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Haiti: Frau des erschossenen Präsidenten spricht über Mordnacht

"Sie dachten, dass ich tot bin"  

Frau des erschossenen Präsidenten Haitis spricht über Mordnacht

30.07.2021, 17:28 Uhr | t-online, AFP, dpa

Haiti: Frau des erschossenen Präsidenten spricht über Mordnacht. Martine Moïse steht am Sarg ihres Mannes: Wer ist das "Mastermind" hinter dem Angriff? (Quelle: dpa/Matias Delacroix)

Martine Moïse steht am Sarg ihres Mannes: Wer ist das "Mastermind" hinter dem Angriff? (Quelle: Matias Delacroix/dpa)

Anfang Juli hat ein Killerkommando den Präsidenten Haitis in seinem Haus erschossen. Seine Frau war im selben Zimmer. Jetzt berichtet sie das erste Mal von der Mordnacht – und fordert Antworten. 

Angeschossen, den Mund voll Blut lag Martine Moïse auf dem Boden, als die Angreifer ihren Mann, Haitis Präsident Jovenel Moïse, ermordeten. Zum ersten Mal sprach die Witwe nun mit der "New York Times" über die Mordnacht. Laut der amerikanischen Zeitung wollte sie darüber sprechen, weil sie nicht glaubte, dass die bisherigen Ermittlungen die zentrale Frage tatsächlich beantwortet haben: Wer hat die Ermordung ihres Mannes bezahlt und in Auftrag gegeben?

Haitis Präsident Jovenel Moïse war in der Nacht zum 7. Juli in seinem Haus in der Hauptstadt Port-au-Prince von einer schwer bewaffneten Kommandotruppe überfallen und erschossen worden. Nach Polizeiangaben gehörten "26 Kolumbianer und zwei US-Bürger haitianischer Herkunft" zu dem Kommando. Demnach handelt es sich bei den Beteiligten unter anderem um kolumbianische Söldner, einen haitianischer Arzt, der in den USA wohnte, und einen Ex-Funktionär des haitianischen Justizministeriums. Mehr als 20 Menschen wurden seither festgenommen. 

Martine Moïse glaube jedoch nicht, dass dies auch die Männer seien, die den Mord tatsächlich in Auftrag gegeben haben. Sie fordert im Gespräch mit der "New York Times", dass jetzt das "Mastermind" hinter dem Angriff gefunden werden müsse. 

Menschen stehen Schlange für Essen: Die Sicherheitslage in Haiti ist instabil. (Quelle: AP/dpa/Fernando Llano)Menschen stehen Schlange für Essen: Die Sicherheitslage in Haiti ist instabil. (Quelle: Fernando Llano/AP/dpa)

Der Mord stürzte den Karibikstaat in eine noch tiefere Krise

Gegenüber der amerikanischen Zeitung beschreibt die 47-Jährige ihren großen Schmerz – und stellt die Frage in den Raum, warum keiner der zahlreichen Männer, die für die Sicherheit ihres Mannes zuständig waren, bei dem Angriff erschossen oder verletzt wurden. Die Angreifer hätten rasch und scheinbar ungehindert in das Gebäude eindringen können, berichtet Moïse. Am vergangenen Dienstag hat die Polizei den Sicherheitschef des ermordeten Präsidenten festgenommen, da dieser möglicherweise in die Verschwörung zum Präsidentenmord verwickelt sei. 

Zunächst sei sie am Arm getroffen worden, bevor ihr Mann erschossen wurde, berichtet Martine Moïse. "Als sie gingen, dachten sie, dass ich tot bin", sagt Moïse über die Angreifer. Sie denke nun darüber nach, selbst bei der Präsidentschaftswahl anzutreten. Einen Übergangspräsidenten gibt es seit der Ermordung noch nicht.

Haiti hat kein arbeitsfähiges Parlament und nur eine Handvoll gewählter Senatoren. Der Mord stürzte den ohnehin von Instabilität und großer Armut geprägten Karibikstaat in eine noch tiefere Krise. Moïse hatte Haiti zuletzt per Dekret regiert, nachdem eine für 2018 geplante Parlamentswahl unter anderem wegen Protesten gegen ihn verschoben worden war.

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