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Ein langes Leben trotz Zuckerkrankheit?

Von Andrea Goesch

Aktualisiert am 31.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Spezielle Apps helfen Diabetikern, ihre Blutzuckerwerte zu dokumentieren. Gemessen wird ĂŒber einen kleinen Sensor, der in der Regel am Bauch oder Oberarm unter der Haut sitzt.
Spezielle Apps helfen Diabetikern, ihre Blutzuckerwerte zu dokumentieren. Gemessen wird ĂŒber einen kleinen Sensor, der in der Regel am Bauch oder Oberarm unter der Haut sitzt. (Quelle: dzika_mrowka/getty-images-bilder)
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Vor genau 100 Jahren wurde der erste Patient mit Diabetes Typ 1 mit Insulin behandelt. Zuvor lag die durchschnittliche Überlebenszeit nach Diagnosestellung bei nur neun Monaten. Heute haben Typ-1-Diabetiker bei optimaler medizinischer Versorgung etwa die gleiche Lebenserwartung wie Menschen mit einem gesunden Stoffwechsel.

Allein in Deutschland sind etwa 341.000 Erwachsene sowie 32.000 Kinder und Jugendliche an Diabetes Typ 1 erkrankt. Die meisten von ihnen werden tÀglich, hÀufig auch lebenslang, mit Insulin behandelt.

Moderne Technologien im Bereich Insulingabe und Glukosemessung haben dazu beigetragen, dass ein Großteil der Patienten ein weitgehend normales Leben fĂŒhren kann. Gewisse EinschrĂ€nkungen im Alltag bleiben dennoch bestehen.

Was ist Typ-1-Diabetes? Bei Diabetes Typ 1 handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung. Bestimmte Zellen in der BauchspeicheldrĂŒse, die sogenannten Betazellen, bilden das Hormon Insulin. Bei Menschen mit Typ-1-Diabetes werden diese Zellen vom eigenen Immunsystem angegriffen und mit den Jahren so stark geschĂ€digt, dass sie nur noch sehr wenig oder gar kein Insulin mehr freisetzen. Daher mĂŒssen Typ-1-Diabetiker tĂ€glich Insulin spritzen. Das schĂŒtzt sie vor zu starken Schwankungen des Blutzuckerspiegels und Beschwerden durch Unter- und Überzuckerungen.

Von der ersten Insulinspritze zur Insulinpumpe

Die erste Insulinbehandlung eines Diabetes-Typ-1-Patienten in Kanada im Jahr 1922 war ein medizinischer Meilenstein. "Wenn wir bedenken, dass bis zu diesem Zeitpunkt die Diagnose eines Typ-1-Diabetes gleichbedeutend mit dem sicheren Tod war, kann man ermessen, welche ZÀsur die Entdeckung und Etablierung der Insulintherapie in der Medizingeschichte darstellt", sagt Professor Andreas Neu, PrÀsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DGG).

Weitere Fortschritte in der Therapie folgten kurze Zeit spĂ€ter. 1924 kam die erste Insulinspritze auf den Markt, 1934 das erste Verzögerungsinsulin. Die in den 1950er-Jahren ĂŒbliche Urinzuckerteststreifen wurden in den 1960er-Jahren durch Blutzuckermessstreifen ergĂ€nzt. 1983 wurden erstmals tierische Insuline durch Humaninsuline ersetzt und im selben Jahr wurde die erste Insulinpumpe vorgestellt.

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"Heute nutzen mehr als 60 Prozent aller Kinder und Jugendlichen eine Insulinpumpe, im Kleinkindalter sind es mehr als 90 Prozent", sagt Neu. Auch der Einsatz moderner Technologien zur Glukosebestimmung nehme rasant zu. Die Kombination von Pumpen und Glukosesensoren zu sogenannten "Hybrid-Closed-Loop"-Systemen seien schon nahe an dem, was die Glukoseregulation bei Gesunden ausmache.

Die Diabetestherapie verlange den jungen Patienten und deren Familien jedoch auch heute viel ab, betont Neu. "Daher ist neben Medikamenten und Technologien eine lebenslange Begleitung durch professionelle Teams fĂŒr den Behandlungserfolg und eine hohe LebensqualitĂ€t notwendig."

Vorteile der kontinuierlichen Glukosemessung

Der Einsatz moderner Technologien zur Blutglukosebestimmung nimmt derzeit rasant zu. "Immer mehr Kinder und Jugendliche verwenden einen Sensor, also eine Form der kontinuierlichen Glukosebestimmung", sagt Neu.

Diese Systeme haben einen großen Vorteil: Sie lassen sich koppeln mit den Insulinpumpen und sorgen fĂŒr eine automatische Abschaltung der Insulinzufuhr bei zu niedrigen Glukosewerten oder fĂŒr eine zusĂ€tzliche Insulingabe, wenn sie steigen.

Neue Technologien erleichtern das Leben, lösen aber nicht alle Probleme

Mediziner sprechen von sogenannten "Closed-Loop"-Systemen. Neben einer verbesserten StoffwechselqualitĂ€t und damit verbesserten Langzeitprognosen tragen diese Systeme vor allem dazu bei, dass die Patienten in ihrem Alltag sehr viel weniger eingeschrĂ€nkt sind als frĂŒher.

Dennoch bleiben den Betroffenen regelmĂ€ĂŸige Messungen des Glukosespiegels, Insulingaben zu jeder Mahlzeit und das AbschĂ€tzen der Kohlenhydratmengen beim Essen nicht erspart. Auch das Problem einer möglichen Unterzuckerung, vor der sich alle Diabetiker fĂŒrchten, kann nicht komplett gelöst werden.

Experten kritisieren LĂŒcken in der Patientenversorgung

Neu kritisiert, dass es bei der Versorgung der jungen Typ-1-Diabetiker auf regionaler Ebene noch LĂŒcken gebe. Auch sei die Inklusion in KindertagesstĂ€tten, KindergĂ€rten und Schulen noch unzureichend. Besonders große Schwierigkeiten sieht der Kinderdiabetologe bei Familien mit geringer Gesundheitskompetenz oder Sprachproblemen. Neu fordert daher mehr fachkompetente und zugewandte Betreuung der Patienten im Kindes- und Jugendalter.

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Spezialisierte Teams sollten flĂ€chendeckend an jeder Kinderklinik etabliert sein und sowohl eine gute Erstversorgung sichern als auch eine kompetente Langzeitbegleitung gewĂ€hrleisten. Nur so könne es gelingen, aus der Vielzahl verschiedener Therapieformen individuelle Behandlungsstrategien umzusetzen und den Alltag der jungen Patienten so zu gestalten, dass er altersgerecht ist und ein Leben erlaubt, wie es Gleichaltrige ohne Diabetes fĂŒhren.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dĂŒrfen nicht verwendet werden, um eigenstĂ€ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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