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Treffen der Kriegsparteien - Frieden ist nicht in Sicht

Von dpa
Aktualisiert am 10.03.2022Lesedauer: 4 Min.
Der russische Au├čenminister Sergej Lawrow bei der Pressekonferenz nach dem Treffen in Antalya.
Der russische Au├čenminister Sergej Lawrow bei der Pressekonferenz nach dem Treffen in Antalya. (Quelle: Uncredited/AP/dpa./dpa)
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Antalya (dpa) - Das Interesse am ersten Treffen ranghoher Vertreter der Konfliktparteien zwei Wochen nach Beginn des Ukraine-Kriegs ist riesig.

Aber die Erwartungen an das Gespr├Ąch des ukrainischen Au├čenministers Dmytro Kuleba mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow an diesem Donnerstag im t├╝rkischen Badeort Antalya k├Ânnen niedriger nicht sein. Nach anderthalb Stunden ist klar: Die Chefdiplomaten fahren ohne greifbare Ergebnisse nach Hause.

Statt der von Moskau geforderten Kapitulation gibt es eine Kampfansage aus Kiew. Kein Waffenstillstand. Und auch Fortschritte bei der Einrichtung humanit├Ąrer Korridore an den von russischen Truppen belagerten ukrainischen St├Ądten lassen auf sich warten. Bei getrennten Pressekonferenzen, Journalisten m├╝ssen sich f├╝r eine Seite entscheiden, wird schnell klar, dass ein Frieden nicht in Sicht ist. Lawrow macht der ukrainischen Seite Vorw├╝rfe, Kuleba der russischen. Beide sprechen unaufgeregt und ruhig.

Gespr├Ąch von Putin und Selenskyj nicht ausgeschlossen

Kuleba, der auf eine Krawatte verzichtet, nennt die Gespr├Ąche schwierig. Lawrow beklagt, dass mit der ukrainischen Seite wie immer nur schwer etwas zu vereinbaren sei. Die beiden wollen zwar im Gespr├Ąch bleiben. Auch ein m├Âgliches direktes Gespr├Ąch des ukrainischen Pr├Ąsidenten Wolodymyr Selenskyj mit Kremlchef Wladimir Putin wird nicht ausgeschlossen. Doch ├╝berlassen beide Seiten zu Beginn der dritten Kriegswoche nun erst einmal wieder die Verhandlungen ihren Delegationen in Belarus, die sich dem Vernehmen nach auf ihr viertes Treffen vorbereiten.

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Auch dabei soll es dann wieder um eine Waffenruhe und um Fluchtrouten insbesondere f├╝r die belagerte Hafenstadt Mariupol gehen. Gleich dreimal wird Lawrow von westlichen Journalisten gefragt zu einem international verurteilten Angriff auf eine Geburtsklinik in der Stadt am Asowschen Meer. Er behauptet, Kinder, Frauen und Schwestern seien dort nicht mehr gewesen, sondern nur radikale K├Ąmpfer ukrainischer Nationalisten vom "Bataillon Asow". Der ukrainische Pr├Ąsident Selenskyj weist das sp├Ąter per Video als L├╝ge zur├╝ck.

Kuleba: "Ukraine wird sich nicht ergeben"

"Wir stimmten dar├╝ber ein, die Anstrengungen fortzusetzen, um eine L├Âsung f├╝r die humanit├Ąren Fragen zu suchen", sagt Kuleba in Antalya gefasst. Der 40-J├Ąhrige beklagt, die russische Seite kn├╝pfe eine Waffenruhe an Forderungen, darunter Gebietsabtretungen und einen neutralen Status des Landes. Der Diplomat lehnt dies ab und betont: "Die Ukraine hat sich nicht ergeben, ergibt sich nicht und wird sich nicht ergeben!" Kiew sei bereit f├╝r diplomatische L├Âsungen. "Doch solange es diese nicht gibt, werden wir selbstaufopfernd unser Land, unsere Menschen vor der russischen Aggression verteidigen."

Lawrow weist auf Fragen westlicher Journalisten einmal mehr zur├╝ck, dass Russland die Ukraine ├╝berfallen habe. Er wiederholt die auch von Putin und den vom Kreml gesteuerten Staatsmedien gepflegte Legende, Moskau verteidige im Nachbarland die Interessen der russischsprachigen Bev├Âlkerung und seine eigene Sicherheit. Lawrow spricht zudem lange von der Gefahr biologischer Waffen, mit denen die USA in der Ukraine experimentierten. Washington weist diese Vorw├╝rfe Moskaus zur├╝ck.

Bei den Gespr├Ąchen sei es auch um die Sicherheit atomarer Objekte in der Ukraine gegangen, sagt Kuleba. "Ich sagte ihm, dass vor dem Eintreffen russischer Soldaten auf dem Gebiet der Ukraine alles in Ordnung mit unseren Atomkraftwerken gewesen ist." Kiew sei ein verantwortungsvoller Partner bei der Atomsicherheit. Russische Vorw├╝rfe zu einer geplanten ukrainischen atomaren Aufr├╝stung bezeichnet Kuleba als "L├╝ge".

Russland ziehe sich am besten zur├╝ck - bedingungslos, dann werde alles gut, sagt Kuleba. Die Russen aber werden bleiben, wie Lawrow betont. Die milit├Ąrische "Spezial-Operation", die in Russland nicht Krieg genannt werden soll, laufe nach Plan.

T├╝rkischer Au├čenminister sichtlich zufrieden

Am Ende kann nur die T├╝rkei f├╝r sich einen Erfolg verbuchen, es geschafft zu haben, die Kriegsparteien zusammenzubringen. Das t├╝rkische Staatsfernsehen zeigt den sichtlich zufriedenen Au├čenminister Mevl├╝t Cavusoglu als Gastgeber an den U-f├Ârmig angeordneten Tischen. Lawrow und Kuleba sitzen sich direkt gegen├╝ber, Cavusoglu dazwischen. Vor und nach den Gespr├Ąchen wollen die beiden G├Ąste gemeinsame Bilder offenbar vermeiden.

Das Nato-Land T├╝rkei mit Seegrenzen zu beiden L├Ąndern im Schwarzen Meer hat sich immer wieder als Vermittler in dem Konflikt angeboten. Ankara pflegt sowohl enge Beziehungen zu Moskau als auch zu Kiew. Pr├Ąsident Recep Tayyip Erdogan hat den Einmarsch Russlands zwar scharf kritisiert, aber immer auch betont, keinen der Partner aufgeben zu wollen. Und die T├╝rkei beteiligt sich zur Freude Russlands nicht an westlichen Sanktionen gegen die Rohstoffgro├čmacht.

Dass das erste Treffen auf dieser Ebene nun tats├Ąchlich die T├╝rkei f├╝r sich verzeichnet, d├╝rfte Erdogan f├╝r sich und seine Regierung als diplomatischen Erfolg verbuchen k├Ânnen. Es habe 40 Telefonate seinerseits und 19 von Seiten Erdogans gebraucht, um das hinzukriegen, lie├č Cavusoglu wissen.

US-Pr├Ąsident Joe Biden w├╝rdigte die Vermittlungsversuche der T├╝rkei zwischen Moskau und Kiew. "Der Pr├Ąsident ist sehr dankbar f├╝r die Rolle, die die T├╝rkei spielt", sagte die Sprecherin des Wei├čen Hauses, Jen Psaki, nach einem Telefonat zwischen Biden und seinem t├╝rkischen Kollegen Recep Tayyip Erdogan am Donnerstag. Beide h├Ątten "ihre nachdr├╝ckliche Unterst├╝tzung" f├╝r die Ukraine bekr├Ąftigt und die Notwendigkeit eines sofortigen Endes der russischen Aggression betont, so das Wei├če Haus weiter.

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