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Coronavirus in den USA: Kalifornien verhängt Ausgangssperre

Covid-19 in den USA  

"Bleibt zu Hause" – Kalifornien verhängt Ausgangssperre

20.03.2020, 09:13 Uhr | dpa, AFP, aj

Exponentielle Coronavirus-Verbreitung: So wirken sich Sozial-Kontakte aus

Das Coronavirus verbreitet sich ohne in Quarantänemaßnahmen exponentiell. Eine Video-Animation zeigt, wie sich die Infektions-Geschwindigkeit verlangsamen lässt. (Quelle: t-online.de)

Videoanimation zeigt: So wirken sich Sozialkontakte und ihre Vermeidung aus bei der Ausbreitung des Coronavirus. (Quelle: t-online.de)


Auch in den USA verbreitet sich der Erreger SARS-CoV-2 rasend schnell. Im gesamten Bundesstaat Kalifornien wurde nun eine Ausgangsperre verhängt. In der Metropole New York vervierfachten sich die Fallzahlen.

Der US-Bundesstaat Kalifornien hat im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie eine allgemeine Ausgangssperre verhängt. Die Ausgangssperre gilt bereits ab Donnerstagabend (Ortszeit), wie Gouverneur Gavin Newsom sagte. Kalifornien ist mit 39 Millionen Einwohnern der bevölkerungsreichste Bundesstaat der USA.

Newsom rechnet mit über 25 Millionen Corona-Infektionen in dem US-Westküstenstaat, falls keine drastischen Maßnahmen gegen die Verbreitung des Erregers Sars-CoV-2 ergriffen werden. Knapp 60 Prozent der Bevölkerung könnten sich in den nächsten acht Wochen mit dem Virus anstecken, schrieb der Gouverneur in einem Brief an US-Präsident Donald Trump. In einigen Teilen Kaliforniens würden sich die Fallzahlen alle vier Tage verdoppeln.


Ein Sprecher von Newsom erklärte später, dass dieses Worst-Case-Szenario mit vielen Millionen Fällen möglich sei, wenn keine aggressive Eindämmung der Virusverbreitung durchführt werde. Der Staat werde alles unternehmen, um diese Herausforderung zu bewältigen, sagte Sprecher Nathan Click laut der "Los Angeles Times" und dem US-Portal Politico.

Krankenhausschiff soll im Hafen von Los Angeles anlegen

In seinem Anschreiben an Trump bittet der Gouverneur um die sofortige Entsendung eines Krankenhausschiffs, das im Hafen von Los Angeles anlegen soll. Beim Kongress in Washington hat Newsom Bundeshilfen in Höhe von einer Milliarde Dollar für die medizinische Versorgung und für andere Hilfsmaßnahmen während der Covid-19-Krise beantragt.

Im Raum San Francisco hatten viele Bezirke schon diese Woche eine Ausgangssperre verhängt. Die meisten Schulen und viele Geschäfte in dem Westküstenstaat wurden geschlossen.

Bis zum Donnerstag (Ortszeit) wurden in Kalifornien 958 Infektionsfälle bekannt, 19 Menschen starben.

Ein menschenleerer Hollywood Boulevard: In Kalifornien herrscht nun eine Ausgangssperre. (Quelle: dpa/David Crane/Orange County Register via ZUMA)Ein menschenleerer Hollywood Boulevard: In Kalifornien herrscht nun eine Ausgangssperre. (Quelle: David Crane/Orange County Register via ZUMA/dpa)

Ausnahmezustand in New York 

Die Zahl der bestätigten Corona-Fälle in New York vervierfachte sich derweil seit Dienstag auf fast 4.000 – vor allem wegen deutlich mehr Tests. Das Gesundheitssystem der Millionenmetropole scheint mäßig vorbereitet. Der Gouverneur wählt drastische Worte. Der Gouverneur des Bundesstaates New York, Andrew Cuomo, geht von Zehntausenden tatsächlichen Fällen im Staat aus.

Behörden hatten immer wieder gewarnt, das die Kapazitäten der Krankenhäuser in New York nicht ansatzweise auf die Ansteckung breiter Gesellschaftsschichten vorbereitet seien. Für den Bundesstaat rechnet die Regierung mit einem Bedarf von 30.000 Beatmungsgeräten. Im Moment gebe es nur 5.000 bis 6.000, sagte Cuomo. Er habe Mitarbeiter nach China geschickt, um schnell neue Geräte zu kaufen.

New York ist mit offiziell knapp neun Millionen Einwohnern die größte Stadt der Vereinigten Staaten von Amerika und eines der globalen wirtschaftlichen und kulturellen Zentren. Museen von Weltrang wie das Museum of Modern Art und Dutzende Broadway-Musicals oder Sehenswürdigkeiten wie die Freiheitsstatue sind teilweise schon seit Tagen geschlossen – genauso wie die Schulen für mehr als eine Million Kinder. Nun bekommt "die Stadt, die niemals schläft", eine Zwangspause.

Öffentliche Einrichtungen sollen zu Not-Krankenhäusern werden

In ihrer Vorbereitung auf drastisch steigende Fälle von Schwerkranken sucht New York nun dringend nach zusätzlichem medizinischen Personal und plant, öffentliche Einrichtungen in Not-Krankenhäuser umzuwandeln. Washington sagte bereits die Sendung eines militärischen Krankenhausschiffs mit rund 1.000 Kabinen zur Unterstützung zu. Auch logistische Hilfe des Armeekorps der Ingenieure soll kommen.

Cuomo verwies in einer Pressekonferenz auf die dunkelsten Stunden der Großstadt. "Mich erinnert das an den 11. September", sagte er. "Das ist ein Moment, der Dein ganzes Leben ändert." New York war in den vergangenen Tagen schon deutlich leerer als sonst. Am Montag hatte die Stadt bereits die Schließung unter anderem von Restaurants, Bars, Kinos und Konzerthäusern angekündigt. Cafés und Restaurants dürfen aber noch Essen liefern.

New Yorker trotzen bisherigen Maßnahmen

Die Maßnahme wurde eingeführt, nachdem die New Yorker am Wochenende trotz offizieller Warnungen in Scharen zum Abendessen ausgingen oder die Kneipen besuchten. In den vergangenen Tagen fuhr das öffentliche Leben dann Stück für Stück runter. Viele New Yorker arbeiten schon von Zuhause. Auch am Times Square und in der U-Bahn war ungewöhnlich viel Platz, die Stimmung ernst, aber ruhig.

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Bürgermeister Bill de Blasio wirbt trotzdem für eine weitere Verschärfung und eine Ausgangssperre, wie sie auch schon in San Francisco an der Westküste besteht. Diese müsste vom Bundesstaat beschlossen werden, Gouverneur Cuomo aber bremste in den vergangenen Tagen und sagte, dass eine solche Maßnahme bislang nicht geplant sei.

Die Behörden rechnen wegen des Stillstands in New York mit einem gigantischen Schaden für die lokale Wirtschaft und befürchten steigende Not in der Bevölkerung. De Blasio hatte die möglichen Ausmaße mit der Großen Depression Ende der 20er-Jahre verglichen. Die New Yorker Verkehrsbetriebe teilten bereits mit, dass sie vier Milliarden Dollar benötigten. Die Zahl der Kunden war um 90 Prozent in den Regionalzügen und 60 Prozent in der U-Bahn zurückgegangen.

Die Republikaner im US-Senat wollen derweil mit einem milliardenschweren Konjunkturprogramm die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie stemmen. Die meisten Steuerzahler sollen unter anderem einen Scheck über 1.200 US-Dollar bekommen, pro Kind soll es zusätzlich noch 500 US-Dollar geben, wie aus einem am Donnerstagabend (Ortszeit) vorgestellten Gesetzespaket hervorging. Die Maßnahme wäre Teil eines massiven Konjunkturpakets, mit dem die Regierung rund eine Billion Dollar (900 Milliarden Euro) in die Wirtschaft pumpen will.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagenturen afp und dpa

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