Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Putin-Gegner Nawalny ein Jahr in Haft: Der Kampf geht weiter

Von dpa
Aktualisiert am 17.01.2022Lesedauer: 4 Min.
Alexej Nawalny ist wÀhrend einer Gerichtsverhandlung per Video aus dem GefÀngnis zugeschaltet.
Alexej Nawalny ist wÀhrend einer Gerichtsverhandlung per Video aus dem GefÀngnis zugeschaltet. (Quelle: Evgeny Feldman/Meduza/AP/dpa./dpa)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo

Moskau (dpa) – Alexej Nawalny zeigt sich auch ein Jahr nach seiner vom Westen scharf verurteilten Festnahme auf einem Moskauer Flughafen ungebrochen und kĂ€mpferisch.

Bei Instagram kommuniziert der Gegner des russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin aus dem Straflager mit der Außenwelt - ĂŒber Botschaften, die er AnwĂ€lten und Besuchern mitgibt. So erklĂ€rt der 45-JĂ€hrige da zu einem Bild mit seiner Frau Julia am Montag, dass es wichtig fĂŒr ihn sei, vor sich selbst ehrlich zu sein: "Ich bereue es keine Sekunde und mache weiter."

Aus dem Straflager musste Nawalny zusehen, wie die Behörden seine ĂŒber Jahre aufgebaute Anti-Korruptions-Organisation in einer beispiellosen Repressionswelle zerschlugen. Die Internetseiten Nawalnys sind in Russland blockiert. Seine Mitstreiter von einst werden vom Kreml als "Extremisten" und "Terroristen" gebrandmarkt.

Auch Putin behauptete erst unlĂ€ngst wieder, diese KrĂ€fte versuchten, Russland von innen zu zersetzen. Nawalnys Sprecherin Kira Jarmysch konterte bei Twitter, dass Putin selbst das Land zerstöre – durch sein "korruptes Regime" und Machtmissbrauch. Sie bezeichnete den Kremlchef zudem als "Feigling" und "Mörder".

Putin bestreitet VorwĂŒrfe

Putin nutzte seinen Auftritt bei der Jahrespressekonferenz im Dezember auch dazu, um einmal mehr VorwĂŒrfe wegzuwischen, er habe seinen schĂ€rfsten Widersacher im August 2020 vergiften lassen. Der Westen habe bisher keinen Beleg fĂŒr die "angebliche Vergiftung" mit dem chemischen Kampfstoff Nowitschok vorgelegt. "Nichts. Null", sagte Putin, der Nawalny nie beim Namen nennt. Mehrere Labors, darunter eins der Bundeswehr, hatten nach offiziellen Angaben das Nervengift allerdings nachgewiesen.

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
Putins Plan geht auf
Olaf Scholz besichtigt das ehemalige GefĂ€ngnis "Number Four", in dem wĂ€hrend der Apartheid in SĂŒdafrika auch zahlreiche politische Gefangene einsitzen mussten: WĂ€hrend der Afrika-Reise des Kanzlers wird in Deutschland hitzig ĂŒber Waffenlieferungen fĂŒr die Ukraine gestritten.


Anders als Nawalny haben zahlreiche Putin-Gegner Attentate nicht ĂŒberlebt. Der OppositionsfĂŒhrer wirft einem unter Putins Befehl agierenden Kommando des Inlandsgeheimdienstes FSB vor, ihm das Gift in Sibirien verabreicht zu haben. Nawalny brach damals im Flugzeug zusammen. Der Pilot brachte die Maschine in Omsk auf den Boden. Dort wurde der Oppositionelle von RettungskrĂ€ften und in einer Klinik behandelt, bevor eine Sondermaschine aus Deutschland ihn abholte. Sie brachte ihn nach Berlin zur rettenden Behandlung in die CharitĂ©.

Nawalny machte die Namen der mutmaßlichen FSB-AttentĂ€ter öffentlich, recherchierte mit Hilfe von Investigativjournalisten selbst das Verbrechen. Doch die russische Justiz lehnt es bis heute ab, ein Ermittlungsverfahren in dem Fall einzuleiten. Auch Sanktionen des Westens beeindrucken Russland nicht. Dabei hatte die Bundesregierung unter der damaligen Kanzlerin Angela Merkel (CDU), die Nawalny auch in der CharitĂ© besuchte, stets betont, dass sie Russland in der Verantwortung sehe, den Mordanschlag aufzuklĂ€ren.

Nawalny auch Thema bei Baerbock - Besuch in Moskau

Auch fĂŒr die neue Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (GrĂŒne) dĂŒrfte der Fall Nawalny an diesem Dienstag bei ihrem ersten persönlichen Treffen mit ihrem russischen Kollegen Sergej Lawrow in Moskau ein Thema sein. Gehen dĂŒrfte es dabei auch um die international weiter lauten Forderungen nach der Freilassung des politischen Gefangenen.

Die Bilder von Nawalnys Festnahme auf einem Moskauer Flughafen vor einem Jahr, am 17. Januar, gingen um die Welt. Die Maschine war im Landeanflug, als russische Behörden sie angesichts von Tausenden AnhĂ€ngern des Putin-Gegners auf einen anderen Hauptstadt-Airport umleiten ließen, um Nawalny keine BĂŒhne zu geben. Dass der Politiker dann fĂŒr mehrere Jahre in Haft kam, weil er Meldeauflagen in einem anderen Strafverfahren nicht erfĂŒllt haben soll, ist international als politisch motivierte JustizwillkĂŒr verurteilt worden.

Nawalny meinte nun, es sei angesichts drohender weiterer Verfahren unklar, wann er in Freiheit komme. Im ersten Jahr seiner Haft erhielt er mehrere Auszeichnungen, darunter den nach dem russischen FriedensnobelpreistrÀger Andrej Sacharow benannten Menschenrechtspreis des EuropÀischen Parlaments.

Aus der Haft in Pokrow rund 100 Kilometer östlich von Moskau heraus weist Nawalny auf Folter und andere MissstĂ€nde im Straflager-System hin. Der Familienvater beschreibt auch seine Gefangenenarbeit in einer NĂ€hwerkstatt. Und er lĂ€stert etwa ĂŒber das Staatsfernsehen, das offenbar nur Moskaus Forderungen bringe, die Nato möge ihre Osterweiterung einstellen, weil sich Russland in seiner Sicherheit bedroht sehe. Dabei wĂŒrden sich doch gerade die Propagandisten des Kreml selbst ein schönes Leben machen in den Nato-Mitgliedstaaten.

Kritik an "DoppelzĂŒngigkeit"

Nawalny kritisiert eine "DoppelzĂŒngigkeit" russischer Politiker und Meinungsmacher, die zuhause Patriotismus predigten. In Wahrheit seien sie korrupt und bereicherten sich. Sie nutzten Bankkonten und kauften GrundstĂŒcke im Westen, ließen ihre Kinder dort ausbilden und genössen insgesamt liberale Gesellschaften in vollen ZĂŒgen, wĂ€hrend sie in der Heimat Freiheiten zunehmend einschrĂ€nkten. Seit langem fordern der Oppositionelle und seine inzwischen im Ausland aktiven Mitstreiter vom Westen, gegen diese Russen Sanktionen zu verhĂ€ngen – auch gegen die Oligarchen, die das "System Putin" stĂŒtzten.

Gerade erst bedankte der Gefangene sich dafĂŒr, dass der US-Sender CNN bald den Doku-Thriller "Nawalny" des Filmemachers Daniel Roher ausstrahlen wolle. Nawalnys Vertrauter Leonid Wolkow meinte dazu: "Und Putin wird dann sehr bereuen, dass er vor anderthalb Jahren den Befehl zur Vergiftung Nawalnys und vor einem Jahr den Befehl zu seiner Inhaftierung gegeben hat." Ein Millionenpublikum werde den Streifen sehen. Ein Sendedatum gibt es aber noch nicht.

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Neueste Artikel
Alexej NawalnyAnnalena BaerbockInstagramMoskauRusslandSibirienTwitterWladimir Putin
Aktuelles zu den Parteien

Politik international




t-online - Nachrichten fĂŒr Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Ströer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverlÀngerung FestnetzVertragsverlÀngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website