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Strack-Zimmermann ├Ąrgert sich ├╝ber "Kriegstourismus"-Vorwurf

Von Christian Bartels

Aktualisiert am 20.04.2022Lesedauer: 3 Min.
Marie-Agnes Strack-Zimmermann im Studio des ZDF (Archivbild): Die FDP-Politikerin beanstandete fehlende Unterst├╝tzung aus dem Kanzleramt bei ihrer Ukraine-Reise.
Marie-Agnes Strack-Zimmermann im Studio des ZDF (Archivbild): Die FDP-Politikerin beanstandete fehlende Unterst├╝tzung aus dem Kanzleramt bei ihrer Ukraine-Reise. (Quelle: teutopress/imago-images-bilder)
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An Olaf Scholz' j├╝ngsten Aussagen zum Krieg in der Ukraine lie├č die G├Ąsterunde von Markus Lanz kein gutes Haar. Selbst eine Koalitionspartnerin sparte nicht mit Kritik am Kanzler.

FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann ist l├Ąngst zu einem Stammgast bei "Markus Lanz" avanciert. Am sp├Ąten Dienstagabend berichtete sie in der ZDF-Talkshow von der Reise, die sie mit den Bundestagskollegen Hofreiter (Gr├╝ne) und Michael Roth (SPD) vergangene Woche nach Lwiw (Lemberg) f├╝hrte. Aus dem Kanzleramt sei die Fahrt der drei ins Kriegsgebiet nicht gerade unterst├╝tzt worden. Von einer dem Kanzler nahestehenden Person, deren Namen sie nicht nennen wollte, sei gar der Vorwurf "Kriegstourismus" gekommen, sagte Strack-Zimmermann.

Die G├Ąste:

  • Marie-Agnes Strack-Zimmermann, FDP-Politikerin
  • Christian M├Âlling, Deutsche Gesellschaft f├╝r Ausw├Ąrtige Politik
  • Kerstin M├╝nstermann, Journalistin ("Rheinische Post")
  • R├╝diger Freiherr von Fritsch, deutscher Ex-Botschafter in Moskau

Tagesaktueller Aufh├Ąnger der Diskussion war Olaf Scholz' Pressekonferenz am Dienstagabend. Was der Bundeskanzler dort sagte, reiche nicht, war sich die Runde im Studio einig. Strack-Zimmermann balancierte am Rande sch├Ąrferer Kritik am Regierungschef, dessen Koalition sie angeh├Ârt. Einen "H├╝tchenspieler"-Vergleich habe sie nicht auf Scholz bezogen, sondern blo├č auf den Linken-Politiker Gregor Gysi, pr├Ązisierte sie auf Lanz' Nachfrage. Am Auftritt von Scholz sei vor allem das interessant, "was er nicht gesagt hat", etwa das Wort "Panzer". Allerdings deutete die FDP-Politikerin an, dass Deutschland bereits mehr Waffen an die Ukraine liefere, als ├Âffentlich bekannt ist. Details m├╝ssten aber leider streng geheim bleiben.

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M├╝nstermann: Versuch eines rhetorischen Befreiungsschlags

Scholz' "Rumschwurbeln war der Versuch eines rhetorischen Befreiungsschlags", der jedoch nicht gelungen sei, nahm Kerstin M├╝nstermann kein Blatt vor den Mund. Die Hauptstadt-Journalistin der D├╝sseldorfer "Rheinischen Post" diagnostizierte "unsichere Kommunikation", auch wenn sie Scholz zubilligte, von seinem Amtseid geleitet zu sein und Deutschland auf keinen Fall zur Kriegspartei machen zu wollen. Der Bundeskanzler m├╝sse "klarer kommunizieren, was in ihm vorgeht", ├Ąhnlich wie es Vizekanzler Habeck tue. Er sorge sich, dass "seine eigene Partei ihm (...) die Gefolgschaft versagt", analysierte Verteidigungsexperte Christian M├Âlling von der (zu gut einem Viertel vom Bund finanzierten) Deutschen Gesellschaft f├╝r Ausw├Ąrtige Politik.

Ehemaliger Botschafter: Stellen uns in schlechtes Licht

Der Moskauer Ex-Botschafter R├╝diger von Fritsch bedauerte, "dass wir einmal mehr uns in ein so schlechtes Licht stellen". Dabei leiste Deutschland viel f├╝r die Ukraine und habe das schon fr├╝her getan, beispielsweise f├╝r den weiteren Gastransfer durch die Ukraine trotz der Nord-Stream-Pipelines gesorgt. Zwar habe er in seiner Amtszeit ÔÇô von 2014 bis zum Ruhestand 2019 ÔÇô aus jeder Partei au├čer von den Gr├╝nen Besucher gehabt, die versucht h├Ątten, die Russlandpolitik "weichzusp├╝len". Doch sei die deutsche Politik nicht so falsch gewesen, wie sie inzwischen oft dargestellt werde: "Putin hat das Schachbrett umgeworfen, aber damit sind weder unsere vergangenen Z├╝ge noch die Spielregeln falsch geworden."

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Energiepolitisch habe Deutschland sich "nicht von Russland abh├Ąngig gemacht, sondern vom Gas", und zwar durch die Energiewende, argumentierte der fr├╝here Diplomat. Nach dem beschlossenen Aus f├╝r Atomkraft und Kohleenergie habe es nur noch die Alternative gegeben, Gas von autokratisch bis diktatorisch regierten Staaten wie Russland oder dem Iran zu kaufen, oder aber das klimasch├Ądlich erzeugte Fracking-Gas.

M├Âlling: Warnungen vor Russland kamen fr├╝h

Seit der Krim-Annexion 2014 sei Experten wie ihm klar gewesen, dass Russland nicht aufh├Âren w├╝rde, den Westen mit allen Mitteln zu destabilisieren, warf M├Âlling ein. Warum die Mehrheit der Experten bei deutschen Regierenden nicht durchdrang, blieb offen. Im Verlauf litt die lebhafte Diskussion darunter, dass alle im Studio sich weitgehend einig waren und in Abwesenheit von Vertretern der z├Âgernden Scholz-Position diese zu analysieren versuchten.

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Zumindest wurde deutlich, dass f├╝r Optimismus wenig Anlass besteht. Falls bei der Stichwahl in Frankreich am kommenden Wochenende Marine Le Pen gewinnen sollte, "dann hat auch Putin gewonnen", sagte M├╝nstermann. Der Westen und ganz besonders die Europ├Ąer m├╝ssten zusammenstehen, "weil wir nicht wissen, wer in zwei Jahren im Wei├čen Haus regiert", erg├Ąnzte sp├Ąter von Fritsch. Er wies zudem darauf hin, dass wichtige nichteurop├Ąische Staaten wie Indien und Israel Russland keineswegs boykottieren. Deutschland m├╝sse sich auf einen l├Ąngeren Konflikt einstellen, der "Wochen, Monate, Jahre" dauern k├Ânne, sagte M├Âlling, der ├╝berdies Zukunftsszenarien skizzierte, denen zufolge der Westen Russland helfen m├╝sste, nicht zu "implodieren". S├Ąmtliche Szenarien werden "uns alle viel Geld kosten", prognostizierte der Experte.

Und wie lange wird die deutsche Bev├Âlkerung den wirtschaftlichen Preis, der sich bereits in der hohen Inflation niederschl├Ągt, daf├╝r zahlen wollen? Das fragte Moderator Lanz, der aber zumindest f├╝r seine Zwecke einen optimistischen Dreh fand: "Wir werden ├╝ber den Zustand dieser Koalition hier noch eine ganze Weile sprechen", schloss er. Hei├čt: An Gespr├Ąchsstoff wird es k├╝nftigen Talkshows nicht mangeln.

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Von Miriam Hollstein, Daniel M├╝tzel
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