes Trommelfell sowie Probleme im Bereich der Kiefergelenke oder Kiefermuskeln können ebenfalls Auslöser sein. Eine gute Behandlung der Tinnitus auslösenden Erkrankungen kann die Ohrgeräusche oftmals lindern oder ganz beseitigen.

Ohrgeräusche infolge von Medikamenten

Bei der Einnahme bestimmter Medikamente, etwa Antibiotika, Krebs- oder Malariamittel, können ebenfalls Ohrgeräusche auftreten. Nach Absetzen der Medikamente lassen die Ohrgeräusche in der Regel wieder nach. Manchmal kann auch der Wechsel auf ein anderes Präparat helfen, den Tinnitus zu lindern. Haben Sie den Verdacht, dass Ihre Ohrgeräusche mit der Einnahme von Medikamenten in Zusammenhang stehen, sprechen Sie Ihren behandelnden Arzt darauf an.

Schwerhörigkeit kann Tinnitus chronisch machen

Schwerhörigkeit ist eine häufige, aber unterschätzte Ursache von chronischem Tinnitus. "Bei etwa 80 Prozent der Tinnitus-Betroffenen liegt eine bislang unerkannte Schwerhörigkeit als Ursache vor", sagt Dr. Frank Matthias Rudolph, Ärztlicher Direktor der Mittelrhein-Klinik in Rheinland-Pfalz und Vorstandsvorsitzender der Deutschen Tinnitus-Liga e. V. "Wird die Schwerhörigkeit mit einem Hörgerät behandelt, lassen in der Regel auch die Ohrgeräusche nach."

Akuter Tinnitus als Stresssymptom

Ebenfalls häufig als Ursache von chronischem Tinnitus unterschätzt wird Stress. "Stress und Tinnitus hängen eng zusammen. Tinnitus ist eine häufige Folge einer andauernden Stressbelastung", sagt Rudolph. Werde das Warnzeichen im Ohr ignoriert, könne sich aus einem zunächst unauffälligen akuten Tinnitus ein belastender chronischer Tinnitus entwickeln.

"Häufig tritt Tinnitus zudem mit psychischen Erkrankungen auf, etwa Burn-outs, Depressionen und Angsterkrankungen. Es sind tatsächlich oft Einflüsse, welche die Psyche stark belasten, welche Tinnitus verursachen."

(Quelle: privat)

Dr. med. Frank Matthias Rudolph ist Ă„rztlicher Direktor und Chefarzt der Abteilung fĂĽr Psychosomatik der Mittelrhein-Klinik in Rheinland-Pfalz sowie Vorstandsvorsitzender der Deutschen Tinnitus-Liga e. V.

Auch in der wissenschaftlichen Leitlinie "Chronischer Tinnitus" betonen die Autoren, dass Depressionen und andere psychische Störungen einen Risikofaktor für die Tinnitusentstehung darstellen und einen Tinnitus verstärken können. Ebenso kann intensiver, anhaltender Tinnitus psychische Störungen verursachen. Steht Tinnitus mit psychischer Belastung oder psychischen Erkrankungen in Zusammenhang, kann eine ambulante Psychotherapie helfen.

Viele Betroffene können durch die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe den Tinnitus bedingten Stress reduzieren, weil sie erleben, dass sie mit dem Problem nicht allein sind. Wenn bereits längere Zeiten der Arbeitsunfähigkeit bestehen und so die Erwerbsfähigkeit gefährdet ist, kann eine psychosomatische Rehabilitation in einer spezialisierten Klinik hilfreich sein.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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