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Umfrage: So hat sich das Reiseverhalten der Deutschen geändert

Neue Trends  

So verändern die Deutschen gerade ihr Reiseverhalten

20.07.2020, 16:19 Uhr
Umfrage: So hat sich das Reiseverhalten der Deutschen geändert. Campen: Wegen der Corona-Krise machen viele Deutsche Urlaub im Zelt oder Wohnmobil. (Quelle: imago images/TT)

Campen: Wegen der Corona-Krise machen viele Deutsche Urlaub im Zelt oder Wohnmobil. (Quelle: TT/imago images)

Die Grenzen in der EU sind weitgehend wieder geöffnet, auch die Reisewarnung ist für die meisten europäischen Länder wieder aufgehoben. Doch wie reagieren die Deutschen auf die Corona-Krise, planen sie ihren Urlaub in diesem Jahr anders?

Monatelang waren Grenzen geschlossen, Flüge und Kreuzfahrten gestrichen, Urlaube fielen ins Wasser: Welche Auswirkungen hatte die Corona-Krise auf die Reisestimmung der Deutschen? Eine repräsentative Umfrage des Hamburger Marktforschungsunternehmens Appinio hat Anfang Juli eine große Befragung zum Thema Reisen durchgeführt. Das sind die Ergebnisse. 

Wie wurde die Studie durchgeführt?

Das Marktforschungsinstitut Appinio hat am 8. Juli insgesamt 1.000 Menschen zwischen 16 und 65 Jahren mit einem mobilen Fragebogen befragt. Die Teilnehmer wurden nach Alter und Geschlecht quotiert, sodass sie repräsentativ für die deutsche Bevölkerung stehen. Inhalt der Befragung waren unter anderem die Themen Urlaub und Reisen allgemein, die Auswirkungen der Corona-Krise, die Corona-Warn-App sowie Deutschland als Urlaubsort.


Wie verändert sich das Reiseverhalten der Deutschen?

Gerade in den Sommerferien verreisen viele Deutsche trotz der Corona-Krise nun doch. Verändert hat sich aber trotz der wiedererlangten Möglichkeiten einiges: So halten fast 80 Prozent der Deutschen das eigene Auto für das geeignetste Transportmittel in den Urlaub.

Und nicht nur die Fortbewegung, auch die Art der Übernachtung hat sich bei vielen durch die Pandemie gewandelt: So haben mehr als zwei Drittel der Befragten vor der Corona-Krise vorrangig in Hotels übernachtet. Das würde jetzt nur noch etwa die Hälfte bevorzugen. Besonders beliebt geworden sind hingegen Ferienwohnungen: Vor der Pandemie wollten dort 42 Prozent der Befragten ihren Urlaub verbringen, jetzt sind es 57 Prozent. Auch der Anteil der Camper hat sich mehr als verdoppelt: Vor der Pandemie konnten sich nur 16 Prozent vorstellen, ihren Urlaub im Wohnwagen, Wohnmobil oder Zelt zu verbringen, jetzt sind es mit 36 Prozent mehr als doppelt so viele. 

Laut dem Deutschen Reiseverband wächst langsam auch wieder der Anteil von Flugpauschalreisen für diesen Sommer. Gleichzeitig bleibe die Nachfrage nach einzeln gebuchten Unterkünften bestehen. Seit Anfang Juni würden auch wieder Pauschalreisen gebucht.

Die Suchmaschine für Ferienunterkünfte "HomeToGo" hat ebenfalls ihre Suchanfragen ausgewertet und berichtet von mehr Last-Minute-Anfragen. "Das Bedürfnis der Deutschen zu mehr Last-Minute-Reisen ist aktuell gut nachvollziehbar. Es bleibt noch immer ein Restrisiko, dass Flüge  storniert werden oder das Zielland die Einreisebestimmungen ändert. Dies lässt viele Urlauber eher kurzfristig Urlaubspläne in die Tat umsetzen," erklärt Jonas Upmann, Sprecher und Reiseexperte von "HomeToGo". 2019 lagen demnach noch etwa 80 Tage zwischen Buchung und Reise, mittlerweile sind es nur noch etwa 54 Tage. Zusätzlich steige die Reisedauer: 22 Prozent häufiger als noch im vergangenen Jahr würden Reisen mit mehr als 14 Tagen Länge angefragt. 

Wie beliebt ist Urlaub in Deutschland durch die Corona-Pandemie geworden?

Fast 80 Prozent der Befragten wollen auch nach Aufhebung der Reisebeschränkungen weiterhin lieber Urlaub in Deutschland als im Ausland machen. Zwei Drittel wollen vor allem aktuell nur innerhalb Deutschlands verreisen: Bayern und Mecklenburg-Vorpommern sowie Schleswig-Holstein sind dabei die beliebtesten Reiseziele.

Gegen einen Urlaub in Deutschland spricht der Umfrage zufolge vor allem, dass die Beschränkungen wie die Maskenpflicht nicht zu den Urlaubsvorstellungen der Befragten passen oder sie generell gerade kein Interesse am Reisen oder kein Geld für einen Urlaub haben. 

40 Prozent der Befragten glauben zudem, dass sie Deutschland selbst noch gar nicht so gut kennen und in ihrem Heimatland noch viel entdecken können. Jüngere Deutsche verschlägt es dabei sehr viel eher in große Städte wie München oder Hamburg als Ältere: 52 Prozent der 16- bis 24-Jährigen, aber nur 23 Prozent der 45- bis 54-Jährigen würden am ehesten in einer deutschen Großstadt Urlaub planen. 

Wasserskilift am Inselsee bei Immenstadt: Bayern zählt zu den beliebtesten Inlandsreisezielen der Deutschen.  (Quelle: imago images/MiS)Wasserskilift am Inselsee bei Immenstadt: Bayern zählt zu den beliebtesten Inlandsreisezielen der Deutschen. (Quelle: MiS/imago images)

Der Deutsche Reiseverband berichtet allerdings auch von einer Trendwende: "Wurde vor rund vier Wochen noch fast ausschließlich Deutschlandurlaub gebucht, verlagert sich das Interesse nun zusätzlich in Richtung Flugreisen ans Mittelmeer", so der Branchenverband. Vor allem Ziele am westlichen Mittelmeer seien zunehmend gefragt. 

Welche Folgen hat die Corona-Krise auf das Reisen der Zukunft?

Etwa die Hälfte der Befragten ist der Ansicht, dass die Corona-Pandemie auch in Zukunft noch Auswirkungen auf das Reiseverhalten haben wird. Dabei unterscheidet sich die Meinung der Frauen etwas von der der Männer: 53 Prozent der weiblichen Befragten glauben, dass künftig mehr Deutsche Heimaturlaub machen werden, bei den Männern sind es nur 42 Prozent. 

Auffällig war zudem, dass vor allem ältere Befragte der Aussage zustimmten, dass künftig Nachhaltigkeit eine größere Rolle beim Thema Urlaub spielen könnte. 43 Prozent der 55- bis 65-Jährigen stimmte dieser Ansicht zu. Bei den 16- bis 24-Jährigen waren es lediglich 35 Prozent. 

Fast die Hälfte der Befragten glaubt außerdem, dass die Zahl der Geschäftsreisen auch nach der Corona-Krise noch länger abnehmen wird. 

Die Auswahl der Reiseziele nach der Corona-Pandemie zeigt zudem, dass ein Großteil der Befragten erst einmal nur Urlaub im nord- oder westeuropäischen Ausland plant. Weit abgeschlagen sind hingegen Fernreisen, vor allem nach China oder in den asiatischen Raum sowie nach Südamerika. 

Neun Prozent der Befragten hat sich zudem extra für einen Urlaub die Corona-Warn-App heruntergeladen. Weitere 33 Prozent haben die App zwar heruntergeladen, nicht jedoch speziell für einen Urlaub. 

Welche Erfahrungen haben Urlauber mit Stornierungen während der Corona-Krise gemacht?

Durch die weltweite Reisewarnung und die Schließung vieler Grenzen gab es zahlreiche Stornierungen in der Reisebranche. Pauschalurlauber hatten meist Glück, sie konnten kostenlos stornieren und bekamen ihr Geld zurück oder einen Gutschein für eine neue Reise. Dennoch: Allein an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) haben sich in den vergangenen Wochen mehr als dreimal so viele Verbraucher gewandt als im Vorjahreszeitraum. Die Folgen der Pandemie hinterlassen deutliche Spuren in der Bilanz der Einrichtung: Im ersten Halbjahr stieg die Zahl der Beschwerden demnach um 23 Prozent auf den Rekordwert von 14.647. 

Die Umfrage zeigt auch: Fast jeder fünfte Deutsche hat bereits schlechte Erfahrungen mit der Verschiebung oder Stornierung einer Reise während der Corona-Pandemie gemacht. Etwa die Hälfte derjenigen bemängelt vor allem die lange Wartezeit bei der Bearbeitung einer Stornierung. Aber auch die Erreichbarkeit der Anbieter sowie unfreundlicher Kundenservice werden kritisiert. 37 Prozent der Befragten, die eine Reise stornieren wollten, gaben zudem an, dass die Stornierung oder Umbuchung doch kostenpflichtig war. 

Als Folge der Pandemie-Erfahrungen sind der Umfrage zufolge künftig fast zwei Drittel der Deutschen dazu bereit, mehr für ihre Reise zu zahlen, wenn sie dafür kostenlos stornieren könnten oder im Falle eines Lockdowns zurück nach Deutschland geholt würden. Fast die Hälfte der über 45-Jährigen wünscht sich zudem einen deutschen Ansprechpartner im Reiseland und wäre bereit, auch dafür mehr zu zahlen. Jüngere Urlauber haben daran weniger Interesse. 

Wie reagiert die Branche auf die veränderten Wünsche?

Wie der Deutsche Reiseverband berichtet, haben viele Reiseveranstalter in Folge der Pandemie neue Hygienemaßnahmen gemeinsam mit den Hotels und Unterkünften umgesetzt. Auch an Flughäfen, in Flugzeugen und beim Bustransfer gibt es neue Hygiene- und Abstandsregelungen. 

Die Reiseanbieter haben auch auf die langsam wieder steigende Nachfrage reagiert: Inzwischen sind  laut dem Deutschen Reiseverband wieder mehr Reisearten im Angebot. So nehmen die Reiseveranstalter in Kooperation mit den Fluggesellschaften in diesen Tagen vorsichtig Pauschalreisen in beliebte Mittelmeerziele wie Spanien (hier vornehmlich die Balearen und Kanaren), Portugal, Griechenland, Zypern, Kroatien und Italien wieder auf. Begrenzt werden auch Flusskreuzfahrten, Bus- und Studienreisen wieder angeboten.

Verwendete Quellen:

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