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Sucht | Alkohol, Drogen, Medikamente: Wer besonders anfällig ist

Risiko Sucht  

Wer besonders anfällig ist und wo es Hilfe gibt

Ann-Kathrin Landzettel

08.10.2021, 09:45 Uhr
Sucht | Alkohol, Drogen, Medikamente: Wer besonders anfällig ist. Alkoholkonsum: Laute einer Studie sind 1,6 Millionen Menschen in Deutschland alkoholabhängig. (Quelle: imago images/photothek)

Alkoholkonsum: Laute einer Studie sind 1,6 Millionen Menschen in Deutschland alkoholabhängig. (Quelle: photothek/imago images)

Eine Sucht ist nicht plötzlich da. Häufig ist sie an emotional oder körperlich stark belastende Lebensereignisse geknüpft. Wer besonders suchtgefährdet ist und wo Betroffene Hilfe finden.

Eine Sucht ist eine chronische Erkrankung, unter der nicht nur die Betroffenen leiden, sondern auch Familienangehörige, Freunde und andere nahestehende Personen. Süchte erschweren das Miteinander und sind der Nährboden für Konflikte.

Zudem bergen sie das Risiko für Unfälle, Verletzungen sowie Kriminalität und gefährden die Gesundheit. Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit zufolge verursachen Drogen und Suchtmittel in Deutschland erhebliche gesundheitliche, soziale und volkswirtschaftliche Probleme.

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Millionen Menschen sind abhängig

Laut repräsentativen Studien rauchen zwölf Millionen Menschen, 1,6 Millionen Menschen sind alkoholabhängig, geschätzt 2,3 Millionen Menschen sind von Medikamenten abhängig und rund 600.000 Menschen weisen einen problematischen Konsum von Cannabis und anderen illegalen Drogen auf.

Etwa 500.000 Menschen zeigen ein problematisches oder sogar pathologisches Glücksspielverhalten. Eine exzessive Internetnutzung kann ebenfalls zu abhängigem Verhalten führen: Laut dem Bundesministerium ist davon auszugehen, dass in Deutschland etwa 560.000 Menschen onlineabhängig sind.

Wann steigt das persönliche Suchtrisiko?

Die Entwicklung einer Sucht ist häufig mit psychischen Problemen verbunden: Bis zur Hälfte der Abhängigen hat psychische Probleme wie Depression, Angsterkrankungen oder Persönlichkeitsstörungen. Manchmal stehen auch harmlosere Symptome wie Unruhe, Stress, Zeitdruck oder Isolation am Anfang einer Sucht.

Zu den psychischen Belastungen und Erkrankungen kommt die leichte Verfügbarkeit vieler Suchtmittel als bedeutender Risikofaktor für die Entwicklung einer Sucht, etwa Alkohol und Zigaretten. Ebenfalls kritisch ist, dass diese Suchtmittel in der Gesellschaft weitestgehend anerkannt sind und "dazugehören". Die Hemmschwelle, zu diesen Suchtmitteln zu greifen und die Menge zu erhöhen, ist entsprechend herabgesetzt.

"Ängste und Sorgen verdrängen"

"Sind Alkohol und Tabak in der Familie oder in der Freizeit alltäglich, kann das Risiko für eine Suchtentwicklung steigen. Sehe ich beispielsweise in der Familie oder bei Freunden, dass bei Sorgen, Problemen und Stress beispielsweise vermehrt zu Alkohol oder Tabak gegriffen wird, kann das die eigene Hemmschwelle herabsetzen", sagt Barbara Kortland. Sie ist Diplom-Sozialarbeiterin und Diplom-Sozialpädagogin der Beratungsstelle für Suchtfragen des Caritasverbands Kleve e.V.

"Wenn in belastenden Lebenssituationen konsumiert wird, kann das den Weg in die Sucht ebnen. Besonders wenn die Suchtmittel gezielt konsumiert werden, um eine bestimmte Wirkung zu erreichen, etwa Entspannung und Ausgelassenheit oder um Ängste und Sorgen zu verdrängen oder Verluste zu verarbeiten."

Wenn Suchtmittel zur Gewohnheit werden

Da viele Suchtmittel leicht erhältlich sind und in vielen Situationen gesellschaftlich dazugehören, kann sich mit der Zeit zum Konsum eine Gewöhnung einstellen: das Glas Bier mit Freunden, das Glas Wein am Abend, das Rauschtrinken auf der Party oder die Zigarette bei Stress. Viele möchten darauf nicht mehr verzichten.

 (Quelle: Caritasverband Kleve) (Quelle: Caritasverband Kleve)

Barbara Kortland ist Diplom-Sozialarbeiterin und Diplom-Sozialpädagogin der Beratungsstelle für Suchtfragen des Caritasverbands Kleve e.V.

"Gewohnheitsmäßiger Konsum birgt das Risiko der Toleranzentwicklung. Wird eine Substanz konsumiert, um eine bestimmte Wirkung zu erleben, kann es passieren, dass der Körper irgendwann immer größere Mengen braucht. Die Konsummenge steigt schleichend", sagt Kortland. "Die Grenzen eines moderaten Konsums hin zu Missbrauch oder in eine Abhängigkeit sind fließend."

Suchtmittel als Fluchtmittel

Jeder Suchtstoff wirkt im Körper auf eine bestimmte Weise: anregend, entspannend, enthemmend, euphorisierend, leistungssteigernd, lockernd oder stark berauschend. Der Wunsch nach diesen Empfindungen ist besonders in belastenden Lebenssituationen oft ausgeprägt, etwa nach dem Verlust eines geliebten Menschen, im Rahmen von Existenzängsten, bei Verlust des Berufs, bei Mobbing, Krankheit oder gar Gewalterfahrungen.

Manche Menschen neigen dann dazu, bestimmte Suchtmittel zur Bewältigung einzusetzen. "Das Risiko, von bestimmten Suchtmitteln abhängig zu werden, ist immer dann besonders hoch, wenn sie als Entlastung dienen. Dann wird es immer schwerer, den Konsum wieder aufzugeben", erklärt die Diplom-Sozialarbeiterin.

"Doch nicht alle Menschen, die in belastenden Situationen zum Beispiel mehr trinken, werden alkoholabhängig. Sucht ist eine sehr individuelle Sache. Man kann keine klaren Faktoren festmachen, bei denen Menschen garantiert abhängig werden."

Der Teufelskreis beginnt, wenn sich bei dem Konsumenten zur Belastungssituation das Gefühl festsetzt, das Suchtmittel zu brauchen, um funktionieren zu können und die Situation zu überstehen. Das zeigt: Neben der körperlichen Abhängigkeit vieler Suchtmittel spielt auch die psychische Abhängigkeit eine bedeutende Rolle.

Kann eine Sucht vererbt werden?

"Sucht ist keine Erbkrankheit und auch kein unabwendbares Schicksal", betont die Suchtexpertin. "Was immer ausschlaggebend ist, sind Rollenvorbilder. Wenn Kinder beispielsweise den Konsum bestimmter Suchtmittel als ein Lösungsmuster für Probleme erleben, besteht die Möglichkeit, dass sie dieses ebenfalls übernehmen, wenn sie im Laufe des Lebens in eine ähnliche Situation kommen", weiß Kortland.

Eine weitere Rolle spielen der Expertin zufolge Peergroups. Sind Suchtmittel im Freundeskreis anerkannt, wird viel konsumiert und muss möglicherweise sogar konsumiert werden, um dazuzugehören? Dann erhöht sich das individuelle Suchtrisiko.

Die Angst, auf Suchtmittel verzichten zu müssen

Die meisten Betroffenen erkennen lange Zeit nicht, dass sie suchtgefährdet sind oder eine Sucht entwickelt haben. Oder sie möchten diese Entwicklung nicht wahrhaben. Selbst wenn sie merken, dass sie den Konsum zunehmend schlechter kontrollieren können und das Suchtmittel immer stärker die Gedanken und den Alltag bestimmt, scheuen sie sich oft, professionelle Hilfe anzunehmen.

Außerdem ist die Furcht, ohne das Suchtmittel leben zu müssen, bei vielen stark ausgeprägt. Sie können sich nicht vorstellen, ihr Leben und ihre Probleme ohne das Suchtmittel zu bewältigen. Denn auch, wenn viele die schädigende Wirkung auf sich, das Umfeld und die Gesundheit sehen, bietet ihnen das Suchtmittel zugleich Sicherheit und ein Ventil.

Suchtberatungsstelle: Hier finden Betroffene Hilfe

"Eine weitere Hürde Hilfe anzunehmen, sind Gefühle wie Scham, die Angst vor der Beurteilung anderer, die Sorge vor Ablehnung sowie Ängste, den Entzug nicht zu schaffen", weiß Kortland. "Viele verharren daher viele Jahre in der Anhängigkeit und nur drastische Folgen der Sucht, etwa Arbeitsplatzverlust, Trennung des Partners oder Krankheit führen zu einer Offenheit einer Therapie gegenüber. Wer bereit ist, Hilfe anzunehmen, kann sich im ersten Schritt an eine Suchtberatungsstelle wenden."

Die Sorgen und Ängste rund um die Sucht anzusprechen, wird von den meisten Betroffenen als große Hilfe empfunden. Suchtberatungsstellen unterstützen nicht nur bei der Suche nach spezialisierten Einrichtungen. Sie bieten auch Unterstützung im Umgang mit Alltagsherausforderungen, etwa wenn die Beziehung aufgrund der Sucht gefährdet ist, dem Arbeitgeber der Konsum aufgefallen ist oder das Sorgerecht in Gefahr ist.

Verwendete Quellen:

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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