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Günstiges Fleisch im Supermarkt: Wie billig ist zu billig?


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Wie sinnvoll sind Fleisch-Sonderangebote?

Von t-online, dpa, jb

Aktualisiert am 22.06.2017Lesedauer: 4 Min.
Wie gut kann billiges Fleisch sein?
Wie gut kann billiges Fleisch sein? (Quelle: Armin Weigel/dpa/dpa-bilder)
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Lebensmitteldiscounter erfreuen sich großer Beliebtheit. Hier werden Gemüse, Obst und Käse zu Billigpreisen angeboten. Auch Fleisch ist häufig besonders günstig. Doch wie kann das Kilo Fleisch billiger sein als ein Kilo Erdbeeren?

Wie viel sind Lebensmittel wert?

Bei Edeka gibt es Schweineschnitzel zum halben Preis, das Kilo für 4,49 Euro. "Kracher" steht daneben im Prospekt. Real haut den Rinderbraten für 5,55 Euro raus – 42 Prozent Rabatt. Aldi schwingt beim Putenschnitzel den "Preishammer der Woche": 2,99 Euro das Pfund. Fleisch zieht, vor allem billiges Fleisch. Darauf setzen die Werber – allen Debatten über Gesundheit und Tierschutz zum Trotz. Doch wie kann das Kilo Fleisch billiger sein als ein Kilo Erdbeeren oder eine Schachtel Zigaretten?

Die Qualität der Schnäppchenware muss allerdings nicht unbedingt schlechter sein. Doch Bauernpräsident Joachim Rukwied meint: "Lebensmittel sind mehr wert." Der Konsument treffe seine allermeisten Kaufentscheidungen aber nun mal "preisorientiert". Die Kunden wollen es also billig haben. Den Bauern bleibe nichts übrig, als zu liefern, wollten sie die Investitionen in ihre Höfe wieder reinholen und ihre Kredite zurückzahlen.

Deutsche essen weniger Fleisch

Das Gewissen vieler Kunden indes ist rein. Jeder zweite Deutsche isst aus Gründen des Umwelt- oder Klimaschutzes weniger Fleisch – das kommt jedenfalls heraus, wenn man sie selbst danach fragt, wie es Greenpeace zum Jahresanfang 2017 tat. Nach Branchenzahlen essen die Bürger aber nur etwas weniger Fleisch. Gut 59 Kilogramm pro Kopf waren es 2015, rund zwei Kilo weniger als noch vor fünf Jahren – aber auch nicht weniger als zur Jahrtausendwende.

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Doch es gibt mehr Bio-Fleisch, für das Tiere etwa mehr Platz und regelmäßigen Auslauf bekommen müssen – das aber auch das doppelte oder dreifache kosten kann. Auch vegetarische Wurst ist kein Exot mehr im Kühlregal. Deutschlands Schlachthöfe melden dennoch Rekordzahlen: 8,25 Millionen Tonnen Fleisch produzierten sie nach amtlichen Zahlen 2016, so viel wie nie.

Denn Deutschland exportiert immer mehr Fleisch, mittlerweile fast die Hälfte. Bei der Preisfrage deutet der Handel dann auch auf den Mechanismus von Angebot und Nachfrage. Der Handel sei nur ein Absatzkanal neben dem Export oder der Gastronomie, betont der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels. Er verweist darauf, dass Fleisch und Fleischwaren im Laden 2017 gut ein Achtel teurer sind als 2010.

Das Problem der Fleisch-Sonderangebote

Das gilt aber nicht für die Lockvogel-Angebote aus den Prospekten. "Sie werden künstlich billig gemacht und quersubventioniert", sagt Sophie Herr, Lebensmittel-Expertin beim Bundesverband der Verbraucherzentralen. "Wenn sie damit eine fünfköpfige Familie in den Laden bekommen, die für 150 Euro ihren Wocheneinkauf macht, dann rechnet sich das." Darunter leidet das Preisgefühl: Wer denkt, was nichts kostet, ist auch nichts, könnte irren. "Sie können gar nicht sagen, ob das wirklich billig produziertes Fleisch ist", sagt Herr. "Der Preis hat in vielen Fällen seine Kompassfunktion verloren."

Kunden wären bereit, mehr zu zahlen

Nach einer Umfrage der Verbraucherschützer wären die Kunden sehr wohl bereit, für das Schweineschnitzel rund die Hälfte mehr zu bezahlen – wenn sie sicher sind, dass die Tiere besser gehalten werden. Nahezu jeder zweite weiß jedoch nicht, woran er Fleisch aus artgerechter Haltung erkennt. Herr sagt: "Wieso soll ich mehr zahlen, wenn ich nicht weiß, ob ich dafür mehr Tierwohl bekomme?"

Einen Markt für Fleisch aus artgerechterer Haltung zwischen "konventionellen" und den recht teuren "Bio"-Produkten soll die freiwillige Initiative Tierwohl von Landwirtschaft und Handel herstellen. Mit vier Cent pro verkauftem Kilo Fleisch werden Investitionen in mehr Tierschutz im Stall unterstützt. Tierschützer sind jedoch inzwischen ausgestiegen, weil ihnen die Vorgaben für die Bauern zu lax wurden.

Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) will darüber hinaus ein freiwilliges staatliches Tierwohl-Label für Fleisch im Supermarkt einführen. Wer es auf die Verpackung kleben will, muss Schweinen etwa mehr Platz im Stall gewähren. Für Kunden wird das nicht gratis zu haben sein: Das Ministerium schätzt, dass die Preise um ein Fünftel steigen.

Aldi-Billigfleisch sorgte für Aufregung

Zu viel wurde es den Kunden zuletzt, als die Supermarktkette Aldi Süd ein 600 Gramm schweres BBQ-Nackensteak für 1,99 Euro angeboten hat. Der Kommentar eines Kunden löste einen Shitstorm aus.

In seinem Post rechnet Aldi-Kunde Dominik Boisen vor, zu welchen geringen Kosten das Fleisch produziert worden sein muss, und wie die Tiere dementsprechend leiden müssen. "Wenn man die Marinade, die Plastikverpackung und die Tamponage, den Transport und die sonstigen Logistik- und Dienstleistungskosten aller am Produkt Beteiligten [...] abzieht und dann noch berücksichtigt, dass Ihr bei der ganzen Geschichte sicherlich nicht drauf legt, sondern am Ende auch noch eine Marge übrig bleibt, kann man sich in etwa ausrechnen, was bei Euch das Fleisch "wert" ist, das am Ende auf dem Teller liegt", heißt es in seinem Post.

Boisen wolle mit seinem Kommentar an die Verantwortung von Aldi appellieren. Die Aldi-Brüder sollen die Marktdominanz nutzen, "um mit gutem Beispiel voran zu gehen und die Zustände positiv zu verändern", sagt Boisen.

Große Resonanz bei weiteren Kunden

Mit seinem Post löste der Aldi-Süd-Kunde einen Shitstorm aus. Zahlreiche Facebook-Nutzer stimmten ihm zu.

Nach über 23.000 Reaktionen weiterer Kunden meldete sich dann auch Aldi-Süd zu Wort. Über einen Pressesprecher ließ der Großkonzern folgendes verlauten: "Wir wissen, dass wir als einer der führenden Discounter die Aufgabe haben, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen (...). Mit unserem Engagement in der branchenübergreifenden, freiwilligen 'Initiative Tierwohl' setzen wir uns für die Förderung einer tierartgerechten und nachhaltigen Fleischerzeugung ein."

Bewussteres Einkaufen

Zwar stehen viele Konsumenten auf günstige Produkte, allerdings zeigt dieser Billig-Fleisch-Shitstorm auch deutlich, dass es bei "billig" eine Grenze gibt und Geiz nicht immer "geil" ist. Den Kunden scheint somit nicht vollkommen egal zu sein, woher die Lebensmittel stammen sondern auch, dass die Produkte zu einem fairen und realistischen Preis angeboten werden.

Dabei kann jeder einzelne Verbraucher etwas an dieser Situation ändern: Versuchen Sie, bewusst einzukaufen und auf entsprechende Labels zu achten. Bei scheinbaren Angeboten – nicht nur bei Lebensmitteln, sondern auch bei Kleidung und Kosmetik – sollten Sie einmal mehr über den Preis und sein Zustandekommen nachdenken. Auf diese Weise können Billiganbieter erreicht werden – indem die Billigware nicht mehr einen derart großen Absatz findet und nicht mehr massiv angeboten wird. So könnten auch entsprechende Dumpinglöhne, schlechte Arbeitsbedingungen sowie unhaltbare Massentierhaltungen reduziert werden.

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