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Krieg gegen die Ukraine: So ist die Lage

Von dpa
Aktualisiert am 16.05.2022Lesedauer: 4 Min.
Ukrainische Soldaten patrouillieren in einem kĂŒrzlich zurĂŒckeroberten Dorf nördlich von Charkiw in der Ostukraine.
Ukrainische Soldaten patrouillieren in einem kĂŒrzlich zurĂŒckeroberten Dorf nördlich von Charkiw in der Ostukraine. (Quelle: Mstyslav Chernov/AP/dpa./dpa)
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Kiew (dpa) - Nach wochenlanger Blockade haben gut 260 ukrainische Soldaten nach Behördenangaben das Asow-Stahlwerk in Mariupol verlassen.

Sie sollen in von russischen Truppen besetztes Gebiet gebracht werden und spĂ€ter in einem Gefangenenaustausch zurĂŒckkehren, wie der ukrainische Generalstab bei Facebook mitteilte.

Kiew meldet Vernichtung russischer Depots

Das ukrainische MilitĂ€r hat nach eigenen Angaben russische Angriffsversuche im Osten des Landes weitgehend gestoppt und mehrere Munitionslager zerstört. "Durch den Beschuss feindlicher Depots, die in der Stadt Isjum stationiert waren, haben die VerteidigungskrĂ€fte große MunitionsbestĂ€nde vernichtet", teilte der ukrainische Generalstab in seinem Lagebericht mit.

Den Angaben der Kiewer MilitĂ€rs zufolge wurden russische Angriffe in der ostukrainischen Donbass-Region ĂŒberall abgewehrt. So seien VorstĂ¶ĂŸe Richtung Sjewjerodonezk, Lyman, Bachmut, Kurachowe und Awdijiwka zurĂŒckgeschlagen worden.

Nördlich von Charkiw seien die russischen Truppen zur Verteidigung ĂŒbergegangen und versuchten, den Vormarsch der ukrainischen StreitkrĂ€fte Richtung Grenze zu stoppen. Bei der Kleinstadt Isjum, sĂŒdlich von Charkiw bereiteten die Russen eine neue Offensive vor.

Weiter Beschuss von Mariupol

Mariupol wird dem Bericht nach weiter schwer von Artillerie und Luftwaffe beschossen. "Die Hauptanstrengungen des Feindes in Mariupol zielen auf die Blockade und Vernichtung unserer Einheiten im Werk Azovstal ab", heißt es in dem Bericht.

Das russische Verteidigungsministerium hatte zuvor vom Beginn der Evakuierung des Stahlwerks berichtet. Demnach seien schwer verletzte ukrainische KĂ€mpfer aus der Fabrik gebracht worden. Kiew hat diese Meldungen bislang nicht kommentiert. UnabhĂ€ngig konnten die Angaben beider Seiten nicht ĂŒberprĂŒft werden.

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Bis zur russischen Grenze

Das ukrainische Verteidigungsministerium veröffentlichte ein Video mit einem Dutzend Soldaten neben einem Grenzpfahl in den Nationalfarben Blau und Gelb. Sie gehören den Angaben zufolge zu einer Freiwilligen-Brigade aus der Stadt Charkiw. In einem weiteren im Netz veröffentlichten Videoclip ist zu sehen, wie die Soldaten den Pfahl mitbringen und vor einem Graben mit russischen Grenzschildern platzieren.

Erneut Verletzte nach russischem Raketenangriff bei Odessa

Durch einen russischen Raketenangriff in der NĂ€he der Hafenstadt Odessa im SĂŒden der Ukraine wurde ukrainischen MilitĂ€rangaben zufolge eine touristische Unterkunft zerstört. Das Kommando SĂŒd der ukrainischen StreitkrĂ€fte berichtete am Montag von mindestens drei verletzten Zivilisten. Zudem sei Feuer ausgebrochen. Ziel war demnach eine zuvor schon angegriffene und beschĂ€digte BrĂŒcke ĂŒber der MĂŒndung des Flusses Dnister. Von russischer Seite gab es zunĂ€chst keine BestĂ€tigung.

Britische Geheimdienste: Belarus bindet ukrainische KrÀfte

Belarus wird nach EinschĂ€tzung britischer Geheimdienste mit der Stationierung von Truppen an der Grenze zur Ukraine vermutlich militĂ€rische KrĂ€fte des Nachbarlands binden. Minsk wolle SpezialkrĂ€fte, Luftabwehr-, Artillerieeinheiten sowie Raketenwerfer zu ÜbungsplĂ€tzen im Westen des Landes schicken, hieß es am Montag in einem Bericht des Verteidigungsministeriums in London. Dies werde "wahrscheinlich ukrainische Truppen binden, so dass sie nicht zur UnterstĂŒtzung im Donbass eingesetzt werden können".

Entgegen anfĂ€nglicher Spekulationen seien belarussische Truppen bislang nicht in Kampfhandlungen verwickelt, so der Bericht. Das dortige Territorium sei aber als Ausgangspunkt fĂŒr russische VorstĂ¶ĂŸe auf Kiew und Tschernihiw sowie fĂŒr LuftschlĂ€ge genutzt worden. PrĂ€sident Alexander Lukaschenko wĂ€ge wohl ab zwischen der UnterstĂŒtzung Russlands und dem Wunsch, eine direkte militĂ€rische Verwicklung zu vermeiden. Eine solche Verwicklung könnte weitere Sanktionen des Westens, VergeltungsschlĂ€ge aus der Ukraine sowie Unzufriedenheit im eigenen MilitĂ€r mit sich bringen.

EU-Außenminister bewilligen Geld fĂŒr Waffenlieferungen

Die Außenminister der EU-Staaten bewilligten derweil weitere 500 Millionen Euro fĂŒr die Lieferung von Waffen und AusrĂŒstung an die ukrainischen StreitkrĂ€fte. Das kĂŒndigte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell am Abend nach einem Treffen mit den Ministern in BrĂŒssel an. Damit erhöhen sich die fĂŒr die Ukraine zur VerfĂŒgung stehenden EU-Mittel fĂŒr MilitĂ€rhilfe auf zwei Milliarden Euro.

Ein erstes Paket ĂŒber 500 Millionen Euro war bereits Ende Februar bewilligt worden, zwei weitere folgten dann im MĂ€rz und April. Mit den Geldern werden laut EU-Angaben etwa persönliche SchutzausrĂŒstung, Treibstoff, aber auch Waffen zur Verteidigung finanziert. Mit den weiteren 500 Millionen Euro solle nach Angaben von Borrell unter anderem ArtilleriegeschĂŒtze und Panzerfahrzeuge zur VerfĂŒgung gestellt werden.

Gouverneur: Ukraine kontrolliert zehn Prozent von Luhansk

Ungeachtet schwerer russischer Angriffe kontrolliert die ukrainische Armee nach Angaben des regionalen Gouverneurs weiter rund zehn Prozent des ostukrainischen Gebiets Luhansk. Insbesondere die Außenbezirke der StĂ€dte Rubischne, Sjewjerodonezk und Lyssytschansk hĂ€tten die Russen bislang nicht einnehmen können, betonte Serhij Hajdaj. In der ebenfalls ostukrainischen Region Donezk wurden unterdessen am Sonntag laut der Regionalverwaltung bei russischen Angriffen drei Zivilisten getötet und 13 weitere verletzt.

Ukraine will in Afrika und Asien um UnterstĂŒtzung werben

Selenskyj will vor Parlamenten afrikanischen und asiatischer LĂ€nder sprechen, wie er in seiner tĂ€glichen Videoansprache sagte. In den vergangenen Monaten hatte der ukrainische PrĂ€sident unter anderem bei Parlamentariern in Europa per Videoschalte um UnterstĂŒtzung geworben. Er hoffe unter anderem, dass dies den EU-Beitritt der Ukraine beschleunigen könne. In einer Woche will er sich auch an das Weltwirtschaftsforum in Davos wenden, wo unter anderem ĂŒber den Wiederaufbau nach dem Krieg gesprochen werde.

Ein Ziel sei auch die VerschĂ€rfung der Sanktionen gegen Russland, betonte Selenskyj. "Die Besatzer mĂŒssen den steigenden Preis des Krieges fĂŒr sie stĂ€ndig spĂŒren." Dabei sei das Erdöl-Embargo gegen Russland eine PrioritĂ€t. "Egal wie sehr Moskau versucht, diese Entscheidung zu behindern, die Zeit der AbhĂ€ngigkeit Europas von russischen Energieressourcen geht zu Ende. Und das wird sich auch nicht Ă€ndern", sagte Selenskyj.

Hackerangriff auf Stadtverwaltung von Lwiw

Die Stadtverwaltung der westukrainischen Stadt Lwiw wurde Ziel eines Cyberangriffs mutmaßlich russischer Hacker. Durch die Attacke am Freitag seien einige stĂ€dtische Dienstleitungen nicht mehr verfĂŒgbar gewesen, schrieb Vize-BĂŒrgermeister Andrij Moskalenko bei Facebook. Ein Teil davon sei bis Sonntag wiederhergestellt worden. Die Angreifer hĂ€tten auch Daten der Stadtverwaltung erbeutet, die danach beim Chatdienst Telegram veröffentlicht worden seien, schrieb Moskalenko. Die Ukraine steht schon lange im Visier von Hackergruppen, die von westlichen IT-Sicherheitsexperten dem Umfeld russischer Geheimdienste zugerechnet werden.

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