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Ukraine-Krieg: Das würden die Verluste für Putins Kriegsführung bedeuten


Das würden die Verluste für Putins Kriegsführung bedeuten

Von Nilofar Eschborn

Aktualisiert am 22.03.2022Lesedauer: 4 Min.
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Ukraine-Krieg: In Charkiw hat das ukrainische Militär Kampfhubschrauber abgewehrt. Die Stadt Isjum ist von der Außenwelt abgeschnitten. (Quelle: t-online)
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Die Angaben zu russischen Todesopfern im Ukraine-Krieg gehen stark auseinander. Der ukrainische Präsident spricht von 14.000, der Kreml schweigt. Nun könnte ein kurzzeitig veröffentlichter Bericht Konsequenzen haben.

Am Sonntag sorgte ein Online-Artikel der kremlnahen russischen Zeitung "Komsomolskaja Prawda" für Aufsehen. Unter Berufung auf das Verteidigungsministerium war darin von 9.861 russischen Soldaten die Rede, die seit Kriegsbeginn in der Ukraine ums Leben gekommen sein sollen. Nur wenige Stunden später war die entsprechende Passage aus dem Artikel verschwunden. Die Erklärung der Zeitung: Es müsse sich um einen Hackerangriff gehandelt haben, die Meldung sei falsch. Hier lesen Sie mehr dazu.

Die Veröffentlichung dieser hohen Zahl ist ungewöhnlich: Bislang halten sich die russischen Behörden bedeckt. Lediglich am 2. März wurde offiziell der Tod von 498 russischen Soldaten bestätigt – doch auch von dieser Zahl ist in russischen Medien aktuell keine Spur mehr.

Ist die Zahl falsch? Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben nur schwer. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach am Sonntag von 14.000 getöteten russischen Soldaten. US-Geheimdienste gingen in der vergangenen Woche von mehr als 7.000 Todesopfern aus, zwei- bis dreimal so viele russische Soldaten seien verletzt. Das berichtete die "New York Times" – und verwies darauf, dass Russland damit schon mehr Soldaten im Ukraine-Krieg verloren habe als die USA in mehr als 20 Jahren Irak- und Afghanistan-Krieg.

Angenommen, die Zahl der getöteten und verletzten russischen Soldaten geht tatsächlich in die Zehntausende: Was würde das strategisch für Russland bedeuten?

Sinkende Kampfeffektivität

Nach Angaben der "New York Times" befinden sich derzeit mehr als 150.000 russische Soldaten im Einsatz in der Ukraine. Dabei sei eine Kampfeinheit, so zitiert das Medium das Pentagon, bereits bei einer Opferrate von zehn Prozent kampfunfähig. Schenkt man den US-Angaben zu Toten und Verletzten Glauben, wäre diese Rate also bereits überschritten.

Eine Recherche des US-Magazins "Foreign Policy" geht hingegen von einer Truppenstärke von 190.000 russischen Soldaten aus. Aber auch dann würde es kritisch um die Kampffähigkeit Russlands stehen. Im Gespräch mit t-online erklärt der Militärexperte Gustav Gressel: "Die entscheidende Frage ist, wie Russland nun seine unverwundeten Streitkräfte verteilt." Nicht allen Bataillonen seien kämpferische Aufgaben zugeschrieben. Beispielsweise sei also ein Ausgleich der Verluste in Kampfeinheiten mit Verschiebungen aus logistischen Einheiten denkbar.

Beerdigung von vier gefallenen ukrainischen Soldaten in Lwiw: Wie der Kreml mit getöteten russischen Soldaten umgeht, ist unklar.
Beerdigung von vier gefallenen ukrainischen Soldaten in Lwiw: Wie der Kreml mit getöteten russischen Soldaten umgeht, ist unklar. (Quelle: Carol Guzy/ZUMA Press Wire/dpa-bilder)

Unter den Todesopfern auf russischer Seite sollen sich allerdings auch Generalmajore befinden. Mindestens fünf von insgesamt 20 sollen bereits gefallen sein, was die Koordination von Putins Truppen zusätzlich erschwert. Als mögliche Gründe für den Frontaufenthalt der Offiziere nennt "Foreign Policy" mangelnde Disziplin unter den russischen Soldaten sowie Kommunikationsprobleme. Mehr dazu lesen Sie hier.

Schwächelnde Moral

Schon lange gibt es Berichte darüber, dass russische Soldaten ihre Militärfahrzeuge freiwillig verlassen und flüchten würden. Auch die US-Geheimdienste haben entsprechende Informationen. Könnte der kurzzeitig veröffentlichte Bericht von "Komsomolskaja Prawda" zu fast 10.000 toten russischen Soldaten die Motivation jener Kameraden nun zusätzlich schwächen, die sich aktuell noch im Einsatz in der Ukraine befinden? Gressel sagt: "Dafür war der Bericht nicht lang genug online."

Ein kritischer Moment werde sein, wenn die verwundeten russischen Soldaten nach Hause zurückkehren und von ihren Erlebnissen berichten – das werde allerdings noch mehrere Wochen dauern. "Die Ärzte werden bestimmt dazu angehalten, die Heimverlegung verwundeter Russen zu verzögern. Erst Mitte oder Ende April könnte eine Versorgungsgrenze erreicht sein."

Nach Angaben des ukrainischen Generalstabes kämpfen die russischen Einheiten mit einer weiteren Herausforderung: Ihnen gehen die Munitions- und Lebensmittelvorräte aus. Für höchstens drei Tage sollen sie noch reichen, hieß es am Dienstag. Ähnlich sei die Lage bei der Versorgung mit Kraftstoff. Diese Angaben lassen sich allerdings nicht unabhängig überprüfen.

Verstärkung, aber woher?

Gressel zufolge werde sich Russland nun bemühen, die Stärke der eigenen Streitkräfte aufrechtzuerhalten. Dabei könnten ihnen beispielsweise Tschetschenen helfen. Bereits am Donnerstag hatte Tschetscheniens Machthaber Ramsan Kadyrow angekündigt, tausend tschetschenische Freiwillige hätten sich auf den Weg in die Ukraine begeben. Auch aus Syrien sollen dem Kreml zufolge "erfahrene Männer" angereist sein, die angeblich freiwillig und kostenlos an der Seite der Russen kämpfen wollen. Letzteres hält der Militärexperte allerdings für eine Propagandashow seitens Russlands: "Ich habe noch keine Bilder oder Berichte von syrischen Kämpfern gesehen. Substanziell ist da nichts dahinter."

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Verstärkung kann sich der russische Präsident wohl auch von neuen Wehrpflichtigen erhoffen. Wie Gressel erklärt, wird dabei vor allem der 1. April entscheidend sein: "Das ist in Russland ein wichtiger Einberufungstermin, denn da rücken in sehr vielen Armeeverbänden neue Wehrpflichtige ein." Zudem werde auf Wehrpflichtige, die ihren Dienst am 31. März beenden würden, sicherlich großer Druck ausgeübt, ihren Dienst zu verlängern.

Der Kreml schweigt

Egal, ob es um den Rückhalt in der russischen Bevölkerung oder um die Motivation eingesetzter oder potenzieller russischer Soldaten geht: Je höher die Verluste des russischen Militärs werden, desto schlechter kann der Kreml sie vertuschen. Und desto wahrscheinlicher wird es schließlich, dass Putins Rückhalt in Russland bröckelt.

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Dennoch hält der Kreml an der Strategie fest, Verluste zu verschweigen. Sowohl die russische Nachrichtenagentur Tass als auch das russische Verteidigungsministerium berichten nur über Erfolge der sogenannten Spezialoperation in der Ukraine. Wenn von Opfern die Rede ist, dann lediglich von jenen auf Seiten der ukrainischen Streitkräfte.

Auf Nachfrage russischer Journalisten, die sich auf die kurzzeitige Veröffentlichung der Zeitung "Komsomolskaja Prawda" bezogen und auf Abweichungen zu der bisher genannten offiziellen Opferzahl hinwiesen, antwortete der Pressesprecher des russischen Präsidenten, Dmitrij Peskow, lediglich: "Nein, ich kann mich nicht dazu äußern." Dem Kreml würden keine aktuellen Informationen über die Opferzahlen vorliegen.

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Verwendete Quellen
  • Eigene Recherche
  • Gespräch mit Gustav Gressel
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Von Patrick Diekmann
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